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All main topics / Bildungswissenschaften / Fachbegriffe aus 33040

1A 33040 Fachbegriffe (1804 Cards)

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Nenne Teildisziplinen der Pädagogik
Allgemeine Pädagogik
Empirische Bildungsforschung
Sozialpädagogik
Schulpädagogik
Erlebnispädagogik
Sonderpädagogik
usw.
2
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Anomie
in der Soziologie ein Zustand fehlender oder schwacher sozialer Normen, Regeln und Ordnung
3
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Affirmation
Bejahung
4
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Arbeitsteilung und Moral
Arbeitsteilung und Moral


Moral = Grundlage der Herstellung gesellschaftlicher Integration

Arbeitsteilung als moralisches Grundprinzip und Basis der sozialen Solidarität

Moral ist das, was der inneren Ökonomie der Gesellschaft nutzt

Arbeitsteilung > stiftet moralischen Zusammenhalt >
Autonomie und Bindung an soziale Gruppe
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Interdependenz
wechselseitige Abhängigkeit
6
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Faktizität
Wirklichkeit, Tatsächlichkeit Gegebnheit
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Nomologie
ein Ansatz der Erklärungen in vormalig genannten Gesetzmäßigkeiten sucht
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deskriptiv
beschreibend
9
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repressiv
einengend, autoritär, knebelnd
10
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restitutiv
wiederherstellend, ausgleichend
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antizipieren
voraus ahnen
12
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Internalisierung
Verinnerlichung von Werten, Normen, Sitten, sozialer Rollen
13
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Peergroup
Gruppe Gleichaltriger, Gleichgestellter
14
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konfligieren
mit etwas in Konflikt geraten
15
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aporetisch
kleingläubig, zweiflerisch
16
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intelligiblen
verstehbar
17
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judiziöse Pädagogik (bei Kant erwähnt)
auf begründeten Urteilen beruhend
18
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Determination
Bestimmung
19
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0
Heteronomie
Fremdbestimmtheit, Gegensatz zur Autonomie
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Stichworte zu Kants Erziehungsanspruch
menschliche Freiheit
Mündigkeit
Wie kann Freiheit bei dem Zwang kultiviert werden
Spannung zwischen Freiheit und Notwendigkeit
Zwang ist nötig...
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Antinomie
Unvereinbarkeit
22
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Theodizee
heißt „Rechtfertigung Gottes“. Warum gibt es Lied in der Welt, wenn Gott allmächtig und gut ist?

‚Theodizee‘ durch  den Philosophen / Aufklärer Gottfried Wilhelm Leibniz erwähnt.
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Phänomenologie
Hegel:
dialektisch entwickelt
erscheinungsformen des Geistes -> gestufte ordnung, die die historisch.dialektische Entwicklung des menschlichen Bewusstseins vertritt

Husserl: Wissenschaft, die von der geistigen Anschauung des Wesens der Gegenstände/Sachverhalte ausgeht = geistig -intuitiv
NICHT rationale Erkenntnis

Der Ausdruck bezeichnet eine erkenntnistheoretische Richtung, die als Ausgangspunkt ihrer Untersuchungen die Phänomene, d. h. die beobachtbaren Sachen als solche wählt. Das Phänomen, die Erscheinung, wird dabei als die betreffende Sache selbst verstanden, also nicht im traditionellen Sinne gedeutet. Traditionell dient Phänomen als Begriff zur Bezeichnung der Erscheinung in Raum und Zeit, der eine transzendente Wirklichkeit zugrunde liegt, die selbst keine zeitliche und räumliche Formung aufweist. Erscheinungen sind Erscheinungen von etwas und verweisen somit auf einen Gegenstand, der seinen Ort jenseits der Erscheinungen hat. Anknüpfend an diese Bedeutung diente der Begriff der Phänomenologie ursprünglich zur Bezeichnung einer Theorie des Scheins, des Scheinbaren, gegenüber der es eine Theorie des Wahren und Wirklichen zu unterscheiden galt. Husserl, mit dessen Namen sich heute der Ausdruck Phänomenologie verbindet, verwendet das Wort dagegen zunächst in einem neutralen Sinne zur Bezeichnung einer deskriptiven Methode.
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Diskurs
These versus Antithese
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Dialektik
Logik
26
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Hermeneutik
Theorie über die Auslegung von Texten
27
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implizit
mit enthalten, aber nicht deutlich gesagt
28
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explizit
deutlich, ausdrücklich
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Didaktik
Theorie des Unterrichts, im weitesten Sinne mit Theorie und Praxis des Lernes+Lehrens = Lehrkunst
30
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Mathetik
Lernkunst
31
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0
Methodik
prak. Verfahren des Lehrens und Lernens
32
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Maeutik
Lehre durch Unterweisung
33
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sokratische Methode
Lehre durch Gespräch oder Selbsterkenntnis
34
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Redunanz
Weischweifigkeit
35
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Heterogenität
Verschiedenartigkeit
36
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empirisch
aus Erfahrungen/ Beobachtungen heraus
37
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0
Paradigma
grundsätzliche Denkweise

Kuhn: konkrete Problemlösung, die die Fachwelt akzeptiert hat
38
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0
Ethos
vom Bewusstsein sittlicher Werte geprägte Gesinnung/ Gesamthaltung
39
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Säkularisiert
Säkularisierung ist der mentale Prozess der Trennung von religion und Staat
40
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0
tradiert
überliefert (vgl. tradition)
41
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0
Intersubjektivität
komplexer Sachverhalt, für mehrere Personen gleichermaßen erkennbar und nachvollziehbar.

z.B. Fahrräder sind nützlich
42
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0
Sinnkategorie
bringt inneren Zusammenhang von Erklären, Zwecksetzen und Selbstbezüglichkeit in den blick
43
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0
positivistisch
nur mittels naturwissenschaftlicher Beobachtungen gefundene Ergebnisse werden akzeptiert

Beschränkungen auf positive Befunde, d. h. Nachweise durch klar definierte Bediungungen
44
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0
inhärent
bez. Umstand, dass manche Eigenschaften notwendig zu bestimmten Sachen gehören
45
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Semantik
Bedeutungslehre - Wissenschaft von der Bedeutung der Zeichen
46
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inhärent
zusammengehörig
47
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interdisziplinär
Fächerübergreifend
48
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Anthropologeme
Grundeigenschaften des Menschen
49
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metaphorisch
Metaphern enthaltend, bildhaft, bildlich
50
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intersubjektiv
komplexer Sachverhalt, wird von mehreren anerkannt
51
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soziokulturell
die Gesellschaft und ihre Kultur betreffend
52
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0
Anthropologie
Wissenschaft vom Menschen und seiner Entwicklung
53
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0
normativ
Maßstab für etwas darstellend
54
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konstitutiv
als wesentliche Bedingung den Bestand von etwas bedingen, Bild der Gesamterscheinung bestimmend.
55
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Individuation
Prozess des Ganzwerdens zu einem Individuum, als etwas Einzigartiges
56
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Genese
Entstehung/Entwicklung
57
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Konsens
Übereinstimmung
58
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0
Komplementarität
Zusammengehörigkeit widersprüchlicher, sich aber ergänzender  Eigenschaften (Merkmale) eines Objektes oder Sachverhaltes.
59
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0
Brisanz
hohe Aktualität
60
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basal
fundamental, grundlegend
61
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Neuhumanistisch
wiedererweckung des Humanismus (friedrich paulsen 1885)
62
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0
säkular
weltlich, profan, kirchlichen Laien zugehörig
63
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0
immanent
in etwas enthalten, innewohnend
64
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0
Indoktrination
Keinen Widerspruch zulassende Erklärung
65
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0
apodiktisch
unwiderlegt, sicher
66
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Euphemisierung
Verschleierung, Verschönerung in der Darstellung
67
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0
sakrosankt
unantastbar
68
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0
akkumulieren
anhäufen, ansammeln, zusammentragen
69
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Distinktion
Abgrenzung von Angehörigen bestimmter sozialer Gruppierungen
70
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0
Struktur (Soziologie)
Größen und gestaltende Kräfte, die zwischen Akteuren vermitteln:
Grundlage sozialen Handelns
begrenzt Kontingenz (Wahlfreiheit beim Handeln)
Ursache für Handlungsmuster und Verteilung von Macht
71
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0
Kontingenz
Wahlfreiheit beim Handeln
Offenheit menschlicher Lebenserfahrungen
72
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0
Nenne Teildisziplinen der Pädagogik
Allgemeine Pädagogik
Empirische Bildungsforschung
Sozialpädagogik
Schulpädagogik
Erlebnispädagogik
Sonderpädagogik
usw.
73
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0
Anomie
in der Soziologie ein Zustand fehlender oder schwacher sozialer Normen, Regeln und Ordnung
74
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0
Affirmation
Bejahung
75
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0
Arbeitsteilung und Moral
Arbeitsteilung und Moral


Moral = Grundlage der Herstellung gesellschaftlicher Integration

Arbeitsteilung als moralisches Grundprinzip und Basis der sozialen Solidarität

Moral ist das, was der inneren Ökonomie der Gesellschaft nutzt

Arbeitsteilung > stiftet moralischen Zusammenhalt >
Autonomie und Bindung an soziale Gruppe
76
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0
Interdependenz
wechselseitige Abhängigkeit
77
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Faktizität
Wirklichkeit, Tatsächlichkeit Gegebnheit
78
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Nomologie
ein Ansatz der Erklärungen in vormalig genannten Gesetzmäßigkeiten sucht
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deskriptiv
beschreibend
80
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repressiv
einengend, autoritär, knebelnd
81
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restitutiv
wiederherstellend, ausgleichend
82
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antizipieren
voraus ahnen
83
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Internalisierung
Verinnerlichung von Werten, Normen, Sitten, sozialer Rollen
84
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0
Peergroup
Gruppe Gleichaltriger, Gleichgestellter
85
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0
konfligieren
mit etwas in Konflikt geraten
86
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0
aporetisch
kleingläubig, zweiflerisch
87
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0
intelligiblen
verstehbar
88
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judiziöse Pädagogik (bei Kant erwähnt)
auf begründeten Urteilen beruhend
89
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0
Determination
Bestimmung
90
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0
Heteronomie
Fremdbestimmtheit, Gegensatz zur Autonomie
91
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0
Stichworte zu Kants Erziehungsanspruch
menschliche Freiheit
Mündigkeit
Wie kann Freiheit bei dem Zwang kultiviert werden
Spannung zwischen Freiheit und Notwendigkeit
Zwang ist nötig...
92
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0
Antinomie
Unvereinbarkeit
93
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0
Theodizee
heißt „Rechtfertigung Gottes“. Warum gibt es Lied in der Welt, wenn Gott allmächtig und gut ist?

‚Theodizee‘ durch  den Philosophen / Aufklärer Gottfried Wilhelm Leibniz erwähnt.
94
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0
Phänomenologie
Hegel:
dialektisch entwickelt
erscheinungsformen des Geistes -> gestufte ordnung, die die historisch.dialektische Entwicklung des menschlichen Bewusstseins vertritt

Husserl: Wissenschaft, die von der geistigen Anschauung des Wesens der Gegenstände/Sachverhalte ausgeht = geistig -intuitiv
NICHT rationale Erkenntnis

Der Ausdruck bezeichnet eine erkenntnistheoretische Richtung, die als Ausgangspunkt ihrer Untersuchungen die Phänomene, d. h. die beobachtbaren Sachen als solche wählt. Das Phänomen, die Erscheinung, wird dabei als die betreffende Sache selbst verstanden, also nicht im traditionellen Sinne gedeutet. Traditionell dient Phänomen als Begriff zur Bezeichnung der Erscheinung in Raum und Zeit, der eine transzendente Wirklichkeit zugrunde liegt, die selbst keine zeitliche und räumliche Formung aufweist. Erscheinungen sind Erscheinungen von etwas und verweisen somit auf einen Gegenstand, der seinen Ort jenseits der Erscheinungen hat. Anknüpfend an diese Bedeutung diente der Begriff der Phänomenologie ursprünglich zur Bezeichnung einer Theorie des Scheins, des Scheinbaren, gegenüber der es eine Theorie des Wahren und Wirklichen zu unterscheiden galt. Husserl, mit dessen Namen sich heute der Ausdruck Phänomenologie verbindet, verwendet das Wort dagegen zunächst in einem neutralen Sinne zur Bezeichnung einer deskriptiven Methode.
95
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Diskurs
These versus Antithese
96
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Dialektik
Logik
97
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Hermeneutik
Theorie über die Auslegung von Texten
98
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implizit
mit enthalten, aber nicht deutlich gesagt
99
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explizit
deutlich, ausdrücklich
100
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Didaktik
Theorie des Unterrichts, im weitesten Sinne mit Theorie und Praxis des Lernes+Lehrens = Lehrkunst
101
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Mathetik
Lernkunst
102
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Methodik
prak. Verfahren des Lehrens und Lernens
103
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0
Maeutik
Lehre durch Unterweisung
104
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sokratische Methode
Lehre durch Gespräch oder Selbsterkenntnis
105
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Redunanz
Weischweifigkeit
106
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0
Heterogenität
Verschiedenartigkeit
107
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0
empirisch
aus Erfahrungen/ Beobachtungen heraus
108
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Paradigma
grundsätzliche Denkweise

Kuhn: konkrete Problemlösung, die die Fachwelt akzeptiert hat
109
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Ethos
vom Bewusstsein sittlicher Werte geprägte Gesinnung/ Gesamthaltung
110
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0
Säkularisiert
Säkularisierung ist der mentale Prozess der Trennung von religion und Staat
111
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0
tradiert
überliefert (vgl. tradition)
112
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0
Intersubjektivität
komplexer Sachverhalt, für mehrere Personen gleichermaßen erkennbar und nachvollziehbar.

z.B. Fahrräder sind nützlich
113
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0
Sinnkategorie
bringt inneren Zusammenhang von Erklären, Zwecksetzen und Selbstbezüglichkeit in den blick
114
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0
positivistisch
nur mittels naturwissenschaftlicher Beobachtungen gefundene Ergebnisse werden akzeptiert

Beschränkungen auf positive Befunde, d. h. Nachweise durch klar definierte Bediungungen
115
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0
inhärent
bez. Umstand, dass manche Eigenschaften notwendig zu bestimmten Sachen gehören
116
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0
Semantik
Bedeutungslehre - Wissenschaft von der Bedeutung der Zeichen
117
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0
inhärent
zusammengehörig
118
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0
interdisziplinär
Fächerübergreifend
119
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0
Anthropologeme
Grundeigenschaften des Menschen
120
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0
metaphorisch
Metaphern enthaltend, bildhaft, bildlich
121
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intersubjektiv
komplexer Sachverhalt, wird von mehreren anerkannt
122
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soziokulturell
die Gesellschaft und ihre Kultur betreffend
123
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0
Anthropologie
Wissenschaft vom Menschen und seiner Entwicklung
124
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0
normativ
Maßstab für etwas darstellend
125
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konstitutiv
als wesentliche Bedingung den Bestand von etwas bedingen, Bild der Gesamterscheinung bestimmend.
126
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Individuation
Prozess des Ganzwerdens zu einem Individuum, als etwas Einzigartiges
127
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0
Genese
Entstehung/Entwicklung
128
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0
Konsens
Übereinstimmung
129
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0
Komplementarität
Zusammengehörigkeit widersprüchlicher, sich aber ergänzender  Eigenschaften (Merkmale) eines Objektes oder Sachverhaltes.
130
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0
Brisanz
hohe Aktualität
131
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basal
fundamental, grundlegend
132
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Neuhumanistisch
wiedererweckung des Humanismus (friedrich paulsen 1885)
133
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0
säkular
weltlich, profan, kirchlichen Laien zugehörig
134
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0
immanent
in etwas enthalten, innewohnend
135
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0
Indoktrination
Keinen Widerspruch zulassende Erklärung
136
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0
apodiktisch
unwiderlegt, sicher
137
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Euphemisierung
Verschleierung, Verschönerung in der Darstellung
138
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0
sakrosankt
unantastbar
139
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akkumulieren
anhäufen, ansammeln, zusammentragen
140
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Distinktion
Abgrenzung von Angehörigen bestimmter sozialer Gruppierungen
141
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Struktur (Soziologie)
Größen und gestaltende Kräfte, die zwischen Akteuren vermitteln:
Grundlage sozialen Handelns
begrenzt Kontingenz (Wahlfreiheit beim Handeln)
Ursache für Handlungsmuster und Verteilung von Macht
142
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Kontingenz
Wahlfreiheit beim Handeln
Offenheit menschlicher Lebenserfahrungen
143
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Der Grundbegriff Bildung

Bildung ist ein sprachlich, kulturell und historisch bedingter Begriff mit einer sehr komplexen Bedeutung.
Es ist schwierig bzw. nicht möglich, eine präzise oder gar einheitliche Definition des Bildungsbegriffs zu finden.
Am ehesten treffen auf Bildung folgende Aussagen zu:

1. Bildung ist ein lebenslanger Entwicklungsprozess des Menschen, ein aktiver, komplexer und nie abgeschlossener Prozess

2. Bildung kann nicht von außen „hergestellt“ werden sondern ist ein innerer Prozess,
der bei jedem Menschen individuell verläuft

3. Bildung entfaltet und erweitert die geistigen, kulturellen und lebenspraktischen Fähigkeiten des Menschen sowie seine persönlichen und sozialen Kompetenzen

4. Bildung ist auch Urteilsvermögen, kritische Haltung und Reflexion;
Erkenntnisse statt bloßer Kenntnisse und Wissen

5. Bildung erweitert den Horizont und fordert einen reflektierten Umgang mit sich selbst, den anderen und der Welt;
dient der Identitätsbildung

6. Bildung ist Zweck an sich selbst und
darf nicht zu ökonomischen Zwecken missbraucht werden
144
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Auflösungsprozess der Bildung
Nietzsche 1872 kritisiert die Tendenzen zur Verminderung und zur Erweiterung von Bildung. Aus letzterem folgt, dass Bildung nur noch auf nationalökonomische Interessen und Zwecke des Erwerbslebens beschränkt wird.

Aktuell: Effiziensrationalität der Beschleunigung von Bildung und die Orientierung am Kompetenzbegriff machen Bildungsprozesse fraglich.
145
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0
Kompetenzorientierung in der Bildung z.B. als Reaktion auf Pisa ....Kritikpunkte
Es werden Kompetenzen festgelegt, die innerhalb bestimmter Zeitspannen zu erreichen sind. Durch diese Bildungsstandards sollen die Fortschritte evaluierbar sein.


Aber Beschleunigung vermeidet/verringert Phasen der Reflexion, welche dringend notwendig sind.

Ausrichtungen an Kompetenzen folgen der Effizienz und der gesellschaftlichen Nützlichkeit.

Die Lösung für bessere "Bildung" (nichtwissenschaftliche Bezeichnung) Standards und Tests....

Bildungssystem wird produktorientiert und folgt wirtschaftlichen Kriterien....

IST DAS NOCH BILDUNG???
146
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M. Foucault Technologien aus sich selbst 2007 Verkehrung der Selbstsorge
Moderne Gesellschaften stellen die Fähigkeit Probleme zu lösen in den Vordergrund, um eine befriedigende Lebensführung in wirtschaftlicher und persönlicher Sicht zu erreichen.

Der Mensch übernimmt diese Zielorientierung und fügt sich so unter die Kontrolle der Regierung."Gouvernmentalität"

Folge: während im eigentlichen Bildungsbegriff der Mensch das Subjekt der Sorge und der Aufklärung ist, wird er nun zum "Humankapital, zum Objekt politsich-ökonomisch geplanter Qualifikationsbemühungen.

Das Selbst konstituiert sich nicht mehr in der reflexiven Sorge um sich selbst, sondern vorrangig durch Prozesse der Anpassung.
147
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0
Ökonomisierung des Bildungsbegriffs beinhaltet die Gefahr...
... der Verkürzung des Bildungsbegriffs auf Nutzkalküle, geprägt durch betriebswirtschaftliche Denk- und Handlungsmuster.

Wissenschaftlich könnte der Raum verloren gehen handlungsentlastet über die Möglichkeiten und Grenzen zu forschen und zu reflektieren...
148
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Warum 6 Momente für Bildung
Die 6 Momente der Bildung sollen die Motive für Bildung aufzeigen. Sie sollen erklären, warum es um MündigkeitSelbst- und Weltgestaltung geht, und zeigen dass Lebensführung, Lebensgestaltung automatisch zur Bildung gehören.
149
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1. Bildung ist nicht Ausbildung
der Mensch wird nicht gebildet, er bildet sich aus! ( durch reflexive Auseinandersetzung mit sich selbst, der Welt und in den wechselseitigen Bezügen zu anderen Menschen und Kulturen)

Bildung bewirkt: in uns ruhende Möglichkeiten zu aktivieren, eine bestimmte Haltung zur Welt einzunehmen..unser Leben nach vernünftigen Gesichtspunkten zu führen.

Wir üben ein fragendes denken, durchdenken Probleme gemeinsam und das Existentielle schwingt im Bildungsgedanken mit.

Für W. von Humboldt ist Bildung die Grundlage für jede gelingende Ausbildung, die sich nicht mit bloßer Anwendung des Gelernten zufrieden gibt, sondern den Anspruch des Mitgestalten stellt.

KRITIK: Die Nutzbarmachung von Bildung und ihre Unterordnung unter wirtschaftliche Aspekte fördern Bildung nicht, sondern verhindern den Selbstzweck von Bildung.

AUSBILDUNG wird nur so wichtig gemacht, weil sie die Verwertbarkeit und den Rückfluss von Humankapital sichern soll.
150
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2. Bildung ist die Sorge um sich
Seid der Antike wird Bildung als Möglichkeit gesehen, an sich selbst arbeiten zu können, somit in der Tradition dessen, was die Sorge um sich selbst genannt wird.

NICHT gemeint ist die egoistische Selbstliebe!

Sondern eine Form der Selbstgestaltung der Achtsamkeit, eine Art Praxis der Freiheit, die mit dem Ziel verbinden ist sich selbst zu regieren und nicht regiert zu werden.
Brecht Lob des Lernens " Du musst die Führung übernehmen"

Bildung als umfassende Reflexion auf die wichtigen Dinge im Leben (Ausbildung nur ein Teil davon)

Kants Wunsch nach "Mündigkeit" ist aktuell -

Bildung ist das Verhältnis zu sich, zu anderen und zur Welt ( Selbst-, Sozial- und Sachbezug)

151
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3. Bildung ist die Suche nach Erkenntnis
Bildung ist ein leidvoller Prozess, nicht bloße Informiertheit und oberflächliche Halbwissenheit.

Bildung meint Wissen und Erkenntnis.

KRITIK: heute wird Bildung mit Spaß und der Erhöhung von Reizen in Verbindung gebracht - leider nicht mehr mit Erhöhung der Aufmerksamkeit!

ABER die Lust und Liebe (Eros) und das Ringen um Verstehen, die Anstrengung sind ein fester Bestandteil von Bildung.
152
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4. Bildung ist ein Sichfremdwerden
Bildung umfasst Transformation an sich selbst: man muss etwas an sich ändern, sich von etwas in Frage stellen lassen. Man muss eine andere Sicht und ein anderes reflexives Selbstverständnis bekommen.

NICHT durch Bildungsprozesse gleich werden!

Bildung ist eine Antwort auf Erfahrung, die wir machen und spielt sich im Zwischenraum von Eigenem und Fremdem ab.

Humboldt sieht das Sichfremdwerden als Voraussetzung für Bildung an, eine Bedingung für Andersdenken und Anders machenkönnen.

Es gibt keine Bedienungsanleitung, man muss es wagen diesen Zwischenraum zu betreten.
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5. Bildung ist Wartenkönnen und eine Verzögerung
Mensch hat Gründe für sein Handeln, nicht bloße Reize! Er antwortet!

Keine funktional ausgebildete Reiz-Reaktionskette!

Weil: Bildung die unmittelbare und kürzeste Verbindung im Denken, Handeln und Urteilen verzögert. Dadurch wird ein Zeitraum für Erfahrung frei!

Diese Verzögerung ermöglicht statt der bloßen Nutzbarmachung - die Frage nach dem Sinn und der Bedeutung.

KRITIK: Heute ist Warten Zeitverschwendung, aber selbst Adorno impliziert zu Bildung ein Wartenkönnen.

ABER: Warten impliziert schauen, die Aufmerksamkeit auf etwas richten, für etwas Sorgen, ist anstrengend aber konstitutiv für Bildungs- und Erfahrungsprozesse.
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6. Bildung als kulturelles Gedächtnis
Bildung bedeutet sich immer mit hier, gestern und morgen gleichzeitig auseinanderzusetzen, weil alles miteinander verwoben ist. Bildung des Menschen ragt über seine Lebenszeit hinaus, ist mit der Geschichte verbunden: was früher richtig war muss heute nicht mehr stimmen.

Kulturgüter helfen als Spiegel: in dem das Fremde im Eigenen und die Vergangenheit in der Gegenwart sichtbar wird.

Es geht nicht um die Anhäufung historischen Wissens, sondern um ein vielseitiges Interesse an den Fragen, die zur Orientierung wichtig sind.

ES geht NICHT um den direkten Nutzen, bei der Auseinandersetzung mit kulturellen Gütern.
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Was meint das "Zwischen" im Bildungsverständnis
3. Legen Sie die Bedeutung des „Zwischen“ im Bildungsverständnis dar!

So wie ich es verstanden habe ist das Zwischen der Übergang vom Bekannten zum Unbekannten. In diesem Übergang findet das Hinterfragen der eigenen Sichtweisen und die Reflexion im Bezug auf das neue Unbekannte statt. Das Zwischen ist also die "Transformationsbrücke" auf der die Änderung des Selbst stattfindet.
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Was ist die Imago-Dei-Lehre?


Die Lehre vom Menschen als Ebenbild Gottes

Die Selbstgestaltung im Spielraum der Imago-Lehre bedeutet, dass sich der Mensch selbst gestalten und selbst bilden soll am Bild Gottes orientiert.

Giovanni della Mirandola interpretiert die Schöpfungsgeschichte so, dass Gott den Menschen die Möglichkeit der freien Lebensgestaltung gibt, und zwar in der Form, als dass er sowohl wie ein Mensch, aber auch wie ein Tier oder sogar wie ein Gott leben kann.

Bildung bedeutet in diesem Zusammenhang die Vorstellung vom Menschen, der die Bestimmung hat, sich und sein Leben selbst zu gestalten.
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5. Welche Bedeutung hat die Genealogie des Bildungsbegriffs für das Verständnis von Bildung?


Durch die historische Herleitung des Begriffes Bildung werden die unterschiedlichen Bedeutungsschichten sichtbar, die bis heute mitschwingen. Der Bildungsbegriff vereint antikes Gedankengut einer freien Lebensführung und der Selbstsorge, christliche Ebenbildlichkeitsvorstellungen im Spannungsverhältnis von Schöpfer und Geschöpf, die neuzeitliche Vorstellung von der Selbstzweckhaftigkeit des Menschen und die inhaltliche Frage nach geeigneten Gegenständen von Bildungsprozessen. Mit dieser Beschreibung wird die Komplexität des Begriffes deutlich, der den Menschen vom frühen Mittelalter bis zum Spätmittelalter lediglich die Welt- und Selbstgestaltung ermöglichen sollte. Im Spätmittelalter wurde erstmals die Forderung nach Bildung für alle Menschen gestellt. Seine pädagogische Bedeutung erlangte er erst im Zuge der Aufklärung und des Neuhumanismus.
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Bildungsverständnis Frankfurter Einsprüche
In den Frankfurter Einsprüchen geht Horkheimer auf den Unterschied zwischen Ausbildung und Bildung ein und beabsichtigt ein Bewusstmachen der Intentionen für die Aufnahme der eigenen Bildung. Es geht ihm um die Unterscheidung zwischen Ausbildung, die wirtschaftlich oder familiär bedingt ausgerichtet auf Titel ist und Bildung, die viel mehr umfasst und will. Sie (die Bildung) wird oftmals angestoßen durch eigene Erfahrungen und Erlebnisse, Zufälle, die Neugier und Forschungsdrang wecken.

Hier wird auf die Begrüßungsrede an die Erstsemester 1952/53 der Frankfurter Universität durch den damaligen Rektor Max Horkheimer Bezug genommen.

Horkheimer weiß, dass viele der neuen Studenten sich durch das Studium auf einen Beruf vorbereiten wollen. Er weist aber noch auf einen anderen Aspekt hin, dass nämlich ein Studium die persönlichen Anlagen entfalten kann; dass Bildung dazu dient, zur Erfüllung der eigenen Bestimmung zu erlangen. Hiermit spricht er die "Aufgabe" von Bildung an, den Menschen zur Freiheit und zu einer mündigen Lebensgestaltung zu führen.
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6 Momente/ Bestimmungen von Bildung

1. Bildung ist nicht Ausbildung
Bildung und der Mensch sind Selbstzweck und dürfen nicht als Mittel missbraucht werden
ist reflexive Auseinandersetzung mit sich selbst, den anderen und der Welt
ist die Grundlage von Ausbildung

2. Bildung ist die Sorge um sich
dient der Selbstgestaltung und –Verwirklichung
ermöglicht ein selbstbestimmtes, mündiges Leben in der Gemeinschaft mit anderen
hat einen Selbst-, Sozial- und Sachbezug

3. Bildung ist die Suche nach Erkenntnis
der Bildungsprozess ist beides: lust- und leidvoll
die Suche nach Erkenntnissen ist mit inneren Widerständen verbunden
diese Widerstände und ihre Überwindung sind fundamentaler Bestandteil von Bildung

4. Bildung ist ein Sichfremdwerden
Bildung geschieht im Zwischen von Eigenem und Fremdem durch neue Erfahrungen
sie erfordert eine Transformation des Selbst- man muss sich einlassen und ändern können und wollen
dieses ist ein Wagnis und erfordert Mut- es gibt keine „Bedienungsanleitung“ für das Leben

5. Bildung ist ein Wartenkönnen und eine Verzögerung
Bildung sucht nach Gründen und Antworten, nicht nach Reaktionen
die Suche danach erfordert Zeit
in dem Moment der Verzögerung, des Wartens liegt die Ressource der Erkenntnis, dem Erfassen von Sinn und Bedeutung

6. Bildung als kulturelles Gedächtnis

Bildung bewahrt Fragen und mögliche Antworten, die für die Gesellschaft wichtig sind und Orientierung bieten können (in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft)
sich der eigenen Geschichtlichkeit bewusst werden
Umgang mit und Interesse an Kulturinhalten
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Entstehung des Bildungsbegriffs

1. Der Begriff Bildung erfuhr während seiner Entwicklung mehrmals einen Bedeutungswandel

2. die Anfänge gehen in die Antike zurück-
am nächsten steht dem deutschen Bildungsbegriff das griechische „paideia“ als Ideal der freien Lebensführung

3. wortgeschichtlich geht der Begriff auf das althochdeutsche „bildunga“ (als Übersetzung von „imaginatio“) und auf das mittelhochdeutsche „bildunge“ der spätmittelalterlichen Mystik zurück;

semantisch- metaphorisch beinhaltet „Bildung“ sowohl das Bilden als Gestaltung als auch die Bildlichkeit (Bild, Abbild, Ebenbild, Gebilde, Nachbildung)

4. Einführung des Begriffs Bildung in die deutsche Sprache durch Meister Eckhart im Spätmittelalter(um 1300) im Geiste der Imago- Dei- Lehre
(der Mensch wird von Gott nach dem Abbild Gottes gebildet)

5. durch Comenius(1592-1670), geprägt durch den Geist der Renaissance und des Humanismus, gelangt Bildung in den Bereich der Pädagogik
      > „Entrohung“ des Menschen,
Bildung für alle Menschen

6. im 18./19. Jh. Im Zeitalter der Aufklärung wird der Begriff säkularisiert und der platonischen Bedeutung angenähert:
Ziel der Bildung ist die menschliche Vervollkommnung, Entfaltung und Ermöglichung eines freien, selbstbestimmten Lebens

KANT "Der Mensch als Zweck an sich selbst" ( kann aus kann aus Kausalverhältnissen heraustreten und mündig und frei sein Leben führen) wird durch Humboldt: " Bildung als Zweck an sich selbst"

7. durch Humboldt(1767-1835) wird Bildung zum „Programm“:
Entwicklung eines mehrgliedrigen Schulsystems
Zugang für alle (unabhängig vom sozialen Stand)
Bildung als Zweck an sich, der nicht für andere Zwecke missbraucht werden darf

8. ab dem 19.Jh. wird Bildung zunehmend funktionalisiert:
nationalökonomische Zwecke treten in den Vordergrund
Bildung dient dem Zweck des Erwerbslebens und wird auf bloßes Bildungswissen und Ausbildung reduziert
Lernprozesse werden zur Optimierung auf ihre ökonomische Verwertbarkeit beschleunigt
damit verliert Bildung heutzutage zunehmend ihren eigentlichen Sinn
161
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Bildung außerhalb der Bildungswissenschaften
kein Grundbegriff

meist als schulische Bildung - Ausbildung benannt
162
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John Deweys kommunikative Interaktionspädagogik
Kurz-Biographie
3 Pkt

geboren 1859 in Burlington/ Vermon
(Charles Darwin veröffentlicht The Origin of Species.)
gestorben 1952 in New York
Explosion von Ivy Mike, der ersten Wasserstoffbombe

Studium: Philosophie und Pädagogik

(Tätigkeiten:
Promotion an der John Hopkins University in Baltimore
Lehre an den Unis von Michigan und Minnesota
Lehrstuhl für Philosophie und Pädagogik, Chicago
Gründung der eigenen Laborschule
Lehrstuhl für Philosophie, New York)


Schwerpunkte: kommunikative Interaktionspädagogik, erfahrungs-basierte Gestaltung von Lehr-Lern-Szenarien, bedeutender Gründer des pädagogischen Pragmatismus
163
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Dewey: Schwerpunkte
3 pkt

kommunikative Interaktionspädagogik

erfahrungsbasierte Gestaltung von Lehr-Lern-Szenarien

bedeutender Gründer des pädagogischen Pragmatismus

164
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occupations
hat keinen richtige Übersetzung ins Deutsche - meint das Gefühl der alten Siedler - bezeichnet fundamentale berufliche Fähigkeiten , die man brauchte um das Land in Besitz zu nehmen.... ein Hauch von Abenteuer, Freiheit, Selbstvertrauen in das eigene tun

to occupy - engagiert mit etwas beschäftigt sein
165
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Dewey:
wichtige Begriffe
4 pkt

Kommunikation

Interaktion

Erfahrung

Forschendes Lernen

Memo: KIEF

166
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Dewey: Interaktion
5 pkt
interaktionen: praktische Handlungen

Differenzierung: sachbezogene und soziale Interaktionsprozesse

sachbezogene Interaktionsprozesse:
bezug: objektive Welt
Nutzen: Erwerb praxisrelevanten Wissens

soziale Interaktionsprozesse:
Vermittlung zwischen dem Menschen und seiner sozialen Welt

Interaktionsprozesse: gemeinsame Sprache als notwendige Voraussetzung zur Abstimmung (gemeinsamer) Handlungen

167
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DEWEY: Rolle der Sprache:
4 pkt
Verständigung und Handlungskoordinierung

Voraussetzung für Interaktionsprozesse

aber: praktische Handlungen bilden die Grundlage für Kommunikation

Wichtig: innerhalb von Interaktionen übernimmt die Kommunikation eine Leistungsfunktion gegenüber den praktischen Handlungen (Stabilität)

168
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DEWEYdirekte/ indirekte Handlungsfolgen:
1, 3, 2  pkt
direkte Handlungsfolgen:
nur die unmittelbar miteinander Handelnden sind betroffen
Privatbereich

indirekte Handlungsfolgen:
darüber hinausgehende Auswirkungen
auch Personen, die nicht unmittelbar beteiligt sind,
spüren die Folgen (öffentlicher Bereich)

Probleme, die dadurch entstehen können,
müssen durch den Staat gelöst werden
(Übertragung auf das System Schule)

169
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DEWEY: Erfahrung:
5 pkt
Erfahrungen:
Resultat von Sachbezogenen und sozialen Interaktionen

primäre Erfahrungen:
Resultat des praktischen Handelns
Fundament für Kommunikations und Reflexionsprozesse

sekundäre Erfahrungen:
Resultat dieser Kommunikations und Reflexionsprozesse
Theorie-Wissen
müssen sich in der Praxis bewähren

Fokus von Dewey Pädagogik:
Handlungen, also nicht das Kognitive

Verlauf der Erfahrung:
Praxis (primäre Erfahrung),
Theorie (sekundäre Erfahrung)
Praxis (Bewährung des Theorie- Wissens)
170
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Deweys Ziel:
3 pkt
ein natürlicher und vernünftiger Erfahrungszusammenhang

primäre und sekundäre Erfahrungen verknüpfen


Konsequenzen für die Schule:
Verknüpfung von praktischen und theoretischen Unterrichtsinhalten
171
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0
JOHN DEWEY:
forschendes Lernen:
6 pkt
kein rein rezeptiver Prozesse.
Inhalte werden nicht nur passiv aufgenommen
kein rein aktiver Prozess

stattdessen: Balance zwischen aktiven und passiven Prozessen

Deweys Anspruch:
Eigenaktivität und Selbstverantwortung
(für den Erfolg des Lernprozesses) des Lernenden steht im Mittelpunkt

umsetzung der kommunikativen und interaktiven Pädagogik in eine konkrete Unterrichtsmethodik

Dewey entwickelte einen prototypischen Ablauf erziehender Unterrichtsprozesse
die verschiedenen Prozesse beeinflussen die Entwicklung und den Erfolg des forschenden Lernens

synonym: erziehender Unterricht = forschender Lernprozess
172
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0
DEWEY:
Die Fünf Säulen des erziehenden Unterrichts:
5+4pkt
1. Praktische Tätigkeit und primäre Erfahrung
2. Das Problem und das reflektierende Denken
3. Tatsachen-Material entdecken und Informationen beschaffen
4. Die Hypothese oder die vermutete Lösung des Problems
5. Die Erprobung und die Überprüfung durch praktisches Handeln

Abfolge: Praxis: Theorie: Praxis

verbindung von
praxisorienterter Interaktion und theorieorientierter Kommunikation
beide Komponenten sind unverzichtbar (Einheit)

Die  Formel learning by doing ist nur eine unzureichende Umschreibung

Erziehung und unterricht werden durch die Verbindung von primärer und sekundärer Erfahrung zusammen gehalten



173
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Beispiele für die 5 Stufen des erziehenden Unterrichts (aus der Laborschule von John Dewey)
5+5+3
John Dewey leitete von 1896 bis 1903 gemeinsam mit seiner Frau einer Laborschule in Chicago
es wurden neue Unterrichtsmethoden erprobt

Thema der Unterrichtseinheit:
Mehlherstellung (Kinder im Alter von 6 bis 8 Jahren)

Vorbereitung: die Bedeutung von Weizen für die Produktion von Brot wurde kommunikativ erarbeitet

1. Stufe: Praktische Tätigkeit und primäre Erfahrung
die Kinder dreschen Weizen und erhalten Weizenkörner
Kinder sammeln praktische Erfahrungen
sie spüren ihre Eigenaktivität
Aufgabe des Lehrers:
indirekte Steuerung der praktischen Handlungsprozesse durch Beeinflussung der situativen Bedingungen
(keine direkten Instruktionen)

2. Stufe
Das Problem und das reflektierende Denken

die Kinder überlegen, wie aus den Weizenkörnern weisses Mehl wird
es ergibt sich für die Kinder ein Reales Problem
dieses Problem muss gelöster werden, ehe weiter Handlungen erfolgen können
Prozess der praktischen Arbeit unterbrochen
die Schüler beginnen mit der Reflexion

3. Stufe: Tatsachen-Material entdecken
In und ausserhalb der Schule suchen die Kinder Informationen,
die helfen können,
das Problem zu lösen
das Problem wird lokalisiert
aus verschiedenen Informationsquellen
(Erfahrungen innerhalb der Gruppe, Bücher, hinweise von Erwachsenen) wird Wissen generiert
(heute: Internetrecherche)
Grundlage für den ersten Lösungsversuch

4. Stufe
Hypothese und vorgeschlagene Lösung des Problems

Der Plan Weizenkörner mit dem Handmörser zerstampfen und zermahlen
Hypothese: unbewiesene Annahme, das Problem lösen zu können (vermutet Lösung)
gemeinsame Entwicklung einer Hypothese: soziale Kommunikation

5. Stufe
Erprobung und Überprüfung durch praktische Handlungen

1. Ergebnis: Das produzierte Mehl ist nicht weiss
es ist relativ grob und enthält braune Teilchen
Das Ergebnis ist noch unbefriedigend
Die Schüler müssen erkennen, was noch fehlt
Konsequenz: neues Problem – neue Lösung (neue Hypothese)

neuen Hypothese:
Das grobe Mehl wird feiner, wenn man es durchsiebt
erneute Erprobung der Praxis:
Das Mehl wird zwar feiner, aber immer noch nicht weiss.
Konsequenz: neue Hypothese

verbesserte Problemlösung:
Bessere Idee: das Mehl durch ein Musselintuch (sog. Käsetuch) sieben
Ergebnis:
Es entsteht am Ende blütenweisses Mehl.tta

Kommentar von John Dewey:
In der Werkstattarbeit und in allen solchen fällen werden die Kinder (in Kommunikationsprozessen) dahin geführt, einen Plan selbst zu entwerfen.
Soweit dies möglich ist, sollen die Kinder den Plan und die Durchführung zuerst geistig durchdenken, reflektieren (und gemeinsam besprechen und berate), bevor der Plan dann praktisch ausgeführt wird.

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DEWEY: Bsp:
1. Stufe:
5 pkt
Praktische Tätigkeit und primäre Erfahrung

die Kinder dreschen Weizen und erhalten Weizenkörner

Kinder sammeln praktische Erfahrungen

sie spüren ihre Eigenaktivität

Aufgabe des Lehrers:
indirekte Steuerung der praktischen Handlungsprozesse durch Beeinflussung der situativen Bedingungen
(keine direkten Instruktionen)
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DEWEY: Bsp:

2. Stufe
6 pkt
Das Problem und das reflektierende Denken

die Kinder überlegen, wie aus den Weizenkörnern weisses Mehl wird

es ergibt sich für die Kinder ein Reales Problem

dieses Problem muss gelöste werden,
ehe weiter Handlungen erfolgen können

Prozess der praktischen Arbeit unterbrochen

die Schüler beginnen mit der Reflexion

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DEWEY: Bsp.:
3. Stufe:
5 pkt
Tatsachen-Material entdecken

In und ausserhalb der Schule suchen die Kinder Informationen,
die helfen können, das Problem zu lösen

das Problem wird lokalisiert

aus verschiedenen Informationsquellen
(Erfahrungen innerhalb der Gruppe, Bücher, hinweise von Erwachsenen) wird Wissen generiert
(heute: Internetrecherche)

Grundlage für den ersten Lösungsversuch
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DEWEY: bsp.:
4. Stufe
4 pkt
Hypothese und vorgeschlagene Lösung des Problems

Der Plan Weizenkörner mit dem Handmörser zerstampfen und zermahlen

Hypothese:
unbewiesene Annahme,
das Problem lösen zu können (vermutet Lösung)

gemeinsame Entwicklung einer Hypothese:
soziale Kommunikation
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DEWEY: Bsp:
5. Stufe
3 pkt
Erprobung und Überprüfung durch praktische Handlungen

1. Ergebnis: Das produzierte Mehl ist nicht weiss
es ist relativ grob und enthält braune Teilchen
Das Ergebnis ist noch unbefriedigend
Die Schüler müssen erkennen, was noch fehlt
Konsequenz: neues Problem – neue Lösung (neue Hypothese)

neuen Hypothese:
Das grobe Mehl wird feiner, wenn man es durchsiebt
erneute Erprobung der Praxis:
Das Mehl wird zwar feiner, aber immer noch nicht weiss.
Konsequenz: neue Hypothese


verbesserte Problemlösung:
Bessere Idee: das Mehl durch ein Musselintuch (sog. Käsetuch) sieben
Ergebnis:
Es entsteht am Ende blütenweisses Mehl.
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DEWEY: Bsp.: Kommentar von John Dewey:
2 pkt

In der Werkstattarbeit und in allen solchen fällen werden die Kinder (in Kommunikationsprozessen) dahin geführt,
einen Plan selbst zu entwerfen.


Soweit dies möglich ist,
sollen die Kinder den Plan und die Durchführung zuerst geistig durchdenken, reflektieren (und gemeinsam besprechen und berate),
bevor der Plan dann praktisch ausgeführt wird.
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John Dewey –Zentrale Aussagen
kommunikative Interaktionspädagogik

-forschendes Lernen:
-Interaktion und Kommunikation
-aktiv-passiver Prozess
-beide Seiten des Lernens müssen ausbalanciert sein
-Lernen geht immer vom Lernenden aus
-Eigenaktivität
-Selbstverantwortung für gelingende soziale Lernprozesse
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Theodor W. Adorno(1903-1969)
Dialektik der Bildung

ADORNO unterzieht den Bildungsbegriff einer scharfen Kritik.
1. Anstatt zur Freiheit und Humanität zu Führen, setzen sich Inhumanität und Herrschaft durch: die Vernunft will über die Natur herrschen, diese rational technisch unterwerfen. (Instrumentelle Vernunft)=> je mehr der Mensch aus der Natur raus kommt, desto mehr herrscht das System über ihn.

2. Ziel der Aufklärung zunächst: Befreiung von Angst und Aberglaube =>Herrschaft über die Natur, auch in wissenschaftlicher Zurichtung. Natur wird zum Gegenstand der Erkenntnis

3. identifizierendes Denken will alles analysieren , ordnen, vermessen, gliedern ...und nichts außerhalb soll es geben.
Die Herrschaft über die Natur wird zugleich die Herrschaft über die Natur des Menschen.

4. Der Mensch wird von der Natur entfremdet

5. Das Denken verarmt, versachlicht... menschliche Erfahrungen verarmen...

6. Kritik an der Aufklärung: scheitern derselben: es wurde Fortschritt durch Vernunft versprochen, aber die menschheit ist dennoch in Unmenschlichkeit verfallen (der Gipfel "Holocaust).

7. Kunst könnte die verlorene Verbindung Mensch-Welt wieder herstellen...stellt das chaotische, vielseitige entgegen der Ordnnung und dem Bekannten...
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Auseinandersetzung Adornos mit Bildung, weil
er nach Ursachen für die krisenhafte politische Situation fragt und sich dafür mit der wechselseitigen Bedingung von Erkenntnisfortschritt und gesellschaftlicher Entwicklung auseinandersetzt.
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Kritik an der Kulturindustrie

1. Totalität und Massenbetrug

2. Produkte sind auf Konsum, auf Massen ausgerichtet

3. Beeinflussung und Manipulation der Menschen;
„Fesselung des Bewusstseins“

4. Bedürfnissteuerung und Nivellierung

5. Bildung und Kunst dienen der Unterhaltung und Zerstreuung

6. Folge:
Verlust des Widerstands, des selbstständigen und kritischen Denkens

7. Anpassung an und Einvernehmlichkeit der Menschen mit diesem Zustand (Sozialisierung) - Flucht vor dem Gedanken an Widerstand

Es gibt nach ADORNO kein Zurück mehr-
die ursprüngliche Bildung ist verloren.

Sie kann nur noch als Antithese, als Kritik zur Halbbildung und kritische Reflexion auf Gesellschaft dienen.
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sozialisierte Halbbildung (aktuell??)
Kulturindiústrie sozialisiert den Menschen, lässt Bedürfnisse und Erwartungen entstehen , dadurch etablieren sich Sehgewohnheiten und standardisierte Wahrnehmungen. Beschleunigung und Wechsel prägen die Spaßkultur und verhindern responsives, verzögerndes Verhalten: der Mensch kann die Welt nicht mehr durchdringen

=> die Bildungsidee ist entleert
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Bildung als einzige Antithese zur Halbbildung
Dadurch bleibt "Bildung" als Kritik existent...
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Grenzen und Folgen einer rationalen zurichtung der Welt
Stichworte instrumentelle Vernunft, identifizierendes Denken, Entfremdung von der Natur....

Inhumanität, Bildungsentleerung, Zweckrationale Bildung
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erkläre Kritik an der Kulturindustrie
in Ihren Beiträgen wird deutlich, was den Kern der Kritik Adornos an der Kulturindustrie ausmacht:
Durch die Verdinglichung von Bildungsgütern sowie ihre Anpassung an Marktmechanismen werden Bildungserfahrungen, als Veränderung des Bewusstseins in der Begegnung und Auseinandersetzung mit dem Fremden, verhindert.

Viele Grüße
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Scheitern bereits in der Bildungsidee verankert, warum?
ursprüngliche Gedanken der Bildung, 6 Momente für Bildung,

keinen bestand mehr- BIldung wir Halbbildung und so unter dem heutigen Zustand zum Scheitern verurteilt


[Was Adorno betrifft, setzt genau hier seine Kritik an:
eine dem wahren Bildungsbegriff entfremdete "Halbbildung" ist entstanden, und sie ist gesellschaftlich anerkannt (-> Kritik an der Kulturindustrie).
Das Ziel von Bildung: Einstellungsänderung gegenüber sich selbst, Mitmenschen und der Welt und: Ermöglichung der Freiheit und Selbstbestimmung im Denken und Handeln wird durch diese Entwicklung verfehlt.]
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Zusammenhang Bildung und Kultur


Sie weist einen Doppelcharakter auf: einerseits "Geisteskultur" als zweckfreie Auseinandersetzung mit der Welt, andererseits "Gestaltung des realen Lebens".

Bildung steht auch für die Aneignung und Auseinandersetzung mit Kultur durch den Einzelnen. Als ein Verhältnis zur Welt, das weder durch Anpassung an die Welt noch durch völlige Distanz bestimmt ist.

Aber da laut Adorno: Kultur zur Massenware wird, in die Geisteskultur abgedriftet wird, ohne den Bezug zum realen Leben zu Erhalten, findet keine Auseinandersetzung zwischen beiden mehr statt. Bildungsentleerung
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Was ist Halbbildung
Unter Halbbildung versteht Adorno nicht den Weg zur Bildung,sondern ihre Auflösung.
Die kritische Haltung des Menschen geht verloren, Bildungsinhalte werden an das Bewusstsein angepasst. Halbgebildete wollen sich nicht mit einer Sache auseinandersetzen, sie wollen Sie nur wissen.
Kultur wird nicht um ihres Inhaltes Willen betrachtet, sondern nur um mitreden zu können und um selbst gesehen zu werden. Damit stillt der Mensch sein Geltungsbedürfnis.
Im Gegensatz zum Ungebildeten ist der Halbgebildete aber nicht mehr in der Lage, ein kritisches Bewusstsein zu entwickeln.

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der halbgebildete
Es geht nur um ökonomische Sicherheiten. Hier geht es um ein immer mehr, was man sich alles kaufen kann. Mein Haus, mein Auto, meine Frau, meine Kinder(Besitz). Das wirkliche Wissen geht verloren. Man genießt Kulturveranstaltungen um gesehen zu werden, um seine Netzwerke zu vergrößern, aus denen man sich dann auch wieder Vorteile erhofft und verschafft. Kinder müssen in der Schule gute Noten hervorbringen, damit sie einen guten Abschluss schaffen und somit eine gute Ausbildung absolvieren(Studium). Hier geht es nicht um wirkliches Wissen sondern möglichst viel in möglichst kurzer Zeit, möglichst schnell der Wirtschaft als Subjekt(Objekt) zur Verfügung zu stehen. Kritik ist unerwünscht. Funktionieren ist die Devise.

LG
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Beschreiben Sie das antinomische Wesen von Bildung


Antinomisch bedeutet „widersprüchlich“. Widersprüchlich ist das Wesen von Bildung, weil Bildung das Versprechen nicht einlöst, das es gibt. Es verspricht Bildung für alle und kann dies doch nicht halten, weil das Proletariat ausgegrenzt wird. Bildung hat die Freiheit und Gleichheit aller zur Voraussetzung und zum Ziel, erreicht über das Bildungsmonopol jedoch nur die, die Gleicher sind als andere.

Bildung ist also nur Halbbildung. Antinomisch ist das Wesen deshalb, weil der Begriff Bildung bei der Berücksichtigung aller Fakten aussagt, dass es Bildung nicht gibt. Bildung ist eine Antithese und die Formel könnte lauten:

wenn: Bildung = Halbbildung
und: Halbbildung ≠ Bildung
gleich: Bildung ≠ Bildung
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aktuelle Bedeutung Adornos

Meiner Meinung nach ist es auch heute noch so, wie Adorno das Problem beschreibt:
Theoretisch ist Bildung für alle und in gleichem Maße möglich. Sieht man aber die Realität, drängen soziale Unterschiede schon viele dazu statt z.B. zu studieren eine Ausbildung anzufangen.
Auf der anderen Seite zeigen sich diejenigen die es "sich leisten können".
Ein Studium gehört dazu,auch wenn man eigentlich keine Lust dazu hat. Immerhin kann man sich hinterher Doktor, Master usw.nennen, was wiederum zu höheren Einnahmen führt.
Außerdem schindet so ein Titel ja schon Eindruck und zeigt unausgesprochen, das derjenige Ahnung haben muss!
Dann muss man aber auch die "Öffentlichkeitsarbeit" leisten, die"seinem Stand entspricht". Schließlich will man mitreden können.
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Der Typus des Halbgebildeten

1. keine Vertiefung oder Anstrengung durch Auseinandersetzung mit Bildungsinhalten;
es reicht bloße Informiertheit und
unreflektiertes Wiedergeben von Oberflächlichkeiten

2. schmückt sich mit „angesagten“ Konsumgütern,
will „mitreden“ können (Nutzen und Prestigegewinn)

3. beharrt auf seinem Halbwissen;
Besserwisserei-
lässt sich nicht auf nonkonformistische Inhalte ein
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Realität

1. Bildung ist zur Halbbildung geworden

2. Freiheit und Gleichheit der Bürger wurde nicht realisiert
(das Bürgertum setzte sich vom Proletariat ab)

3. Bildung wird funktionalisiert zu einem Berechtigungswesen,
einem staatlichen System von Prüfungen und Zertifikaten,
die vermeintliche Test- und Messbarkeit suggerieren

4. Bildung als „Mittel zum Zweck“,
als Ware mit Marktwert,
als Unterscheidungsmerkmal von „Gebildeten“ und „Ungebildeten“

5. Sinnentleerung der Bildung

6. führt zu Vermarktung von Bildung durch die Konsumindustrie
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Halbbildung

1. Bildung wurde während des Neuhumanismus
zu einer Lebensform der „legitimen Kultur“

2. Bildung und Kultur vereinen ursprünglich beide Spannungselemente:
a) Geisteskultur
(autonome Sphäre der reflexiven Auseinandersetzung mit sich und der Welt als Selbstzweck)
b) Handlungskultur
(Gestaltung des realen Lebens, Bezug zur realen Welt)

3. beides sollte ausgeglichen enthalten sein
(also weder ein Rückzug in die Geisteswelt mit Ausblendung der Realität noch
ein reiner Dienst zur Erfüllung ökonomischer bzw. gesellschaftlicher Zwecke)

4. das Gegenteil ist der Fall:
der bildungstheoretische Anspruch und
die empirische Wirklichkeit gingen unvereinbar auseinander,
da Bildung einseitig wurde und ihr grundlegendes Element der Spannung sich auflöste >
sie entwickelte sich zur Halbbildung

5. das Scheitern der Bildungsidee ist in ihrem Begriff angelegt:
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historische Entwicklung der Halbbildung
bürgerliche Gesellschaft redet über Freiheit und Gleichheit, lebt sie aber nicht

Bildung nicht für alle

Geisteskultur wird geschaffen, als freier Raum für die Auseinandersetzung mit der Welt, sie verschleiert Ungerechtigkeit und legitimiert die Herrschaftsstrukturen. Nur als Geisteskultur steht sie in keiner Spannung zum wirklichen Leben, trotzdem ist sie Bestandteil der Ordnung des Systems.

Es ensteht die Funktionalisierung von Bildung mit Tests, Ausbildungen usw.

Bildung bringt Privilegien, einen sozialen Status und ist somit entleert. Kulturgüter als massenware entstehen.



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Definition Halbbildung
komplette Auflösung der Bildung

hat keine Anbindung an den Erfahrungshorizont des Menschen mehr

keine kritische Haltung gegenüber gesellschaftlichen Bildungsillusionen

keine Kritik an gesellschaftlicher Ordnung

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Dialektik der Aufklärung

1. Widerspruch der Aufklärung:
Versprechen des Fortschritts und der Humanität durch Vernunft- in der Realität jedoch Verfall in die Unmenschlichkeit (Scheitern der Aufklärung)

2. Begründung dafür:
die Dominanz der „instrumentellen Vernunft“
-eine zweckrational bestimmte Vernunft,
die die Herrschaft über Welt und Natur
(und damit auch über den Menschen) anstrebt
(>Verobjektivierung der Natur)

3. Folge:
die rationale Zurichtung der Natur lässt keinen unmittelbaren Zugang mehr zur Welt zu
(„der Animismus hatte die Sache beseelt, der Industrialismus versachlicht die Seelen“)

4. Resultat:
-Verarmung der Seele und menschlicher Erfahrungen
-Entfremdung von Welt und Natur
-Trennung von Geist(Verstand) und Seele

5. Gegenpol dazu:
die Kunst
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Formulieren Sie einen Satz, der die Unterscheidung von Föderalismus und Korporatismus trennscharf verdeutlicht.
Förderalismus:
Föderalismus bezieht sich auf die Aufgaben- u. Kompetenzverteilung auf rein staatlicher Ebene zwischen einem Gesamtstaat und Gliedstaaten;

Korporatismus:
Korporatismus bezieht sich auf die Einbindung nicht-staatlicher Interessengruppen in die Politikgestaltung durch Übertragung hoheitlicher Aufgaben.
Tags: Förderalismus, Korporatismus
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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In welches Verhätnis zueinander stehen Staat, Bund und Länder? Sind diese Begriffe oder auch nur zwei dieser Begriffe synomym verwendbar?
Staat: eine Einheit, die sich aus Bund und Ländern zusammensetzt
Bund: staatliche Gemeinschaft, die sich aus den Einzelstaaten (Bundesländern) zusammensetzt
Länder: Einzelstaaten, mit allen staatlichen Hoheitsrechten

Art. 30 und 70 ff GG regeln die Hoheitsrechte der Länder und damit auch die Hoheitsrechte des Bundes

Die Ausübung der staatlichen Befugnisse und die Erfüllung der staatlichen Aufgaben ist Sache der Länder, soweit das GG keine anderen Regelungen trifft. Das Grundgesetz muss daher also, dem Bund seine Kompetenzen ausdrücklich zuweisen.

Kein Begriff ist das Synomym eines anderen Begriffs!  
staatliche Aufgaben werden durch den Bund und die Länder wahrgenommen
Tags: Bund und Länder, Staat
Source: Einführungstext Bildung, Arbeit und Beruf
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Was ist gemeint, wenn Berufsausbildung als öffentliche Aufgabe bezeichnet wird?
Berufsbildung ist eine öffentliche Aufgabe, weil sie weder eine rein staatliche noch eine rein private Angelegenheit darstellt, sondern ein Mischsystem aus marktwirtschaftlichen, staatlichen und korporativen Steuerungselementen ist.

Berufsausbildung als öffentliche Aufgabe zu verstehen bedeutet die gemeinschaftliche Verantwortlichkeit von Staat, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden in Bezug auf das System der Berufsbildung im Interesse der Öffentlichkeit = Großteil der Bevölkerung.
Tags: Berufsausbildung öffentliche Aufgabe
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Erklären Sie mit eigenen Worten, was sich hinter dem Begriff Neokorporatismus verbirgt!
Neokorporatismus ist die Einbindung von organisierten Interessen in die Poltik und ihre Teilhabe an der Formulierung und Ausführung von politischen Entscheidungen.

Neokorporatismus bedeutet die Übertragung und Einbindung (Inkorporierung) hoheitlicher Aufgaben, auf nicht staatliche- Akteure in die Politik. Diese Akteure werden in Entscheidungs, Durchführungs und Kontrolprozesse einbezogen. Die Zusammenarbeit zwischen Staat und Sozialpartnern basiert auf dem Konsensprinzip. Der Rahmen indem dies geschieht, wird durch den Staat vorgegeben.
Tags: Neokorporatismus
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Welche Aufgaben übernimmt der Staat im schulischen Bildungswesen und durch wen werden die staatlichen Aufgaben wahrgenommen? Begründen Sie Ihre Antwort mit dem GG!
staaliche Schulaufsicht:  Art. 7 GG
= Gesamtheit der staatlichen Befugnisse zur Organisation, Leitung und Planung
= Festlegung der Ausbildungsgänge und Unterrichtsziele
Wahrnehmung durch die Länder

Chancengleichheit: Art 3 Abs. 3 GG
Wahrnehmung durch die Länder

Koordination der Schulpolitik:
Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) seit 1949
Prinzip der freiwillgen Zusammenarbeit
verfassungsrechtlich nicht bindend
Wahrnehmung durch die Länder

innere Schulangelegenheiten:
Festlegung der Ziele und Inhalte des Unterrichts
Ausbildung, Einstellung und Finanzierung der Lehrer
strukturelle Ausgestaltung des Schulwesens
Wahrnehmung durch die Länder

äußere Schulangelegenheiten:
Errichtung und Erhalt des Schulgebäudes
Einstellung und Finanzierung des nicht lehrenden Personals
kommunale Schulentwicklungsplanung
Wahrnehmung durch die Kommunen

der Bund hat keinerlei Kompetenzen im Bereich des schulischen Bildungswesens
Tags: Kompetenzen, staatliche Aufgaben im schulischen Bildungswesen
Source: Einführungstext Bildung, Arbeit und Beruf
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Definieren Sie den Terminus: förderaler Staat!
Ein förderaler Staat ist ein Staat, der Entscheidungs- und Handlungskompetenzen teilweise auf autonome oder teilautonome Gliedstaaten überträgt.
Staatliche Aufgaben werden in Deutschland durch das GG an Bund und Länder übertragen.

Tags: förderaler Staat
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Begründen Sie, warum an dem uneinheitlichem ländereigenen Schulsystem festgehalten wird?
Gemäß Art. 30 und 70 GG sind die Länder für die Gesetzgebung im schulischen Bildingswesen zuständig. Dies kann nur durch eine GGänderung geändert werden.
Tags: Kulturhoheit
Source: Einführungstext Bildung, Arbeit und Beruf
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Was bedeuten die Termini "Kulturhoheit" und "Kulturautonomie" der Länder
Mit Kulturhoheit ist die Zuständigkeit der Bundesländer für alle Fragen der Kulturpolitik und -verwaltung (Schule und Hochschule) gemeint.
Die Kulkturhoheit ergibt sich aus Art. 30 und 70 GG.
Kulturhoheit = Kulturautonomie 
Tags: Kulturautonomie, Kulturhoheit
Source: Einführungstext Bildung, Arbeit und Beruf
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Wem obliegt die Gesetzgebungskompetenz für den betrieblichen Teil der beruflichen Erstausbildung? Begründen Sie warum das so ist anhand des GG.
Die Gesetzgebungskompetenz für den betrieblichen Teil der beruflichen Erstausbildung (betriebliche Erstausbildung) liegt beim Bund.
Mit der Verabschiedung des BBiG macht der Bund von seinem Recht gebrauch, die betriebliche Ausbildung zu regeln, die traditionell dem Recht der Wirtschaft zugerechnet wird.Art 74 Abs. 1 Nr.11 GG
Tags: Gesetzgebungskompetenz betriebliche Ausbildung
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Welches Gesetz regelt bundesweit einheitlich für den betrieblichen Teil der beruflichen Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf? Wer erlässt dieses Gesetz?
Berufsbildungsgesetz BBiG
Bundestag verabschiedet das (Bundes-)Gesetz

Bundesministerien erlassen als Rechtsverordnungen Ausbildungsordnungen für die anerkannten Ausbildungen
Tags: berufliche Ausbildung, Gesetz
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Definieren Sie den Terminus "Kooperativer Förderalismus". Nennen Sie zwei Institutionen, deren Arbeit es Bund und Ländern ermöglicht, aufeinander abgestimmte bildungspolitische Entscheidungen zu treffen. 
"Kooperativer Förderalismus": Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern und zwischen den Ländern (Bund-Länder-Politikverflechtung) für die Rahmenbedingungen bildungspolitischen Handelns

Institutionen:
KMK Kultusministerkonferenz
BLK Bund-Länder Koordinierungsausschuss beheimatet bei der KMK
Tags: Kooperativer Förderalismus
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Kulturhoheit der Länder (Lernkarte)
Bezeichnet die primäre Zuständigkeit der deutschen Bundesländer zur Gesetzgebung und Verwaltung in den Bereichen Bildungs- und Kulturpolitik (Schul- und Hochschulwesen, Rundfunk, Fernsehen, Kunst).

Die Kulturhoheit der Länder ergibt sich im deutschen Föderalismus aus der Kompetenzregelung des Grundgesetzes.

GG Art. 30

Die Ausübung der staatlichen Befugnisse und die Erfüllung der staatlichen Aufgaben ist Sache der Länder, soweit dieses Grundgesetz keine andere Regelung trifft oder zulässt.

GG Art. 70

(1) Die Länder haben das Recht der Gesetzgebung, soweit dieses Grundgesetz nicht dem Bunde Gesetzgebungsbefugnisse verleiht.
Tags: Kulturhoheit der Länder
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Bundeszuständigkeit im Bildungswesen (Lernkarte)
Die Zuständigkeit des Bundes im Bildungswesen beschränkt sich auf die außerschulische Berufsbildung und die Ausbildungsförderung (gemäß Art. 74 (1) Nr. 11, 12, 13 GG).

Für den Bereich der betrieblichen Ausbildung ist der Bund im Rahmen der konkurrierenden Gesetzgebung, Art. 72 (1) GG und Art. 74 (1) Nr. 11, zuständig, da er mit der Verabschiedung des Berufsbildungsgesetzes von seinem Recht der konkurrierenden Gesetzgebungskompetenz Gebrauch gemacht hat. Mit dem BBiG regelt der Bund also die betriebliche Ausbildung, die traditionell dem Recht der Wirtschaft zugerechnet wird.

Bundesgesetze im Bildungswesen sind z.B.

    * BBIG (Berufsbildungsgesetz),
    * AFBG (Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz),
    * BAföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz)
    * SGB III (Weiterbildungsregelungen im Sozialgesetzbuch)
Tags: Bundeszuständigkeit im Bildungswesen
Source: Einführungstext zum Lesekurs
213
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Landeszuständigkeit im Bildungswesen (Lernkarte)
Die Länder sind nach den Artikeln 30 und 70 GG zuständig für die Schulgesetzgebung in der BRD.

·Art. 7 GG überträgt die Schulaufsicht auf den Staat. Die Ausführung dieser staatlichen Verpflichtung liegt bei den Ländern

·Zuständigkeiten: Schulgesetz, Schulaufsicht über das Land, innere Angelegenheiten (Ziele und Inhalte des Unterrichts, Personal, strukturelle Ausgestaltung des Schulwesens) und Übertragung der äußeren Schulangelegenheiten an die Kommunen als Schulträger (Schulgebäude, nicht pädagogisches Personal, kommunale Schulentwicklungsplanung)
Tags: Landeszuständigkeit im Bildungswesen
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Kooperativer Förderalismus (Lernkarte)
Kooperativer Föderalismus bezeichnet eine politische Praxis der Zusammenarbeit zwischen Bund und Gliedstaaten eines Bundesstaates, sich bei der jeweiligen Aufgabenerfüllung unabhängig von der jeweiligen Zuständigkeit gegenseitig zu unterstützen, Absprachen zu treffen und möglichst in Übereinstimmung miteinander zu entscheiden.

Die Institutionen KMK (Ständige Kulturministerkonferenz) und der Bund-Länder-Koordinierungsausschuss sind Institutionen, die es ermöglichen, aufeinander abgestimmte bildungspolitische Entscheidungen zu treffen.

Ein Aspekt in diesem Kontext ist die Koordination der Kultusministerien auf Länderebene, gemeinsam Lehrpläne für den Unterricht in Berufsschulen zu entwickeln, die in allen Bundesländern Gültigkeit besitzen.

Ein weiterer Aspekt sind die erforderlichen Absprachen des Bund-Länder- Koordinierungsausschusses, um die Ausbildungsordnungen der betrieblichen Berufsbildung (Zuständigkeit des Bundes) mit den Lehrplänen (Zuständigkeit der Länder) gemeinsam abzustimmen.

Berufsschulen und Ausbildungsbetriebe erfüllen damit in der dualen Berufsausbildung einen "gemeinsamen Bildungsauftrag" mit im Bundesgebiet einheitlich gültigen Ausbildungsordnungen für die betriebliche Berufsausbildung und für alle Länder verbindlichen Rahmenlehrplänen für den berufsbezogenen Berufsschulunterricht.
Tags: Kooperativer Förderalismus
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Welche Akteure nehmen auf die korporatistischen Arragements im Rahmen der Organisation beruflicher Erstausbildung einfluss nehmen.
Staat: Bund und Länder
    Bund: Regelungskompetenz für die betriebliche 
                          Berufsausbildung BBiG
    Länder: Schulgesetze für die Berufsschule

Arbeitgeber (Arbeitgeberverbände) und Arbeitnehmer (Gewerkschaften)
   Einfluss auf inhaltliche und organisatorische Gestaltung der  
   Berufsausbildung
   Beteiligung an den Entscheidungs- und Planungsprozessen
   Beteiligung an der Entwicklung, Modernisierung und Streichung
   der Ausbildungsordnungen
Tags: Akteure, Korporatismus
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Nennen Sie die drei Ebenen korporatistischer Arrangements in der beruflichen Erstausbildung und die der jeweiligen Ebene zugehörigen Institutionen und deren Gremien! 
1. Ebene: Bundesebene
2. Ebene: Länderebene
3. Ebene: Kammerebene


Bundesebene:
Institution: Bundesinstitut für Berufsausbildung
Gremium: Hauptausschuss

Landesebene:
Institution: Landesregierung
Gremium: Landesausschuss für Berufsbildung

Kammerebene:
Institution: zuständige Stelle (IHK oder HWK)
Gremium: Prüfungsausschuss
Tags: Ebenen und Akteure Korporatistischer Arrangements
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Welche Aufgaben werden in den unterschiedlichen Institutionen der drei Ebenen korporatistischer Arrangements in der beruflichen Erstausbildung wahrgenommen?
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
- Forschung und Entwicklung im Bereich der beruflichen Bildung
- Dienstleistungs- und Beratungsfunktion für Politik, Wissenschaft und Praxis der Berufsbildung
- Mitwirkung an der Vorbereitung von Ausbildungsordnungen und sonstigen Rechtsverordnungen nach dem BBiG und HwO

Hauptausschuss des BIBB
- Beratung der Bundesregierung in grundsätzlichen Fragen der Berufsbildung
- Stellungnahme zum Entwur des Berufsbildungsberichts, zu vom BIBB vorbereiteten Entwürfen der Verordnungen
- Beschluss des jährlichen Forschungsprogramms
- Beschluss über Angelegenheiten des BIBB
- Empfehlungen zur einheitlichen Anwendung des BBiG

Landesausschuss für Berufsbildung
- Beratung der Landesregierung in Fragen der Berufsbildung
- Förderung der Zusammenarbeit zwischen der schulischen und betrieblichen Berufsbildung
- Hinwirken auf eine stetige Entwicklung der Qualität der beruflichen Bildung
- Empfehlungen zur Stärkung der regionalen Ausbildungs- und Beschäftigungssituation
- Berücksichtigung der Berufsbildung bei der Neuordnung und Weiterentwicklung des Schulwesens

Berufsbildungsausschuss der zuständigen Kammer
- Anhörung und Unterrichtung in allen wichtigen Angelegenheiten der beruflichen Bildung
- Beschluss der zur Durchführung der Berufsausbildung notwendigen Regelungen (Prüfungsordnungen, ..)
- Überwachungs- und Beschlussorgan
Tags: Aufgaben der Institutionen, Neokorporatismus
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Ausbildungsordnung, Funktion und Entstehung der Ausbildungsordnung
Ausbildungsordnungen werden auf Grundlage des BBiG bundeseinheitlich geregelt.
Jede Ausbildungsordnung enthält einen Ausbildungsrahmenplan, in dem festgelegt wird, in welcher Reihenfolge und in welchem Zeitraum die für den Ausbildungsberuf erforderlichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (Ausbildungsberufsbild) im Ausbildungsbetrieb zu vermitteln sind.
Sie werden vom Staat, durch das BMBF, aufgrund des BBiG erlassen. Die Fachverbände der Arbeitgeber und der Gewerkschaften sowie Bund und Länder sind im Rahmen eines staatlich vorgegebenen Abstimmungsprozesses an der Entwicklung, Modernisierung und Streichung der Ausbildungsordnungen beteiligt. Wichtige Akteure des Abstimmungsprozesses sind der Bund-Länder Koordinierungsausschuss (--> kooperativer Föderalismus) und der Hauptausschuss des BIBB (- - > korporativer Tripartismus). Es wird keine Ausbildungsordnung erlassen, der die zuständigen Sozialparteien nicht zugestimmt haben (Konsensprinzip).
Tags: Ausbildungsordnungen
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Welche Vorteile bietet die Beachtung des Konsensprinzips für die Organisation der beruflichen Erstausbildung des Staates?
Konsensprinzip
Bundesregierung erlässt keine Ausbildungsordnung, der die zuständigen Sozialparteien nicht zugestimmt haben.

Vorteile des Staates:
    *  stellt eine Entlastung des Staates von aufwendiger Kompromissfindung dar
    * der Staat kann nicht allein verantwortlich gemacht werden
    * breite Akzeptanz in der Ausbildungspraxis, z.B. gegenüber den AO´s
    * Vermeidung von Staats- und Marktversagen
    * Der Staat muss nicht zwischen unterschiedlichen Vorschlägen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden entscheiden.
    * Verhandlungspartner stehen in der Pflicht ihrer Verhandlungsergebnisse, diese gelten als verbindlich und müssen Eingang in die Praxis finden ("Bindung durch Partizipation")
    * Das Konsensprinzip führt zu einer einvernehmlichen, für alle 3 Seiten zufrieden stellenden Einigung zwischen den Interessen des Staates, der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände. = Organisation kollektiver gesellschaftlicher Interessen --> gegenseitige Legitimation

Tags: Konsensprinzip, Vorteile des Staates
Source: Einführungstext zum Lesekurs
220
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Welche Nachteile bietet die Beachtung des Konsensprinzips für die Organisation der beruflichen Erstausbildung aus der Sicht des Staates?
Nachteile:
    *  Zeitverzögerung und Stillstand bei der Konsensfindung möglich
    * 'Herrschaft der Verbände' => Entwertung von verfassungsgemäßen und gesetzlich legitimierten Entscheidungsinstanzen und mögliche Unterlaufung dieser
    * durch Abtretung von politischen Kompetenzen an Sozialparteien zur Schaffung von Anreizen für Kooperation und Konsensfindung
    * Erreichen eines kleinsten gemeinsamen Nenners bei hohem Aufwand der Konsensfindung zwischen den Verhandlungspartnern (Kompromisse)

Tags: Konsensprinzip, Nachteile
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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korporativer Tripartismus, triparistisches Arrangement, Vier-Bänke Prinzip
korporativer Tripartismus:
Staat bezieht nicht-hoheitliche Entscheidungsträger und Akteure in den Entscheidungsprozess mit ein
hier: Staat, Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern
Legitimation durch das BBiG
Der Hauptausschuss des BIBB ist ein BEispiel für die konkrete Ausgestaltung der Beziehung zw. STaat, AG, AN im KOntext korporativen Tripartismus')

triparistisches Arrangement
Akteure: Staat (Bund, Länder), AG und AN Verbände,(--> Ausdrucksform eines solchen Arrangements:  Kammern)
Nicht nur staatliche, sondern auch nicht-hoheitliche sind daran beteiligt Entscheidungen mit kollektiver bindender Wirkung herzustellen, auch in Form von Gesetzen.
Korporatistische Arrangements finden auf allen 3 Ebenen der betrieblichen Berufsausbildung statt (BIBB, Landesregierung, zuständige Stellen)

Vier-Bänke-Prinzip
im Hauptausschuss des BIBB (Bundesinstitut für berufliche Bildung)
Besetzung mit paritätischer Stimmenzahl: Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Bund und Länder
Tags: korporativer Tripartismus, triparistisches Arrangement, Vier-Bänke Prinzip
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Institutionen im Föderalismus/ Korporatismus
Förderalismus Korporatismus
Bund-Länder-Koordinierungsausschuss Berufsausbildungsstelle der zuständigen Stelle
KMK Länderausschuss für Berufsbildung
  Hauptausschuss des BIBB



Tags: Institutionen im Föderalismus/ Korporatismus
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Akteure im Föderalismus/Korporatismus
Institution Förderalismus Korporatismus
Berufsausbildungsausschuss der zuständigen Stelle   Je 6 Beauftragte der Arbeitsgeber sowie Arbeitnehmer, beratend: 6 Lehrer an Berufsschulen 
Landesausschuss für Berufsbildung Je 1 Beauftragter der Arbeitnehmer sowie Arbeitgeber, Beauftragter der obersten Landesbehörde
Bund-Länder-Koordinierungsausschuss auf Länderseite Vertreter/innen der Kultusressorts aller Länder und auf Bundesseite Vertreter/innen der fachlich zuständigen Bundesministerien
Hauptausschuss des BIBB   5 Beauftragte des Bundes mit 8 Stimmen, je 8 Beauftragte der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Bundesländer mit je 1 Stimme, beratend: je 1 Beauftragter der Bundesvereinigung kommunaler Spitzenverbände sowie 1 Beauftragter der Bundesagentur für Arbeit
Tags: Akteure im Föderalismus/Korporatismus
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Was ist typisch für das deutsche System der beruflichen Erstausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf des dualen Systems und worin liegt der Unterschied zur anderen Industrienationen?
Berufsausbildung nach dem Berufskonzept
Ausgebildet wird für den Beruf und nicht ausschließlich für die betriebsspezifischen Anforderungen.
Die Ausbildung erfolgt nach beruflich standardisierten Qualifikationsanforderungen. Es handelt sich um eine mehrjährige Berufsausbildung im Rahmen des sog. dualen Systems, also an zwei Lernorten – Betrieb und Berufsschule.
Eine mehrjährige staatliche normierte und gleichzeitig weitgehend betrieblich organisierte Ausbildung ist typisch für das das deutsche System der beruflichen Erstausbildung. Damit wird gleichzeitig beruflich standardisiert und betrieblich spezialisiert gelernt.
Der Facharbeiter stellt ein berufliches Muster von Ausbildung und Arbeit dar.
Unter Berufsausbildung versteht man in Deutschland die nicht akademische Ausbildung. Diese Ausbildungsstufe entspricht dem Facharbeiter, ein typisch deutscher Arbeitskräftetypus. Mit dem Ende der Ausbildung erlangt der Facharbeiter eine Qualifikationszertifikat, die ihm ein breites Spektrum qualifizierter Erwerbstätigkeiten bietet.
Tags: berufliche Ausbildung, deutsches System
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Welches Konstrukt mittelt zwischen den Strukturen des Schulsystems und des Arbeitsmarktes? Begründen Sie Ihre Antwort.
Konstrukt: Beruf
= Zutritt zu den einschlägigen Tätigkeitsfeldern (Facharbeiter)
nach dem Abschluss der Schule Entscheidung zwischen dem dualen System der Ausbildung und der Universitätsausbildung
= Strukturierungselement des Lebenslaufes
Beruf bestimmt:
- horizontale (Sek I und II) und vertikale Gliederung (Haupt-, Real- und Gesamtschule) des Bildungssystems
- den Formalierungsgrad und die öffentliche Anerkennung von Bildungsgängen und Abschlüssen
- die Einsatz- und Verwertungsbedingungen von Arbeitskraft
- die Berechtigungen, Arbeitsmarktchancen und Statusansprüche der Berufsinhaber
Tags: Konstrukt Beruf, Mittler zw. Schule und Arbeitsmarkt
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Beruf als "...Muster von Arbeitskraft, ..."
jeder Beruf ist ein Abbild eines Musters, wie bestimmte Kompetenzen zusammengesetzt sind.
Die Bündelung der Kompetenzen bilden das Muster. Diese Kompetenzen sind auf den jeweiligen Beruf zugeschnitten. Die Gesamtheit der Kompetenzen bilden den Standard für die berufsbezogene Arbeitsaufgabe.
Tags: Definition Beruf
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Beruf als „……. relativ tätigkeitsunabhängige, gleichwohl tätigkeitsbezogene Zusammensetzungen und Abgrenzungen … von Mustern von Arbeitskraft“
Der Beruf definiert die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Tätigkeitsbereiches/Arbeitsfeldes. Innerhalb dieses Tätigkeitsbereiches können die praktischen Handhabungen aber variieren.
Die arbeitende Person ist durch ihren Beruf nicht ein für alle mal auf eine best. Tätigkeit festgelegt ist. Vielmehr ermöglicht es der Beruf, ein gewisses Spektrum von Tätigkeiten in verschiedenen, betrieblich organisierten Kontexten oder Produktionszusammenhängen auszuführen.
Tags: Beruf Defionition
Source: Einführungstext zum Lesekurs
228
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Beruf als „…….spezialisiertes, standardisiertes und institutionell fixiertes Muster von Arbeitskraft“
Beruf als

- spezialisiertes (umfasst einen speziellen Arbeitsbereich, der von anderen abgegrenzt ist),
- standardisiertes (nach Ausbildungsordnungen festgelegt, also nur eine klar definierte Qualifikationszusammensetzung) und
- institutionell fixiertes (Zertifikate, die durch Prüfungen der Kammern die Qualifikation belegen)
Tags: Beruf Defintion
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Beruf als „….Muster von Arbeitskraft, die u. a. als Ware am Arbeitsmarkt gehandelt und gegen Bezahlung …. eingesetzt werden
Der Beruf beinhaltet ein bestimmtes Muster von Arbeitskraft, eine durch den Beruf definierte Zusammensetzung von Kompetenzen, die am Arbeitsmarkt gebraucht werden und somit wie eine Ware gehandelt werden können.

Der Arbeitgeber kann aufgrund des Berufsmusters bestimmte Qualifikationen "einkaufen", also jemanden mit entsprechendem Beruf einstellen, der Arbeitnehmer kann aufgrund seines Berufs bestimmte Qualifikationen nachweisen und somit seine Arbeitskraft gegen Lohn verkaufen.
Tags: Beruf, Definition
Source: Einführungstext Bildung, Arbeit und Beruf
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Beruf als „…. Muster von Arbeitskraft, die …. in fremdbestimmten, kooperativ-betrieblich organisierten Arbeitszusammenhängen eingesetzt werden“.
Beruf als Muster von Arbeitskraft (also eine bestimmte Zusammensetzung von Kompetenzen einer Person)

- die in fremdbestimmten (die Tätigkeit des Arbeitnehmers wird durch die Arbeitsabläufe bestimmt, er ist weisungsgebunden gegenüber seinem Vorgesetzten, er kann nicht selbst bestimmen, was er an seinem Arbeitstag machen möchte, er kann nicht kommen und gehen, wann er will usw.)

-kooperativ-betrieblich organisierten Arbeitszusammenhängen (Arbeiten müssen mit den KollegInnen koordiniert werden, Arbeitsabläufe müssen aufeinander abgestimmt werden, Abteilungen möglichst effizient zusammenarbeiten, Qualifikationen so ineinandergreifen, das das jeweilige Arbeitsziel erreicht wird)

eingesetzt werden.
Tags: Beruf, Definition
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Bitte klären Sie die Begriffe Allokation, Sozialisation und Selektion, indem Sie eine definitorische Annäherung versuchen
Allokation: Zuweisung von etwas für etwas (Verteilung bzw. Zuteilung von Lebenschancen)

Sozialisation: der Prozeß der Entstehung und Entwicklung der Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten sozialen und materiellen Umwelt." (Geulen/Hurrelmann 1980, S.51)

Selektion: = Auslese, Aussondern und Auslese

Tags: Allokation, Selekton, Sozialisation
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Bitte belegen Sie die Selektionsfunktion des Berufes unter Zuhilfenahme des Einführungstextes
Die Selektionsfunktion des Berufes besteht also darin, dass über den Beruf die Übergänge von Bildung in Beschäftigung gestaltet werden. Die mit dem Abschlusszertifikat erworbene und nachgewiesene Qualifikation bestimmt die Optionen, die der InhaberIn des berufl Zertifikates offenstehen.

Indem über die beruflichen Selektionslinien die Zuteilung von Lebenschancen festgelegt wird, wird auch bestimmt welches Einkommen jemand erreichen kann,  welchen gesellschaftl Status er einnehmen kann


Die berufliche Erstausbildung im dualen System ist entlang von Berufsbildern orientiert. Horizontal (also auf einer Stufe stehend) in verschieden Berufe, wie Metzger, Schneider, Verkäuferin, GoldschmiedIn etc. Hier entstehen die Selektionslinien entlang der versch. Komeptenzbündel. (Ein Metzger hat wahrscheinlich keine Chance mit seinem Zertifikat eine Stelle als Goldschmied zu bekommen). Selektionslinien sind aber auch hierarchisch durch die Berufe gegeben: Die Krankenschwester kann nicht die Position des Arztes einnehmen.
Selektion also hins von Kompetenzbündel und hierarchischer Positionen.
Tags: berufliche Ausbildung, Selektionsfunktion
Source: Einführungstext zum Lesekurs
233
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Bitte belegen Sie die Allokationsfunktion des Berufes unter Zuhilfenahme des Einführungstextes.
Durch Berufe "wird die Zuweisung zu den einschlägigen Tätigkeitsfeldern über den Abschluss von geordneten Ausbildungsgängen und den Nachweis entsprechender Qualifikationszertifikate gesteuert."
Die Zertifikate und die normierten Ausbildungsgänge geben Auskunft darüber, für welchen Kontext ausgebildet wurde und das berücksichtigt also die Funktionsnotwendigkeiten in der Verteilung - - > Zuweisung.

  Beruf  
Arbeitskraft mit  Arbeitsplatzbedarf   Arbeitsplatz mit Arbeitskraftbedarf 


Erleichtert wird diese Zuordnung dadurch, dass ein wichtiger Teil des Arbeitsmarktes in Deutschland berufsfachlich organisiert ist, d. h. Zutritt zu diesem Arbeitsmarkt hat man/frau nur, wenn er/sie über das entsprechende berufsfachliche Zertifikat verfügt.
Tags: Allokationsfunktion, Beruf
Source: Einführungstext zum Lesekurs
234
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Bitte belegen Sie die Sozialisationsfunktion des Berufes anhand des Einführungstextes Kap. 3.
Der Beruf übernimmt die Sozialisationsfunktion indem durch ihn

    - sozialen Kontaktmöglichkeiten
    - Formen der Lebensgestaltung
    - Chancen persönlicher Entfaltung und Selbstverwirklichung.
    - angemessene" Umgangsformen
    - Konsumgewohnheiten
    - Freizeitbeschäftigungen

vermittelt und bestimmt werden

Der Beruf hat Einfluss auf die Entwicklung der Persönlichkeit. Er bestimmt in welcher Art das Individuum zu einem gesellschaftlich handlungsfähigen Subjekt wird. Wie jemand „ist“ wird durch den Beruf bestimmt.
Tags: Beruf, Sozialisationsfunktion
Source: Einführungstext zum Lesekurs
235
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Bitte belegen Sie anhand von Textstellen des Einführungstextes (Kap.3), dass über den Beruf die Statuszuweisung der Individuen in die Gesellschaft erfolgt.
- dient gleichzeitig der Sicherung und Verbesserung der sozialen Position in der gesellschaftlichen Hierarchie der Berufsinhaber
- Berufe liefern Orientierungen und Handlungspotentiale zur Einordnung in einen sozialen Kontext.
- So sind Berufe mit bestimmten Vorstellungen über Ansehen und Einkommen verbunden und bieten ein entsprechend unterschiedliches Spektrum an Handlungs-, Entwicklungs- und Partizipationsmöglichkeiten des Individuums in der Gesellschaft. Bedeutung und Ansehen eines Berufes gehen über den einzelnen Betrieb/Arbeitsplatz hinaus und wirken auf die Gesellschaft zurück.
Tags: Beruf, Statuszuweisung
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Der Beruf wird als Strukturierungselement des Lebenslaufes verstanden. Bitte belegen Sie diese Funktion des Berufes anhand des Einführungstextes, Kap. 3.
Berufe ermöglichen eine stufenweise Entfaltung von Lebensplänen und werden damit zu einem entscheidenden Strukturierungselement des gesamten Lebenslaufs. Sie sind gleichermaßen Grundlage der persönlichen wie auch der sozialen Identität.

die strukturierenden Momente vollziehen sich auf zwei Ebenen:
- der individuellen Entwicklung (Verwirklichung von Lebensplänen)
- der sozialen Positionierung innerhalb der Arbeitswelt (Findung der sozialen Identität)

Die berufliche Erstausbildung ist sowohl im Hinblick auf den Übergang in eine Vollerwerbstätigkeit wie auch für den weiteren Erwerbsverlauf weiterhin von zentraler Bedeutung.
Tags: Beruf, Strukturierungselement
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Bitte belegen Sie anhand der Textbausteine (Kap. 3) warum dem Beruf eine Schutzfunktion zugesprochen werden kann.
Berufe übernehmen damit für beide Seiten eine wesentliche Schutzfunktion. Der Zugriff des Unternehmens auf die Person des Arbeitenden bleibt beschränkt auf den Rahmen der arbeits- und tarifvertraglich geregelten Arbeitsbedingungen und der vom einzelnen Beruf definierten Zumutbarkeitsgrenzen. Berufe bilden den Rahmen für das Ausmaß an Akzeptanz betrieblicher Herrschaftsstrukturen, Entscheidungsprinzipien und Arbeitsbelastungen. Insofern definiert der Beruf nicht nur das Arbeitsvermögen, sondern auch das Reproduktionsvermögen der Arbeitskräfte, jene Qualifikationsmomente also, die einen übermäßigen Verschleiß und eine ausschließlich betriebsspezifische Vernutzung von Arbeitskraft verhindern.
Tags: Beruf, Schutzfunktion
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Fassen Sie möglichst kurz in eigene Worte: Was ist ein Beruf?
Ein Beruf ist ein Komplex von Leistungen (d.h. ein spezifisches Gefüge von Tätigkeiten und Fertigkeiten), das einem Arbeitsgebiet zuzuordnen ist, in einer Ausbildung nach staatlichen Normen erworben und zertifiziert wird und gegen Bezahlung auf dem Arbeitsmarkt eingesetzt werden kann, um die eigene Existenz ( oder die der Kernfamilie)zu sichern. Darüberhinaus kann die Arbeitsorganisation eines Berufes sowohl öffentlich oder privat, als auch nicht profitorientiert sein.
Tags: Beruf
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Welche rechtsverbindliche Norm liefert die Grundlage für den betrieblichen Teil der Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf? Welches Instrument steht dieser Rechtsnorm für den schulischen Teil der Ausbildung als Empfehlung gegenüber?
betriebliche Teil der Ausbildung: Ausbildungsordnungen
schulische Teil der Ausbildung: Lehrpläne auf Grundlage der Rahmenlehrpläne
Tags: Ausbildungsordnungen, Lehrpläne
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Wer ist für die Finanzierung des betrieblichen und wer für die Finanzierung des schulischen Teils der Ausbildung verantwortlich?
Finanzierung der betrieblichen Ausbildung: grundsätzlich durch den Ausbildungsbetrieb

Finanzierung der Berufsschule: durch den öffentlichen Schulträger
Tags: berufliche Ausbildung, Finanzierung
Source: Einführungstext zum Lesekurs
241
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Nennen sie die Rechtsgrundlagen, die die Ausbildung an sich (nicht den jeweiligen Ausbildungsberuf) regeln. Wer erlässt diese Rechtsgrundlagen?
Berufsbildungsgesetz (BBiG) für staatlich anerkannte Ausbildungsberufe
Handwerksordnung (HandwO) : für den Bereich des Handwerks
erlassen durch Bundestag

SchulG der einzelnen BL: für die schulische Berufsausbildung
erlassen durch die Landtage
Tags: berufliche Ausbildung, Rechtsgrundlage
Source: Einführungstext zum Lesekurs
242
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Wer ist für die Überwachung der Ausbildung in Schule und Betrieb zuständig?
Überwachung der Berufsausbildung in der Berufsausbildung: Schulaufsicht

Überwachung der Durchführung der betrieblichen Ausbildung: zuständigen Stellen (IHK bzw. HWK)
Tags: berufliche Ausbildung, Überwachung
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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In welchem Dokument wird die zeitliche und sachliche Gliederung der Ausbildungsinhalte in Schule und Betrieb festgelegt?
Ausbildungsrahmenplan als Anlage der Ausbildungsordnung:
Reihenfolge und in welchem Zeitraum die erforderlichen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten vermittelt werden.

Lehrpläne für den schulischen Teil

sind aufeinander abgestimmt
Tags: berufliche Ausbildung, Dokumente
Source: Einführungstext zum Lesekurs
244
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Nennen Sie die Rechtsgrundlage für das je individuelle Ausbildungsverhältnis für den schulischen und den betrieblichen Teil der Ausbildung.
schulische Teil der Ausbildung: – Berufsschule, der Auszubildende unterliegt i.d.R. der Schulpflicht

betriebliche Teil der Ausbildung: - privatrechtliche Vertrag (Ausbildungsvertrag)
Tags: berufliche Ausbildung, Rechtsgrundlage
Source: Einführungstext zum Lesekurs
245
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Nennen Sie die für das System nicht akademischer beruflicher Erstausbildung relevanten Lernorte.
betriebliche Ausbildung: Betrieb bzw. überbetriebliche Ausbildungswerkstätten

schulische Ausbildung: Berufsschule
Tags: berufliche Ausbildung, Lernorte
Source: Einführungstext zum Lesekurs
246
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Bitte nennen Sie als letzte Aufgabe dieser Woche die drei grundlegenden Prinzipien zur Organisation beruflicher Erstausbildung im Dualen System.
1. Berufsprinzip
2. Dualitätsprinzip
3. korporatistische Prinzip (Korporatismus)
Tags: Prinzipien zur Organisation beruflicher Erstausbildung
Source: Einführungstext zum Lesekurs
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Kennen und verstehen Sie die dualen Grundelemente des Berufsbildungssystems? Können Sie sie benennen?
duale Grundelemente betriebliche Ausbildung schulische Ausbildung
Lernorte Betrieb Schule
Rechtsgrundlage für die Ausbildungsberufe Ausbildungsordnung Schulgesetz
Rechtsgrundlage für das Ausbildungsverhältnis Berufsausbildungsvertrag Berufsschulpflicht
Ausbildungsinhalte betrieblicher Ausbildungsplan Lehrplan
Rechtsgrundlage für die Ausbildung Berufsbildungsgesetz Schulgesetz
Ausbildungspersonal Ausbilder Berufsschullehrer
Beratung und Überwachung Kammern und Innungen Schulaufsicht
Finanzierung Ausbildungsbetriebe Länder, Kreise + Kommunen


Tags: duale Grundelemente Berufsbildungssystem
Source: Skript 4
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Kennen und verstehen Sie die zentralen Prinzipien des dualen Systems?
Prinzip der öffentlichen Verantwortung - Ordnung der Berufsausbildung
Berufsausbildung ist weder eine ausschließlich staatliche noch eine ausschließlich private Angelegenheit
= Mischsystem aus marktwirtschaftlichen, staatlichen und korporativen Steuerungselementen
Prinzip der bürgerlichen Vertragsfreiheit - Begründung von Berufsausbildungsverhältnissen
Versorgung mit betrieblichen Ausbildungsstellen Regulation über den Markt -- Prinzip der Vertragsfreiheit
Prinzip der mittelbaren Staatsverwaltung - Selbstverwaltungseinrichtungen der Wirtschaft
Kammern: Überwachung der Einhaltung der gesetzlichen und ordnungsrechtlichen Vorschriften für die Berufsausbildung + setzen Regeln für das betriebliche Ausbildungshandeln
Berufsprinzip - Institution des Berufes
Beruf konstituiert ein institutionelles Regelwerk
Tags: zentralen Prinzipien des dualen Systems
Source: Skript 4
249
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Was ist eine Ausbildungsordnung?
- legt den Rahmen der Fähigkeiten und Orientierungen fest, die notwendig sind, um in einem speziellen Bereich als "beruflich qualifiziert" zu gelten
- definieren die "berufliche Handlungsfähigkeit" = Ziel der jeweiligen Ausbildung
- fixieren den Inhalt und die sachjliche Gliederung der betrieblichen Berufsausbildung

Tags: Ausbildungsordnung
Source: Skript 4
250
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Was bedeutet Korporatismus in der beruflichen Ausbildung? Erstellen sie eine definition mit Bezug aud die Berufsbildung.
- institutionalisierte Koordination der Interessen (durch Berufsbildungsgesetz)
- Vermittlung von miteinander konkurierenden Ansprüchen (Intervention durch den Staat bzw. Liberalismus (Markt))
- Arbeitgeberverbände bzw. Kammern und Gewerkschaften gesetzlich normierte Beteiligung an Gremien und Ausschüssen = großer Einfluss auf Inhalte und Durchführung der Berufsausbildung
- Staat: fixiert die Rahmenbedingungen der betrieblichen Berufsausbildung (BBiG)
= staatlich vorgegebener Abstimmungsprozess zwischen Bund, Ländern, AG-verbänden, Kammern und Gewerkschaften für Entwicklung, Modernisierung und Streichung der Ausbildungsordnungen
- auf allen Ebenen Gleichberechtigung
- Konsensprinzip: Grundlage für die Zusammenarbeit
= eine auf Dauer und geregelte Beziehung

Tags: Korporatismus
Source: Skript 4
251
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Zahlen
- 1/4 aller Betriebe bildet aus
- mehr als 1/2 aller Jugendlichen eines Geburtsjahrganges werden in einer beruflichen Ausbildung ausgebildet
- mehr als die Hälfte aller Bewerbungen um einen betrieblichen Ausbildungsplatz sind von Mädchen,
- jeder 5. Ausbildungsvertrag wird vor Ausbilidungsende gelöst
(die Hälfte davon im 1. Ausbildungsjahr)
2/3 der Abbrecher setzen ihre Qulifizierungsmaßnahmen fort

Tags: Zahlen
Source: Skript 4
252
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Merkmale einer großbetrieblichen Ausbildung
- eigene Ausbildungsabteilung mit eigenen hauptberuflichen Ausbildern
- Ausbildung in eigenen Ausbildungswerkstätten (von der Produktion getrennt)
- berufspraktische Ausbildung erfolgt systematisch nach planvoll strukturierten Lehrgängen
- ergänzender Theorieunterricht (zusätzlich zum Berufsschulunterricht)
- Möglichkeit der sozialen Betreuung
- hohe Legalitätsgrad ( gesetzliche Vorschriften werden eingehalten)
- Ausbildung größtenteils zum eigenen Fachkräftenachschub (gute Übernahmechancen)
Tags: großbetriebliche Ausbildung
Source: Skript 4
253
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Merkmale einer kleinbetrieblichen/ handwerklichen Ausbildung
- enge Verflechtung der Ausbildung mit Produktionsprozess (Abwicklung realer Aufträge)
- Beschränkung auf Kundenaufträge (beschränkte Qualifizierungsmöglichkeiten)
- situative und zufällige Lerneffekte (durch Mitarbeit im Produktionsprozess)
- auch Übernahme ausbildungsfremder (Hilfs-)Aufgaben
- Abhängigkeit der Ausbildung vom Engagement der Ausbilder
- theoretische Ausbildung nur in der Berufsschule
- keine zeitliche Abstimmung zwischen Ausbildungs- und Unterrichtsinhalten
- Übernahme nach Ausbildung oft unsicher
Tags: kleinbetriebliche Ausbildung
Source: Skript 4
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Wodurch wird das betriebliche Ausbildungsverhalten bestimmt? Rentabilitätkalkül
Rentabilitätskalkül: Entscheidungen über Art und Umfang betrieblicher Ausbildungsplätze fallen letztlich nach ökonomischen Kriterien
Das betriebliche Ausbildungsverhalten ist abhängig von den betrieblichen Kosten und Erträgen einer Ausbildung und von der jeweiligen Konjunkturlage.
In konjunkturschwachen Phasen geht das Angebot häufig überproportional zurück, in konjunkturstarken Perioden kann es ebenso überproportional zunehmen.
Mit steigender Arbeitslosigkeit sinkt das Ausbildungsstellenangebot, bei sinkender Arbeitslosigkeit steigt es wieder.
Zur Vermeidung externer Effekte neigen Betriebe mit kostenintensiven Ausbildungsplätzen zu einer Beschränkung des Ausbildungsangebots auf den für den Betrieb kalkulierten Nachwuchsbedarf an Fachkräften.
Tags: Rentabilitätskalkül
Source: Skript 4
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Wodurch wird das betriebliche Ausbildungsverhalten bestimmt?
betriebliche Ausbildungsmotive trotz hoher Kosten:
- Hoch qualifiezierte Facharbeiter lassen sich über den externen Arbeitsmarkt kaum rekrutieren bzw. sind mit höheren Lohnkosten verbunden.
- Ausbildungsbetriebe können das Fehlbesetzungsrisiko minimieren. (ggü Rekrutierung aus dem externen Arbeitsmarkt)
- Reduzierung der Fluktuationsrate (während der Ausbildung entsteht eine gewisse Verbundenheit)
- bessere Image von Ausbildungsbetrieben
Tags: betriebliche Ausbildungsmotive
Source: Skript 4
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Wodurch wird das betriebliche Ausbildungsverhalten bestimmt? anti- bzw- prozyklisches Ausbildungsverhalten
antizyklisches Ausbildungsverhalten: Überwiegend Kleinbetriebe in Handwerk und Handel aus Kosten-Nutzen-Erwaegungen stellen auch bzw. trotz einer unguenstigen Konjukturphase Ausbildungsplaetze bereit.

prozyklisches Ausbildungsverhalten: Überwiegend Grossbetriebe bieten besonders in konjunkturell guenstigen Phasen Ausbildungsplaetze an und halten sich ansonsten eher zurück.
Tags: anti- bzw- prozyklisches Ausbildungsverhalten
Source: Skript 4
257
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Wodurch wird das betriebliche Ausbildungsverhalten bestimmt? Schwammfunktion kleinbetrieblicher Ausbildung
Schwammfunktion kleinbetrieblicher Ausbildung:
In Zeiten eines Nachfrageüberhanges werden von den Kleinbetrieben mehr Ausbildungsplatzbewerber absorbiert, als diese Wirtschaftsbranche nach dem Ausbildungsabschluss benötigen wird.
In Phasen der negativen Konjunktur „saugen“ kleinere Betriebe aus Kosten-Nutzen-Erwägungen einen Teil der „überschüssigen“ Ausbildungsbewerber auf, die zu erheblichen Anteilen als ausgebildete Fachkräfte wieder dem externen Arbeitsmarkt „zufließen“.
Tags: Schwammfunktion kleinbetrieblicher Ausbildung
Source: Skript 4
258
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Verdrängungswettbewerb
ist missverständlich weil,:
die Bevorzugung von Bewerbern mit höherer Vorbildung bei der betrieblichen Rekrutierung von Auszubildenden ein Reflex auf die veränderte Vorbildungsstruktur der Ausbildungsbewerber ist.
Die Absolventen mit Abitur „verdrängen“ Schüler mit mittlerem Schulabschluss, diese wiederum diejenigen, die lediglich den Hauptschulabschluss besitzen. Das heißt, das Abitur wird zunehmend als Eingangsvoraussetzung für Ausbildungsberufe verlangt, für die vorher der mittlere Schulabschluss genügte, und dieser wird zunehmend für Berufe vorausgesetzt, die früher vorwiegend von Hauptschulabsolventen ergriffen werden konnten.
Obwohl höhere Schulabschlüsse ihre Garantie für berufliche Erfolgsaussichten zunehmend verlieren, werden sie dennoch zur unabdingbaren Voraussetzung im Ausbildungswettbewerb.
Tags: Verdrängungswettbewerb
Source: Skript 4
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Bildungsexpansion
- Verschlechterung der beruflichen Verwertungschancen „niederer“ Schulabschlüsse und der allgemeinen Verlängerung der Verweil- dauer im Bildungssystem
- höhere Bildungsabschlüsse verlieren ihren Exklusivitätscharakter
- Sie werden wichtiger und wertloser zugleich
Tags: Bildungsexpansion
Source: Skript 4
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meritokratische Logik, Bildungsmeritokratie, bildungsmeritokratische Prinzip
meritokratische Logik:
beobachtbaren Entwicklungsprozess des gesellschaftlichen Verhältnisses von Bildung und Beschäftigung
die überkommenen Strukturen gesellschaftlicher Ungleichheit erhalten eine neue Legitimation: Zertifikate höherer Bildung gelten als Ausweis einer überlegenen geistigen Leistung.
Dies führt dazu, dass jeder versucht möglichst hohe Zertifizierungen zu erlangen um später dann auch die Möglichkeit zu haben, einen höheren gesellschaftlichen Status zu erreichen.
In der Folge kann es langfristig zu einer Schwächung des dualen Systems kommen. Das Erreichen eines Hochschulabschlusses erscheint erstebenswerter, da er eine höhere gesellschaftliche Stellung bietet als eine Ausbildung im dualen System.

Bildungsmeritokratie:
Die Zuweisung von sozialem Status und gesellschaftlicher
Stellung wird primär von den schulischen Leistungen und ihrer Zertifizierung abhängig gemacht.

bildungsmeritokratische Prinzip:
Die Zuweisung von Positionen und sozialem Status orientiert sich zunehmend an den Zertifikaten des allgemeinen Bildungssystems und immer weniger am Nachweis inhaltlich begründeter
Fachkompetenz.
Dies hat den Effekt, dass berufliche Ausbildungsgänge
unterhalb der Hochschulebene im Konkurrenzkampf um höhere Bildungsabschlüsse unterlegen sind und auf Dauer marginalisiert werden.
Tags: Bildungsmeritokratie, bildungsmeritokratische Prinzip, meritokratische Logik
Source: Skript 4
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normative Subjektivierung
- ist die Anpassung der Berufsausbildung an die gestiegenen inhaltlichen Qualifizierungs- und beruflichen Verwertungsansprü-
che
- zeigt schon heute in einer steigenden Zahl nicht besetzter Ausbildungsplätze auf geringem Qualifikationsniveau mit beschränkten Berufsperspektiven
Tags: normative Subjektivierung
Source: Skript 4
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Qualifikationsparadox
Qualifikationsparadox:
- der erfolgreiche Abschluss einer Berufsausbildung ist die minimale Voraussetzung für den Einstieg in ein Beschäftigungsverhältnis
- der Nachweis einer abgeschlossenen Berufsausbildung bietet immer weniger die Gewähr für eine einschlägige Weiterbeschäftigung und eine stabile Berufskarriere
Tags: Qualifikationsparadox
Source: Skript 4
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Erste Schwelle, Zweite Schwelle
Erste Schwelle:
Bezeichnet den Übergang von der allgemeinbildenden Schule in eine Berufsausbildung.

Zweite Schwelle:
Bezeichnet den Übergang von der Berufsausbildung in eine Beschäftigung.
Tags: Erste Schwelle, Zweite Schwelle
Source: Skript 4
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historische Vorüberlegungen
Herausbildung des deutschen Bildungssystems ab dem 18. Jahrhundert
-Preußen: Proklamation und 1. Versuch der Durchsetzung einer Schulpflicht 1717
- Schulfplicht erst in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts

Preußisches Gymnasium (Etablierungsprozess)
- 1788 erstes Abiturreglement
- 1812 zweites Abiturreglement
-1834 drittes Abiturreglement führt zur institutionellen Etablierung
- am Ende des Etablierungsprozesses: höheres Schulwesen mit den Aspekten 1) Berechtigungssystem und 2) humanistische Allgemeinbildung

Niederes Schulwesen
- um 1850 "niederes Schulwesen" in Preußen - volkstümliche Bildung
- preußische Volksschule: Schule der Bildungsbegrenzung
- nach 1848 (Scheitern der bürgerlichen Revolution) drei Stiehlsche Regulative von 1854: Zurückführung des Volksschulunterrichts auf elementare Kulturtechniken und Religion

Bildungssituation um 1850 in Preußen
1) Volksschulen - Bildungsbegrenzung
2) Mittelschulen - bürgerliche Berufe (später Realschule)
3) Jugengymnasien - neuhumanstisch


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Ende der Kaiserzeit - hoch modernes Schulsystem
Weimarer Republik - Nationalsozialismus
nach umfassender Modernisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts

Schulpflicht
Lehrplananpassung an Industriegesellschaft
duales Berufsbildungssystem
seit 1908 Zulassung von Mädchen zur Abiturprüfung
1872 Aufhebung der Stiehlschen Regulative

Weimarer Republik
Übergang vom Stände- zum Leistungsprinzip
Weimarer Schulkompromiss 1919/1920 (Bekenntnisschule und Einheitsschule)
Einführung der Grundschule: ab 5. Klasse Trennung in niedere, mittlere und höhere Schulen

Nationalsozialismus
rassistische Dimension des Ausleseprinzips
Bildungsbegrenzung v.a. für Mädchen und Frauen
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nach 1945 - Restauration und Reformen
Kritik der Alliierten am deutschen Bildungssystem
Schulsystem der DDR: Polytechnische Oberschule und Erweiterte Oberschulen

BRD: Politik der Restaurierung des gegliederten Schulwesens
mit dem "Düsseldorfer Abkommen" 1955 zur Vereinheitlichung auf dem Gebiete des Schulwesens zwischen Ländern und Bundesrepublik

- Trennung in höhere und niedere Bildung wurde beibehalten

- 60er Jahre: Ungleichheitsdebatte - Forderung nach grundlegender Reform

- Reformen: Einführung der Hauptschule (1964) und Enttypisierung der gymnasialen Oberstufe
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Aktuelle Reformtendenzen
Neustrukturierung:

- Verzicht auf Zurückstellung
- Verkürzung der gymnasialen Schulzeit auf 8 Jahre
- Gefüge der Sekundarschulen ändert sich: Verdichtung auf 2 Jahre - Anpassungsphase in Klasse 11 entfällt für Wechsler
- Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe: Abschaffung von Grund- und Leistungskursen

Ziele: vertiefte Allgemeinbildung, Betonung des fächerübergreifenden, selbstständigen und projektorientierten Lernens

Fazit aus OECD-Veröffentlichung zu PISA: geringes Ausmaß schulischer Selbstständigkeit
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Nach der allgemein bildenden Schule: Übergänge und Strukturmerkmale
duale Berufsausbildung: ca. 50 % der Jugendlichen in 350 anerkannten Ausbildungsberufen
Berufsausbildung an beruflichen Vollzeitschulen / 3 Funktionen:
1) volle Berufsausbildung, 2) Vorbereitung auf Abschluss, der ein Studium eröffnet, 3) Ausbildungsvorbereitung

Berufsausbildung in Hochschulen
Kritik an Hochschulen (FH und Uni): Abbruchquoten bei 30 %; Studienzeiten zu lang, Unterfinanzierung

Folgen der Umstrukturierung durch Bologna: 1) vertikal gegliederte Schulstruktur wird gestärkt, 2) Hochschulen: Wechsel der vertikal organisierten Strukturierung zum gestuften System
- Bildungssystem: gestuftes System auf vertikal gegliedertes Schulsystem aufpfropfen -> zweites Ausleseinstrument; zusätzliche Selektionsschwelle

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allgemeine und berufliche Weiterbildung
am wenigsten strukturiert; breites inhaltliches Angebotsspektrum
Funktion: Erhalt von Kompetenzen und Weiterentwicklung
Steigerung der Arbeitsmarktchancen für höher Qualifizierte

Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb
PISA: "Risikogruppe" bei fünf Kompetenzstufen - diese Risikogruppe kommt nicht über Kompetenzstufe 1 hinaus

FAZIT: Bis zu einem Viertel der Jugendlichen verfügt am Ende der Pflichtschulzeit nicht über eine Kompetenzausstattung, die berufsqualifizierend ist!

"Risikoschüler": zu großen Teilen 1)Heranwachsende aus sozial schwachen Familien und mit 2) Migrationsgeschichte
Chancengleichheit: Bildungssystem trägt zur intergenerativen Reproduktion von Chancen bei - PISA belegt, dass das Verfehlen von grundlegenden Kompetenzen gleichsam vererbt wird!


Kreislauf: soziale Herkunft - Bildungsbeteiligung - Abschluss -sozialer Status / in Deutschland ist dieser Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und schulischer Leistung nach wie vor sehr eng--
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Bildungsexpansion und Bildungsbeteiligung
nach 1945 Prozess der Bildungsexpansion: in allen Bereichen des Schulwesens (Einführung des 10. Pflichtschuljahres; Verlagerung der Schülerströme zur Realschule; seit den 50er Jahren rasante Ausweitung der Übergangsquoten zu Gymnasien / Entmonopolisierung des Gymnasiums

Ergebnisse der Bildungsexpansion:
hohes Ausmaß an Ausbildungslosigkeit
Eingangsselektivität der Hochschulen erhöhte sich; verbunden mit der Ausweitung der universitären internen Selektivität
höheres Bildungssystem verstärkt seine Absorptionsfunktion:
es bedient mittleres Qualifikations- und Beschäftigungssegment und entlastet den Arbeitsmarkt
massive Steigerung der Verweilzeit junger Menschen im Bildungssystem

Bildungsexpansion kennt "Gewinner" (15 % d. 30-34 jährigen) und "Verlierer" (14 % d. 20-24-jährigen)

Kunstfigur "katholisches Arbeitermädchen vom Lande als Inkarnation aller denkbaren Ungleichheiten im Bildungssystem
vier Ungleichheiten: konfessionell, schichtspezifisch, geschlechtsspezifisch, regionale Unterschiede

heute: Ungleichheit zwischen deutschen Kindern und Kindern fremder Ethnien ist infolge der Arbeitsmigration zu einem neuen und bedeutenden Element gesellschaftlicher Ungleichheit geworden.
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Ungleichheiten heute
geschlechtsspezifisch: noch in den 60er Jahren waren Mädchen im Schulsystem eindeutig benachteiligt; heute Mädchen erfolgreicher im allg.bild. System als Jungen. Aber im dualen System sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede am deutlichsten!

regional: unverkennbare regionale Disparitäten; regionale Ausdifferenzierung bei der Gruppe der Leistungsschwächsten

schichtspezifisch: andauernde Ungleichheit zwischen sozialen Schichten / schichtspezifische Zuteilung von Bildungs- und Lebenschancen! - für Elementarbereich keine gesichterte Datenbasis/ Sekundarstufe I: offenkundige Bildungsbenachteiligung der Arbeiterkinder (Mikrozensus 1989) auch in Sek. II und Gymnasium schichtspezifsiche Bildungsbeteiligung

berufliche Karrieren
FAZIT: auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist der Zusammenhang von sozialer Herkunft sowie Bildungs-, Ausbildungs- und Karriere nahezu ungebrochen.

Reproduktionsmodus sozialer Ungleichheit innerschulisch determiniert. - enge Kopplung an vor- und außerschulische Entwicklungsbedingungen

schulische Normierungspraxis bevorzugt die bildungsnahen Gruppen im schulischen Ausleseprozess / Reproduktion der dreistufigen Qualifikationsstruktur plus innere Eliminierung und Abdrängung
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Bildungsertrag
--die neuen Benachteiligten: Kinder der Arbeitsmigranten; Ausdruck in Schulabschlüssen; 3 Gruppen: 1) Jugendliche ohne Migrationsgeschichte, 2) Jugendliche mit einem Elternteil in Dtl., 3) Jugendliche ohne deutschen Elternteil

entscheidende Einflussfaktoren auf Bildungschancen (immer noch): Geschlecht, Migrationsgeschichte, regionale und soziale Herkunft

beschäftigungsspezifische Erträge: starke Korrelation von Höhe des Schulabschlusses und Teilhabe an Ausbildungsplatz bzw. Erwerbleben
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Steuerung
deutsche Tradition: Steuerung über die Beeinflussung von "Input" - und "Prozessvariablen"

seit den Ergebnissen der internationalen Vergleichsstudien steht die Prozessdimension zunehmend im Mittelpunkt (Arbeitsprozesse in einer Schule sowie in der einzelnen Klasse, Unterricht)

im gegliederten Schulsystem gibt es ein im internationalen Vergleich hohes Maß an leistungsbezogener "Sortierung" von Schülern - Anspruchsniveau wird nachhaltig gesteuert.

PISA- Leistungsstudie 2000 belegt nicht nur den durchschnittlichen Leistungsrückstand der deutschen Schüler gegenüber dem OECD-Durchschnitt, sondern zeigt auch, dass dieser Abstand in jeder der leistungsmäßigen Teilgruppen besteht.
starkes Maß an innerdeutscher Leistungsspreizung

neuer Ansatz: Outputsteuerung durch externe Evaluation und Qualitätsagenturen / Selbst-, Meta- und Fremdevaluation von Schulen
Vorbild: niederländische Qualitätssicherung: Inspektorat im Bereich der externen Evaluation
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kooperativer Föderalismus
Besonderheit, historisch gewachsen: seit Nationalstaatbildung im 19. Jahrhundert lagen kulturelle Angelegenheiten im Kaiserreich in der Zuständigkeit der Reichsländer

- nach 1945: BRD knüpft wieder an föderale Tradition an, d.h. Kulturhoheit der Länder = Zuständigkeit der Bundesländer für alle Fragen der Kulturpolitik und der Kulturverwaltung

- Gesetzesgrundlagen: Art. 20 / Abs.1 Bundesstaatlichkeit
                                        Art. 30 / Hoheit der Länder: "die Ausübung der staatlichen Befugnisse und die Erfüllung der staatlichen Aufgaben ist Sache der Länder, soweit dieses Grundgesetz keine anderen Regelungen trifft oder zulässt.

keine Verfügungsgewalt des Zentralstaates im Bereich Schulrecht und geringe Rolle im Bereich Schulpolitik

Einflussnahme des Bundes im Verlauf der Geschichte
zwei Phasen: 1) Mitte der 60er - Ende der 70er Jahre: gemäßigte Ausweitung des Handlungsspielraumes; 2) um 2002 Phase der Zurückdrängung und Bundesmitwirkung
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Jahre der Erstarkung des Bundes - 1965 bis 1975
Abkommen zur Vereinheitlichung auf dem Gebiete des Schulwesens: "Düsseldorfer Abkommen" von 1955

- 1959 "Rahmenplan zur Umgestaltung und Vereinheitlichung des allgemein bildenden öffentlichen Schulwesens" - Wendepunkt

- Gründe für Erstarkung des Bundes: 1957 Bildungskatastrophe, 70er Jahre Akademikermangel und wachsende Ungleichheit; 1973 "deutsches Bildungswesen mangelhaft" im OECD-Vergleich

- ab 1965 Versuch einer Strukturreform

- seit Mitte der 60er Jahre gewinnt der Bund an entwicklungspolitischem Einfluss
Aktivitäten:
a) 1965 Gründung det. Bildungsrat Bund und Länder
b) 1969 Bildungsministerium für Bildung und Wissenschaft
c) 1970 Strukturplan für das Bildungswesen / BLK - Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung

Grundgesetzänderung: Artikel 91 b: "aufgrund von Vereinbarungen bei der Bildungsplanung und bei der Förderung von Einrichtungen und Vorhaben der wiss. Forschung von überregionaler Bedeutung können Bund und Länder zusammenwirken.

d) 1973 letzter Bildungsgesamtplan

- die gestiegene Bedeutung des Bundes in Bildungsfragen führte zu einer kooperativen Ausrichtung des deutschen Föderalismus

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Mitwirkung durch Beteiligung an der Bildungsplanung
1969 Änderung des GG Art. 91 b - Basis für Bund-Länder-Kommission (BLK): Aufgaben langfristiger Rahmenplan für Entwicklung des Bildungsgesamtwesens

- BLK heute: Zuarbeit für gesamtgesellschafltiche Bildungsplanung

- Neufassung des Art. 91 b GG in der Föderalismusreform vom 01.09.2006: (...) zusammenwirken von Bund und Ländern bei 1) Einrichtungen und Vorhaben der wiss. Forschung außerhalb von Hochschulen, 2) Vorhaben der Wissenschaft und Forschung an Hochschulen, 3) Forschungsbauten an Hochschulen

- Gemeinschaftsaufgabe Bildungsplanung ist mit der Grundgesetzänderung entfallen

- Fazit: Der Zentralstaat war gegenüber den Ländern zu keiner Zeit einflussreich., nur in Krisenzeiten stimulierte er das Einholen fachkundiger Beratung
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Zuständigkeiten im Bildungssystem
--Kompetenzverteilung im Schulbereich: die Länder sind für die Schulgesetzgebung und die Schulaufsicht zuständig. Staatliche Schulaufsicht Art. 7 GG (Organisation, Planung und Leitung inkl. Festlegung der Unterrichts- und Ausbildungsziele)

- dieser Grundsatz der staatl. Schulaufsicht stellt den Endpunkt eines langen Weges der Verstaatlichung des Schulwesens dar.

- Prozess der Verstaatlichung im 19. Jahrhundert: Befreiung der Bildung und Erziehung von Bevormundung durch Kirche, Adel und Bürgertum

Länderzuständigkeit auf drei Gebieten: Bildungs- und Kulturpolitik; Polizei- und Ordnungsverwaltung; Ausgestaltung der kommunalen Selbstverwaltung

Koordination der Schulpolitik duch die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder seit 1949 (freiwillige Arbeitsgemeinschaft der Länder)
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Zuständigkeiten im Bildungswesen
Bund: außerschulische Berufsbildung und Ausbildungsförderung

Länder: innere Schulangelegenheiten - Unterricht, Lehrpersonal, Strukturen des Schulwesens

Kommunen: äußere Schulangelegenheiten - Schulgebäude, Einstellung und Finanzierung des Lehrpersonals, Schulentwicklungsplanung
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Das deutsche Bildungssystem zu Beginn des 21. Jahrhunderts
Das allgmeinbildende Schulsystem

Struktur:
Schulpflicht setzt mit Vollendung des sechsten Lebensjahres ein, i.d.R. 12 Jahre lang - neun dieser Jahre - in einigen Bundesländern auch zehn - müssen in allgemein bildenden Schulen absovliert werden, die danach noch verbleibenden Jahre als Teilzeitschuljahre im beruflichen Schulwesen.

vertikal und horizontal gegliedertes Gesamtbildungssystem: horizontal in zwei Schulstufen und in der zweiten Stufe vertikal in drei Schulformen untergliedert

Grundschule: Doppelauftrag 1) Basiswissen in Kulturtechniken, 2) Vorbereitung auf Anschlussbildungsgang

Sonder- und Förderschulen: Förderschwerpunkte Lernen, Sehen, Hören, geistige Entwicklung...

Sekundarstufe I: Klassenstufen 5 bis 10 und II: Klassenstufen 11 bis 13 (je nach Bundesland fünf verschiedene Schulformen) - Trennung in "berufsbildendes" Schul- und Ausbildungswesen und "allgemein bildendes"

Ergänzung durch Gesamtschule

Gymnasium - nur eine Schulform, die überall angeboten wird.
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Grundstruktur des deutschen Bildungswesens
überwiegend Halbtagsschulen und in öffentlicher Trägerschaft

Hauptschule: 5.-9. Klassenstufe; Bildungsauftag: vermittelt grundlegende allgemeine Bildung

Realschule: 5.-10. Klassenstufe oder 7.-10. Klassenstufe; erweiterte allgemeine Bildung

Gymnasium: 5.-12./13. Klassenstufe oder 7.-12./13. Klassenstufe - vertiefte allgemeine Bildung

Umstellung auf 8 Jahre Abitur in den meisten Bundesländern
Sekundarstufe I: Unterricht nach Klassenprinzip
Sekundarstufe II: Unterricht nach Kursstufe

gymnasiale Oberstufe: ein Jahr Einführung und zwei Jahre Qualifikation
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Der Schulparcours
Einschulung: Kopplung an bestimmtes Lebensalter
Auswirkungen des Zurückstellens auf den weiteren Schulerfolg: leistungsschwächere Schüler

Übergang in weiterführende Schulen:
- in den meisten Bundesländern: Schullaufbahnempfehlungen
Leistungsungerechtigkeit bei Empfehlungen: empirische Analysen belegen, dass der Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule und dass insbesondere die Empfehlungen der Grundschulen durchaus nicht ausschließlich oder überwiegend von dem Leistungsvermögen der begutachteten Kinder bestimmt werden. Das Verfehlen eines den schulischen Leistungen angemessenen Übergangs aus der Grundschule in die unterschiedlich anspruchsvollen Schulformen der Sek. I hinterlässt seine Spuren bis zum Ende der Sek.I in allen weiterführenden Schulformen. - Leistungsüberlappungen bei Schulformen

FAZIT: Mit dem wenig leistungsangemessenen Übergang aus der Grundschule in die Bildungswege der Sekundarstufe I geht eine immer noch stark ausgeprägte soziale Auslese einher.


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Schulparcours II
Durchlässigkeit: Möglichkeit einer Korrektur von Bildungsentscheidungen

Entkopplung von Schulabschluss und Schulform; These: Die Entkopplung erhöht die Vielfalt der Bildungsgänge, die formal zu denselben Zielen führen

Prozess der leistungsmäßigen Entgrenzung der einzelnen Schulformen - Entmonopolisierung der einzelnen Schulformen

Zerfaserung des Systems: Obwohl dieses System den Anspruch der Sortierung von Schülern nach vermuteter Leistungsstärke hat, überlappen sich die Leistungsfähigkeiten der Schüler unterschiedlicher Schulformen in großem Ausmaß.

ein zentrales Element der deutschen Schulstruktur lebt fort: Schulformen -> Milieus -> Entwicklungsmöglichkeiten

differentielle Lernmilieus und ihre Effekte begrenzen Aufstiegsdurchlässigkeiten im gegliederten Schulsystem. -> Unterschiede zwischen "niederer" und "höherer" Bildung leben in zerfaserter Schullandschaft fort.

Rangfolge: Hierarchisierung gleicher Abschlüsse aus unterschiedlichen Schulformen

Fazit: Fortbestehen der Unterschiede im Bereich der kognitiven Leistungen bei Schulabsolventen -> gerechte Reaktion wäre eine Verabschiedung vom Berechtigungssystem oder eine Sicherung von Vergleichbarkeit
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Schlussfolgerungen zu Chancen und Übergängen
--In den Schulformen des gegliederten Sekundarschulwesens mit ihren differenziellen Entwicklungsmilieus lebt ein zentrales Element der deutschen Schulstruktur fort. Die einzelnen Schulformen, die ins ich trotz all der Überlappungen leistungshomogener als die Schulen nahezu aller anderen Länder sind, zeichnen sich durch Milieus aus, die den Schülern systemspezifisch unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

Die differenzielle Auswirkung der Schulmilieus sind nicht nur für den Aufbau von Abschlussaspirationen bedeutsam, sondern auch für die Entwicklung kognitiver Kompetenzen. (s. PISA)
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Jahre der Stagnation / Nach der Stagnation
in der Folgezeit des "Bildungsnotstandes" verliert der Bund wieder an Einfluss

- bildungspolitische Stagnation Mitte der Siebziger

- das Feld vorschulische und schulische Bildung hatte Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger erheblichen Beratungbedarf

- Föderalismus des Beratens

- Handlungsbedarf 1999 "Forum Bildung": Gremium der Politikberatung zu Bildungsfragen auf Bundesebene

- nach Mitte der Neunziger verstärkt schulpolitisch vorgetragene Initiativen des Bundes - Folge: koordinierte und effektive Arbeit der Kultusminister

zwei vergleichbare Krisen - zwei konträre Reaktionsmuster:
1) 60er/70er Jahre: Neuadjustierung des Verhältnisses in Bildungsfragen durch Ergänzung des GG und neue Kompetenzverteilung ; 2) 1985-1995 Kompetenzkampf der Länder
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Gremien und Instrumente der Mitgestaltung durch den Bund
- Organisation von Planung; Beteiligung an Planung und (Ko-)Finanzierung von Einzelvorhaben

Gremien

"Der Deutsche Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen" seit 1953 / 1965 29 Gutachten und Empfehlungen
- Vorläufer des

"Deutschen Bildungsrates" Aufgabe: Bedarfs- und Entwicklungspläne; gemeinsames Beratungsgremium, das tiefgreifende Vorschläge zur Veränderung auch des Schulwesens unterbreiten konnte , nach 1975 Verwaltungsabkommen nicht mehr verlängert

Das Forum Bildung
1999 wieder Gremium auf zentralstaatlicher Ebene
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Nenne die grundlegenden Strukturmerkmale des deutschen Bildungssystems
(1) Mehrgliedrigkeit im Anschluss an die Grundschule
= Horizontale Gliederung in Primar-, Sekundar- (I u, II) und Tertiärstufen
= Vertikale Gliederung in abschlussgebundene Schulformen
(2) Trennung von beruflicher und allgemeiner Bildung
- (in der beruflichen Bildung: duale Ausbildung in Schule und Betrieb). Schlagwort ist heute: getrennt aber gleichwertig; ambitionierte Versuche der Trennungsüberwindung (etwa Kollegstufenversuch in NRW gerieten dadurch in den Hintergrund. Gesetzliche Grundlage: Hamburger Abkommen: Trennung, aber Ermöglichung von höchstmöglicher Durchlässigkeit
(3) föderale Organisation = 16 uneinheitliche, landeshoheitliche Systeme; im Rahmen des kooperativen Föderalisums
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Beschreibe die Herausbildung der Schulpflicht und der verschiedenen Schultypen als grundlegende Strukturmerkmale des deutschen Bildungssystems im Kaiserreich
Schulpflicht: erste Proklamation durch Friedrich Wilhelm I (General Edict, 1717); zahlreiche weitere Bekräftigungen; Unterrichtspflicht im Allgemeinen Landrecht für die Preußischen Staaten (1794) → Durchsetzung erst in der zweiten Hälfte des 19. Jht. erreicht. (Unterscheidung zwischen niederen, gemeinen Schulen und höheren Schulen, Gymnasia)

Schultypen:
Etablierung des Preußischen Gymnasiums: Oberschulkollegium als treibende Kraft zur Neuordnung der höheren Schulen mit Hilfe der Ordnung des Berechtigungswesens
1. Abiturreglement (1788): Abitur als Nachweis der Studierfähigkeit; nicht als Bedingung. Voraussetzung für ein Stipendium
2. Abiturregelment (1812): Abitur verbindlich bei Staatsexamina; detailliertere Festlegung der Inhalte der Prüfung.
3. Abiturreglement (1834): Abitur als Voraussetzung für alle Studiengänge.
→ Wesentliche Charakteristika: Berechtigungswesen (Zgang zur Universität) und Bildungskonzept (Verpflichtung auf Allgemeinbildung; Abgrenzung von berufsbezogenen Inhalten)
Etablierung des niederen Schulwesens: weniger Bedeutung; Ziel ist Untertanenerziehung. Deutlich getrennt vom Gymnasium; Gegenentwurf. Bildungsbegrenzung wird in drei Stiehlschen Regulativen (1854) weiter geschärft: Bildungsinhalt sind nur noch elementare Kulturtechniken und Religion; auch Lehrerbildung ist darauf ausgelegt. 
Etablierung des Mittelschulwesens: Bildungsangebot, das stärker auf Anwendbarkeit hin orientiert ist. „Nützlichkeitsdenken“ in der Aufklärung. Schulen, die Recht zur Abiturabnahme nicht erreicht hatten → Basis für Realschulentwicklung


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Welche Modernisierungstendenzen erfolgten im Bildungswesen gegen Ende des 19. Jahrhunderts und warum?
Hintergrund: Modernitätsrückstand angesichts der beginnenden Industrialisierung

Wesentliche Reformen
+ Änderung der curricularen Ausrichtung der Gymnasien: Neben neuhumanistischem Gymnasium: Realgymnasium (neusprachlich) und lateinlose Oberrealschule (naturwissenschaftlich) 
+ Oberlyzeen (aus höheren Töchterschulen entstanden) sichern Frauen Studienberechtigung
+ Erweiterung der Volksschulbildung: Allgemeine Bestimmungen → Aufhebung der Stiehlschen Regulative: differenzierterer Lehrplan auch in der Volksschule
+ Herausbildung des dualen Berufsbildungssystems

→ Aber: ständische Struktur bleibt bestehen!
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Welche Entwicklung nahm das deutsche Schulwesen in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus?
Weimarer Republik →  Übergang vom Stände- zum Leistungsprinzip: (Früher Gliederung mit Ständen begründet; nach 1945: ökonomische und begabungstheoretische Gründe; heute: leistungsbezogen)
Wichtigstes Ereignis: Weimarer Schulkompromiss (1919/20):
+ Simulatanschule (Schule mit Schülern unterschiedlicher Konfessionen) als Regelfall; Bekenntnisschulen und bekenntnisfreie Schulen als Ergänzung
+ Statt Einheitsschule nur gemeinsamer Unterricht in den vier ersten Klassen der Volksschule

Nationalsozialismus → Kaum strukturelle Änderungen
+ Ergänzung der bisherigen Bildungsangebote durch "Nationalpolitische Erziehungsanstalten" und "Adolf-Hitler-Schulen"
+ Ausleseprinzip erhält rassistische Dimension
+ Bildungsbegrenzung gegen Mädchen und Frauen
+ Inhaltliche Umorientierung (Demokratisierungsbemühungen der Weimarer Republik wurden aus Schulbüchern entfernt)
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Welche Entwicklung nahm das deutsche Schulwesen nach dem Zweiten Weltkrieg?
Alliierte üben Kritik am deutschem Bildungssystem:
Sie fordern in ihren „Grundsätze für die Demokratisierung des deutschen Bildungswesens“:
+ Schulgeld- und Lernmittelfreiheit sowie Unterstützungszahlungen an Bedürftige
+ Absage an vertikales Schulsystem
+ Revision der Curricula.

Umsetzung verläuft in Ost und West unterschiedlich:
DDR:
Polytechnische Oberschule (Einheitsschule von Klasse 1-10) und Erweiterte Oberschule (2 Jahre bis zum Abitur)

BRD:
+ Restaurierung des gegliederten Schulwesens mit dem Düsseldorfer Abkommen 1955; Gliederung wird begabungstheoretisch und ökonomisch begründet (u.a. Deutscher Ausschuss in seinem Rahmenplan zur Umgestaltung und Vereinheitlichung des allgemeinbildenden öffentlichen Schulwesens -> Unterschiedliche )
+ 60er Jahre: fehlende Wettbewerbsfähigkeit und ungleiche Bürgerrechte (katholisches Arbeitermädchen vom Land)
Deutscher Bildungsrat → Empfehlung zur Einrichtung von Schulversuchen mit Gesamtschulen (Problem: nur Ergänzung!)
=> keine grundlegende Reform; Anstrengungen innerhalb des Systems
(1) Hamburger Abkommen (Neufassung des Düsseldorfer Abkommens); 1964: Schaffung der Hauptschule anstatt Volksoberschule; inklusive Verlängerung der Schulzeit und Ausweitung des Lehrplans
(2) Vereinbarung zur Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe; 1973: Kurssystem statt unterschiedlicher Schultypen

Wiedervereinigung: Anpassung Ost an West
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Beschreibe die verfassungsrechtlichen und sonstigen Einflussmöglichkeiten des Bundes in der Schulpolitik
Historisch Kulturhoheit der Länder mit Entstehung des deutschen Nationalstaats, mehr Zentralkompetenzen nur in der Weimarer Republik, BRD Entscheidung für Bundesstaatlichkeit, d.h. Aufgaben des Staates sind zwischen Bund und Ländern aufgeteilt.

Verfassungsrechtliche Einordnung: Bund hat nicht aufgrund von Kompetenzen Einfluss, sondern durch Beratung in Krisenzeiten. Kulturhoheit der Länder (neben: Polizei- und Ordnungsverwaltung, Ausgestaltung der kommunalen Selbstverwaltung) im GG festgelegt. Vorgeschrieben ist nur staatliche Schulaufsicht und Chancengleichheit. Kein bundeseinheitliches Schulsystem, da Länder Kompetenz autonom ausüben.

Koordination der Schulpolitik durch KMK (49 gegründet)
→ kein Verfassungsorgan, sondern „freiwillige Arbeitsgemeinschaft“, Einstimmigkeit erforderlich, gibt Empfehlungen ab, die von Länderparlamenten in Landesgesetze zu übernehmen sind (z.B. zur Neuordnung Oberstufe), Rechtlich verbindlich sind Länderabkommen und Staatsverträge (z.B. Düsseldorfer Abkommen)

Kompetenz der Kommunen
Länder: innere Schulangelegenheiten (Unterricht, Personal, Struktur)
Kommunen: äußere Schulangelegenheiten (Schulgebäude, nicht-leitendes Personal, kommunale Schulentwicklungsplanung)
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Beschreibe die Einflussnahme des Bundes auf Bildungsfragen im Verlauf der Geschichte:
Nach 1945: Versuch "Schulchaos" u.a. durch Düsseldorfer Abkommen der Ländef (55) und „Deutschen Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen“ (Beratungsgremium auf Bundesebene) in den Griff zu kriegen.
60er Jahre: Wende in der Schulpolitik
Bund gewinnt an Einfluss durch ökonomische (Bedarfsfeststellung der KMK, „Bildungskatastrophe“, Piecht), bürgerrechtliche („Bildung ist Bürgerrecht“, Dahrendorf) und international vergleichende (Sputnik-Schock, OECD-Länderexamen,  FISS-Studie) Argumente.
1965: Deutscher Bildungsrat (Nachfolgegremium des Ausschuss) → „Strukturplan für das Bildungswesen“
1969: Grundgesetzänderung → Artikel 91b → Gründung der BLK → Bildungsgesamtplan
1969: Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft; kooperative Ausrichtung des Föderalismus zeigt sich u.a. in RE Brandts
Ende der 70er Jahre: Phase der Zurückdrängung (Nicht in Zuständigkeiten, aber an Einfluss):
Keine Verlängerung für Bildungsrat (1975), Kein weiterer Bildungsgesamtplan der BLK, Zurückweisung des „Berichts der Bundesregierung über die strukturellen Probleme des föderativen Bildungssystems in der KMK“. Folgen daraus (Beispiele):
1987: Enquete-Kommission „Zukünftige Bildungspolitik – Bildung 2000“ → eng beschränktes Themengebiet
Regionalisierung der Beratung; mehrere Beratungsgremien in den Ländern
Mitte der 90er Jahre: Neuer Anlauf durch PISA-Studie
Probleme wieder: zu geringes Leistungsniveau, hohe soziale Selektivität, Unterfinanzierung, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit
1999: Forum Bildung → Beratungsgremium auf Initiative des Bundes (12 Empfehlungen)
2002: „Wir brauchen ein nationales Rahmengesetz für die Schule“ (Schröder) → offener Konflikt mit den Ländern
Keine Kooperationsbereitschaft mehr (z.B. Bund initiierte Expertise zu nationalen Bildungsstandards; Arbeit damit übernahmen Länder aber in Alleinregie; keine Gestaltung bei IZBB) Födi I → Stärkung der Kulturhoheit!
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Beschreibe die drei Wege und Instrumente, mit denen der Bund auf bildungspolitische Entwicklung Einfluss nehmen kann
(1) Organisieren von Beratung (Aufträge für Expertisen und Initiierung von Beratungsgremien)
a) Deutsche Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen (53) → wichtig wurden vor allem „Rahmenplan zur Umgestaltung und Vereinheitlichung des allgemein bildenden öffentlichen Schulwesens“ und „Empfehlung zum Aufbau der Hauptschule“. Besetzung durch ein sachkundiges Gremium von Honoratioren
b) Deutscher Bildungsrat (65): „Strukturplan für das Bildungswesen“ und mehrere Empfehlungen; tief greifende Vorschläge u.a. durch Zwei-Kammern-System (Bildungs- und Regierungskommission) 
c) Forum Bildung (99): neue Kultur der Zusammenarbeit; Besetzung durch gesellschaftliche Interessengruppen. (Bund und Bayern haben Vorsitz)
Vergleich der drei Gremien: Einnheitlich: Einsetzung von Bund und Ländern, auf alle Bereiche des Bildungswesens gerichtet; Unterschieden in Besetzung

(2) Beteiligung an Planung:
Insbesondere im Rahmen der BLK auf Grundlage von 91b (z.B. Bildungsgesamtplan); Unter anderem war sie beauftragt mit Erstellung eines Bildungsgesamtplans. Mit Födi I entfallen.

(3) (Ko)finanzierung von Einzelvorhaben: z.B. IZBB

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Was versteht man unter Kulturhoheit/ Kulturautonomie der Länder? Welche Artikel im GG sind hierfür ausschlaggebend?
Unter Kulturhoheit/ Kulturautonomie der Länder versteht man die Verwaltungskompetenz sowie die Entscheidungs- und Gesetzgebungsgewalt in allen Fragen der Kulturpolitik. Dies umfasst alle schulischen Angelegenheiten, sowie Rundfunk, Fernsehen, Hochschulpolitik und Kunst.

Die Kulturhoheit/ Kulturautonomie ist das „Kernstück der Eigenstaatlichkeit der Länder“.

Die Kulturhoheit/ Kulturautonomie der Länder ergibt sich aus Artikel 30 GG und Artikel 70 GG.

Grundgesetz:
Artikel 7 GG: Gesamtes Schulwesen unter der Aufsicht des Staates.
Artikel 30 GG: Ausübung der staatlichen Befugnisse und die Erfüllung der staatlichen Aufgaben ist Sache der Länder, soweit das Grundgesetz keine andere Regelung trifft oder zulässt.
Artikel 70 GG regelt die Zuständigkeit zwischen Bund und Ländern. Die Länder haben das Recht der Gesetzgebung, soweit das Grundgesetz nicht dem Bund Gesetzgebungsbefugnisse verleiht. (Für die Schulangelegenheiten sieht das Grundgesetz keine Gesetzgebungs- und Verwaltungskompetenzen für den Bund vor. = Zuständigkeit Länder)




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Beschreibe die Struktur des allgemeinbildenden Schulsystems bis zum Abschluss der Sekundarstufe II
Bildung vor der Schule:
+ Vor drei Jahre: in Krippen; danach in Kindergärten (Kommunen sind durch Kinder- und Jugendhilfegesetz verpflichtet, Plätze bereit zu stellen).
+ Kitas haben Bildungsauftrag (initiiert durch + Jugendministerkonferenz; durchgesetzt durch Länder).
Positiver Effekt auf späteren schulischen Erfolg durch Kitas ist belegt.

Struktur des allgemein bildenden Schulsystems:
+ Grundschule vermittelt Basiswissen in grundlegenden Kulturtechniken und bereitet auf spätere Schullaufbahn vor.
+ Sonder- und Förderschulen für behinderte Kinder sind Regelfall; integrativer Unterricht die Ausnahme
+ In Sek I und Sek II bis zu 5 verschiedene Schulformen:
(1)Hauptschule: grundlegende allgemeine Bildung; führt zum ersten allgemein bildenden Schulabschluss
(2) Realschule (teils zusammengelegt mit Hauptschule z.B. in Regelschulen): erweiterte allgemeine Bildung; Fachoberschulreife
(3) Gymnasium (einzige Schulform, die überall angeboten wird!): Klassenprinzip gefolgt von Kursstufe; vertiefte allgemeine Bildung; führt zur allgemeinen Hochschulreife
(4) Gesamtschule: Unterscheidung zwischen kooperativ (pro Jahrgangsstufe gibt es auf unterschiedliche Abschlüsse bezogene Klassen) und integriert (gemeinsamer Unterricht; Unterteilung nur in den Kernfächern in Förder-, Grund- und Leistungskurse); alle Abschlüsse prinzipiell erreichbar.
Ergänzungen durch Zweiten Bildungsweg (nachträglicher Erwerb von Schulabschlüssen)
→ überwiegend öffentliche Trägerschaft; fehlende Ganztagsangebote
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Beschreibe den "Durchgang durch den Schulparcours" und stelle dar wie der Weg der Entkopplung für mehr Durchlässigkeit genutzt werden kann
Einschulung: Regelfall mit sechs Jahren; Rückstellung führt oft zu schlechten Noten, aber verringert Risiko des Sitzenbleibend; Vorzeitige Einschulung führt oft zu Sitzenbleiben. Reformen oft hin zu flexibler Schuleingangsphase
Überweisung in Förderschulen: meist erst im Verlauf der Schullaufbahn
Übergang nach der Grundschule: Grundschule hat Empfehlungscharakter, macht nur Beratung oder gibt fast bindendes Votum hat. → hohe soziale Selektivität ist nachweisbar (IGLU, TIMS, PISA, Hamburger LAU-Studie)
Klassenwiederholungen: Versuch durch mehr Zeit, bessere Förderung zu erreichen. Kumulative Effekte beachten!
Durchlässigkeit: zur Korrektur von Bildungsgangentscheidungen; in der Praxis überwiegend nach unten.
Abschlüsse: Eintrittskarte in anschließende Bildung und Ausbildung; regionale Unterschiede!

Durchlässigkeit funktioniert überwiegend nach unten
→ mehr Gerechtigkeit durch Entkopplung?
Realität: Zerfaserung des Bildungssystems ist feststellbar (Entmonopolisierung der Schulformen und Leistungsüberlappung)
Problem: milieuspezifische Unterschiede (geringerer Aufbau von Aspirationen hinsichtlich Bildungsabschlüssen + schlechtere Leistungsentwicklung)
Tendenz: Hierarchisierung gleicher Abschlüsse (Unterschiede z.B. nachgewiesen beim Mediziner-Test)
Lösungsvarianten: externe Bewertungsverfahren oder Aufgabe des Berechtigungswesens und Stärkung Auswahlrecht Abnehmer

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Nenne sechs Reformtendenzen im allgemeinbildenden Schulsystem

+ Flexibilisierung der Schuleingangsphase (Bis zu 3 Jahre gemeinsames Lernen in den ersten beiden Klassen)
+ Stärkere Gewichtung von Schullaufbahnempfehlungen der Grundschule
+ Verkürzung der gymnasialen Schulzeit (erschwerter Übertritt; Anpassungsphase der Jahrgangsstufe 11 entfällt oder Klasse 10 muss wiederholt werden)
+ Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe (Vorreiterrolle BaWü)
+ Ausweitung Ganztagsschulen
+ Selbstständigkeit von Schulen (OECD belegte positiven Zusammenhang zwischen Selbstständigkeit und Leistungsfähigkeit)
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Beschreibe mögliche Bildungswege nach der allgemeinbildenden Schule
a) Berufsausbildung: entweder im dualen System (Lernorte: Betrieb und Berufsschule; teils ergänzt durch überbetriebliche Ausbildungsstätten) oder in beruflichen Vollzeitschulen (Funktionen: volle Berufsausbildung, Ausbildungsvorbereitung; Vorbereitung auf einen Abschluss als Studienberechtigung; z.B. Fachoberschule → Fachhochschule)
→ viele Wiederholungen (Warteschleifen) führen zu zunehmend staatlicher Finanzierung. 

b) Hochschule (überwiegend staatlich; Unterscheidung zwischen Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen, Technischen Hochschulen, Kunst- und Musikhochschulen)
→ Hauptunterscheidung: Fachhochschule (kürzer, weniger anspruchsvoll, praxisorientiert) und Universität
Kritikpunkte: Zu hohe Abbruchquoten (30%), lange Studienzeiten (knapp 7 Jahre an Unis), zu geringer Anteil an Hochschulabsolventen, Unterfinanzierung
Reformen: Studiengebühren und Ba/Ma
→ koppelt und doppelt die Selektivität von zwei unterschiedlichen Ansätzen: vertikal gegliedertes Schulsystem und stufenförmige Organisation an den Hochschulen → Akademikermangel!

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Beschreibe die Strukturmerkmale der Weiterbildung
Weiterbildung ist der am am wenigsten strukturierter Bildungsbereich (vielfältige Trägerstruktur, insbesondere Arbeitgeber/ Betriebe, Volkshochschulen, private Institute; keine feste inhaltliche Bestimmung → alle Bereiche der allgemeinen, beruflichen, politischen Weiterbildung; nicht an festes Lebensalter gekoppelt)
Funktionen: Erhalt beruflicher Kompetenzen, Fähigkeit zur gesellschaftlichen Mitwirkung – und: Weiterentwicklung wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit; stützt politisches und kulturelles Zusammenleben
Erwarteter Bedeutungszuwachs: Bildungs- und Ausbildungssystem vermittelt nicht an alle in ausreichendem Maße, die Kompetenzen, die Beschäftigungssystem nachfragt; zusätzliche Verschärfung durch demographischen Wandel
Hintergrund: Globalisierung (Austausch von Gütern, Dienstleistungen, Kapital auf Weltmarkt; Aufbau einer Wissensgesellschaft; Zunahme von Migration) → Gering Qualifizierte als Verlierer der Globalisierung (keine Arbeitsangebote)
Problem: strukturelle Schieflage bei Weiterbildungsbeteiligung!
Weiterbildung wäre insbesondere entscheidend für Risikogruppe (wachsender Anteil der Jugendlichen mit fehlenden grundlegenden Kompetenzen bei Schulentlassung; rund ein Viertel): entsteht insbesondere durch Zusammenhang mit sozialer Herkunft und im Migrationsbereich.
  
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Beschreibe Hintergründe und Verlauf der Bildungsexpansion in Ost und West, die Verteilungseffekte im heutigen Bildungssystem im Vergleich zu früher und welche Erträge sich durch Bildung erzielen lassen
Bildungsexpansion → sowohl im niederen/ mittleren Schulwesen (Verlängerung Hauptschule; Ausbildung wird zur Normalität und teils länger; Zustrom an Realschulen; 1 und 2 auch in DDR) als auch im höheren Schulwesen – nur BRD (größerer Gymnasiumsbesuch; höhere Erfolgsquote im Gymnasium durch weniger interne Selektion und Zustrom nach Klasse 10; Ausbau der Gesamtschulen; des zweiten Bildungsweges und Berufsgänge mit Studienberechtigungsabschluss)
→ Unabhängig von ökonomischer Lage und politischen Einflussversuchen
Aber: (1) Für Deutschland zwar entscheidend, im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich; (2) Nach wie vor Verlierer, ohne Abschluss (rund 13%, häufiger Frauen, Ausländer, im Westen) und (3) Gewinner, mit Hochschulabschluss (allerdings keine Steigerung der Akademikerquote durch Studienverzicht – und abbruch → Verpuffen der Bildungsexpansion; Gleichstand mit DDR) und lediglich Absorptionsfunktion des höheren Bildungswesens = Entlastung für Arbeitsmarkt; Angebot für mittleren Beschäftigungsmarkt (angesichts Akademikermangel kontraproduktiv)
Verteilungseffekte: „katholisches Arbeitermädchen vom Lande“ → heute?
+ Keine wahrnehmbaren konfessionellen Unterschiede mehr
+ Geschlecht fast nur noch bei Berufsausbildung und auf Arbeitsmarkt
+ abgeschwächte regionale Unterschiede (korreliert mit sozialer/ethnischer Zusammensetzung der jeweiligen Bevölkerung)
+ weiterhin bestehende schichtspezifische Unterschiede (von Sek I bis Berufseintritt; siehe Hartmann, Kopp; bei Weiterbildung schwächer ausgeprägt)
+ neue Benachteiligung: Kinder der Arbeitsmigranten.
Abgeschlossene Schulbildung + Ausbildung = Normalbiographie (Abweichen auch Versagen der Gesellschaft)
Ertrag von Bildung sowohl Beschäftigung (Ausbildungseintritt, Teilhabe, Einkommen) und Außerberuflich (Erwerbsbeteiligung von Frauen → mehr Autonomie; Gesundheit, politische Partizipation)
→ Chancenungleichheit in Bildung = ungleiche Lebenschancen
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Beschreibe die traditionelle Form der Bildungssteuerung in Deutschland und nenne Gründe, die zu einem Überdenken dieses Ansatzes führten
Erläuterung der Steuerungsdimensionen im Bildungssystem:
a) Kontext: umfasst z.B. sozioökonomischen Status der Schüler, soziales Ansehen der Lehrer, Bedeutung von Bildung → nur eingeschränkt steuerbar (z.B. durch Veränderung Schuleinzugsbereich)
b) Input: umfasst z.B. Qualifikation von Lehrkräften, Qualifikation von Schülern, finanzielle Ressourcen, Bildungsziele etc.
c) Prozess: umfasst auf Schulebene z.B. Schulstruktur, Schulmanagement, Personalentwicklung und auf Klassenenebene z.B. Unterrichtsqualität, Leistungsbeurteilung, Lehrmaterialien (steuert auch Unterricht)
d) Output: umfasst z.B. Leistungen, Bildungsabschlüsse und Outcome: umfasst z.B. beruflicher Erfolg, Teilhabe (für Steuerung kaum zugänglich)
Traditionelle Steuerung in Deutschland: Beeinflussung der Input- und Prozessvariable

Reformdruck:
+ durch schlechtes Abschneiden bei internationalen Vergleichsstudien (z.B. PISA-Studie → überprüft wurde Output, also nicht der Lehrplan, sondern Erreichen von Basisqualifikationen)
+ innerdeutsche Leistungsspreizung
+ Auseinanderdriften durch verstärkten Föderalismus und
+ Tendenzen zur selbstständigen Schule (→ Bedürfnis nach Vergleichbarkeit)
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Beschreibe den neuen Ansatz in der Bildungssteuerung
Neuer Ansatz:
Outputsteuerung durch Evaluation (= Prozess mit Bestandsaufnahme, Analyse und Bewertung der Arbeit) mit Hilfe neu gegründeter Qualitätsagenturen
Evalution: Selbst- (Kritik: zu subjektiv; Schwächen werden verborgen); Meta- (Methodenkritik von extern); Fremdevaluation (Kritik: zu sehr an Idealmodell/ Standardmodell orientiert; wird Einzelschule nicht gerecht)
→ Tendenz in D. geht zu Fremdevaluation!
Instrumente sind:  tradierte Mittel der Schulaufsicht, externe Prüfer/ Gutachter, Parallelarbeiten; landesweite Leistungstests durch Vergleichsarbeiten bzw. Zentralprüfungen
Qualitätsagenturen:
Modell der Niederlande → regelmäßige Selbstevaluation der Schulen, standardisierte Tests, einheitliche Abschlussprüfungen, Schulinspektion, Berichtsveröffentlichung
Ziel: Garantie- (Qualität ist überall vorhanden) und Stimulationsfunktion (Qualitätssteigerung durch Vergleich)
→ Inspektionssystem: Inspektion durch Analyse von Dokumenten, Gespräche vor Ort, Unterrichtsbesuche mit Ergebnisbericht für Schule und Land
Ziele der Inspektion sind: Darstellung der erreichten Schulleistung, Aktualisierung der Qualitätskarte; Kenntnisnahme des Schul-Qualitätsprogramms; Abschätzung der künftigen Entwicklung
Übernahme in Deutschland → Einführung von Qualitätsagenturen mit zumeist folgenden Merkmalen:
Externe Evaluation als tragendes Element; Qualitätsverständnis basierend auf Unterrichtsprozess und Ergebnisse; Wesentlich sind Parallel- und Vergleichsarbeiten sowie internationale Studien; Feedback mit Inspektionsbericht (geg. Zielvereinbarungen mit Ministerium); Ziel ist Weiterentwicklung der Einzelschule und des Schulsystems; Sie sind unabhängig von traditioneller Schulaufsicht.
Verändert wird Struktur der Schulsteuerung, aber nicht Schulstruktur   
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Was ist mit "Entwicklungslogik der dualen Berufsausbildung" gemeint? Erläutere den Begriff unter Nennung der beiden unterscheidbaren zeitlichen Phasen
System beruflicher Qualifizierung als Ergebnis komplexer historischer Prozesse, die einer bestimmten Entwicklungslogik folgen (≠ bewusste Planung; bildungspolitische Steuerung)
Duales System: In einem historischen Prozess gewachsen; ursprünglich Berufsschule und betriebliche Lehre getrennt. Verschiedene Entwicklungsphasen markieren den Versuch, objektive Problemlagen zu bewältigen. Dabei Gleichzeitigkeit von Autonomie und gesellschaftlicher Funktionalisierung
1. Gründungsphase (1870-1920):
Restauration der Handwerksausbildung und Fortbildungsschule.
Beruf als mittelalterliches Konzept war eigentlich obsolet geworden. Restaurierung um Antwort auf soziale und ökonomische Auflöseerscheinungen zu haben.
→ Mittelstandspolitik des Kaiserreichs soll mit dem Modell Lehrling – Geselle – Meister den alten Mittelstand vor Verelendung schützen und damit Bollwerk gegen die Sozialdemokratie sein. (konservativ-klerikale Variante der Mittelstandspolitik ≠ liberale Mittelstandspolitik: Vereinheitlichung der Fortbildungsschulen und Durchsetzung als Ergänzung zur betrieblichen Ausbildung)
2. Konsolidierungsphase (1920-1970):
Industrietypische Lehrlingsausbildung und Berufsschule:
Versuch dem Ausbildungssektor eine moderne und einheitliche Struktur zu geben. Drei Handlungsstränge:
- Industrie: Interesse an eigener moderner und systematisierter Berufsausbildung
- Schulreformer/ Staatsbürokratie: einheitliches und leistungsfähiges Berufsschulwesen
- Gewerkschaften: Betriebliche Ausbildung aus Einbindung in Wirtschaftsgesetzgebung lösen.
Ergebnis 1969: Verabschiedung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG): „Duales System der Berufsausbildung“
Vorher: Ausbildung ist Angelegenheit der Wirtschaft.
→ Jetzt: öffentliche Aufgabe (weder ausschließlich staatlich noch ausschließlich privat, sondern Mischsystem aus marktwirtschaftlich, staatlich und korporativ); Grundlage für Modernisierungsprozess ist Durchsetzung von „Beruflichkeit“
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Beschreibe die mittelalterliche Handwerkslehre und erläutere ihre Auflösung mit der beginnenden Industrialisierung
Kennzeichen der mittelalterlichen Handwerkslehre:
+ Sozialisation und Qualifizierung
+ Zunft als berufsständische Organisation
+ Zunftzwang durch Verbot von Aktivitäten ohne Zunftmitgliedschaft.

Zünfte stehen im Widerspruch zu expansiver Wirtschaftspolitik
Kritik auch an Lehre (merkantilistisch und aufklärungspädagogisch begründet)
+ unökonomische Dauer
+ fehlendes pädagogisches Prinzip; nur Nachahmung
+ Missbrauch der Lehrlinge als häusliche Arbeitskraft
+ geringe theoretische Fundierung
+ Monopolistischer Anspruch der Zünfte
Zudem: Staat will direkten Zugriff (≠ Korporationen als Machtinstanz zwischen Staat und Individuum)

1810/11: Einführung der Gewerbefreiheit → wirtschaftliche Liberalisierung: Privateigentum, freie Konkurrenz, Betonung Individualrechte der Bürger → Zunftzwang wird obsolet!

Die Gewerbefreiheit wird in den folgenden Jahren Schritt für Schritt wieder zurückgenommen, bis sie 1969/70 mit dem Erlass der Gewerbeordnung auch die letzten Regelungen beseitigt wurden. Dies fällt zusammen mit der  Großen Depression (letzte Drittel des 19. Jht.) und markiert endgültigen Übergang zum Massenzeitalter und weiterer Niedergang des Handwerks. → Auflösung der traditionellen Lehre (Ausbildung als Privatvertrag) (Kritik an Lehrlingszüchterei sinkender Ausbildungsqualität, Ausbildungsabbrüche)
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Beschreibe Entstehen und Wirken der Mittelstandsbewegung und der Mittelstandspolitik im Kaiserreich
Opposition des Handwerks formiert sich in der Mittelstandsbewegung; maßgeblich organisiert im Allgemeinen Deutschen Handwerkerbund). Forderungen:
Obligatorische Zwangsinnung + großer Befähigungsnachweis (Führung eines Handwerksgeschäfts nur mit Meistertitel)

Staatliche Reaktion schwankt zwischen Gewerbefreiheit (Liberalisierung) aufgrund Interesse an expansiver Wirtschaftspolitik und Handwerksschutz (Restauration), da Garant für gesellschaftliche Stabilität und Erhalt der Ständeordnung
Mittelstandspolitik als innenpolitisches Rückversicherungssystem (Winkler)
→ wechselseitige Rückversicherung der staatserhaltenden Kräfte (Beibehaltung der vorindustriellen Wirtschaftsregelungen sowie Festlegung auf konservative Ideen; Eingliederung des Handwerks zu den staatserhaltenden Kräften gegen aufkommende Sozialdemokratie; Arbeiterbewegung)

Zentrales Instrument sind Gewerberechtliche Vorschriften
+ Höhepunkt der Liberalisierung erfolgt 1869 mit der Gewerbeordnung (GO): Voraussetzung für Ausbildung ist nur noch Vorstrafenfreiheit + Besitz der staatsbürgerlichen Rechte. Zugleich wird Ausbildung den Meistern/ Fabrikanten unterstellt.
+ Novelle 1881: Ausbildung als Selbstverwaltungsaufgabe der Wirtschaft durch Restauration des Innungswesens
+ Weitere Machtzuwächse der Innungen durch folgende Novellen.
+ 1897: Novelle legt Grundstein des dualen Systems der Berufsausbildung: Handwerkerschutzgesetz:
→ fakultative Zwangsinnung und kleiner Befähigungsnachweis (Ausbildung nur durch geprüfte Meister)
→ Restaurierung des berufsständisch orientierten handwerklichen Ausbildungsmodells

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Beschreibe die Entstehung der "allgemeinen Fortbildungsschulen"
Wurzeln: kirchliche Sonntagsschule; ab Anfang 19. Jht. ergänzt durch gewerbliche Sonntagsschule. Neue Dynamik entsteht durch Politisierung des Mittelstandes und des Industrieproletariats (Hintergrund: Wahlrecht und Aufkommen der Arbeiterbewegung)

Von staatlicher Seite Kritik an Erziehungslücke zwischen Volksschulabgang und Beginn Militärdienst durch Strukturwandel der Erziehung beim Übergang von der traditionalen zur bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft; insbesondere nur noch „reduziertes Ausbildungsverhältnis“ → keine umfassende erzieherische Ausbildung mehr (Sozialisationslücke)
Reaktion: Um gesellschaftliche Stabilität zu erreichen plädieren Liberale für Anhebung des Bildungsniveaus und Ausweitung der Fortbildungsschule (Konservative halten an Bildungsbegrenzung fest).
Folgen: Fortbildungsschule hat gesellschaftspolitische Funktion: Abwendung der drohenden Proletarisierung des alten Mittelstandes und Integration der Jugend
Ergänzend zur Fortbildungsschule versucht Jugendpflege in den Freiraum der Freizeit einzudringen
→ Jugendpflege wird zum Kampfinstrument gegen proletarische Jugendbewegung (Sozialdemokratie + Gewerkschaften)

Mit Großer Depression beginnt Gründungswelle „allgemeiner Fortbildungsschulen“ (inklusive Schulpflicht)
„Allgemein“ wegen Fortsetzung Schulzwang nach Volksschule und Orientierung an Lehrinhalten der Volksschule
Zudem angewiesen auf Räume und Lehrpersonal der Volksschulen
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Beschreibe die Kritik an den "allgemeinen Fortbildungsschulen" und die daraufhin entwickelte Reformstrategie
Kritik: reine gesellschaftspolitische Funktionalisierung; kein eigener Lehrplan; Vorwurf der Überflüssigkeit.
Reformbewegung insbesondere „Deutscher Verein für das Fortbildungsschulwesen“. Von Überlegungen von Pache/ Rücklin inspiriert stellte er Forderung nach fachgewerblicher Ausrichtung der Fortbildungsschule und damit ihre Umwandlung zur Berufsschule auf (= Einschwenken auf Mittelstandspolitik des Kaiserreiches und Anpassung an Ausbildungsinteressen des Handwerks; insbesondere Akzeptanz des ständischen Ausbildungsmodells)

Durchsetzung: Maßgeblich befördert durch Theorie Kerschensteiners („Staatsbürgerliche Erziehung der deutschen Jugend“ = Geburtsurkunde der Berufsschule):
+ Arbeiterjugend kann durch Berufserziehung für bürgerliche Gesellschaft gewonnen werden. ("Erziehung zu Arbeit und Beruf")
+ Zugleich: politische Erziehung → Ziel ist der „brauchbare Staatsbürger“
= Grundlagen der Berufsbildungstheorie
+ Arbeit und Ausbildung als Medium persönlicher Selbstverwirklichung; Voraussetzung allgemeiner Menschenbildung (Realität: Industriearbeit)
+ Gleichsetzung von Beruflichkeit und staatsbürgerlicher Erziehung
→ Irreales Berufskonzept, das zur Funktionalisierung der Berufsschule im Abwehrkampf gegen Sozialdemokratie führte, aber zugleich Grundstein legte für heutiges Berufskonzept, d.h. für Selbstbewusstsein und Autonomie von Facharbeitern

1911: grundlegender Erlass in Preußen zur Pflichtfortbildungsschule (Verknüpfung von Staatsbürger- und Berufserziehung zeigt sich vor allem im Fach "Berufs- und Bürgerkunde")
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Diskutiere, inwieweit vor 1918 im Vergleich zu 1970 von einem "Systemcharakter" in der Berufsausbildung gesprochen werden kann
Systemcharakter in der Berufsausbildung = Aufeinanderbezogenheit der beiden Systemelemente Ausbildungsmarkt und Berufsbildungsrecht

Erster Weltkrieg → Rückschritt für Berufsbildungssystem. Verhältnis von Gelernten zu Ungelernten dreht sich um.
System der Lernorte nicht vorhanden:
a) Betriebslehre: nur beim Handwerk in Ansätzen Struktur, aber Handwerk liegt am Boden. In der Industrie Auflösungserscheinungen.
b) Fortbildungsschule: noch unfertige Konstruktion, da erster Fokus nicht auf Qualifikation, sondern auf Integration lag.
Kein Zusammenspiel vorhanden
+ Duale Ausprägung → auch in der Entstehungsgeschichte!
Es handelt sich um zwei gegensätzliche Ansätze von Mittelstandspolitik (konservativ-klerikal und liberal)
+ Kaum Zusammenhang zwischen beiden: Handwerk bekämpft Fortbildungsschule. Diese versucht sich anzupassen.

(2) Merkmale eines Ausbildungssystems
Ausbildungsmarkt: In der Industrie werden zumeist jugendliche Arbeiter eingestellt; keine Lehrlinge. Fast nur im Handwerk Angebot an expliziten Ausbildungsplätzen. (Nach 1970: in so gut wie allen Branchen werden Ausbildungsplätze angeboten)
Berufsbildungsrecht: Gespaltenes Recht; z.B. für Industrie andere Regelungen als für Handwerk. Viele ungeregelte Bereiche. Es gibt z.B. keine klare rechtliche Grundlage, dass junge Arbeiter als Lehrlinge zu behandeln sind (Nach 1970: Berufsbildungsgesetz: beinhaltet alle Berufe und regelt Aufgaben und Beziehungen der beteiligten Akteure)
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Was versteht man unter "Wirtschaftsdualismus"?
= Gegensatz zwischen industriell-modernem und traditionellem Sektor (Kennzeichen von Entwicklungsländern und in Deutschland ebenfalls lange vorherrschend)
Unterscheidung der beiden Pole (Lutz):
+ Bedarfsdeckung (Absatzmarkt erforderlich ≠ Absatzmarkt kaum vorhanden; z.B. Wochenmarkt)
+ Organisationsform (Grundsicherung der Familie; Familie organisiert ≠ Gewinnmaximierung; bürokratische Herrschaft)
+ Arbeitskraftnutzung (Subsistenzwirtschaft ≠ Lohnprinzip)
Schnelles Bevölkerungswachstum im traditionellen Sektor, aber Abwanderung in Industrie, führt zu Stabilität.
Nur wenige klar abgegrenzte Austauschbeziehungen (Lutz: „Stoffwechsel“)
+ Traditioneller Sektor als Arbeitskräftereservoir
+ Arbeiter der Industrie decken Lebensbedürfnisse aus traditionellem Sektor
+ Bezug aus Industrie für traditionellen Sektor trägt investiven Charakter
Gesteuert durch zwei Logiken:
a) „ehernes Lohngesetz“: Lohnniveau steigt im industriellen Sektor nur, wenn Prosperität im traditionellen Sektor steigt
b) Im traditionellen Sektor nur soviel Investition, wie verkaufte Güter

Nach und nach zunehmende Absorption des traditionellen Sektors durch Industrie. Deutlich wird dabei die mangelnde Ausbildung. Stabilisierende Einflüsse des Traditionellen Sektors auf Bildungs- und Berufswahlverhalten verschwanden. (Privilegierte Positionen sind nicht über duales System, sondern nur über Universitäten erreichbar)
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Aus welchen Gründen begann die Industrie mit eigenen Bemühungen um Ausbildung und wie verliefen diese?
Ursprüngliches Verhalten der Industrie:
+ Kein Interesse an Ausbildungsmodell des Handwerks → Akzeptanz und Versuch, unabhängig zu bleiben
+ „Industrielehrling“ ist faktisch junger Arbeiter → zwischen Facharbeiter (Absolvent der Fachschule) und Masse der Maschinenarbeiter wird kein Personal benötigt.
+ Änderung: Industrieller Qualifikationsbedarf kann mit Taylorismus nicht mehr gedeckt werden
+ Widerstand der "Handwerks-Arbeiter" in den Betrieben
Beginn eigener Bemühungen
Maßgeblich ist DATSCH (Deutscher Ausschuss für Technisches Schulwesen)
→ eigenständiges Programm für die Entwicklung des industriellen Lehrlingswesens mit einem vom Produktionsbetrieb abgekoppelten Teil; und einen Teil in der Produktion unter Anleitung.
Forderung nach werkseigenen Schulen = Absage an traditionelle Handwerksausbildung und an Fortbildungsschulen
Zentraler Streitpunkt ist die Prüfungsfrage → DATSCH setzt auf verstärkte Kooperation mit industriellen Ausbildungsbetrieben, was zur Gründung des AfB (Arbeitsausschuss für Berufsbildung) führt. Ziel ist Abgrenzung und Systematierung der Industrieberufe. Ab 1926: Herausgabe der „Ordnungsmittel“ (Berufsbild, Berufsbildungsplan, Berufseignungsanforderung, Prüfungsanforderungen) → Forderung nach Gleichstellung von Facharbeiterprüfung mit handwerklicher Gesellenprüfung wird in den 30er Jahren erfüllt.
Weitere Institution: DINTA (Deutsches Institut für technische Arbeitsschulung). Ziele: Arbeiter soll Akteur im Arbeitsprozess sein, keine feindselige Oppositionsstellung zwischen Arbeiter und Unternehmen, wirtschaftsfriedliche Arbeiterschaft ohne Klassenkampfgedanken.
→ Lehrlingserziehung als wichtigstes Mittel. DINTA sorgte für Ausbreitung von Lehrwerkstätten in weitere Industriezweige. Ergänzt durch Herausgabe von Werkszeitungen, Eröffnung von Kitas etc. Dahinter steht Ideologie der Werksgemeinschaft, Agitation gegen Gewerkschaften, Betonung des Führerprinzips, Anlehnung an militärische Vorbilder → Bruchlose Eingliederung in den Nationalsozialismus, aber Übernahme misslingt → wirtschaftliche Verantwortung für Ausbildung bleibt bestehen
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Was werden die zentralen Kennzeichen industrietypischer Ausbildung? Wie verhält sich das Handwerk zu dieser Entwicklung`?
Kennzeichnung industrietypischer Ausbildung:
a) institutionellLehrwerkstatt: erste Beispiele nach der Französischen Revolution; Aufschwung im Dritten Reich (Werkschule setzt sich dagegen nur schleppend durch, zwar Interesse an Beherrschung der gesamten Ausbildung, aber hohe Kosten!)
b) methodischLehrgang als zentrales Merkmal. Arbeitsprozess wird gestückelt und in Lernsequenzen nach steigender Schwierigkeit wieder zusammengefügt. Bekannt ist insbesondere der Lehrgang "Eisen erzieht."
c) berufssystematisch: Ordnungsmittel zur Kennzeichung der verschiedenen Berufsbilder (u.a. Anforderungen, Ausbildungsplan) werden nach und nach zusammengestellt; nach 1945 wird ABB (Arbeitsstelle für Betriebliche Berufsausbildung) prägend.

Im Handwerk:
Annäherung an Ordnungsprinzipien der Industrie, aber traditionelle Ausbildungspraxis bleibt unberührt.
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Beschreibe die Entwicklung der Berufsschule nach dem 1. Weltkrieg
Historische Entwicklung
Ausgangspunkt: Bildungssackgasse: Berufsschule ist isoliert und aufgrund ihrer ungefestigten Form leicht als Herrschaftsmittel zu missbrauchen
Weimarer Republik: Schulstreit führt zu Blockade; betrifft auch Fortbildungsschulgesetz. Einzige rechtliche Grundlage: Reichsgewerbeordnung (Gemeinden dürfen den Fortbildungsschulbesuch verpflichtend machen)
Wegen wichtiger Rolle für Wiederaufbau erst spät von Sparmaßnahmen betroffen; dann aber richtig
Nationalsozialismus: Vernachlässigung aber dennoch rechtliche Regelung im Zuge der Zentralisierung des Schulwesens
1932 Anerkennung des Lernortes Schule durch die Industrie
1938: Allgemeine Berufsschulpflicht (Ziel: ideologische Beeinflussung und Eingliederung ins Militär)
Nach 1945: Versuch der Einheitsschule, in die die Berufsschule eingegliedert wäre, misslingt → Restauration. Auch Berufsschulentwicklung knüpft nahtlos an die Weimarer Zeit an.

Änderung in der Ausrichtung der Berufsschule:
+ Schnelle Einigung auf Konzept „Schule der Wirtschaft“ mit berufsfachlicher Ausrichtung (Bürokratie, Handwerk, Industrie, Berufsschullehrer; nicht die Gewerkschaften)
+ Dennoch widersprüchliches Verhältnis der Unternehmer:
Verberuflichung der Ausbildung als Fortschritt ~ Kritik an Fehlen im Betrieb durch Berufsschulpflicht
+ Lehrplankonstruktion: Zwischen „inhaltlicher und zeitlicher Parallelität zwischen betrieblicher und schulischer Ausbildung“ und „Frankfurter Methodik“ (eigenständiges Lehrplan- und Unterrichtskonzept)
+ Bildungstheorie (Frage der pädagogischen Legitimation): Zielstellung der Integration wird zu dürftig; Spranger „Bildung durch den Beruf“ (neuhumanistischer Ansatz) → Faktisch nur ein Versuch die schichtspezifische Spaltung des Schulwesens zu legitimieren.
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Erläutere, welche Interessen der moderne Sozialstaat, Arbeitnehmer und Arbeitgeber bezüglich gesetzlicher Regelungen in der beruflichen Bildung verfolgen
Interessen des modernern Sozialstaats
Ziel ist möglichst umfassende und einheitliche Regelung
(1) Wirtschaftspolitisch: schnelle Qualifikationsumbrüche durch rasche technologische Entwicklung und komplizierte Qualifikationsanforderungen – horizontal (Spezialisierungen) und vertikal (Hierarchien) ausdifferenziert – machen staatliche Eingriffe beim Qualifikationserwerb wichtig.
(2) Sozialpolitisch: Ausbildung als wichtige Voraussetzung für Einkommen und Integration in die Gesellschaft. Zudem: Schutz der Auszubildenden vor Ausbeutung.
(3) Bildungspolitisch: Berufsausbildung als zentraler Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung

Gewerkschaftsinteressen:
Qualitativ hochwertig und breit angelegt Kompetenzvermittlung, zur optimalen Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt.
Zentrale Forderungen sind: Beteiligung, Ausbildungskontrolle durch den Staat, gute Lernorte, nicht einzelbetrieblich, sondern auch mit staatlichem Einfluss.

Arbeitgeberinteressen:
Ausbildung als Kostenfaktor;
Zentrale Forderungen: möglichst niedrige Ausbildungskosten bzw. Ertrag durch Ausbildung, möglichst freie Entscheidung über Qualität und Quantität der Ausbildung, Kontrolle der Ausbildungsergebnisse
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Nenne und beschreibe die vier Entwicklungsstufen hin zum deutschen Berufsbildungsrecht und erläutere konkret den Weg hin zum BBiG
Erste Stufe: völlig ungeregelter Erwerb beruflicher Qualifikationen; in traditionalen Gesellschaften; Prinzip des produktiven Mitmachens im laufenden Arbeitsprozess. Ältere als Vermittler

Zweite Stufe: berufsständisch-autonomes Berufsbildungsrecht. Musterbeispiel ist mittelalterliche Handwerksausbildung. Zunft regelt nicht nur Beruf, sondern auch Leben der Mitglieder. Dreistufige Ausbildung: Lehrling; Geselle; Meister.

Dritte Stufe: gewerberechtliche Einbindung der Berufsausbildung. Schlagworte sind Gewerbefreiheit und Freihandel. Bestimmend ist das Bürgertum. Ausbildung erhält Muster einer privaten Vertragsbeziehung und ist im Gewerberecht verankert.

Vierte Stufe: spezialisiertes Berufsbildungsrecht; staatliches Interesse an möglichst umfassenden (präzise und für alle Berufe) sowie eindeutigen (einheitlich; Zusammenfügung der versprengten gesetzlichen Regelungen in einem Gesetz) Regelung.

Weg zum Berufsbildungsgesetz
+ 1918: Anerkennung der Gewerkschaften durch Arbeitgeber als Tarifpartner → Forderung nach Mitbestimmung bei Ausbildung
Dennoch keine Einigung in den Folgejahren. Ausbildung soll Selbstverwaltungsaufgabe der Wirtschaft bleiben.
Nach 1945: Vorerst nur Verabschiedung der Handwerksordnung. Nach SPD-Entwurf folgt 1969 Verabschiedung des BBiG in der Großen Koalition.

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Welche Entwicklung nahm das Berufsbildungssystem in Deutschland nach der Verabschiedung des Berufsbildungsgesetzes?
Neue Problemlage: Bildungsexpansion:
Diese zielte vorrangig auf Erweiterung Hochschulzugang, aber auch berufliche Bildung geriet in den Blick. Unter anderem: Empfehlung des Bildungsrates und „Markierungspunkte“ der Bundesregierung.
Aber: Bildungsexpansion stoppt (Weltwirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit sowie Versorgung der geburtenstarken Jahrgänge) 
→ Grundlegende Reform (Ermöglichung sozialen Aufstiegs auch über berufliche Bildung) bleibt aus; (Lutz: "meritokratischer Teufelskreis“ wird nicht durchbrochen)

Interpretation von Lutz: lange Prosperität führte zur Absorption des traditionalen Sektors; Freisetzung von Dynamik im Berufswahlverhalten; Kritik an ungleicher Verteilung von Sozialchancen wird offensichtlich → Versuch der Schulreformen, als "ungefährlichster Versuch für die Herrschenden.
Kritik im Berufsbildungssystem: Spaltung des Bildungswesens in berufliche und höherwertige akademische wird offensichtlich; mangelhafte qualifikatorische Leistungsfähigkeit (vielfach Ausbeutungsinstrument). Druck wird unterstützt durch Lehrlingsbewegung.

Reaktion:
Anstelle des großen Wurfes folgte in den 70er Jahren eine Reihe betriebspädagogisch relevante Maßnahmen.
+ System differenzierter Verantwortlichkeiten anstelle einseitiger Einfluss der Arbeitgeber
+ Neuordnung der Kompetenzen (mehr Staat anstelle von Kammern)
+ Weitere Reformen: Transparenzerhöhung durch Berufsbildungsbericht, Ausbildereignungsverordnung, verpflichtende Anrechung schulischer Berufsausbildung auf Ausbildungszeit, Kapizitätsausweitung überbetrieblicher Berufsbildungsstätten (ÜBS)   
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Nenne die zentralen Daten zur Sozialgeschichte des deualen Systems
1810/11 Erlass der Gewerbefreiheit
Ausbildungsbefugnis nicht weiter an Zunftmitgliedschaft gekoppelt, diese Gewerbefreiheit wurde duch Novellierungen aber wieder zurückgedrängt
1869 Erlass der Gewerbeordnung
Lehrlinge unterstehen ihren Meistern/Fabrikanten; somit sind letze gewerbliche Hindernisse beseitigt
1873 – Gründung der Fortbildungsschulen als "Antwort auf die Sozialisationslücke" - 3-jährige Fortbildungsschulpflicht zunächst für männliche Jugendliche.
1897 Novelle der Gewerbeordnung = "Handwerkerschutzgesetz"
Handwerksausbildung steht unter Aufsicht der Handwerkskammern, Vorschriften gegen „Lehrlingszüchterei“
1900 – Durchsetzung Reformen beruflich orientierter Fortbildungsschulen durch Kerschensteiner - Berufserziehung als Staatsbürgererziehung (Erziehung zu Arbeit und Beruf = brauchbare Staatsbürger)
1908 Novelle der Gewerbeordnung
kleiner Befähigungsnachweis (Meisterprüfung) als Ausbildungsbefugnis notwendig
1909 Gründung des DATSCH
zur Interessensvertretung der Industrieberufe und deren Ausbildungsregelungen
1911 Erlass über die „Bestimmungen über die Einrichtung und Lehrpläne gewerblicher bzw. kaufmännischer Fortbildungsschulen“
Neue Inhaltliche Vorstellungen, nach den Vorstellungen Kerschensteiners formuliert waren
1935/38 Gleichstellung der Industrie- und Handwerksprüfungen
1938 Reichsschulpflichtgesetz
regelt Berufsschulpflicht erstmals
1969 Inkrafttreten des BBiG
erste bundeseinheitliche Rechtsgrundalge für betriebliche Berufsausbildung!!! Ende des jahrzentelangen „Hin-und Her’s“
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Definiere den Begriff Berufsausbildung und ordne sie in den Gesamtbildungsprozess ein
Definition Berufsbildung:
+ Berufsbildung zielt auf Übernahme beruflicher Positionen im Erwerbssystem.
+ Ziele: Berufliche Qualifizierung, Sozialisation, Allokation, Selektion
+ Teilsysteme beruflicher Qualifizierung: Hochschule und duales System (graduelle, nicht prinzipielle Unterscheidung zwischen Facharbeiter und Akademiker)
+ Alltagssprache → berufliche Bildung = nichtakademische Bildung; Beschäftigungstyp: Facharbeiter
+ Dual: Lernorte Betrieb und Schule. Duales System als Euphemismus → Vielzahl von Lernorten, Lernsituationen; nur lockere Verbindung, Zuständigkeitenvielfalt (gespaltener Qualifizierungsprozess)

Im Gesamtbildungssystem:
Im Rahmen der Sek I (gegliedertes Schulsystem ) wird Vollzeitschulpflicht erfüllt. In Sek II folgt Gliederung in allgemeinbildendes (gymnasiale Oberstufe; Fachoberschule) und berufsbildendes Bildungswesen; Schwerpunkt: duales System (unterliegt Marktschwankungen). Fast drei Viertel der Zeit entfällt auf betriebliche Ausbildung (fachpraktische Berufsausbildung); ein Viertel auf Berufsschule (theoretische Berufsausbildung; Fortsetzung allgemeiner Unterricht) → Nie vollständig getrennt/ zugeordnet. Durch Kompensation fehlender fachpraktischer Vermittlung auch zunehmend öffentlich geförderte überbetriebliche Ausbildungswerkstätten (→ triales System; Vielfalt der Kooperationsformen → plural)

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Nenne die acht Grundelemente dualer Ausbildung und die sechs Grundprinzipien
Lernort:
Betrieb ~ Berufsschule
Rechtsgrundlage für den Ausbildungsberuf:
Ausbildungsordnung ~ Rahmenlehrplan
Rechtsgrundlage für das Ausbildungsverhältnis:
Berufsausbildungsvertrag ~ Schulpflicht
Ausbildungsinhalt:
Betrieblicher Ausbildungsplan ~ Lehrplan
Rechtsgrundlage für die Ausbildung:
Berufsbildungsgesetz ~ Schulgesetze der Länder
Ausbildungspersonal:
Ausbilder ~ Berufsschullehrer
Beratung und Überwachung:
Kammer oder andere zuständige Stelle ~ Regierungspräsident oder Schulaufsicht/ Schulämter
Finanzierung:
Ausbildungsbetriebe ~ Länder, Kreise, Gemeinden

Grundprinzipien
(1) Öffentliche Verantwortung für Ordnung der Berufsausbildung (weder rein staatliche noch rein private Angelegenheit)
(2) Bürgerliche Vertragsfreiheit für Begründung von Ausbildungsverhältnissen
(3) Mittelbare Staatsverwaltung durch Selbstverwaltungseinrichtungen der Wirtschaft (im Zentrum stehen Kammern, die für Einhaltung der Regeln Sorge tragen müssen)
(4) Dualitätsprinzip
(5) Berufsprinzip
(6) Konsensprinzip
 
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Beschreibe kurz die ersten drei Grundprinzipien dualer Ausbildung
#Duales Prinzip: Mit dem Dualitätsprinzip ist die Verbindung von Lernen im Arbeitsprozess und in der Berufsschule gemeint. Die Ausbildung in Deutschland findet an zwei verschiedenen Lernorten, im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule, statt. Daraus ergeben sich verschiedene Dualitäten. Die Bereiche oder Elemente dieser Dualitäten sind neben den beiden Lernorten die Zuständigkeiten für die Gesetzgebung und unterschiedliche Rechtsgrundlagen, das Ausbildungspersonal und staatliche Aufsicht, das Nebeneinander der Lehrpläne, sowie unterschiedliche Überwachung, Planung und Finanzierung. Betriebliche und schulische Ausbildung sind verschieden organisiert. Beispiele: Die Finanzierung einer Ausbildung erfolgt auf betrieblicher Seite durch den Betrieb, die Berufsschule wird von Land, Kreis und Gemeinde getragen. Die Rechtsgrundlage für den betrieblichen Teil der Ausbildung ist das BBiG, auf schulischer Seite die Schulgesetze der Länder.
#Berufsprinzip: Unter dem Berufsprinzip versteht man, das in Deutschland in einem anerkannten Beruf ausgebildet wird. Die Ausbildung ist staatlich normiert und betrieblich organisiert. Es handelt sich um eine mehrjährige Berufsausbildung, die als Grundlage für ein breites Spektrum qualifizierter Erwerbstätigkeiten dient.
#KonsensprinzipMit Konsensprinzip ist die Zusammenarbeit von Staat und Sozialparteien gemeint, bei der die Parteien zu einer einvernehmlichen Einigung kommen müssen. Dies betrifft sowohl die Bereiche in denen die Sozialparteien und der Staat (bei der Entwicklung von Ausbildungsordnungen), der Bund mit den Ländern (bei der Abstimmung der Ausbildungsordnung auf die Rahmenlehrpläne der Berufsschulen) oder die Länder untereinander(bei der Entwicklung der Rahmenlehrpläne) zu Entscheidungen kommen müssen.

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Beschreibe kurz die letzten drei Grundprinzipen dualer Ausbildung
#Prinzip der öffentlichen Verantwortung für die Ordnung der Berufsausbildung, d.h. duale Berufsausbildung ist als Mischsystem aus marktwirtschaftlichen, staatlichen und korporativen Steuerungselementen zu sehen und nicht rein privat oder rein staatlich. Öffentliche Verantwortung meint, dass Berufsausbildung weder eine rein staatliche noch eine rein private Verantwortlichkeit auszeichnet. Auf der Grundlage des BBiG werden zur Sicherung bundeseinheitlicher und gleichwertiger Berufsausbildung Ausbildungsordnungen erlassen, an deren Erarbeitung Staat und Sozialpartner gleichberechtigt beteiligt sind.
#Prinzip der bürgerlichen Vertragsfreiheit: bei der Begründung von Berufsausbildungsverhältnissen, d.h. kein Betrieb kann gezwungen werden einen Jugendlichen auszubilden. Jeder Jugendliche hat das Recht, Ausbildungsberuf und –betrieb zu wählen. Ausbildung erfolgt im Rahmen der staatlich vorgegebenen Standards.
#Prinzip der mittelbaren Staatsverwaltung durch Selbstverwaltungseinrichtungen der Wirtschaft. Dieses Prinzip bezieht sich auf den Korporatismus und somit auf die Einbindung nicht-staatlicher Akteure (z.B. Arbeitnehmer, Arbeitgeber) in die Politik und Übertragung hoheitlicher Aufgaben auf diese Akteure. Dabei gibt der Staat die Rahmenbedingungen vor. Das Prinzip der mittelbaren Staatsverwaltung ist dem Korporatismus sehr nah. Im Zentrum dieses Prinzips stehen die Kammern als öffentlich-rechtliche Selbstverwaltungsorgane der Wirtschaft, die mit der Wahrnehmung von Überwachungs-/ Kontroll- sowie Durchführungsaufgaben und Beratungsaufgaben in der beruflichen Bildung dafür Sorge tragen müssen, dass die gesetzlichen und ordnungsrechtlichen Normen der Berufsausbildung im betrieblichen Ausbildungshandeln aber auch im Prüfungswesen eingehalten werden.
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Was sind die Kennzeichen des Betriebs als Lernort?
+ Wichtigster Lernort, da Vertragspartner der Auszubildenden (maßgeblicher Einfluss auf Ausbildung) und Hauptlernzeit (ca. 3/4)
+ Markt reguliert Zustandekommen von betrieblichen Ausbildungsstellen, für Zustandekommen von Ausbildungsvertrag gilt Prinzip der Vertragsfreiheit (aber: Wenn Ausbildung, dann nur im Rahmen staatlicher Vorgaben)
+ Ziel beruflicher Bildung ist berufliche Handlungsfähigkeit; inhaltlich bestimmt durch Ausbildungsordnung: im Betrieb ermöglicht "Lernen im Arbeitsprozess" Erwerb von Erfahrungswissen (berufliches Fachwissen + Anwendbarkeit allgemeinen Wissens auf Praxis). Angeboten wird Erfahrungslernen und Schulung.
+ Gefahr ist Ausbeutung Auszubildende als billige Arbeitskräfte und betriebsspezifische Beschränkung der Kompetenzen. Dem wirkt der Staat durch ordnungspolitische Regelungen mit dem Ziel der Qualitätssicherung und Mobilitätsförderung entgegen (insbesondere durch Setzung von Qualitätsmindeststandards, Motivation zum Ausbildungsplatzangebot, Ausgleich durch öffentliche Angebote)
  
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Wie kommt es im dualen System zu überbetrieblichen Qualifikationsstandards und welche Funktion erfüllen sie?
Hintergrund: besonderes Verhältnis von Marktmechanismen (-> Versorgung mit Ausbildungsstellen) und staatlicher Bürokratie (-> Rahmenbedingungen für betriebliches Ausbildungshandeln) als zentrales Kennzeichen des dualen Systems.
Staatlich gesetzte Rahmenbedingungen: zielen auf überbetriebliche Verwertbarkeit und umfassen beim Ausbildungsberuf insbesondere Berufsbezeichnung, Ausbildungsdauer, Ausbildungsberufsbild, Ausbildungsrahmenplan, Prüfungsanforderungen durch Rechtsverordnung; sowie Eignungsvorschriften für Ausbildungspersonal und - betrieb.
* Überwachung durch Kammern
* Modernisierung etc.: Gewerkschaften, Arbeitgeber, Staat
Ausschließlichkeitsgrundsatz = Wenn Ausbildung, dann nur im Rahmen staatlicher Vorgaben, d.h. in anerkannten Berufen und nach Ausbildungsordnung; sichert Qualität und reduziert Fehlsteuerung durch Markt. Spannung zwischen betriebsspezifischer Zielsetzung unbd überbetrieblicher Qualifizierung.
Ausbildungsordnungen definieren "berufliche Handlungsfähigkeit" insbesondere durch Festlegung der Inhalte und der Gliederung.
Vermarktbarkeit von Arbeitsfähigkeiten wird durch Überbetrieblichkeit realisiert. Betriebe: Erwartung an Arbeitsvermögen, Einsetzbarkeit; Lohnkosten. Arbeiter: Ansprüche an Einkommen, Beschäftigung, Karriere; d.h. Staat schafft durch berufliche Zertifikate als "Markenprodukte" Basis für funktionierende berufsfachliche Arbeitsmärkte.
    
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Was sind Mindestbestandteile einer Ausbildungsordnung und warum ist diese so wichtig?
Bestandteile
# Festlegung der Bezeichnung des Ausbildungsberufs
# Festlegung der Ausbildungsdauer
# Festlegung des Ausbildungsberufsbildes
# Festlegung des Ausbildungsrahmenplanes
# Festlegung der Prüfungsanforderungen

Aufgaben:
    *  Regelung der Ziele und Inhalte der betrieblichen Berufsaufbildung
    * Vermittlung festgelegter Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse (fachspezifische, persönliche und soziale Kompetenzen)
    * verbindlicher Qualitätsstandard
    * Sicherung einer geordneten und bundeseinheitlichen Berufsausbildung (unmittelbar geltendes Recht) mit
    * überbetrieblich geltenden und vergleichbaren Prüfungszertifikate
    * Basis für berufsfachlichen Arbeitsmarkt
    * Vermarktbarkeit von Arbeitsfähigkeit

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Was bedeutet die Festlegung der Berufsbildung als öffentliche Aufgabe im Berufsbildungsgesetz?
Öffentliche Aufgabe = weder ausschließlich staatlich, noch ausschließlich privat. Mischsystem aus staatlichen, marktwirtschaftlichen und korporativen Steuerungselementen. Staat: Fixiert mit Berufsbildungsgesetz und auf dieser Grundlage erlassenen Rechtsverordnungen die Rahmenbedingungen. Arbeitgeber/ Gewerkschaften/ Länder überarbeiten Ausbildungsordnungen; Betriebe entscheiden über Angebot von Ausbildungsplätzen; Kammern überwachen Einhaltung von Normen.
Konsensprinzip: Markiert weitestgehende Übertragung von staatlichen Aufgaben. Erlass von Ausbildungsordnungen nur nach Konsens von Arbeitgeber und Gewerkschaften.
Korporatismus Unter Korporatismus im dualen System der Berufsausbildung versteht man die staatlich geregelte, auf dem Konsensprinzip beruhende, dauerhafte Beteiligung von Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern an allen wesentlichen Entscheidungs-, Planungs-, Durchführungs- und Kontrollprozessen im Bereich der betrieblichen Berufsausbildung auf Bundes- (z.B. BiBB; Zustimmung zu AO) Landes- (z.B. Landesausschuss für Berufsbildung; Koordinierung betrieblich/ schulisch) und Regionalebene (Berufsbildungs- und Prüfungsausschuss).
Sichert in der beruflichen Bildung Kompromisse zwischen Kapital und Arbeit.
Vorteile für die beteiligten Akteure
+ Staat: Entlastung der öffentlichen Haushalte durch Ausbildungskosten bei Betrieben und Entlastung des Hochschulsystems. Zudem gesellschaftliche Integration der Jugendlkichen. Befreit von Aufgabe der Konsenssuche; hohe Akzeptanz der Beschlüsse.
+ Arbeitgeber: Einfluss auf Gestaltung der Ausbildung, insbesondere Berücksichtigung betriebsspezifischer Belange, Einsparung von Rekrutierungskosten, Ausbildungskosten können durch Beteiligung am Arbeitsprozess gering gehalten werden, immer Personalauswahl, Neuerungen werden automatisch mit vermittelt.
+Gewerkschaften: Mitwirkungsrechte, können Reforminitiative lancieren, Facharbeiter als Rückgrat der gewerkschaftlichen Arbeit
* Auszubildende: Eingliederung in Belegschaft, Erwerb einer überbetrieblich einsetzbaren Qualifikation, Schutz vor Dequalifizierung und Erwerb von Karriereperspektiven, Vergütung
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Beschreibe die zwei großen Segmente betrieblicher Ausbildung
(1) Großindustrie
+ Eigene Ausbildungsabteilung und hauptamtliche Ausbilder
+ Ausbildung in produktionsgetrennten Ausbildungswekstätten
+ Systematische Lehrgänge
+ Zusätzlicher Theorieunterricht
+ Hoher Legalitätsgrad; Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen
+ Gute Chancen auf Übernahme

(2) Kleinbetriebe (quantitativ dominierend)
+ Ausbildung im Produktionsprozess; nebenberufliche Ausbilder
+ Qualifizierungsmöglichkeit ist auf Aufgabenspektrum beschränkt
+ Situative und eher zufällige Lerneffekte
+ Keine theoretische Unterweisung; kaum Abstimmung
+ Meist auch Hilfsarbeiten
+ Unsichere Übernahmechancen
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Gibt es eine positive Korrelation zwischen Ausbildungsgröße und Ausbildungsqualität?
In Großbetrieben:
Kritik an Verschulung: Gefahr der Abkopplung des Lernens vom betrieblichen Arbeitsalltag, unangemessene Theoretisierung, Distanzierung von betriebsspezifischen Handlungsanforderungen, fehlende Vermittlung Schlüsselqualifikationen
→ Rückverlagerung des Lernens in den Arbeitsprozess; Ziel ist Handlungswissen
Hintergrund: Prozessorientierung der Arbeit → arbeitsprozessorientiertes Lernen mit dem Ziel, Wissen situationsspezifisch anwenden zu können (setzt fundiertes Fachwissen/ rationales Handeln und Erfahrungswissen/ erfahrungsgeleitetes Handeln voraus). Zudem Gestaltung als ganzheitliche Förderung der Persönlichkeitsentwicklung.
Im Betrieb: „dezentrales Lernen“ (Verknüpfung Lernen und Arbeiten durch Lerninseln, Lernstatt etc.)
In der Schule: „Lernfeldprinzip“; Vermittlung thematischer Einheiten orientiert am Handlungsablauf (≠ Fach- und Stofforientierung)

Kleinbetriebe haben hier lernorganisatorischen Vorsprung; sind allerdings auf staatliche Unterstützung angewiesen.
(1) öffentliche Finanzierung des Berufsschulunterrichts
(2) Förderung von überbetrieblichen Ausbildungsstätten (Träger sind Selbstverwaltungseinrichtungen der Wirtschaft, agieren zunehmend als Kompetenzzentren auch für Weiterbildung; ursprünglich zur Vermittlung der in Kleinbetrieben fehlenden Angebote) und Einrichtung von Verbundausbildung (Leitbetrieb mit Partnerbetrieben, Ausbildungsverein, Ausbildungs-Konsortium, Aufragsausbildung → häufigster Fall)
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Beschreibe die Funktion und Wirkungsweise von Übergängen im Bildungssystem
+ Bildungserfolg gilt gemeinhin als Bestimmungsgröße für Übergänge im Bildungswesen. Wirkung ist allerdings von Land zu Land unterschiedlich.
+ Schwellen: Schuleintritt; Eintritt in Sek I, in Sek II, in Beschäftigungssystem (bei Weiterbildung auch wieder zurück)
→ Schwellen stehen nicht nebeneinander, sondern wirken aufeinander
+ In Deutschland schon sehr frühe Vorsortierung.
+ Übergang in Sek II wird beeinflusst durch Abschlüsse von Sek I und Struktur von Sek II (z.B. Realschüler können normal nicht in gymnasiale Oberstufe wechseln; Gymnasiasten stehen aber alle Wege offen)
+ Neben Auswahl Oberstufe oder duales System; zudem: schulische Bildungsgänge zur Vorbereitung auf eine Berufsbildung, Berufsqualifizierung (Berufsfachschule, Schule des Gesundheitswesens), Vorbereitung auf Studium an Fachhochschule (Fachoberschule). Theoretisch möglich ist auch Erwerbstätigkeit + Berufsschule
+ Mehr als zwei Drittel eines Altersjahrgangs im dualen System. Aktuell: Sinkende Übergänge wegen fehlendem Angebot (→ vorgeschaltete Zwischenphase)
+ Selektions- und Allokationswirkung der betrieblichen Personalpolitik beginnt schon an der ersten Schwelle (Eintritt ins duale System); nicht erst an der zweiten Stelle (Eintritt in den Arbeitsmarkt)
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Beschreibe die Stellung des dualen Systems im internationalen Kontext
+ Institution Beruf in Deutschland sichert Zuordnung von Abschlüssen und Arbeitsanforderungen und verhindert qualitatives Ungleichgewicht (mismatch).
+ Duales System und Berufsprinzip als internationales Unikum: Institution Beruf führt zu überbetrieblich einsetzbaren Qualifikationen. Zertifizierung sichert arbeitsmarktbezogenen Tauschwert (ansonsten nur betriebsbezogener Gebrauchswert)
+ System der Berufsausbildung ist eingebunden in einen bestimmten Entwicklungspfad. Andere Länder nahmen nicht Rückgriff auf „vormodernes“ Konstrukt des Berufes.
+ Stärke des dualen Systems: relativ frei von einzelbetrieblichen Verwertungs- und Rentabilitätsinteressen (→ wie beim Anlernen im Betrieb) und von Selektions-/ Allokationsregeln des allgemeinbildenden Schulsystems (wie bei schulischem Ausbildungssystem)
+ Vergleichende Berufsbildungsforschung ist vor allem im Hinblick auf Möglichkeit eines vertieften Verständnis des eigenen Bildungssystems über den Umweg ausländischer Erfahrungen interessant. Übertragbarkeit von Strukturen oder Reformüberlegungen nicht gegeben. 
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Wie entwickeln sich Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsstellenmarkt? (5 Aspekte)
+ Ausbildungsmarktsituation wird im Berufsbildungsbericht des BBiG (seit 1977) gezeigt; von Bundesregierung herausgegeben:
* Gesamtangebot → Abgeschlossene Ausbildungsverträge + offenes Angebot zum 30.09.
* Gesamtnachfrage →   Abgeschlossene Ausbildungsverträge + noch nicht vermittelte Bewerber zum 30.09.
Prognose: Schulabgängerzahlen und Befragungen

+ Ausbildungsstellenbilanz (Relation zwischen Angebot und Nachfrage) ist schwankend. Abhängigkeit von demografischer Entwicklung, Bildungsverhalten der Jugendlichen und Angebotsverhalten der Betriebe. Krisenphasen mit Angebotslücke vor allem Mitte der 80er und Mitte der 90er Jahre.

+ Zugangschancen abhängig von Schulabschluss, Geschlechtszugehörigkeit, Region + generationenspezifische Ungleichheit! Selbst bei ausgeglichener Bilanz gehen in schlechten Regionen viele leer aus: Nord-Süd und Ost-West-Gefälle, sowie strukturschwache Regionen! Problem Kumulierungseffekt → Da wo ausgebildet werden müsste, um Fachkräfte für bessere Entwicklung zu haben, wird gerade nicht ausgebildet!

+ Latente Nachfrage: Jugendliche in schulischen Maßnahmen

+ Strukturelle Diskrepanzen zwischen Angebot und Nachfrage gehören zur Normalität. In Krisenzeiten sind Frauen, Migranten und Lernbeeinträchtigte die Hauptverlierer; sie profitieren überdurchschnittlich von Entspannungszeiten
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Beschreibe das betriebliche Ausbildungsverhalten
+ Allgemeines: Nur rund 1/3 der Betriebe bildet aus (Voraussetzung nicht gegeben oder nicht gewünscht). Ausbildungsbereitschaft unterliegt einzelbetrieblichem Rentabilitätskalkül. Zusammenhang: Angebot, BIP,  Beschäftigung
+ Kosten-Ertrags-Relation erklärt unterschiedliches Ausbildungsangebot (Betriebsgröße, Wirtschaftssektor, Berufsgruppe)
Kosten: Personalkosten der Ausbildenden, Personalkosten der Ausbilder, Anlage- und Sachkosten, Sonstige Kosten
Erträge (Arbeitsplatz als wichtigster innerbetrieblicher Lernort) → Nettokosten (zum Teil sogar Nettoerträge)
Teilkostenrechnung: nur Kosten berücksichtigen, die durch Ausbildung zusätzlich verursacht werden (z.B. keine Anrechnung von nebenberuflich mit Ausbildung beschäftigtem Personal)
→ Landwirtschaft und Handwerk fast vollständige Kompensation; am höchsten im Öffentlichen Dienst
→ Kosten steigen mit wachsender Betriebsgröße an
Kostenintensive Ausbildung beschränkt sich meist auf eigenen Bedarf; Kostengünstige Ausbildung geht darüber hinaus. Verstärkung in Krisenzeiten
→ Gegenläufiges Angebotsverhalten von Industrie/ Handel und Handwerk (Absorptionsfunktion, Schwammfunktion)
Sachverständigenkommission: Wettbewerbsverzerrungen, Qualitätsdefizite, Strukturverzerrungen, Angebotsdefizite für teure/ Überangebote für billige Berufe, Konjunkturanfälligkeit, Chancenungleichheiten
Zusätzlicher Grund für Ausbildung: Vermeidung von Opportunitätskosten (Suchkosten nach ausgebildeten Fachkräften, Anpassungsqualifizierung, Fluktuation durch fehlende Betriebsverbundenheit, Imagegewinn)
Angebotsmangel auch begründet mit fehlenden bzw. schlecht qualifizierten Bewerbern
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Wie gestalten sich Übernahme und Erfolgsquoten im dualen System?
Übernahmequoten (nach Abschluss Ausbildung; Ende des Vertrags) steigen mit steigender Betriebsgröße.
Aktuell: Zunahme von Arbeitslosigkeit nach Ausbildung. Auch Übernahmequalität sinkt; z.B. Übernahme nur als An-/Ungelernte oder befristete Weiterbeschäftigung
Langzeitphänomen: Entkopplung von Ausbildung und Beschäftigung als Strukturphänomen des dualen Systems (zuviel Ausbildung in Fertigungsberufen, die dann in Angestellten- und Dienstleistungstätigkeiten abwandern). „Arbeitsteilung“ zwischen ausbildenden und beschäftigenden Sektoren.
→ Gefordert ist erhebliche Mobilitätsbereitschaft der AbsolventInnen
→ Ausbildung über Bedarf im Handwerk als Überlebensstrategie (Gratifikationsangebote in kleinen Betrieben kaum möglich)

Erfolgsquoten:
Sehr hoher Ausbildungsabbruch (jeder fünfte Vertrag); vor allem in wenig nachgefragten Bereichen und vor allem während der Probezeit (erste drei Monate der Ausbildung; Kündigung ist ohne Frist und ohne Angabe von Gründen möglich).
Gründe: Schwierigkeiten im Ausbildungsbetrieb, persönliche Gründe, Enttäuschung über gewählten Beruf
→ Kritischere Beurteilung durch höhere Vorbildung und höheres Eintrittsalter; zudem: Ausbildung gegen Wunsch durch Ausbildungsmarktkrise (In attraktiven Bereichen sind die geringsten Auflösequoten)
Prüfungserfolg ist sehr hoch. Abschlussprüfung kann bis zu zweimal wiederholt werden. Betrieb muss Ausbildungsvertrag bis mindestens zur nächsten Abschlussprüfung, aber höchstens ein Jahr verlängern.
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Wie beeinflusst neben der demographischen Entwicklung (erwartet werden weniger Ausbildungsplatzsuchende und Bedeutungsgewinn Weiterbildung) auch die Vorbildung das Nachfrage und Übergangsverhalten im dualen System?
Grundsätzlich stehen Ausbildungsgänge allen nach Beendigung der Vollzeitschulpflicht offen; auch ohne Abschluss. Zunehmend auch Abiturienten; Absolventen beruflicher Schulen. (Alterstruktur und Vorbildung von Azubis verändert sich!)
Konzentration nach Vorbildung (mit Abi meist kaufmännischer- oder Dienstleistungsbereich; nicht: Handwerk, Baugewerbe)
→ Ergebnis von Präferenzen und Marktkonstellationen. Besonders großes Optionsspektrum mit Studienberechtigung. Wenn sich viele Abiturienten für das duale System entscheiden, engen sie damit das Optionsspektrum der anderen weiter ein.
Bildungsexpansion führt zu verstärktem Ausgrenzungsrisiko der unteren Gruppen
→ Hohe Bildungsabschlüsse werden wichtiger, verlieren aber Exklusivitätscharakter; also auch wertloser (Qualifikationsparadox)
Gilt auch für das duale System: Ausbildungsabschluss als Mindestbedingung aber keine Gewähr für beruflichen Erfolg 
→ Erste Schwelle wird immer zergliederter: Versuch, Ausgangsposition zu verbessern!
→ Verdrängungswettbewerb: missverständliche Bezeichnung (besser: Verschiebung Qualifikationsniveau nach oben) → insgesamt weniger Hauptschüler! Ausbildungskrise = Ergebnis von Ausbildungsplatzrückgang ≠ Mangel an schulischer Vorbildung oder Verdrängung

Geschlechtsspezifik: Durch höhere Bildungsabschlüsse müssten Frauen bessere Chancen haben, sie sind aber quantitativ weniger und auf enges Berufsspektrum konzentriert. Häufig: Berufsfachschule oder Schule des Gesundheitswesens

Durchlässigkeit: Zweiter Bildungsweg immer noch marginal, aber zunehmend Entkopplung von Schulform und -abschluss als erster Schritt hin zu Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung. Volle Gleichwertigkeit  würde differenzierte Angebote an aufbauenden Berufsbildungswegen für mittlere/ höhere Positionen, bessere Verzahnung von Aus- und Weiterbildung, breite Öffnung des Hochschulzugangs mit Berufsabschluss voraussetzen.
Umstritten ist Differenzierung der dualen Ausbildung → Entwertung von unteren Zertifikaten
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Was versteht der Bildungs- und Industriesoziologe Burkart Lutz unter dem Begriff "meritokratische Logik"?
= Gesellschaftliche Ungleichheit wird zunehmend durch Bildungszertifikate legitimiert. Im Zuge von Bildungsexpansion weitet sich Allgemeinbildung aus und berufliche Bildungsgänge werden marginalisiert, da weniger attraktiv; d.h. Zuweisung vom sozialen Status bemisst sich immer mehr an den Zertifikaten des allgemeinen Bildungssystems und immer weniger am Nachweis inhaltlich begründeter Fachkompetenz.

In D. bisher nicht feststellbar (Absorption der höheren Bildungsabschlüsse durch duales System bei gleichzeitiger Differenzierung; aber auch: duales System als Zwischenetappe auf dem Weg an die Hochschule)

Normative Subjektivierung:  (= Bezieht sich auf die Veränderung der subjektiven Ansprüche der Auszubildenden und Arbeitenden an die Bedingungen der Arbeit.) Anpassung der Berufsausbildung an die gestiegenen inhaltlichen Qualifizierungs- und beruflichen Verwertungsansprüche. Zeigt sich u.a. in unbesetzten Ausbildungsplätzen auf geringem Qualifikationsniveau. 

→ Gefahr der Entwicklung nach meritokratischer Logik besteht auch in D. (Demografie und Abiturtrend führen zu größerer Auswahlmöglichkeit)

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Wie gestalten sich staatliche Interventionen im dualen System? Beschreibe insbesondere die Ansätze zur Benachteiligtenförderung
Öffentliche Programme zur direkten/indirekten Förderung betrieblicher Ausbildung: insbesondere finanzielle Anreize zur Bereitstellung von Ausbildungsplätzen, Förderung überbetrieblicher Berufsbildungsstätten/ Verbundausbildung, Fördermaßnahmen benachteiligter Jugendlicher; zudem: EU-Programme

Benachteiligtenförderung → hat sich zu eigenständigem Programm als Teil des Berufsbildungssystems etabliert.
Zielgruppe: Jugendliche mit sozialen Problemen/ Lernschwierigkeiten, Migrationshintergrund, Behinderung, ohne Schulabschluss
Bisher sehr unterschiedliche Förderangebote (berufsvorbereitende Maßnahmen, ausbildungsbegleitende Hilfen, Ausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen) → Problem der Abkopplung von Bildungs- und Beschäftigungssystem (Maßnahmekarrieren)
2003: Aufnahme von „Berufsausbildungsvorbereitung ins BBiG → soll auf Aufnahme einer regulären Ausbildung zielen. Entscheidend: Einbeziehung der Betriebe, sozialpädagogische Betreuung, angepasst auf Zielgruppe
2004: BA-Konzept für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen
* Erster Schritt: Eignungsanalyse (Grundlage für individuelle Qualifizierungsplanung)
* Zweiter Schritt: flexibel einsetzbare, individuell zugeschnittene Qualifizierungsbausteine. Sollen anschlussfähig sein!
Zielgruppe: Jugendliche ohne Berufsausbildung bis 25 Jahre nach Beendigung der allgemeinen Schulpflicht
ABER: Benachteiligtenförderung löst Problem der Unterbeschäftigung nicht
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Was sind wesentliche Ansätze zur Modernisierung und welche Perspektiven ergeben sich daraus für das duale System?
Modernisierung und Attraktivitätssteigerung vor allem durch Erneuerung und Flexibilisierung von Ausbildungsordnungen
→ Anpassung an veränderte Bedingungen, neue Betätigungsfelder, mehr Ausbildungsberufe, Prozess- und Kundenorientierung, Handlungskompetenz in Prüfungen, Verzahnung von Aus- und Weiterbildung (97% wurden neu gestaltet)
Entscheidend: Neuordnung der Metall- und Elektroberufe als Initialzündung (1987); IT-Ausbildungsberufe (90er) mit gemeinsamer Kernqualifikation (abnehmend) und Fachqualifikation → Zugriff auf Hochschulbereich (ein Beispiel für viele neu geschaffene Ausbildungsberufe)

Dilemmata:
a) Modernisierung: Gratwanderung zwischen Stabilität/Dynamik; Generalisierung/Spezialisierung
b) gezielte Förderung benachteiligter Jugendlicher ohne Ausbildungsverlängerung ~ keine Standardabsenkung

Perspektiven des dualen Systems:
+ Reformdebatte schwankt zwischen Quantität (bei fehlenden Ausbildungsplätzen) und Qualität (bei Fachkräftemangel)
→ Ausbildungsfördernde Maßnahmen sind Abbau "ausbildungshemmender Vorschriften" = Qualitätsabbau
+ Erosion? Erstaunliche Anpassungsleistung (→ Restabilisierung) ~ Funktionsuntaugliches Auslaufmodell (→ Abschaffung)
+ Differenzierungsvorschläge: Individualisierung und Modularisierung durch kurze Erstqualifizierung und Aufbaumodule
+ International ist System erfolgreich
+ Notwendig ist Verlagerung auf tertiären Sektor (sonst Rückzug auf Handwerksbereich, aus dem das System ja ursprünglich entstanden ist)
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Welche Formen beruflicher Vollzeitschulen können unterschieden werden?
Berufsvorbereitungsjahr = einjähriges Auffangbecken für Problemgruppen; ähnlich genutzt aber andere Intention ist
Berufsbildungsgrundjahr = erste Stufe der Qualifizierung für mehrere verwandte Berufe
Berufsfachschulen = Schulform mit Vollzeitunterricht; mindestens einjährig (≠ Fachschule; setzt Ausbildung voraus, dient beruflicher Weiterbildung, zum Teil Erwerb Fachhochschulreife) Häufigste Variante: zweijährige Berufsfachschule nach Hauptschulabschluss, um mittlere Reife zu erreichen. (Insbesondere von Frauen genutzt wegen fachlicher Zuordnung und geschlechtsspezifische Benachteiligung bei Ausbildungsplatzsuche)
Höhere Berufsfachschule (z.B. höhere Handelsschule): setzt Mittlere Reife voraus → Sackgassencharakter
Vollqualifizierende Berufsfachschulen: vermitteln Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf; nur geringe Anzahl; zunehmend auch studienpropädeutische Funktion (Erwerb Fachhochschulreife)
Berufliche Schulen mit Hauptfunktion Berechtigungsvergabe:
Berufsaufbauschule: wird neben oder mit Berufsausbildung besucht und vermittelt Mittlere Reife; später auch Zugang zu höherer Fachschule → Kernstück des Zweiten Bildungswegs. Bedeutungsverlust mit Umwandlung der höheren Fachschulen in Fachhochschulen und erhöhten Zugangsvoraussetzungen
Fachoberschule: wurde als Zubringer für Fachhochschule geschaffen. Notwendig nicht durch Qualifikations- sondern durch Berechtigungslücke. Ziel sollte auch unmittelbare Übernahme beruflicher Funktionen sein; Realität: reduzierte gymnasiale Oberstufe. Übernahm im Zuge der Bildungsexpansion „Ventilfunktion“: Bereitstellung von Karrierealternativen (cooling-out Funktion). Bedeutungsverlust, da zunehmend keine berufliche Perspektive; nur Fachhochschulstudium
Neu sind in  einigen Ländern: Berufsoberschule → Absolventen mit Mittlerer Reife und abgeschlossener Ausbildung oder fünfjähriger Berufstätigkeit > Fachhochschulreife (bei zweiter Fremdsprache auch Allgemeine Hochschulreife)
Berufliche Gymnasien: Vermitteln Abitur und Ausbildungsabschluss. Hat Status als „Aufbaugymnasium“, daher tendenziell offener (Sozialpolitische Korrektivfunktion)
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Nenne Entstehungsgeschichte, Funktion und Perspektive beruflicher Vollzeitschulen
Entstehungsgeschichte bei Industrialisierung → Aufkommen des Berechtigungswesens (insbesondere zum Universitätsstudium, aber auch zum „Einjährigen“ → nur einjähriger Militärdienst). Hier zählte vorrangig Allgemeinbildung, was immer weitere Zurückdrängung berufsbezogener Inhalte zur Folge hatte (curriculare Instabilität der beruflichen Vollzeitschulen)

Funktion: Entlastung (der Universitäten und des dualen Systems)
Perspektive für grundlegende Reform war da, aber Beschränkung auf Politik der Krisenverwaltung
→ Berufsschule als Übergangsoption; vor allem zur Berufsvorbereitung genutzt

Perspektive: zwischen Expansion und Erosion!
+ Doppelte Verteidigungsfront: Monopol des allgemeinbildenden Schulsystems + Verschulung als Gefahr für Monopol der Betriebe
+ Berufliche Vollzeitschulen stehen zwischen Gymnasium und dualem System. Etikett „beruflich“ scheint falsch → eher Übergang bis zum betrieblichen Ausbildungsplatz bzw. weiterführende Schule
Dilemma der Berufsschulen → Jede erkämpfte Berechtigung macht diese zugleich wertloser!
Große Bedeutung hätte sie nur als attraktive Alternative zum dualen System. Aber: Problem der geringen öffentlichen Verantwortung für den Bereich der Ausbildung!
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Definiere Fachschule, Berufsfachschule, Teilzeitberufsschule und berufliche Vollzeitschule? Welche Bildungsgänge und Abschlüsse gibt es an Berufsfachschulen?
Fachschule: dient der beruflichen Weiterbildung und setzt grundsaetzlich den Abschluss einer einschlaegigen Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf und eine entsprechende Berufstaetigkeit voraus. Unter bestimmten Voraussetzungen kann zudem die Fachhochschulreife erlangt werden.

Berufsfachschule: = Vollzeitschulen, die keine berufliche Erstausbildung voraussetzen; berufliche Schule im Sekundarbereich II mit einem breiten Spektrum von Fachrichtungen und Bildungsgängen von unterschiedlicher Dauer. Als Vollzeitschule dient sie der Berufsvorbereitung oder der Berufsausbildung mit unterschiedlichen Qualikationsniveau.

Bildungsgänge
Realschule, Berufsgrundbildungsjahr, Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf nach BBIG - duale Berufsausbildung (kuenstlerische berufe, z.B. Holzbildhauer), Fachoberschule, gymnasiale Oberstufe, Berufsqualifizierung (zb Physiotherapie, Krankenpflege)

b) Abschlüsse
Mittlerer Bildungsabschluss, Abschlüsse in anerkannten Ausbildungsberufen, Berufsausbildungsabschluss, die nur über Schulbesuche erreichbar sind (Assistentenberufe), Fachhochschulreife, Hochschulreife

Teilzeitberufsschule: besucht, wer im Rahmen des Dualen Systems in einem anerkannten Ausbildungsberuf ausgebildet wird

Berufliche Vollzeitschulen: Sammelbegriff für Berufsfachschule, Fachoberschule, Berufliches Gymnasium/Fachgymnasium, Berufoberschule und weitere Schularten, die nur in einigen Bundesländern eingerichtet wurden und in Abgrenzung zum Bildungsgang des dualen Systems verwendet werden.


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Beschreibe Herkunft und Stellung der Berufsbildungspolitik in der Praxis und in der Wissenschaft, sowie ihr Verhältnis zueinander
Berufsbildungspolitik als neue Erscheinung; ursprünglich angesiedelt bei Wirtschafts-, Gewerbe-, Beschäftigungs- und Sozialpolitik.
+ Bildungspolitik zuerst nur allgemeine Bildung. Berufliche Bildung wurde erst mit BBiG ins BMBF integriert. 
→ weder fachlich noch institutionell klar abgegrenztes Themengebiet

Unübersichtlichkeit/ Heterogenität in der Wissenschaft:
+ auch bestehende Bruchstücke müssen sorgfältig interpretiert werden (welche Prämissen, welche Interessen)
+ Argumente müssen intersubjektiv kommunizierbar sein (Bedeutung von Definitionen)
+ kaum belastbare empirische Datenbasis.

Wissenschaft ~ Politik
(unterschiedliche erkenntnisleitende Interessen)
Politik: Komplexitätsreduktion, klare Entscheidungsorientierung
Forschung: Nicht Produktion von Entscheidungen, sondern Zunahme von Erkenntnis und Wissen
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Beschreibe den Gegenstand und die Zielprioritäten der Berufsbildungspolitik anhand der im Berufsbildungsgesetz festgelegten Bestimmungen
+ §1: Grundlage für das Ordnungssystem der beruflichen Bildung
→ Berufsausbildungsvorbereitung, Berufsausbildung, berufliche Fortbildung/ berufliche Umschulung (aber nicht: Schulischer Bereich, nicht: betriebliche Weiterbildung, nicht: Hochschule, nicht: öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis)
+ Entscheidendes bildungspolitisches Leitziel ist Beruflichkeit. + § 85 Ziele der Berufsbildungsplanung sind insbesondere ein qualitativ und quantitativ ausreichendes Angebot an Ausbildungsplätzen + optimale Nutzung
+ § 84 Berufsbildungsforschung:  Grundlagen klären, Entwicklungen beobachten, Anforderungen/ Ziele ermitteln etc. Aufgaben werden umfassend beschrieben. Verantwortlich ist insbesondere aber nicht nur das BIBB
→ ABER: Forschung zu Berufsbildungspolitik unterliegt den Grenzen des Berufsbildungsgesetzes ("im Rahmen der Bildungspolitik der Bundesregierung"). Keine unabhängige Forschung möglich

Verhältnis
Politik → regulative Eingriffe über Gesetzgebung
Planung → antizipative Beschäftigung mit Umsetzung politischer Programme
Forschung → reflexiv und empirisch-analytische Klärung von Norm- und Sachzusammenhängen
Berufsbildungsstatistik hat Zwitterstellung (forschungsmethodisches Instrumentarium + Mittel der Berufsbildungsplanung)
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Erläutere die drei vorgestellten Theorieansätze zur Berufsbildungspolitik und nenne die dahinter stehenden politikwissenschaftlichen Analysekategorien
(1) Dauenhauer (berufspädagogische Sicht → machtpolitisch): Gestaltungsspielräume der Berufsbildungspolitik sind eingegrenzt, da sie nachgelagerte Stellung zu Bildungs-, Wirtschafts- und Sozialpolitik hat. Inhaltliche Probleme müssten anstelle der Auseinandersetzung um Macht im Mittelpunkt stehen, um Gleichgewichtsverfehlungen (betrieblich/schulisch, Theorie/Praxis etc.) zu beheben.
Inhalte (policies)
(2) Hilbert/ Südmersen/ Weber (soziologische Sicht → neokorporatistisch): Untersucht werden Prozesse der Berufsbildungspolitik unter dem Gesichtspunkt der Aushandlung von Interessen (Eigeninteresse jedes Akteur den eigenen Interessen nicht den höchsten Rang einzuräumen; z.B. Staat nimmt Selbstbeschränkung in Kauf und überlässt Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern Regelungen → neokorporatisches Arrangement). Guter Erfolg des deutschen Modells, da weder Markt- noch Staatsversagen
→ Prozesse/ Institutionen (politics)
(3) Offe (politikwissenschaftliche Sicht): Frage nach Bedingungen und Wirksamkeit staatlicher Interventionen am Beispiel der Entstehung des Berufsbildungsgesetzes, d.h. die Frage von wem oder was der Staat in seiner Aufgabenwahrnehmung gesteuert wird.
Systemzusammenhang, konstitutionelle Rahmenbedingungen, Formen/ Strukturen (polity)
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Welche Definition kann aus den drei politikwissenschaftlichen Analaysekategorien zur Berufsbildungspolitik abgeleitet werden und welchen fünf Ansprüchen muss diese genügen? Nenne zudem zwei weitere Strukturierungsmöglichkeiten
Definition
Berufsbildungspolitik bezieht sich auf betriebliche und außerbetriebliche berufliche Bildung im Sinne von Berufsausbildungsvorbereitung, beruflichen Erstausbildung und der beruflichen Weiterbildung (policies). Sie ist Teil des gesellschaftlichen und durch Verfassung geregelten Ordnungszusammenhangs (polity), in dem staatliche und nicht-hoheitliche Entscheidungsträger durch Einsatz von Mitteln politischer Macht und/ oder mit Hilfe konsensorientierter Verhandlungssysteme Entscheidungen mit kollektiv bindender Wirkung herzustellen, zu erhalten oder zu beeinflussen versuchen (politics). In allen diesen dimensionen sind nationale, supranationale und internationale Aspekte der Berufsbildungspolitik enthalten.

Ansprüche an eine wissenschaftliche Definition
Intersubjektive Nachvollziehbarkeit (Ausdifferenzierung in verschiedene Aspekte und Erklärung), Wertneutralität (keine politischen Zielvorgaben), Konsistenz (ohne logische Widersprüche), Angemessenheit (alle Aspekte berücksichtigen), Verallgemeinerungs- und Anschlussfähigkeit (hier z.B. an Luhmann; keine definitorische Sackgasse)

Strukturierungsmöglichkeiten
# Gegenstandsbereiche (policies) können z.B. nach Erstausbildung, Weiterbildung, Vorbereitung differenziert werden, aber auch: national (→ Marktpolitik, Ordungspolitik, Strukturpolitik) und international (→ im Rahmen der EU, bilateral, Entwicklungshilfe)  
# Ansätze der Berufsbildungspolitik (nach Tinbergen): quantitativ (bei gegebener Struktur für mehr Plätze sorgen), qualitativ (bei gegebener Struktur für bessere Plätze sorgen), Strukturreform (Veränderung der Grundlagen)
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Welche fünf Aspekte sind im Rahmen der wissenschaftlichen Polity-Analyse in Bezug auf die Berufsbildungspolitik zu beachten?
* Dualität von Bund/ Länder-Kompetenzen im Bereich der beruflichen Bildung (Verfassungsrechtlich festgelegt)

* Einschränkung gemeinsamer Kompetenzen durch Föderalismusreform; Kooperativer Föderalismus z.B. bei Abstimmung von Ausbildungsordnungen durch Rechtsverordnung des Bundes und Rahmenlehrpläne durch Vereinbarungen der KMK

* Neokorporatistischer Tripartismus (Bedeutung von Staat-Verbände-Beziehung)

* Betrachtung politischer Prozesse als Politik-Arena (Berücksichtigung von formalen und non-formalen Strukturen)

* Unterscheidung zwischen zentralen und dezentralen Politikprozessen (Konzept der Mehrebenen-Analyse) und Vernetzungspotential (regionale Netzwerke, lernende Regionen)
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Beschreibe das Berufsprinzip als eines der grundlehenden Strukturmerkmale dualer Ausbildung
# Das Berufsprinzip geht zurück auf Tradition handwerklicher Zünfte; setzte sich auch für Industrieberufe durch → Verberuflichung

# Es wird nicht für die betriebsspezifischen Anforderungen, sondern für den Beruf ausgebildet; entscheidend ist dabei nicht die Summe der Einzelqualifikationen, sondern die jeweilige Struktur der Qualifikationszusammensetzung

# Beruf entscheidet über Arbeitsaufgaben und -bedingungen,  Status und Aufstiegsmöglichkeiten

# Beruf heißt damit zugleich Identitätsfindung.

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Beschreibe das Dualitätsprinzip als eines der grundlegenden Strukturprinzipien des dualen Systems
# Das Dualitätsprinzip bezieht sich auf Lernortkonfiguration; „gleichzeitige Ausbildung in Betrieb und Schule“ wäre aber irreführende Definition, da Betrieb und Schule nicht gleichwertig (Abschlussprüfung macht z.B. Kammer) und gleichgewichtig (mehr betriebliche Bestandteile) an der Ausbildung teilhaben.
# Auch duales System ist fraglicher Begriff, da dual eher plural zu nennen wäre und System nicht stimmt (nicht gezielt geplant, sondern historisch gewachsen).
# fehlendes „System“ der Berufsbildung, zeigt sich auch in "regionaler Politik-Arena" da relevante Akteure separat voneinander und mit unterschiedlichen Handlungslogiken operieren. Marktlogik betrieblichen Handelns (eingebunden in kooperative Zusammenarbeit mit den Kammern) ≠ Bürokratiekonzept staatlich beaufsichtigter Schulen = chronisches Kooperationsdefizit! Hinzu kommt Arbeitsagentur: Anlaufstelle für Betriebe und für Träger
→ Zusätzliche Heterogenität von unterschiedlichen Verwaltungsbezirken (Kammer, Staat, Arbeitsagentur)
Lernende Regionen wäre Versuch, zu sinnvoller Kooperation zu kommen!
# Probleme: Trennung von allgemeiner und beruflicher Bildung → unterschiedliche Wertigkeiten; und enge Abhängigkeit von Ausbildungsbereitschaft der Betriebe.
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Beschreibe das Konsensprinzip als eines der grundlegenden Strukturmerkmale dualer Ausbildung
Konsensprinzip = Staat hat Monopol zur Durchsetzung gesellschaftlicher gegenüber partikularen Interessen. Bei der Durchsetzung bezieht er gesellschaftliche Gruppen ein. In der beruflichen Bildung, Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter und das auf allen Ebenen.

Hier zielt der Korporative Tripartimsmus auf Konsensfindung: Nicht-Staatliche Akteure übernehmen hoheitliche Aufgaben. Vorteile für den Staat: Einbezug von Expertensachverstand, Entlastung von Aufgabe der Kompromissfindung, große Akzeptanz der Entscheidungen. Entspricht modernen Anforderungen. Aber: Legitimationsproblematik → „Herrschaft der Verbände“
Zusammenarbeit wird offensichtlich im Hauptausschuss des BIBB auf Grundlage des BBiG. Hier gilt das „Vier-Bänke-Prinzip“: Bund, Länder, Arbeitgeber, Arbeitnehmer.
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Beschreibe den kooperativen Föderalismus im dualen System an einem Beispiel
# Kooperativer Föderalismus ergibt sich aus „gemeinsamem Bildungsauftrag" von Berufsschule und Ausbildungsbetrieb
# Abstimmung über Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern (1972: gemeinsames Ergebnisprotokoll).

Bsp: Rahmenlehrplan der KMK ~ Ausbildungsordnung des Bundes → Abstimmung (ohne allgemeinen Teil des RLP). Zustimmen muss BIBB-Hauptausschuss mit Erlass durch BMBF; Empfehlung der KMK und Ratifizierung durch Länder.
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Beschreibe die wesentlichen acht Aspekte der Ausbildungsordnungspolitik
# Seit 1969 ist gewerkschaftliche Forderung nach „geordnetem Ausbildungsgang“ mit BBiG erfüllt.
# Verfahren: Anerkennung von Ausbildungsberufen von BMAS/Fachministerium und BMBF und Erlass Ausbildungsordnung (Rechtsform=Gesetz).
# Wenn Ausbildung, dann nur nach Ausbildungsordnung (Ausschließlichkeitsgrundsatz).
# Inhalte Ausbildungsordnung umfasst Bezeichnung des Ausbildungsberufs, Ausbildungsdauer, Ausbildungsberufsbild (welche Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kenntnisse), Ausbildungsrahmenplan (Gliederung der Ausbildung) und Prüfungsanforderungen.
# Novellierung von Ausbildungsordnungen durch Megatrends der Internationalisierung/ Globalisierung, arbeitsorganisatorischen Veränderungen, höherer Anteil Dienstleistungssektor.
# Initialzündung: 80er Jahre → Neuordnung der Metall- und Elektroberufe (selbstständig handelnder Facharbeiter; handlungsorientierte Ausbildung = Befähigung zur ganzheitlichen Ausführung von Arbeitsabläufen; u.a. auch zunehmende Berücksichtigung von Schlüsselqualifikationen)
# Neue Herausforderungen: Dynamische Beruflichkeit und Gestaltungsoffenheit (z.B. IT-Berufe), Flexibilität durch vielfältige Strukturmodelle (modulare Struktur), Flexibilität durch weiterbildungsübergreifende Zusatzqualifikationen (z.B. Fremdsprachen), Neue Verfahren/ Instrumente für die Entwicklung von Ausbildungsordnungen (insbesondere: Beschleunigung des Verfahrens)
# Kontrovers: Lösungsansatz für benachteiligte Jugendliche → Versuche mit Modularisierungsansatz (Erwerb von Qualifizierungsbausteinen auch in Berufsvorbereitung) löst strukturelle Probleme des Ausbildungsstellen- und Arbeitsmarktes nicht. 
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Wodurch ist die Ausbildungsmarktpolitik gekennzeichnet? (4 Aspekte)
# Hintergrund: Soziale Marktwirtschaft → Marktwirtschaftliche Steuerung hat Primat. Berufsausbildung: Grundrecht der freien Berufswahl
# Ausbildungsstellenmarkt-Probleme: Kollektivgüter-Dilemma auf der Angebotsseite (ausgebildet wird für die Allgemeinheit); demografische Zyklen, Änderungen im Bildungsverhalten auf der Nachfrageseite.
# Klassischer Markt versus Ausbildungsmarkt: Markt = Ort, auf dem Angebot und Nachfrage aufeinander treffen, sich bei vollständigen Wettbewerb Marktgleichgewicht einpendelt, es entsteht Gleichgewichtspreis (Adam Smith → unsichtbare Hand ist beste Regelung)
→ In diesem Sinne ist auch Ausbildungsstellenmarkt ein Markt (Vertragsfreiheit durch Grundrecht der freien Berufswahl -> Schutz für Nachfrager + Unternehmen)
Nach BverfG Entscheidung darf Ausübung Beruf eingeschränkt werden; Berufswahl nur sehr selten.
Ulrich → Besonderheit bei der Terminologie bei Ausbildungsmarkt (≠ Arbeitsmarkt, Warenmarkt)
Nachfrager ist der, der ein Entgelt verlangt/ Anbieter ist der, der zahlt
# Aspekte des Ausbildungsmarktes: Art und Menge von Angebot/ Nachfrage, Organisation des Marktes, Mechanismen für Ausgleich/ Gründe für Ungleichgewicht, Politikakteure/ Instrumente zum Eingreifen, Wirksamkeit von Interventionen
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Wie kam es zur Berichtspflicht über die Entwicklung am Ausbildungsmarkt, was besagt die Angebots-Nachfrage-Relation, was sind typische Merkmale der Ausbildungsmarktentwicklung und welche Aspekte sind zur Ausbildungsmarktpolitik zu nennen?
# Entwicklung des Ausbildungsstellenmarktes ist im jährlichen Berufsbildungsbericht (1. April) dokumentiert.
1969: kein Bericht vorgesehen. 1975: neues Berufsbildungsgesetz erhält nicht Zustimmung des Bundesrates. 1976: Ausbildungsplatzförderungsgesetz: Enthält Berichtspflicht wegen einsetzender Abgabe bei Mangel (wird vom BverfG kassiert). 1981: Berufsbildungsförderungsgesetz, um BIBB und Berichtspflicht fortführen zu können. 2005: Berufsbildungsreformgesetz: Zusammenführung und Novellierung.
# § 86: Ableitung des Indikators der Angebots-Nachfrage-Relation (ANR) = Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge im Ausbildungsjahr (1. Oktober – 30. September) + Unbesetzte Stellen / Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge + noch nicht vermittelte Bewerber x 100
Problem: noch nicht vermittelte Bewerber sind nicht die, die sich in einer Maßnahme befinden, da nur bei der Arbeitsagentur registrierte Bewerber einfließen → steigende Zahl!, Branchenungleichgewichte, regionale Unterschiede, Anteil der Altbewerber wird nicht transparent.

# Typische Merkmale: Schwankungen nach Konjunktur und Region. Ursprünglich Süd-Nord Gefälle; jetzt vor allem West-Ost; analog zu Arbeitslosenquote. Von Entspnnung profitieren strukturschwache Regionen relativ weniger. Seit 90er Jahre: Verfestigung der Arbeitslosigkeit (insbesondere Jugendarbeitslosigkeit); große Spreizung zwischen Abschluss/ Nicht-Abschluss

# Ausbildungsmarktpolitik ist notwendig (Qualifikationsparadoxon → Ausbildung nicht hinreichend, aber unerlässlich), aber schwierig (Vertragsfreiheit!). Differenzierte Gründe der Betriebe für Nicht-Ausbildung (Kosten, keine Übernahme-Perspektive, zu großer Aufwand) → differenzierte Maßnahmen. Intervention: Staatlich (z.B. Ausbildungsabgabe) oder korporatistisch (z.B. Pakt für Ausbildung). Weitere Schwierigkeit: Einfluss gegliedertes Schulsystem (Restschule Hauptschule)
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Nenne die sechs wesentlichen Aspekte der Berufsvorbereitungspolitik
# Unterscheidung
a) im Sinne vorberuflicher Bildung Bestandteil des allgemeinen Schulunterrichts
b) im Sinne berufsvorbereitender Bildungsmaßnahmen als Angebot für Jugendliche mit Förderbedarf
# Angebote: Berufsvorbereitungsjahr (Schulgesetze Länder), Berufsausbildungsvorbereitung (BBiG), Berufsvorbereitung der BA (SGB III), Berufsvorbereitung der Jugendberufshilfe/ Jugendsozialarbeit (SGB VIII), Berufsvorbereitung behinderter Menschen (SGB IX)
# BA-Ziel: Eingliederung in Ausbildung oder Beschäftigung (durch Erweiterung Berufswahlspektrum, Förderung Motivation zur Ausbildungsaufnahme, Beratung, Vermittlung fachpraktischer Grundkenntnisse, Erwerb betrieblicher Erfahrungen, Erwerb von erforderlichen Einstellungen, Fähigkeiten, Verbesserung der Voraussetzungen (z.B. Schulabschluss Nachholen)
→ Fast halb soviele wie Abschluss Ausbildungsverträge!
# 2004: Neues Fachkonzept (flexiblere Angebotsstruktur im Rahmen der Hartz Gesetze) (Eignungsanalyse, Qualifizierungsvereinbarung etc.) → Ziel ist Verbesserung beruflicher Handlungsfähigkeit
# Berufsvorbereitung als kompensatorische Funktion; Misserfolgskarrieren werden Betroffenen zugeschoben (Individualisierung) vor dem Hintergrund der Trends: Verlust der Standortgebundenheit von Wissen/ Kapital, Steigende Sockelarbeitslosigkeit, Verlust politischer Steuerungsfähigkeit.
#Studie von Neubauer: Ausgleichspolitik erst durch Krise am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt
→ Politische Vermeidungsstrategie struktureller Reformen → Ordnungspolitische Problematik der Leistung und Finanzierung durch BA (Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zahlen oder Steuer- und Umlagefinanziert?)
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Beschreibe schlagwortartig, wie die Auswirkungen der Globalisierung auf das Beschäftigungssystem und (zunehmend) auch in das Ausbildungssystem hineinwirken und somit insbesondere für benachteiligte Jugendliche negative Folgen nach sich ziehen werden
Folgen Globalisierung:
# massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit
# immer weniger Menschen, mit jedoch besserer Ausbildung, werden immer mehr Leistungen / Dienste erbringen
# der Übergang von der Industrie- zu einer Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft wird zwar neue Arbeitsplätze schaffen, aber diese werden sehr viel anspruchsvoller sein und auch nur in geringer Anzahl vorhanden sein
# nationale Unternehmen könnten auswandern, weil sie wettbewerbsfähig bleiben wollen; Staat und Gewerkschaften könnten folglich flexibler mit auszuhandelnden Arrangements umgehen, was u. a. zur Einbuße von Qualität führen könnte (z. B. Ausbildungsordnungen)

Folgen für benachteiligte Jugendliche?
# Bei hoher Arbeitslosigkeit, haben nur noch die Leistungsfähigsten eine Chance am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt teilzunehmen.
# Für benachteiligte Jugendliche wird es evtl.keine Förderung mehr geben, weil im Anschluss "anspruchsärmere" Ausbildungslehrgänge fehlen. Für sie wird es keine Beschäftigungsmöglichkeit mehr geben.
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Definiere den Terminus Übergangssystem
Als Übergangssystem wird der „dritte Sektor des beruflichen Bildungssystems“ bezeichnet in dem  außerschulischen Maßnahmen und schulischen Bildungsgänge zusammengefasst sind, die zu keinem qualifizierten Berufsabschluss führen.

Er ist der am schnellsten wachsende Bereich der beruflichen Bildung, ca. 500.000 Jugendliche werden z.B. in folgenden Maßnahmen aufgefangen:
- schulisches Berufsgrundbildungsjahr (BGJ, soweit es nicht als erstes Ausbildungsjahr anerkannt wird)
- Berufsfachschulen, die keinen beruflichen Abschluss vermitteln
- berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen der Arge (BVB)
- BVJ Berufsvorbereitungsjahr
- Berufsvorbereitung gemäß Änderung des BBiG nach Art. 9 des Zweiten Gesetzes für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt
- Lehrgänge der Arbeitsverwaltung
- Fördermaßnahmen der Berufsausbildung Benachteiligter Personen

Das Übergangssystem ist geprägt von vielen Problemen, angefangen von der hohen Verweildauer, mangelnder Kooperation der Angebote untereinander sowie Stigmatisierung Jugendlicher, die in diesem System Bildungsangebote wahrnehmen.
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Wie lässt sich berufliche Weiterbildung definieren und unterteilen?
# Definition Deutscher Bildungsrat: „Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Bildungsphase.“ (Problem: nicht-organisierte betriebliche Weiterbildung nicht berücksichtigt)

# Systematik: Berufliche Weiterbildung: Fortbildung (Anpassungsfortbildung, Aufstiegsfortbildung), Umschulung (in anerkannte Ausbildungsberufe, in berufliche Tätigkeit), Lernen am Arbeitsplatz (informelles, organisiertes Lernen)
Allgemeine/ politische Weiterbildung = nicht-berufliche Weiterbildung = Erwachsenenbildung
Mögliches Unterscheidungsmerkmal: Abschlussbezogenheit:
Abschlussbezogene Weiterbildung nach BBiG → Meister (aus Handwerk übertragen auf weitere Sektoren, auch Industrie)
→ Prüfung vor Meisterausschuss der Kammern
Weiterbildungsabschlüsse der Fachschulen (Schulgesetze der Länder): staatlich geprüfter ... (Techniker/ Betriebswirt etc.)
→ Prüfung vor staatlichem Prüfungsausschuss; nach einem Jahr mittlerer Schulabschluss; evtl. auch Zugang an Hochschule im Rahmen des EQR; zurzeit aber sinkende Teilnehmerzahlen wegen Reduzierung staatlicher Fördermittel.

# Förderung der Weiterbildung nach Arbeitsförderungsrecht; 1969 (inzwischen ins SGB III überführt)
Ursprünglicher Kerngedanke: aktiv-vorausschauende Arbeitsmarktpolitik und Verhinderung unterwertiger Beschäftigung
Kritik durch Expansion nach Wiedervereinigung; 1998: Leitprinzip des Förderns und Forderns (Stärkung der individuellen Eigenverantwortung und Flexibilität)
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Wie gestaltet sich die empirische Forschung zu Weiterbildung und was sind zentrale Befunde angesichts einer großen Vielfalt an Trägern (Betriebe, Schulen, freie), unterschiedlichen Zwecken (insbesondere Anpassung, Aufstieg, Umschulung) und unterschiedlichen gesetzlichen Grundlagen (insbesondere BBiG, Schulgesetze und SGB III; IX)?
# Versuch hin zu mehr Transparenz durch empirische Forschung gestaltet sich schwierig wegen zunehmender Verschränkung formell/ informell, Verlagerung von Planung und Finanzierung in Verantwortung der einzelnen (Individualisierung), Nachfrage- statt Angebotsorientierung
# Fehlende umfassende Weiterbildungsstatistik, aber amtliche Statistiken, Trägerstatistiken (Kammern, freie Träger etc.), Einzeluntersuchungen. Wichtig ist insbesondere: Berichtssystem Weiterbildung (BWS).
# Befunde: Rückgang der Weiterbildungsbeteiligung, gruppenspezifische Unterschiede der Weiterbildungsbeteiligung, geringe Beteiligung von Nichterwerbstätigen, nach SGB III deutlich geringere Zeitaufwendung, geringe Beteiligung bei niedrigem Bildungsgrad, ausländischer Herkunft, in Kleinbetrieben, in Privatwirtschaft (≠ Öffentlicher Dienst), Institutionalisierung und Planung hat positiven Einfluss, großer Einfluss arbeitsplatzbezogener Rahmenbedingungen
# Rolle des Staates: manpower (einzelwirtschaftliche Bedarfsaspekte im Vordergrund) ~ social demand (sozialpolitisch; gesamtwirtschaftlich orientiert)
Zwischenstellung/ Vermittlung: Konzept der „mittlere Systematisierung“.
Ziel: Lebenslanges Lernen durch Netzwerkbildung und große Rolle „lernender Regionen“
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Welcher Entwicklungspfad bietet sich für die zukünftige Berufsbildungspolitik angesichts aktueller Erosionstendenzen an?
# Bisher Stabilität und Attraktivität durch Strukturmerkmale des Berufsprinzips, der Dualität der Lernorte und des Konsensprinzips
→ Erosionsprozess hin zu einer „Krise des dualen Systems“, da nicht isoliert einzelne Komponenten, sondern Gesamtzusammenhang betroffen ist: Berufsprinzip wird durch Dynamik der Qualifikationsanforderungen überrannt, Dualität der Lernorte fehlt ausreichendes betriebliches Ausbildungsplatzangebot, beteiligte Akteure im Konsensprinzip bußen Verhandlungsstärke ein
→ Alternative muss Strukturreform sein (Appelle oder kurative Übergangsmaßnahmen helfen nicht). Neue Verhandlung von Regulierung und Flexibilität, z.B. neue Verhandlungspaketmöglichkeiten durch Zusammenschnüren von Aus- und Weiterbildung, anstelle von Trennung von Ausbildungs- und Tarifpolitik
# → Beispiel für regulierte Pluralität im niederländischen Modell:
Leitziele sind Startqualifikation für alle, berufliche Bildung nach Maß, Transparenz. Große Rolle spielen regionale Ausbildungszentren. Erwerb von Qualifikation zur Einordnung in eines von vier Niveaustufen, wobei zwei Alternativen für jede Stufe bestehen.
≠ Modell in Großbritannien: strikte Modularisierung, was häufig Weitererwerb von Qualifikationen blockiert, aber immerhin positiv ist für Beschäftigte ohne formale Qualifikation, die sich diese dann im Beschäftigungssystem erarbeiten können.
≠ Modell in Deutschland: präskriptive Berufsbildlehre, was Heterogenität der Lernenden zu wenig berücksichtigt.
# Konsens in der vergleichenden Berufsbildungsforschung
→ Direkter Transfer eines Systems ist unmöglich; Ziel besteht in Skizzierung von Entwicklungspfaden.
_Hier__: Berufsprinzip mit Modularisierung in Einklang bringen (wichtig ist Anwartschaft auf höhere Module, Integration der Weiterbildung)
Dualitätsprinzip besteht schon längst nicht mehr; Pluarlität der Lernorte stärker anerkennen
Konsensprinzip aufweichen, damit nicht nur berufsständische Interessen integriert werden (Ehrenamt, private Arbeit etc.) und auch regionale Ebene größere Berücksichtigung findet.
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Welche Regelungen trifft das Grundgesetz in Bezug auf die berufliche Bildung?
# Ableitbar ist „Bildungsverfassung“:
→ Verpflichtung auf Verfassungsprinzipien (Sozialstaatsklausel → Gleichheit der Bildungschancen und Abbau gesellschaftlicher Benachteiligung) und Grundrechte (Zugangsrecht, Entfaltungsrecht, Mitbestimmungsrecht). (Wenn Bildungswesen in privaten Einrichtungen organisiert ist, gilt „mittelbare Drittwirkung der Grundrechte“, d.h. Vertragspartner müssen sich an Grundrechte halten.)
geteilte Gesetzgebungs- und Verwaltungszuständigkeit: Kulturautonomie als Resultat der Schulrechtsgeschichte; Artikel 30 (Gesetzgebung) und Artikel 70 (Verwaltung) als Generalklauseln; im Bereich der Bildung bei den Ländern. Bundeszuständigkeit nur bei ausschließlicher oder konkurrierender (Länder können aktiv werden, wenn Bund nicht regelt) Gesetzgebung; bei betrieblicher Berufsausbildung ableitbar aus Recht der Wirtschaft (→ Ausbildungsordnungen) und Arbeitsrecht (→ Ausbildungsverhältnis)
Kritik reicht von „Bund hat volle Kompetenz“ bis hin zu „Bund hat gar keine Kompetenz“
# Grundrecht der Berufsfreiheit: Gilt für Ausbildungsplatzsuchende ebenso wie für Unternehmen, d.h. unternehmerisches Recht der freien Berufsausausübung gibt auch das Recht zu Nicht-Ausbildung (wirtschaftsrechtlich begründet) und schränkt damit das Recht der Jugendlichen auf Ausbildung (bildungsrechtlich begründet) ein. Grundlage des BBiG ist marktwirtschaftliche Steuerung, d.h. staatliche Angebote nur subsidiäre Funktion
# Landesverfassungen beinhalten zum Teil „Recht auf Bildung“; faktisch aber auch aus GG ableitbar. → Bei Ausbildungsplatzmangel muss Staat für Alternativangebot sorgen.
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Wie wurde das BBiG nach seiner Verabschiedung 1969 kritisiert und reformiert?
# 1969 (Große Koalition = Kompromisscharakter, der weitgehend Status quo festschreibt): Verabschiedung BBIG (Ziel ist umfassende und bundeseinheitliche Grundlage für Berufsbildung = Berufsausbildung, berufliche Fortbildung, berufliche Umschulung)
→ Kritik von Gewerkschaften: zu wenig als „öffentliche Aufgabe“ definiert; verstärkt durch erste Krise auf dem Ausbildungsmarkt + Bildungsreformdebatten (Qualität der Ausbildung im Fokus)
# 1973: Markierungspunkte der Bundesregierung zur Weiterentwicklung des BBiG insbesondere mit Vorschlägen zur Auflösung der Kammern und neuer Finanzierungsgrundlage
# 1975: Neues Berufsbildungsgesetz (schon sehr weit entfernt von den Markierungspunkten); scheitert am Bundesrat
# 1976: Ausbildungsplatzförderungsgesetz (Mit BIBB-Regelung und Ausbildungsabgabe) → scheitert am BVerfG (da doch Bundesratszustimmungspflichtig)
# 1981: Berufsbildungsförderungsgesetz (ohne Abgaberegelung) (sorgt für Möglichkeit der Weiterarbeit des BIBB)
# 2003: Kleine Reform im Zusammenhang mit Hartz-Gesetzen (Aufnahme von Berufsausbildungsvorbereitung)
# 2005: Berufsbildungsreformgesetz (Zusammenführung der Einzelgesetze)
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Benenne die Rechtsgrundlagen der Berufsbildung und vier Aspekte zum Regelungsumfang des BBiG
a) Gesetze (vom Bundestag, den Landesparlamenten) → insbesondere BBiG, HwO, JarbSCHG, SGB II und III) sowie Rechtsverordnungen (nach Maßgabe von Gesetzen von Ministerien erlassen) (z.B. Ausbildungsordnungen) und Satzungen (nach Maßgabe von Gesetzen von Körperschaften des öffentlichen Rechts erlassen) (z.B. Prüfungsordnungen)
b) Rechtssprechung → Urteile des BverfG
c) Vereinbartes Recht (auf Basis Vertragsfreiheit) (z.B. Berufsausbildungsvertrag)

# Lücken im Berufsbildungsgesetz: Berufsbildung in berufsbildenden Schulen (Landesrecht), in berufsqualifizierenden Studiengängen an Hochschulen (Hochschulgesetze der Länder), öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis (Beamtenausbildung), in der Seeschifffahrt (- einige Ausnahmen), in Berufen der HwO, falls Regelungen dort bestehen (im wesentlichen Ordnung der Berufsbildung).
# Festgehalten ist Pluralität der Lernorte und Forderung nach Lernortkooperation
# Neu ist seit 2003 Berufsausbildungsvorbereitung. Kern der betrieblichen Berufsvorbereitung und der BV der BA sind zertifizierbare Qualifizierungsbausteine (Teil der Berufsausbildung, berufsübergreifende Grundqualifikation, Teil von nachträglicher Erwerb Schulabschluss, arbeitsmarktrelevante Qualifikationen)
# Berufsausbildung: Definition beinhaltet Vorbereitung auf qualifizierte berufliche Tätigkeit (berufliche Handlungsfähigkeit und Wandlungspotential), geordneter Ausbildungsgang (→ Ausbildungsordnung), Vermittlung Berufserfahrung (= Erfahrungswissen, tacit knowledge durch Realbedingungen und praktisches Handeln)
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Beschreibe die rechtliche Dimension der Ordnungspolitik bei Ausbildungsordnungen (6 Aspekte)
# AO legt Mindeststandards der betrieblichen Ausbildung fest; sichert insbesondere Überbetrieblichkeit. Es gilt der Ausschließlichkeitsgrundsatz, der zwar Einschränkung des Rechts auf freie Wahl Ausbildung ist, aber gerechtfertigt erscheint.
# Inhalte: Bezeichnung des Ausbildungsberufs = staatliche Anerkennung, Ausbildungsdauer, Ausbildungsberufsbild = Mindestinhalte zur Vermittlung beruflicher Handlungsfähigkeit, Ausbildungsrahmenplan = Anleitung zur Gliederung der Ausbildung, Prüfungsanforderungen; = Mindestinhalte; zudem: Liste weiterer Inhalte
# AO werden in Form von Rechtsverordnungen vom BMWA bzw. Fachminister im Einvernehmen mit BMBF geregelt. → AO als unmittelbar geltendes Recht; Einklagbarkeit für Auszubildenden.
# Neues BBiG stärkt Stufenausbildung (echte Stufenausbildung = Ausbildungsverhältnis endet mit Abschluss der letzten Stufe; Auszubildende können jedoch nach jeder Stufe kündigen → Ausstiegsmodell ≠ unechte Stufenausbildung → Anrechnungsmodell; einzelne Stufen sind separate Ausbildungen, die angerechnet werden können → Chance für zweijährige Berufe) Kritik: positiv: Erhöhung Chancen für Lernschwache; negativ: Gefahr von Teilqualifikation (Traditionell : Unterscheidung zwischen Monoberuf; Monoberuf + Spezialisierung; Stufenausbildungsberuf = mehrere Ausbildungsberufe in einer AO)
# Flexibilitätsgebot bei AO soll flexible Weiterentwicklung und Verwendung ermöglichen, z.B. bezüglich Anrechnung, Inhalten (→ Kernqualifikationen, Fachqualifikationen mit Spezialisierung, Zusatzqualifikationen; z.B. IT-Berufe); zudem Experimentierklausel
# BIBB gibt „Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe“ (rund 350) heraus.
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Beschreibe die Ordnungspolitik in der beruflichen Bildung bezüglich Lernortkooperation und Eignungsvorschriften
Lernortkooperation
# Nach Ende Vollzeitschulpflicht bis 18 Jahre besteht Teilzeitschulpflicht (auch bei Arbeitslosigkeit bzw. Jobben) (Nach Ende Pflicht ist freiwilliger Besuch möglich; Betrieb muss freistellen)
# Notwendigkeit der Abstimmung zwischen Schule und Betrieb; zwei Rechtsverhältnisse des Auszubildenden: privatrechtlich vereinbarter Ausbildungsvertrag + Teilzeitschulpflicht; BBiG enthält Appell zur Lernortkooperation. Zudem gibt es seit 1972 „Gemeinsames Ergebnisprotokoll“, in dem Abstimmung zwischen Rahmenlehrplan und Ausbildungsordnung geregelt wird
# Hinzu kommt im neuen BBIG Möglichkeit zur Absolvierung zeitlich begrenzter Abschnitte im Ausland.

Eignungsvorschriften
Ausbildender muss persönlich geeignet sein (≠ erfolgter Verstoß gegen Rechtsvorschriften, z.B. BBiG oder Jugendschutz) zum Einstellen von Auszubildenden. Dann kann er Ausbilder, der fachlich geeignet sein muss (Nachweis beruflicher Fertigkeiten durch Prüfung und berufs- und arbeitspädagogische Fertigkeiten durch AEVO; Befreiung wegen Ausbildungsplatzmangel) mit Ausbildung beauftragen; der kann weitere unter seiner Verantwortung hinzuziehen. Bei Fortbildungsabschlüssen/ Meister ist AEVO vielfach Bestandteil. Zudem: Eignung der Ausbildungsstätte (Zahl von Azubis/ Facharbeitern bzw. Ausbildern, Einrichtung/ Ausstattung, Umfang Betriebstätigkeit, Vorhandensein von Ausbildungsordnung/ Ausbildungsplänen)
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Beschreibe die Ordnungspolitik in der beruflichen Bildung hinsichtlich der Regelungen zum Prüfungswesen
# Zum Bestehen der Ausbildung muss Abschlussprüfung abgelegt werden. Grundlage ist Ausbildungsordnung; zweimaliges Wiederholen ist möglich; Betrieb muss bis zur ersten Wiederholung; höchstens ein Jahr Vertrag verlängern. Freischuss geht nicht.
# Seit 2005 geht gestreckte Abschlussprüfung (Teil 1 der Prüfung ersetzt bisherige Zwischenprüfung, die nicht gewertet wurde).
# Berufsschulleistungen werden nach wie vor nicht abgeprüft. Prüfungsausschuss kann lediglich zur Beurteilung eine Stellungnahme Dritter, d.h. z.B. der Lehrer, einholen.
# Nach Prüfung gibt es Zeugnis; auch in Englisch und Französisch auf Antrag und ohne Kosten für Prüfling.
# Im Prüfungsausschuss sind Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Berufsschullehrer. Zulassungsvoraussetzungen (Entscheidung liegt bei zuständiger Stelle (diese entscheidet auch über Prüfungsordnung), bei Ablehnung kommt es zum Prüfungsausschuss): Eintrag ins Verzeichnis, Teilnahme an Zwischenprüfungen/ schriftliche Ausbildungsnachweise, Ende der Ausbildungszeit in spätestens zwei Monaten. Alternativ: nach Ausbildung in Berufsschule wenn Rechtsverordnung der Landesregierung in Einvernehmen mit dem Landesausschuss für Berufsbildung vorliegt (Prüfung geht dann im ganzen Bundesgebiet).
# In Ausnahmefällen geht vorzeitige Prüfung bei entsprechenden Leistungen
# Externenzulassung, wenn mindestens das 1,5fache der Ausbildungszeit in einen entsprechenden Beruf gearbeitet bzw. in ähnlichen Beruf ausgebildet wurde (z.B. nach Abschluss zweijähriger Ausbildung, kann Abschluss der Dreijährigen nach Berufstätigkeit nachgeholt werden); Soldaten (nach Bescheinigung des Bundesverteidigungsministeriums).
# Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit kann nach Anhörung BIBB-Hauptausschuss im Ausland erworbene Zeugnisse gleichstellen.   
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Beschreibe die Ordnungspolitik in der beruflichen Bildung hinsichtlich Regelung und Überwachung, Fortbildungs- und Umschulungsordnungen sowie Berufsbildungsplanung, -statistik und -forschung
Regelung und Überwachung:
Berufsbildungsgesetz regelt zuständige Stelle; im Regelfall Berufskammern. Hauptaufgabe ist Überwachung und Förderung der beruflichen Bildung; insbesondere durch: Prüfen der Eignung von Ausbilder und Ausbildungsstätte, Prüfungsdurchführung und -zulassung, Eintragen/Ändern/Löschen von Ausbildungsverträgen (Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse = Lehrlingsrolle), Beratung, Erlass von Rechtsvorschriften z.B. Prüfungsordnung. Zur Überwachung/ Beratung werden Berater eingesetzt.

Fortbildungs- und Umschulungsordnungen
Berufliche Fortbildung = Anpassungs- oder Aufstiegsfortbildung; Umschulung = neues Tätigkeitsfeld. Regelungen hierzu von zuständiger Stelle, falls bundesweit keine Initiative oder bundesweit durch Rechtsverordnung. (Fortbildungsordnung des BMWA; BMBF mit BIBB Hauptausschuss). Umschulungsregelungen sind weitgehend identisch.
(beinhaltet Bezeichnung des Abschluss, Prüfungsziel + -inhalt, Zulassungsvoraussetzungen, Prüfungsverfahren)

Berufsbildungsplanung, -statistik und -forschung
Grundlage wurde mit Ausbildungsplatzförderungsgesetz geschaffen; seit 2005 ins BBiG integriert. Ziel der Berufsbildungsplanung ist für ein quantitativ und qualitativ ausreichendes Angebot zu sorgen und möglichst optimale Nutzung. Wesentliches Instrument ist Berufsbildungsbericht (seit 1977). Grundlage ist Berufsbildungsstatistik des Statistischen Bundesamtes, unterstützt vom BIBB und von der BA. Berufsbildungsforschung umfasst Grundlagenforschung, Vorlaufforschung, angewandte Forschung, Implementierung Forschungsergebnisse in der Praxis, d.h. Grundlagen klären, inländische, europäische, internationale Entwicklungen beobachten, Anforderungen ermitteln, Weiterentwicklung vorbereiten. Bisher waren vor allem Modellversuche ein wichtiges Instrument 
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Beschreiben sie in der Ordnungspolitik der beruflichen Bildung die bestehenden korporatistischen Ausschüsse und Institutionen
Bundesebene: Akteure: Hauptausschuss im BIBB
Zusammensetzung: Beauftragte der AN, AG; Bund, Länder = Vier – Bänke – Prinzip; sowie in beratender Funktion:
○ 1 Beauftragter der Bundesagentur für Arbeit und 1 Beauftragter der Bundesvereinigung kommunaler Spitzenverbände
Aufgaben: Mitarbeit an AO, Beratungsfunktion an die Bundesregierung in Fragen der Berufsausbildung, Gibt Empfehlungen zur Anwendung des BBiG, beschließt jährliches Forschungsprogramm
Landesebene Akteure: Landesausschuss für Berufsbildung
Zusammensetzung: Beauftragte der AG, AN und oberste Landesbehörden
Aufgaben: Berät die Landesregierung in Fragen der Berufsbildung, Fördert die Zusammenarbeit zwischen schulischer und betrieblicher Bildung, Berücksichtigung der Qualität der beruflichen Bildung bei Neuordnung (und Weiterentwicklung des Schulwesens)
Kammerebene (=zuständige Stellen auf Regionalebene)
Akteure: zuständige Stelle + Berufsbildungsausschuss der zuständigen Stelle + Prüfungsausschuss
Zusammensetzung des Berufsbildungsausschusses: 6 AN + AG – Beauftragte sowie 6 Lehrer an berufsbildenden Schulen (eingeschränktes Stimmrecht)
Aufgaben: Berufsbildungsausschuss: v.d. zuständigen Stelle zu erlassenden Rechtsvorschriften (Prüfungsordnung, Eignung der Ausbildungsstätte, Anrechnung von Vorbildung auf Ausbildungszeit), muss in wichtigen Angelegenheiten zur Berufsausbildung unterrichtet und gehört werden, zuständige Stelle: Überwachung und Förderung der Berufsbildung in betrieblichen Ausbildungsstätten durch Beratung von Betrieben und Verlängerung der Ausbildungszeit über die Zulassung zur Abschlussprüfung, Feststellung und Überwachung der persönlichen und fachlichen Eignung des Auszubildenden (Ausbilders) und Eignung der Ausbildungsstätte, Organisation und Durchführung von Prüfungen, Ausstellung von Facharbeiter und Gesellenbrief
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Beschreibe die wesentlichen Aspekte des Berufsausbildungsverhältnisses
# Grundlage ist eine vertragliche Übereinkunft zwischen Ausbildenden (stellt ein; kann auch Verbund sein) und Auszubildenden.
# Es gilt Vertragsfreiheit. Aber: Bei Vertragsinhalten müssen Grundsätze des Rechts; insbesondere BBiG, Jugendarbeitsschutzgesetz beachtet werden. Hinzu kommen Tarifverträge, Ausbildungsordnung.
# Ausbildungsverhältnis gilt als Arbeitsverhältnis der besonderen Art, d.h. Azubi verfügt über Schutzrechte des BBiG und des Arbeitsrechts (z.B. Gleichbehandlung)
# Bei Ausbildungsverhältnis ist Vertrag zwingend (mindestens: Art, Gliederung, Ziel der Ausbildung, Beginn/Dauer, Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte, tägliche Ausbildungszeit, Dauer der Probezeit (1-4 Monate), Vergütung, Urlaub, Kündigungsbedingungen, Verweis auf Tarifverträge + Betriebsvereinbarungen
→ BBiG definiert bestimmte „nichtige Vereinbarungen“, z.B. Bleibeverpflichtung (nur in letzten 6 Monaten möglich)
# Abweichung bei festgelegter Ausbildungszeit ist möglich. Verkürzung durch Anrechnung (entscheiden Länder) oder bei entsprechenden Leistungen (Antrag von Azubi und Ausbildender), geht auch als Verkürzung tägliche Arbeitszeit → Teilzeitausbildung, Verlängerung bei Antrag von Azubi (z.B. wegen längerer Krankeheit).
# Kündigung muss schriftlich und (nach Probezeit) unter Angaben von Gründen erfolgen. Während Probezeit geht sofortige Kündigung; danach ist ordentliche (d.h. fristgerechte) Kündigung durch Ausbildenden nicht mehr möglich (erheblich besserer Schutz für Azubi als im Arbeitsrecht), d.h. Kündigung nur außerordentlich (aus wichtigem Grund), insbesondere Verletzung vertraglicher Pflichten (dürfen höchsten 2 Wochen zurückliegen). Azubi kann ordentlich kündigen, wenn Berufsausbildung aufgegeben oder neue Berufsausbildung begonnen wird.
# Andere Vertragsverhältnisse: Bei Kurzausbildung (z.B. Praktika, Volontariat) ist ebenfalls Berufsausbildungsverhältnis anzunehmen, aber kürzere gesetzliche Probezeit, ohne Vertragsniederschrift, ohne Möglichkeit, Schadensersatz bei vorzeitiger Lösung zu verlangen. 
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Beschreibe bezüglich des Berufsausbildungsverhältnisses die Rechte und Pflichten von Ausbildenden und des Auszubildenden
Pflichten des Ausbildenden:
# Ausbildungspflicht (vollständig + geordnet); Bestellung von Ausbildern möglich
# kostenlose Bereitstellung der Ausbildungsmittel (Ausnahme: in der Berufsschule)
# Freistellung und Anhaltung zum Berufsschulbesuch, Anhaltung zum Führen der Ausbildungsnachweise
# Charakterliche Förderung
# Übergabe angemessener Aufgaben (insbesondere keine Hilfs- und Nebenarbeiten)
# Zeugniserteilung (≠ Abschlusszeugnis)
# Ausbildungsvergütung (gilt als Hilfe zum Lebensunterhalt und weniger als Entgelt, muss fortgezahlt werden z.B. auch bei Blockbesuch Berufsschule

Pflichten des Auszubildenden:
# Lernpflicht (aktive Mitwirkung in der Berufsausbildung)
# Sorgfaltspflicht
# Teilnahmepflicht an Prüfungen, Berufsschule, Maßnahmen außerhalb (wenn Freistellung)
# Weisungsgebundenheit
# Verschwiegenheitspflicht

Ausbildender kann für Pflichtverletzungen haftbar gemacht werden (z.B. Nicht-Bestehen der Abschlussprüfung); bei Mangel an Ausbildungsfähigkeit hat Azubi Recht zur sofortigen Kündigung
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Beschreibe die wesentlichen drei Institutionen des kollektiven Arbeitsrechts
(1) Betriebsrat: gesetzliches (Betriebsverfassungsgesetz) Organ zur Vertretung der Arbeitnehmerinteressen. Wahlberechtigt sind über 18jährige Beschäftigte im Betrieb; Wählbar sind sie, wenn mindestens 6 Monate im Betrieb. Da Azubis auch als Beschäftigte gelten, ist Betriebsrat auch für sie zuständig. Wichtige Aufgaben sind Mitwirkung bei Personalplanung und Beschäftigungssicherung (hier auch Initiativrecht). Unter Mitspracherechte in personellen Angelegenheiten sind auch Mitwirkung in beruflicher Bildung integriert; insbesondere Recht auf Widerspruch gegen Ausbilder und Vorschlag von Beschäftigten zur Weiterbildung. → für Azubi vor allem wichtig, da Überprüfung der Einhaltung der Verpflichtungen.

(2) Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV): (bei mindestens 5 Jugendlichen/Azubis) Interessen der Arbeitnehmer unter 18 und der Auszubildenden bis 25 Jahre. Wählbar sind alle bis 25 (ohne Betriebratsmitglieder). Rechte sind vergleichbar mit Rechte Betriebsrat. Wichtigster Verhandlungspartner ist Betriebsrat; nicht Arbeitgeber.
Tarifvertragsrecht legt fest, dass Betriebsratsmitglieder Kündigungsschutz haben; Azubis haben Rechtsanspruch auf Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

(3) Tarifvertragsrecht: Grundlage ist Tarifvertragsgesetz. Regelt Rechte und Pflichten der Tarifvertragsparteien (Arbeitgeberverbände bzw. einzelner Betrieb und Gewerkschaften). Insbesondere Vereinbarungen zur Lohnhöhe und sonstigen Arbeitsbedingungen (Manteltarifvertrag). Geltungsbereich erstreckt sich auf Mitglieder der Verbände; BMAS kann Allgemeinverbindlichkeitserklärung vornehmen. Tarifverträge beinhalten auch Bestimmungen zur Ausbildungsförderung (Einstellung von Azubis; Übernahme nach Ausbildung) und Regelungen zur betrieblichen Weiterbildung, wobei Wirkung umstritten ist.   
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Wie entwickelte sich die Arbeitsförderung?
# Beginn war 1927: Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung (AVAG) → Anspruch auf Unterstützung durch Pflichtversicherung. Ziel ist vorrangig Absicherung der Betroffenen.
# Weiterentwicklung und 1969 Verabschiedung Arbeitsförderungsgesetz (AFG)
Ziele: Vermeidung/ Verkürzung von Arbeitslosigkeit durch aktive Arbeitsmarktpolitik → hoher Beschäftigungsstand, Verbesserung der Beschäftigtenstruktur, Wirtschaftswachstum durch berufliche Bildung.
# 1998 erste Abstriche; Integration in SGB III: Wandel hin zu aktivierender Arbeitsmarktpolitik (es gibt Arbeitsplätze; Individuen sollen befähigt werden, diese zu finden. Verstärkung dieser Tendenz durch Hartz-Gesetze: Hartz I (2003): Bildungsgutscheine, Personal Service Agenturen; Hartz II (2003): Einrichtung von Job Centern; Hartz III (2004): Aus Arbeitsämtern werden Agenturen; Hartz IV (2005): Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe.; Ein-Euro-Jobs
→ Leitmotiv ist Konzept des aktivierenden Sozialstaats; Fördern und Fordern.

Fazit Veränderungen: Verbesserung Qualität/ Schnelligkeit Vermittlungsprozess; Schaffung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten, Weiterentwicklung aktivierender Ansatz, Abbau von Bürokratie, Vereinfachung des Leistungsrechts, Zusammenführung arbeitsmarktpolitischer Instrumente, Umbau der BA
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Was sind die wesentlichen Leistungen und Instrumente der Arbeitsförderung für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Träger?
Leistungen für Arbeitnehmer: Berufsberatung/ Ausbildungs-, Arbeitsvermittlung; Trainingsmaßnahmen, Mobilitätshilfen und Arbeitnehmerhilfe zur Möglichkeit Aufnahme Beschäftigung, Überbrückungsgeld/ Existenzgründungszuschuss bei Selbstständigkeit, Förderung Berufsausbildung/ berufsvorbereitender Bildungsmaßnahme, Förderung beruflicher Weiterbildung,  Leistungen für behinderte Menschen

Leistungen für Arbeitgeber: Arbeitsmarktberatung, Ausbildungs- und Arbeitsvermittlung, zum Teil Zuschüsse zu Entgelt

Leistungen für Träger: Zuschüsse für Maßnahmen und Bildungsprogramme unterschiedlichster Form
Förderung Behinderter umfasst allgemeine Leistungen (arbeitsmarktpolitische Ermessens- und Pflichtleistungen; insbesondere Förderung von Aus- und Weiterbildung) und besondere Leistungen (Pflichtleistungen; nur dann wenn durch allgemeine Leistungen keine Teilhabe erreicht werden kann.)

BA bietet Jugendlichen / Erwachsenen Berufsorientierung und Berufsberatung
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Beschreibe das Instrument der Berufsausbildungs- und Weiterbildungsförderung sowie die möglichen Angebote zur Integration benachteiligter Jugendlicher
Berufsausbildungsförderung: für Auszubildende die auswärts wohnen und Geld nicht aufbringen können, wird als Zuschuss Berufsausbildungsbeihilfe gezahlt

Weiterbildungsförderung = Ermessensleistung im Rahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik
→ Übernahme der Weiterbildungskosten für Arbeitnehmer/ Arbeitslose
Seit 2003: Bildungsgutschein → eigenständige Auswahl aus Trägerangeboten
Maßnahme und Träger muss zugelassen sein. Zulassung erfolgt durch „Anerkennungs- und Zulassungsverordnung zur Weiterbildung“ (AZWV) → wird durch private Zertifizierungsagenturen („fachkundige Stelle“) erledigt, die sowohl Maßnahme als auch Träger prüfen. Ergebnis soll mehr Qualität sein.
Problem: Eingliederungsbilanz gilt als eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale → Benachteiligung für Langzeitarbeitslose

Instrumente zur Integration Jugendlicher: Aktivierungshilfen, berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen, Außerbetriebliche Ausbildung nach dem SGB VIII, ausbildungsbegleitende Hilfen, Übergangshilfen
Wichtig vor allem bei Benachteiligtenförderung → mit sozialpädagogischer Begleitung; sowohl außerbetriebliche Ausbildung bei Träger der Benachteiligtenförderung (Voraussetzung ist mindestens sechsmonatiger Besuch einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme) als auch ausbildungsbegleitende Hilfen. Grundlage ist Kompetenzansatz (nicht von Schwächen, sondern von Stärken der Jugendlichen ausgehen.
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Nenne und beschreibe die beiden zentralen Instrumente, die den Zugang zur Erforschung von Europäisierungsprozessen bieten
(1) Modernisierungstheorien: ermöglichen vergleichende Untersuchung der Entwicklung und stellen Orientierungslinie dar.
Kern von Modernisierungstheorien: Entwicklung von der traditionellen Agrargesellschaft hin zur modernen Industriegesellschadt, was nur teilweise steuerbar war (Rokkan/ Flora), d.h. soziologische (nicht historisierende – auf den jeweils einzelnen Nationalstaat bezogene) Sichtweise.
Vorteile sind: Prozess, d.h. nicht nur Vergangenheit/ Gegenwart, sondern auch Zukunft; berücksichtigt sowohl intendierte als auch nicht-intendierte Folgen des Handelns; Leitbild der modernen Industriegesellschaft umfasst mehrerer Aspekte; Konzentration auf unterschiedliche Subsysteme (z.B. auch Bildung) ist möglich, einheitliche Entwicklungstendenz, aber strukturelle Ungleichzeitigkeit.

(2) Sozialstrukturanalyse ist empirisches Instrument mit dem notwendige Strukturdaten gewonnen werden können
Sozialstruktur ist a) Gesamtheit der sozialen Beziehungsmuster/ Regelsysteme und b) Klassen- und Schichtungsstrukturen, soziale Ungleichheit und Herrschaftsordnung
Wichtige Indikatoren nach Hradil/ Immerfall u.a. Durchsetzung von Markt- und Geldwirtschaft, zunehmende Arbeitsteilung, wachsende Produktivität, Einrichtung von Massenbildungssystemen, Steigerung der Mobilität, wohlfahrtsstaatliche Absicherung von Standardrisiken wie Krankheit, Alter, Einrichtung demokratischer Institutionen.
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Nenne fünf industriegesellschaftlich charakteristische Entwicklungen, die die These stützen, dass der europäische Integrationsprozess nicht stärker durch divergierende nationalstaatliche Interessen, sondern durch strukturelle Konvergenz geprägt ist
Wertewandel Inglehart: Silent Revolution → von materialistischen zu postmaterialistischen Werten, wachsende Pluralisierung von Lebensstilen und Individualisierung
demographische Entwicklung und Familienstrukturen: Geburtenrate sinkt und klassische Familie ist auf dem Rückzug, Haushalte werden kleiner
Arbeit und Erwerbstätigkeit: Erwerbsquote stieg an, mehr Chancengleichheit für Frauen
Prozess der Tertiärisierung und Übergang zur Wissensgesellschaft: Fourastié: sektorale Entwicklung der Volkswirtschaften ist Indikator für gesamtgesellschaftliche Entwicklung; Agrarisch, Industriell, Tertiär → Bildung wird immer wichtiger (Bell: axiales Prinzip; entscheidend ist nicht Produktion von Gütern, sondern von Wissen)
Bildungsexpansion europaweit Trend zu höheren Bildungsabschlüssen; Ausbau des sekundären und tertiären Bildungssektors
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Nenne drei Forschungsansätze, die in der europäischen Bildungspolitik die diplomatische Fassung: „Einheit durch die Vielfalt“ nahelegen
# Georg: Internationalisierung der Berufsbildungsdebatte, da alle Länder vor ähnlichen Herausforderungen stehen (Bildung wird zunehmend als Humankapital verstanden), aber zugleich ist Bildungssystem Resultat komplexer historischer Entwicklungsprozesse, d.h. große Differenz

# Müller/ Steinmann/ Schneider: Sonderrolle der beruflichen Bildung durch Komplexität und doppelte Schnittstelle (allgemeine Bildung/ Beschäftigungssystem) führt zu deutlichen nationalen Trennlinien
→ Makroebene Gemeinsamkeiten; Mikro- und Mesoebene: Unterschiede → beides muss erforscht werden.

# Harney/ Kissmann: Europa als Umwelt der beruflichen Ausbildung in Deutschland
→ Nationalstaatliche Bildungssysteme werden mit dem europäischen Anspruch der Grenzüberwindung konfrontiert
EU-Politik ist vor diesem Hintergrund nicht kohärent, sondern eher Bauchladensortiment. Anreiz zur Etablierung einer europäischen Dimension erfolgt nicht zuletzt aufgrund Hoffnung auf finanzielle Förderprogramme.
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Nenne die wesentlichen historischen Etappen auf dem Weg zur Bildung der EU
Es gilt von Beginn an Primat ökonomischer Zielsetzungen
# 1950: Schumann-Plan: realisiert
# 1952 mit der Monatanunion (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl)
# 1957: Euratom und Römische Verträge zur Gründung EWG
→ inkrementelles Recht (ursprüngliche Vertragsgrundlage kann nicht beseitigt werden)
# 1986: Einheitliche Europäische Akte → Einführung eines Europäischen Binnenmarktes bis 1993
# 1993: Maastrichter Verträge: Europäische Union → bestehend aus den Säulen der Verträge, GASP, Inneres und Justiz
Bildungspolitik erhält hier deutliche Aufwertung, da nun auch allgemeine Bildung aufgenommen wird
# 1997: Vertrag von Amsterdam → Vier Freiheiten (Kapital, Waren, Dienstleistungen, Personen)
# 2003: Vertrag von Nizza → Funktionsfähigkeit nach Osterweiterung erhalten
# 2004 Europäische Verfassung, die durch Volksabstimmungen scheitert →
# 2007: EU-Reformvertrag
Zentrale Änderung: doppelte Mehrheit bei Mehrheitsentscheidungen im Ministerrat reicht aus, verkleinerte Kommission, EU-Grundrechtscharta wird eingebunden, Europäische Rat wird EU-Organ und erhält ständigen Ratspräsident, Stärkung der nationalen Parlamente zur Subsidiaritätskontrolle

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Erläutere den Reczsrahmen und die Organe der EU
Rechtsrahmen:
# primäres Gemeinschaftsrecht (Verträge) (verfassungsrechtliche Rahmenbedingungen)
sekundäres Gemeinschaftsrecht (Richtlinien, Verordnungen, Empfehlungen)
# Erklärungen der Gemeinschaftsorgane der EU (weiche Rechtsvorschriften ohne Verbindlichkeit) (Entschließungen, Erklärungen, Aktionsprogramme, Empfehlungen)
# ergänzende Rechtssprechung des EuGH  (vor allem wichtige Urteile in den 80er Jahren → keine feste Unterscheidung zwischen allgemeiner/ beruflicher Bildung)
Dabei: Dynamische Auslegung des EG-Rechts: Möglich ist nicht nur Empfehlungscharakter, sondern auch Verlautbarungen, die konkrete Verpflichtungen nach sich ziehen).

Organe:
Institutionelles Dreieck zwischen Europäischer Kommission (vertritt die EU), Europäisches Parlament (vertritt die BürgerInnen) und Rat der EU (Ministerrat) (vertritt die nationalen Regierungen)
Europäischer Rat (Staats- und Regierungschefs) wird neu zu einem Organ der EU (mit Präsident) (legt allgemeine Ziele, Handlungsrahmen der EU fest)
Zudem: Europäischer Gerichtshof, Europäischer Rechnungshof, EZB
Wirtschafts- und Sozialausschuss (Sozialpartner) und Ausschuss der Regionen (besonders für Deutschland wichtig, da ansonsten Übergewicht der Bundesebene)
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Um die Freizügigkeit von Personen als zentrales EU-Ziel zu verwirklichen, ist Berufszugang (neben Fremdsprachenerwerb) eine zentrale Voraussetzung. Erkläre vor diesem Hintergrund die Instrumente von Gleichstellung, Anerkennung und Entsprechung?

a) Gleichstellung von Befähigungsnachweisen: = für Inhaber gleichgestellter Qualifikationen gelten gleiche Bedingungen (auf EU-Ebene nicht vorhanden; nur bi-; multilaterale Abkommen)

b) Anerkennung:
# Akademische Anerkennung (Studienfortsetzung, Tragen akademischer Titel) → Sache der Mitgliedsländer
# Berufliche Anerkennung → reglementierte und nicht-reglementierte Berufe
Reglementierte Berufe = Berufsausübung wird an bestimmte nationalstaatliche Rechtsvorschrift gebunden (z.B. Arzt); Bemühung über Anerkennung in EU bereits seit 60er Jahre. Vorerst sektorale Richtlinien (Auflistung der Qualifikationen und Mindeststandards der Ausbildung); seit 1989 „Hochschulrichtlinie“: Vertrauensschutz → Anerkennung, wenn mindestens 12jährige Schulausbildung mit Hochschulabschluss und mindestens dreijähriges Hochschulstudium (Eignungstests oder Anpassungslehrgänge nur in Ausnahmefällen); seit 2007 übersichtlichere Zusammenfassung in 5 Qualifikationsniveaus (Problem: Unterbewertung beruflicher Bildung)
Nicht-reglementierte Berufe: Problem nicht Anerkennung, sondern fehlende Information des Arbeitgeber

c) Entsprechungen:
CEDEFOP-Gründung 1975 mit Ziel mehr Transparenz zu erreichen. Erstellte standardisierte berufliche Tätigkeitsprofile → entspricht ein bestimmter nationaler Befähigungsnachweis mindestens einem europäischen Tätigkeitsprofil?
Erneut 5-Stufen-Schema; wiederum berufliche Bildung unterrepräsentiert; auch ansonsten viele Verwerfungen → 92 Aussetzung
→ Orientierung an weicheren Strategien
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Beschreibe die historischen Etappen bei der Entwicklung einer europäischen Berufsbildungspolitik
Allmähliche Abkehr von der Harmonisierungsdoktrin und Hinwendung zu Einheit durch Vielfalt
Frühphase der Europäisierung: Versuch der Harmonisierung; Konvergenz (Berufsbildung bereits in Römischen Verträgen erwähnt → Ziel war möglichst breiter Gestaltungsspielraum für Gemeinschaftsorgane und Wunsch möglichst großer Einheitlichkeit in Berufsbildungssystemen); z.B. 1963: Allgemeine Grundsätze zur Durchführung der Berufsbildung vom Rat der EG
→ gemeinsame harmonische Entwicklung der Berufsbildungssysteme wurde angestrebt. Kern des Interessen- und Kompetenzkonflikts zwischen EG und Nationalstaaten (Misstrauen der Nationalstaaten)
1973: Dahrendorf-Memorandum:
Harmonisierung des Bildungswesens ist weder realistisch noch notwendig, Kernaufgabe der EG liegt in Ergänzung der Nationalstaatspolitik, Stärke liegt in Vielfalt der kulturellen Traditionen, Ziel muss europäische Dimension im Bildungswesen sein -> Zentrales Ziel wird Transparenz (deutlich in Maastrichter Verträgen):
# Allgemeine Bildung / Jugend: Spracherwerb fördern, interkulturelle Kompetenz, Förderung der Mobilität durch Anerkennung, Austausch zwischen Bildungseinrichtungen → Europäische Rat kann Empfehlungen ausprechen.
# Berufliche Bildung: Anhebung des Qualifikationsniveaus, Verbesserung der Fähigkeit zur Anpassung an neue Erfordernisse, Integration Jugendlicher, Reintegration Erwerbsloser → Europäischer Rat kann Maßnahmen beschließen
In der Folgezeit entwickelt sich das Subsidiaritätsprinzip als Alternative zur Harmonisierung
→ EU darf helfen und eingreifen, wenn nationalstaatliche Politik den Europäisierungsprozess nicht allein meistert; auch dann nur durch Fördermaßnahmen/ Aktionsprogramme
Präzise Definition fehlt → immer wieder Interessenkonflikte
zum Teil mit Anrufung EuGH; z.B. Erasmus-Urteil!
Richtungweisend bis heute: Anerkennung von Vielfalt; Unterschiedlichkeit der Systeme sowie Freiwilligkeit
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Beschreibe den Europass und den Europäischen Qualifikationsrahmen als zwei Instrumente zur Sicherung europaweiter Mobilität
Europass (Nachfolger des Berufspasses): individuelles Portfolio, das europäischen Lebenslauf, Sprachen-Portfolio, Mobilitätspass (Beschäftigung im Ausland), Diploma Supplement, Zeugniserläuterungen, später auch Aus- und Weiterbildung
→ Transparenz ohne Beschneidung nationalstaatlicher Souveränität; Auflistung auch informell erworbener Kompetenzen

Europäischer Qualifikationsrahmen (2007): Beschreibung von Qualifikationen, orientiert an Lernergebnissen, bildungsbereichsübergreifend, auf acht Stufen, Art/Form/Dauer/Ort der Ausbildung ist unentscheidend → Versuch der Zusammenführung von Bologna und Brügge/ Kopenhagen-Prozess; Einstufung durch Kreditpunktesystem (ECTS, Orientierung an workload; ECVET, noch nicht fertig konzipiert, sollen aber Transfer von Lernergebnissen informell/ formell; beruflich/ akademisch; intra/international ermöglichen), Vorteil liegt in dezentraler Organisation und Freiwilligkeit, jedoch auch Kritik an Überschreitung Subsidiaritätsprinzip, denn Voraussetzung zum Vergleich ist Entwicklung nationaler Qualifikationsrahmen (in Deutschland steht Prozess noch am Anfang; britisches NVQ Modell würde deutschem Berufskonzept zuwiderlaufen)
Modularisierungskonzepte (nach Euler/ Severing):
# Singularisierungskonzept: eigenständige und unzusammenhängende Module werden beliebig nachgefragt
# Erweiterungskonzept: zu einem festen Grundbestand (z.B. Ausbildungsordnung) werden ergänzende Module nachgefragt
# Differenzierungskonzept: Neustrukturierung des Berufskonzepts; Module als didaktischer Teil eines Ganzen
Anerkennungsmodelle informell erworbener Kompetenzen:
# Konvergenzmodell: informelle Kompetenzen werden an Standards der formell erworbenen Komptenzen gemessen
# Komplementaritätsmodell: Zertifizierung informeller Kompetenzen als Ergänzung
# Parallelitätsmodell: beide stehen ohne Bezug zueinander
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Beschreibe den Europäischen Sozialfonds und die EU-Aktionsprogramme als zwei Instrumente der EU-Politik
a) Europäischer Sozialfonds (ESF)
Einer der sechs Strukturfonds (für regionale Entwicklung, für Landwirtschaft, für Fischerei, für benachteiligte Mitgliedsstaaten, für Opfer Naturkatastrophen) → Regionen mit Entwicklungsrückstand sollen aufholen können (neue Berechnung nach Osterweiterung). ESF konzentriert sich auf Arbeitslosigkeitsbekämpfung, Chancengleichheitförderung, Förderung Bildung/ lebenslanges Lernen, Abstimmung von Bildungs-/Beschäftigungssystem, Verbesserung Zugang Frauen zum Arbeitsmarkt
Fondsmittelvergabe: EU-Kommission gibt Leitlinien bekannt; Mitgliedsstaaten erarbeiten Förderkonzepte und bewerben sich (mindestens paritätische Finanzierung muss aufgrund Subsidiaritätsprinzip sichergestellt sein)

b) Aktionsprogramme:
1995 zwei Rahmenprogramme – Sokrates (Schule, Hochschule) und Leonardo (Berufsbildung und Qualifikation).
Seit 2007: Stärkere Betonung des Prinzips des lebenslangen Lernens mit vier Teilbereichen: Comenius (Schulbildung), Erasmus (Hochschulbildung), Leonardo da Vinci (Berufsbildung) und Grundtvig (Erwachsenenbildung)
→ Schwerpunkte durchgängig: Sprach- und Mobilitätsförderung; Lernen mit neuen Medien
Fazit: Einzelmaßnahmen sicherlich positiv, aber insgesamt geringer Erfolg!
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Was ist der "Europäische Beschäftigungspakt"?
EU als größter Binnenmarkt und Arbeitsmarkt; Lissabon-Strategie nimmt auch Bildung/ Ausbildung in den Fokus
→ Gemeinsame Trends (z.B. Orientierung hin zur Dienstleistungsgesellschaft) aber auch Probleme (Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit); besonders betroffen sind klassische Problemgruppen (Frauen, Jugend) mit kumulativen Effekten.
Jugendarbeitslosigkeit: Quantitatives Ausmaß ist erschreckend (doppelt so hoch wie normale Erwerbsquote) und berufsbiographisch irreversibles Problem.
→ Europäische Berufsbildungspolitik als komplementäres Instrument zur Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik

1999: Europäischer Beschäftigungspakt
→ gemeinsame europäische Beschäftigungspolitik
Ziele: konstruktiver Vergleich (benchmarking), konstruktiver Wettbewerb (best practice) und Bereitstellung zusätzlicher Ressourcen aus EU-Budget → neue Tendenz einer stärkeren Überwachung und Kontrolle
Seit 1991: Berufsbildung als Instrument der ökonomischen Entwicklung; zentral ist:
Wettbewerbs- und Standortfaktor → Entwicklung zur employability (Beschäftigungsfähigkeit ist mehr als bisher, da formaler Abschluss ≠ Beschäftigungszugang, und weniger, da auch abschlusslos = beschäftigbar sein kann)
Förderung Lebenslangen Lernens → Kompetenzbegriff, der formales, nicht-formales (außerhalb Hauptsysteme der Bildung) und informelles (nicht intendiert) Lernen umfasst und Fähigkeit Kenntnisse, Fertigkeiten und Handlungspotential auf konkrete Situation anzuwenden beschreibt.
Seit Ende 90er Jahre: Offenes Koordinierungsmethode (Ergebnisbestimmung durch Rat, dezentrale Anstrengungen der Mitgliedsstaaten, Beobachtung/ Evaluierung durch Kommission) → „freiwillige Selbstverpflichtung“
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Beschreibe Grundprinzipen und geschichtlichen Vorlauf hin zum Brügge-Kopenhagen-Prozess
Zwei Grundprinzipien: Subsidiaritätsprinzip legt fest, dass EU nur da aktiv werden darf, wo Mitgliedstaaten es nicht schaffen; Harmonisierungsverbot bestimmt, dass dabei nationale Souveränität gewahrt bleiben muss.
Neuer Impuls erfolgt mit Verabschiedung Lissabon-Strategie im Jahr 2000 → EU soll bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt werden, d.h. u.a. dass Erziehungs- und Ausbildungssysteme an Bedingungen der Informationsgesellschaft anzupassen sind (Kennzahlen z.B. Steigerung Investition in Humankapital, Halbierung Zahl der Schulabbrecher)
Drei strategische Ziele:
(1) Erhöhung Qualität und Wirksamkeit des allgemeinen und beruflichen Bildungssystems
(2) leichterer Zugang für alle
(3) Öffnung der Bildungssysteme (allgemein und beruflich) gegenüber der Welt
+ Vereinbarung einer jährlichen Überprüfung der Umsetzung der Strategie und der Ergebnisse
# 2001: Brügge (stärkere Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung) und 2002: Kopenhagen (Erklärung zu Maßnahmeschwerpunkten); insbesondere Qualitätssicherung, Förderung Europäische Dimension, EQF (Kompetenzrahmen mit acht Stufen zur Einordnung von Lernergebnissen) und ECVET (gemeinsame Währung; bisher vorrangig basierend auf workload)
→ Methode der offenen Koordinierung: Beibehaltung des Subsidiaritätsprinzip, aber Hinzufügung von Wettbewerbsmethoden nach dem Benchmark-Prinzip
Diskussion über EQF in Wirtschaft und Gewerkschaften zeigt Übereinstimmung zu grundlegenden Prinzipien wie Dualität, Konsensprinzip, Berufsprinzip, aber vor allem bei letzterem unterschiedliche Auslegung (Ist Modularisierung Aufkündigung oder Modernisierung des Berufsprinzips?)
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Erläutere die Humankapitaltheorie
# Theoretischer Bezugsrahmen der in den USA entstandenen Bildungsökonomie. Wesentlich: Schultz, Becker; zudem: Solow: neoklassisches Wachstumsmodell (technischer Fortschritt als einzige relevante Einflussgröße auf Wachstum einer Volkswirtschaft, aber: dieser steht von außen zur Verfügung und muss nicht produziert werden ≠ endogene Wachtsumstheorien: Humankapitalinvestition als zentraler Wachstumsfaktor)
# Grundlagen Bildungsaktivitäten erzeugen nicht nur Kosten, sondern auch Erträge. Bildungskosten = Investitionen in Humankapital. Hauptthese: Bildungsmaßnahmen verändern Kompetenzen hin zu höherer Leistungsfähigkeit, was zu größerer Arbeitsproduktivität führt, was wiederum höhere Einkommen bedeutet, womit Volkswirtschaft wächst. Humankapital= Bestand an verwertbaren Kenntnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten einer Person/ Organisation/ Gesellschaft
# Nutzen: für Individuen → Einkommens- und Nutzensteigerung (z.B. Statusabsicherung, Option auf Aufstieg), Betriebe → höherer Produktions- und Produktqualität, besseres Arbeitsklima, geringerer Ressourcenverbrauch; Gesellschaftliche Erträge → Zuwachs des BIP, indirekter Beitrag zur gesellschaftlichen Wohlfahrt
# Messbarkeit wird versucht mit Ertragsratenansatz: Berechnung der Verzinsung von Bildungsaufwendungen und Vergleich mit alternativ erreichbarer Kapitalversinzung; in der Praxis aber nur Produktivitätssteigerung bei entsprechenden Handlungsspielräumen (nicht bei Fließbandarbeit, aber bei Selbstständigem, im Management)
# Bildungspolitische Schlussfolgerungen vor allem hinsichtlich Finanzierung. Marktregulierung erfolgt über Einkommen, allerdings nur, wenn Individuen Bildungskosten allein tragen. Für Betriebe besteht nur Interesse an betrieblich verwertbarer Qualifikation; überbetrieblich verwertbare Qualifikation trägt Risiko des Investitionsverlusts. Ausschließliche Orientierung an Marktgesetzen ist somit schädlich.
# Fazit: Modelltheoretische Plausibilität, aber schwierige empirische Nachweisbarkeit
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Nenne zwei Ansätze, die angesichts der existierenden Ungleichgewichte auf dem Arbeitsmarkt bedarfsorientierte Ansätze zur Planung und Prognose verfolgen
(1) Arbeitskräftebedarfansatz; Manpower Requirement Approach (MRA): Bedarf nach Qualifikationen wird vorausberechnet und der Bildungspolitik vorgegeben, d.h. nicht nur Markt entscheidet, sondern Entscheidungshilfe für Eingriffe. Probleme sind, dass falsche Situation in Gegenwart in Zukunft fortgeschrieben wird und Limitationalität (Mit Ausbildungsabschluss wird nur begrenztes Tätigkeitsspektrum angenommen). Zudem Grundsatzkritik: Bildung wird wirtschaftlichem Bedarf unterworfen + mangelnde Berücksichtigung dynamischer Entwicklungen + Umgang mit Prognosen schwierig (z.B. wir brauchen weniger Studierende)

(2) Ansatz der sozialen Nachfrage; Social Demand Approach: Ausgangspunkt ist Bürgerrecht auf Bildung, d.h. individueller Bedarf nicht ökonomisches Kalkül. Für Zuviel an Bildung wird Absorptionsansatz verfolgt.

Fazit: Realitätsferne und hoher Abstraktionsgrad, aber dennoch maßgebliche Argumente für bildungspolitische Debatte (z.B. Dt. braucht in der Wissensgesellschaft mehr Hochqualifizierte)
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Beschreibe die wesentlichen Kennzeichen des institutionellen Kontexts von dem Bildungs- und Erwerbsverläufe abhängig sind. Definiere insbesondere meritokrartisches Prinzip, gesellschaftlicher Effekt und Standardisierung/ Stratifizierung
# Meritokratisches Prinzip: Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt werden mit Unterschieden in den individuellen Bildungslaufbahnen und -abschlüssen legitimiert. Kennzeichen aller modernen Gesellschaften, aber konkrete Ausgestaltung unterschiedlich.
# Gesellschaftlicher Effekt: Jede Gesellschaft ist durch eine charakteristische Ausprägung von Bildungsorganisation, Arbeitsmarktstruktur und betrieblicher Beschäftigungsform gekennzeichnet, wobei diese jeweils durch institutionelle Komplementaritäten verfestigt wird (d.h. mehrere Institutionen stützen sich gegenseitig).
# Bestehender institutioneller Kontext setzt Kompatibilität mit den Interessen der beteiligten Akteure voraus und ist historisch gewachsen: Betriebe wollen Informationen über Kompetenzprofil der rekrutierbaren Arbeitskräfte; Jugendliche wollen Informationen über Abschlussperspektiven; Staat will stabile gesamtwirtschaftliche Entwicklung.
# Zwischen Bildungssystem und Arbeitsmarkt besteht enge Verbindung (Bildungssystem konstruiert Arbeitsmarkt und vive versa). Maßgeblich ist hierfür die Struktur des Bildungssystems mit Verteilungsstellen.
# Zentrale Begriffe sind Standardisierung (Grad nach dem Prüfungen etc. einheitlichen Standards entsprechen) und Stratifizierung (a) Grad der formellen hierarchischen und horizontalen Differenzierung von Bildungssystemen in verschiedenen Bildungsgängen und b) Grad der Trennung von allgemeiner/ beruflicher Bildung.). Hieraus folgt auch Organisationsform arbeitsbezogener fachlicher Qualifizierung. Große Bedeutung von Zertifikaten.
  

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Wie lässt sich Beruf definieren, welche Funktionen erfüllt er und in welcher Form hat er sich mit der Industrialisierung durchgesetzt?
# Definition Nach Weber: eine auf Dauer angelegte, fachlich spezialisierte und an entsprechende Qualifikationsvoraussetzungen gebundene Erwerbstätigkeit mit spezifischen Orientierungen und Wertvorstellungen. Ableitbar aus christlich-abendländischer Ordnungsvorstellung der Berufung. Heute Normalmodell. Meritokratische Triade (Kopplung von Bildungsabschluss, Beruf, Einkommen) als dominantes Mittel zur Herstellung/ Legitimation gesellschaftlicher Ungleichheit.
# Funktionen: Persönlichkeitsbildend und statusorientiert. (Der Beruf bestimmt, was man ist). Engerer Sinn: Rahmen der Fähigkeiten, Einordnung ins Tarifsystem, Optionen der Berufsinhaber, Handlungsrahmen betrieblicher Personalpolitik.
# Durchsetzung mit der Industrialisierung als Institution mittels des spezifisch deutschen Qualifikations- und Arbeitskräftetypus des Facharbeiters mit verbundener Ausbildung, die sowohl vom allgemeinbildenden Schulsystem als auch vom Einzelbetrieb relativ unabhängig ist. Im Spannungsfeld zwischen Berufs- und Betriebszentrismus tendiert Facharbeiter zum Beruf. Facharbeiterberufe unterscheiden sich von Akademikerberufen nur graduell, nicht prinzipiell. Facharbeiter verfügt mit Beruf über "Institutionalisiertes Kulturkapital"; Betrieb über kalkulierbares Handlungs- und Verhaltenspotenzial (inklusive sozialer Fertigkeiten)

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Wie wirkt Beruf als Strukturierungsprinzip? (5 Aspekte)
# Beruf stellt Markteingriff dar, trägt zur Stabilität gegenseitiger Erwartungen bei.
# Lebenslaufstrukturierung (standardisierte Erwerbsbiografie), trotz dynamischer Berufsausbildungsentwicklung - Veränderung heißt nicht, dass das Prinzip an sich infrage gestellt wird.
# Beruf strukturiert gleichermaßen Bildungs- und Beschäftigungssystem; in D. vor allem frühe Vorsortierung in der Schule als hervortretendes Beispiel
# Steuerungsinstrument des Arbeitsmarktes
# Strukturierungselement der Arbeitsorganisation  (führt u.a. zu geringer Zahl hierarchischer Führungsebenen und hohe Verantwortungsdelegation nach unten)

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Wie flexibel ist das Berufsprinzip?
Rigidität: Entscheidung für einen Beruf/ eine Ausbildung legt einen auf ein bestimmtes enges Tätigkeitsfeld fest, verhindert Blick auf anderes. Anlass für Flexibilitätsforschung nach Flexibilitätsspielräumen zwischen Ausbildungsgängen und beruflichem Einsatz zu suchen, Aufdeckung von Elastizitäten. Instrument ist empirische Forschung. Mittels des Flexibilitätsansatz kann es dann zu einer Entkopplung von Bildungs- und Beschäftigungssystem kommen (im Gegensatz zu Versuchen der Bedarfsforschung). Fokus lag auf Flexibilisierung der Qualifikationen.
Begriffsklärungen:
Flexibilität = Umschreibung individueller und institutioneller Anpassung, zum einen durch Mobilität (Menschen können unterschiedliche Arbeitsplätze besetzen); zum anderen durch Substitutionalität (Arbeitsplätze können mit unterschiedlich ausgebildeten Fachkräften besetzt werden)
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Wie können Schlüsselqualifikationen als Flexibilisierungsstrategie dienen und welche vier Arten unterscheidet Mertens?
Mertens: Verfallzeit von Bildungsinhalten korreliert positiv mit ihrer Praxisnähe und negativ mit ihrem Abstraktionsgrad.
++> Suche nach Qualifikationsinhalten, die Verbesserung der Anpassungsleistung sichern, d.h. Schlüsselqualifikationen = Bildungsziele und - elemente höheren Abstraktionsgrades, die den einzelnen zur raschen und reibungslosen Erschließung von wechselndem Spezialwissen befähigen sollen und Anpassungsfähigkeit an nicht prognostizierbare Zustände sichern.
Unterscheidung: Basisqualifikationen (breites Spektrum an vertikaler Anwendungstransfer), Horizontalqualifikationen (Informiertheit über Informationen; horizontaler Transfer), Breitenelemente (spezielle Kenntnisse, die in einer Vielzahl von Tätigkeiten gefragt sind), Vintage-Faktoren (zum Abbau intergenerativer Bildungsdifferenzen)
Umsetzung in Ausbildungsordnungen unter dem Schlagwort der Handlungskompetenz
Es geht nicht um Austausch von Allgemein- gegen Fachwissen, sondern um Chance wieder verstärkt zu Persönlichkeitsbildung zu kommen (berufspädagogoische Tradition der Berufserziehung als Bildungsprozess)


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Was versteht man unter Arbeitsmarktsegmentation und welche beiden Theoriekonzepte gibt es?
Arbeitsmarktsegmentation = Geschehen auf den Arbeitsmärkten erfolgt nicht allein durch Markt-Preis-Mechanismus (= neoklassische Theorie des Arbeitsmarktsgleichgewicht). Ungleichgewichte entstehen durch Regeln und Institutionen sowie durch Merkmale der Arbeitskräfte und -plätze. Entscheidend ist Qualifikationsstruktur und Bindung zwischen Arbeitgeber/ Arbeitnehmer.
Theoriekonzepte
(1) Zweigeteilter dualer Arbeitsmarkt (Dual Labor Market Theory):
Vertikale Segmentationsstruktur mit einem primären Arbeitsmarksektor (sicher, stabil, gut bezahlt; meist in Großunternehmen) und einem sekundären (Kleinbetriebe und Randbelegschaften der Großbetriebe, stark konjunkturabhängig), wobei starke Abschottung zwischen beiden.
(2) Dreigeteilter Arbeitsmarkt: als ein betriebsstrategischer Ansatz. Personalpolitik der Betriebe als Ursache für dreiteilige Segmentation des Arbeitsmarktes.

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Welche drei Segmente werden bei einer Dreiteilung des Arbeitsmarktes unterschieden?
Man unterscheidet:
(1) Unstrukturierten Teilarbeitsmarkt
= offener, externer, Jedermann-Arbeitsmarkt. Gesucht werden unspezifische Qualifikationen, geringe Betriebsbindung, häufiger Arbeitsplatzwechsel. Beschäftigtengruppen sind hauptsächlich Frauen und Ausländer, sowie Schulabbrecher. Immer mehr auch mit Zertifikat aus perspektivlosen Berufen, in der Regel Frauenberufe.
(2) (Berufs)fachlicher Teilarbeitsmarkt: Zutrittsvoraussetzung ist Qualifikationsnachweis, somit "institutionelle Schließung". Hohe zwischenbetriebliche horizontale Mobilität aufgrund Berufskonzept möglich. Bindung zum Beruf, weniger zum Betrieb. Häufig männlicher Inländer ab 35 Jahre. Entstehung hauptsächlich durch unterschiedliches Ausbildungsverhalten von Groß- und Kleinbetrieben. Überschuss aus letzterem wird absorbiert.
(3) Betriebsinterner Teilarbeitsmarkt: Entsteht vorrangig durch betriebsspezifische Qualifizierung, was zwischenbetriebliche Mobilität erschwert. Mitarbeiter werden auch in Krisen geschützt; betriebszentrierte Arbeitsmarktsegmentation. Zutritt über Betriebszugehörigkeit. Geringe Mobilität. Nur bei Großunternehmen vorhanden. Mit neuen Innovationen sind ports of entry differenzierter; z.B. auch externe Rekrutierung. Sowie ports of exit häufiger vorhanden.
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Erläutere die Begriffe Berufsorientierung und Frauenberuf und schildere die schulische Karriere, Ausbildung und Berufsfindung von Frauen
# Begriffserläuterungen:
Berufsorientierung = Einstellung der Personen zum Beruf sowie Maßnahmen zur Information und Beratung über Berufe. Oft besser: Berufsfindung wegen Prozesscharakter.
Frauenberuf: Mehr als 80 Prozent der Beschäftigten sind Frauen, d.h. nicht automatisch typisch "weibliche Eigenschaften". Oft unsicher und schlecht bezahlt.
# Schulische Qualifikation: Besser und höher als die der Jungen
# Berufsausbildung: Schlechter und eingeschränkter; häufig Ausweichen auf vollzeitschulisches Bildungssystem. Eingeschränktes Berufsspektrum ist nicht Wunsch, sondern Folge von Anpassung: Verheimlichung der Berufsinteressen führt zu "Ver-Heim-lichung" mit nur noch Zuverdienstsfunktion
# Berufsfindung der Mädchen:
a) objektiv: Für Frauen ist Arbeitsmarktsegmentation hinderlich; zudem wirkt in den Segmenten geschlechtsspezifische Segregation sowohl horizontal (Frauen- und Männerberufe) und vertikal (unterschiedliche Aufstiegschancen). Ausschließungsprozess im Betrieb aufgrund vermutetem geschlechtsspezifischen Gruppenverhalten = statistische Diskriminierung. Segmente des Arbeitsmarktes entsprechen Segmentem des dualen Systems (erstes = deutlich mehr Männer; zweites; Brufsvorbereitungsjahre etc. = ebenfalls Männer, da schlechter in der Schule; drittes; Vollzeitschulen = überwiegend Frauen)
b) subjektiv: Mädchen erfahren bei erster Stelle deutliche Begrenzung ihrer Berufsmöglichkeiten, daraus folgt Verschiebung hin zu stärkerer Familienorientierung. Zudem "doppelte Vergesellschaftung", d.h. Sozialisation hin zu Beruf und Familie. Bei Berufsfindung sind z.B. schon Ausbildungsbezeichnungen zum Teil abschreckend; ebenso z.B. Einstellungstests.
# Perspektive Öffnung aller Berufe für Frauen und Aufwertung von Frauenarbeit.
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Wie sieht die Erwerbsbeteiligung von Frauen aus? Worin besteht die Notwendigkeit von Frauenerwerbsarbeit. Überprüfe häufig artikulierte Erklärungsansätze für die bestehende Situation
# Frauen als Problemgruppe auf dem Arbeitsmarkt, insbesondere wegen höherer und längerer Arbeitslosigkeit, was Statistik oft verschleiert (besonders offensichtlich wenn wie bei ILO-Statistik die "stille Reserve" mitberücksichtigt wird.
# Veränderte Strukturen: mehr abhängige Beschäftigung und mehr Teilzeit. Zudem Veränderung in den 80er: immer mehr älter, verheiratet und Mutter. Zudem immer mehr lebenslange Erwerbstätigkeit.
# Notwendigkeit a) objektiv: Frauen als Arbeitsmarktreserve, veränderte Lebenslagen erfordern eigenständige berufliche Existenzsicherung b) subjektiv: verändertes Rollendenken - sowohl von Frauen, als auch von Männern
# Erklärungsansätze wie zu niedrige Qualifikation (stimmt nicht!), Berufskonzentration (liegt nicht an den Frauen), Branchenverteilung (führt eher zu Schutzfunktion), Teilzeitbeschäftigung (nicht selbst gewählt, aber tragen höheres Arbeitslosigkeitsrisiko, stärkere Konzentration, untere Hierarchieebene, oft niedrig qualifiziert, oft keine Weiterbildung) sind nicht überzeugend, beschreiben eher Probleme als zu lösen; insbesondere sehen sie Mängel bei Frauen ("Diskriminierung der Opfer)
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Nenne und bewerte drei (unvollständige) Theorieansätze zur geschlechtsspezifischen Arbeitsmarktsegmentation und Segregation.
# Frauen als industrielle Reservearmee (traditionelle Sichtweise). Frauen in ihrer Gesamtheit sind "Mängelarbeitskräfte" (u.a. Arbeitsplatzvorschriften, eingeschränkte zeitliche Verfügbarkeit, familiäre Unterbrechungen etc.) deshalb nur so eine Rolle. Männer verdrängen Frauen. Kritik: übersieht fixe Aufteilung in Männer- und Frauenberufe.
# "Frauen im Ghetto" (Lappe): Betriebe sind auf typisches Frauenerwerbsverhalten (phasenweise, schlecht entlohnt, niedrig qualifiziert) angewiesen. Gesellschaftlich kein Widerstand, da Frauen nur Zuverdiener. Kritik: erklärt nicht warum Frauen sich nochmals von übrigen Jedermanns-Arbeitsmarkt-Beteiligten unterscheiden.
# Frauen als Problemgruppen, d.h. mit Verwertungsrisiko stigmatisiert und mit möglicher Alternativrolle; deshalb kaum gesellschaftlicher Widerstand; auch Ausschließung durch Betriebsrat/ Gewerkschaften. Kritik: "geschlechtsneutrales" Erklärungsmuster; für alle Problemgruppen relevant.
# Integration durch Segregation: (Willms) Als ökonomische Notwendigkeit von Frauenarbeit begann, Beschränkung auf besondere Tätigkeiten. Segregationsstrategien: ungelernte Frauen nur für unqualifizierte Tätigkeiten; Übernahme aus außerbetrieblichen Einrichtungen und keine betriebsspezifische Weiterqualifizierung, unentgeltliche Nutzung informell erworbener Kompetenzen. Kritik: These kann historische Herausbildung von Frauen- und Männerberufen erklären, aber nicht die Gründe für Entwicklung der Trennungslinien.

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Nenne einen umfassenden Theorieansatz zur geschlechtsspezifischen Arbeitsmarktsegmentation und Segregation sowie die daran geäußerte Kritik
Besonderheit weiblichen Arbeitsvermögens (Beck-Gernsheim/ Ostner)
# Geht von generell fünf Bedingungskomplexe für geschlechtsspezifische Arbeitsmarktspaltung aus: biologische Eigenarten, gesellschaftliche Vorurteile/ Rollenvorstellungen, geschlechtsspezifische Sozialisation und Konsequenzen, Doppelbelastung, betriebliche Verwertungsstrategien.
# Frauen sind nach wie vor maßgeblich für Hausarbeit verantwortlich. Da hier andere Strukturen (direkter Bezug zu vertrauten Personen, unmittelbare Bedürfnisbefriedigung, ganzheitliche Aufgabenstellung, unaufällig, leise, selbstverständlich und kooperativ) als bei Erwerbsarbeit folgt unterschiedliches Arbeitsvermögen und -verhalten.
# Hausarbeitsverhalten ist benachteiligend im Arbeitsleben für den Status, aber positiv für Betriebe (unentgeltliche Nutzung wertvoller Kompetenzen)
# Theoriekonzept umfasst historisch gewachsener Arbeitsteilung, geschlechtsspezifischer Personalrekrutierungsstrategien der Betriebe und Rollenverhalten der Frauen zusammen
# Veränderung geht nicht allein durch Forderung nach besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern Aufwertung des weiblichen Arbeitsvermögens
# Kritik: besser "reproduktionsbezogen" anstelle von "weiblichem Arbeitsvermögen; Zudem: Klassenverhältnis gerät aus dem Blick; Geschlecht sei sozial konstruiert und ist als ungleiche und hierarchische Institution in der Arbeitswelt festgeschrieben, als strukturelle Gewalt verobjektiert. Wissenschaft muss den Prozess des Doing-Gender immer wieder neu aufdecken.
 
 
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Wie gestalten sich Übergänge im Erwerbsverlauf?
# Lebenslauf als soziale Institution geht von Erwerbssystem als organisatorischer Grundlage des Lebenslaufs aus, d.h. Erwerbssystem strukturiert Normallebenslauf und führt zur Standardisierung des Lebenslaufs (Vorbereitung - Beruf - Rente)
# Destandardisierung: Normallebenslauf wird immer brüchiger.
# Zwei Schwellen zum Erwerbseintritt (Ausbildungsplatz + Übergang in Beschäftigung)
# Voranliegende Ereignisse strukturieren späteren Verlauf; besonders wichtig berufliche Erstplatzierung
# Übergangserfolg ist entscheidend für weiteren Erwerbsverlauf; umso schlimmer ist Diskriminierung aufgrund persönlicher Merkmale (Vorteile z.B. für Muki und Kuki); nicht nur institutionelle, sondern auch soziale Schließung.
# Erste Schwelle wird immer schwieriger zu überwinden; immer mehr Maßnahmekarrieren. Auch an der zweiten Schwelle Probleme wie nur befristete Übernahme, Übernahme in Teilzeit etc. Zwei Schwellen gliedern sich damit in immer mehr Teilübergänge; zugleich auch immer mehr Mehrfachausbildungen. Übergang wird zur Phase.
# Schwierigerer Übergang verstärkt Dualisierung des Arbeitsmarktes: Absolventen beruflicher Ausbildung drohen auf sekundären Arbeitsmarkt zu fallen. Benachteiligungen konzentrieren sich immer weiter bis hin zur Behandlung in den Arbeitsagenturen.
# Auflösung der Normalbiografie lässt sich theoretisch fassen mit Konzept der Individualisierung (Beck)

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Was besagt das Konzept der Übergangsarbeitsmärkte?
# Hintergrund ist Erosion des Zwei-Schwellen-Modells und Aufbau weiterer Übergangsschwellen. Insbesondere: Bildung, Familie, Arbeitslosigkeit, Invalidität/ Rente
# Ansätze zur Deregulierung vergrößern die Gefahr von Arbeitslosigkeit, Dem soll mit Übergangsarbeitsmärkten, die die Konzepte von Flexibility und Security (Flexicurity) verbinden, entgegen gewirkt werden.
# Verändertes Modell von Arbeitsmarktpolitik, das von einem erweiterten Arbeitsbegriff ausgeht. Ziel ist die Schaffung flexibler, aber gesicherter Übergänge.
# Modell soll Beitrag zum Abbau von Arbeitslosigkeit leisten.
# Bisher nur Vision
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Wie sieht die aktuelle Situation in der Weiterbildung aus und was sind die wesentlichen Weiterbildungstrends?
# Aktuelle Situation: Weiterbildung ist eher kumultativ statt kompensatorisch; stellt also fast nie "zweite Chance" dar, da vorrangig betriebliche Weiterbildung; öffentliche Weiterbildung nur stigmatisierende Reparaturmaßnahme (kaum geregelte Weiterbildung). Weiterbildung trägt damit zur Segmentierung von Arbeitsmärkten bei (Weiterbildungsspirale).
# Trends:
Verbetrieblichung, was kurzfristig verwertbare Qualifikationen zur Folge hat (lean qualification). Betriebe sind zwar "lernende Organisationen" geworden, das zeigt sich aber überwiegend in ständigem Anpassungsdruck der Belegschaften, kein Recht auf lebenslanges Lernen (Weiterbildung nur freiwillige Leistung der Betriebe)
Integration von Arbeit und Lernen mit arbeitsplatznahen Lernformen, da Kritik an Verschulung bei Bildungsmaßnahmen immer lauter wurde. Dies macht Weiterbildung schwieriger erfassbar.
Evtl. langsame Desegmentierung, da Unternehmen zunehmend auf mehr qualifizierte Fachkräfte angewiesen sind und daher auch Außenstehende nachqualifizieren müssen. Dazu muss Weiterbildung aber berufsbezogen zertifiziert sein.
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Diskutiere vor dem Hintergrund eines Vergleichs zwischen Deutschland und Japan über die Zukunftsfähigkeit des Berufsprinzips
# Kritik am Beruf: Flexibilitätssperre (Einschränkung betrieblicher Arbeitskräftenutzung), Prozessorientierte Organisation anstelle von Beruflichkeit, Subjektivierung der Arbeit (Entgrenzung aus traditionellen Regelungen), Allgemeinbildung statt Berufsbildung (Verfolgung der Strategie eines Individual-Berufs)
# Deutschland-Japan
Problematik des Vergleichs: Einzelelementevergleich übersieht den Kontext, tendenzieller Blick aus ethnozentrischer Brille, Kenntnis der historisch gewachsene Strukturen erforderlich, Krise sorgt für Aufweichung der starren Unterschiede.
Unterscheidungen: In Japan erfolgt Einstellung nach Leistung in der Schule/ Universität, keine berufliche Qualifizierung sondern training on the job, Karriere über Senioritätsmodell, Ersteinstieg ins Unternehmen ist entscheidend, flexible Arbeitsorganisation, sehr geringe Mobilität, dualer Arbeitsmarkt.
Mögliche Vorteile: Flexiblere Nutzung durch Betriebs- statt Berufsprinzip. ABER: Ermöglicht in Deutschland das Berufskonzept nicht erst eine umfassende Aufgabenintegration anstatt hauptsächlich als Hindernis zur flexiblen Aufgabenverteilung gesehen zu werden?
 
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Grundgesetz und Berufsbildung
enger Zusammenhang von Berufsbildungspolitik und Berufsbildungsrecht lässt sich an den inzwischen fast 100 Jahre andauernden wirtschafts-, sozial- und bildungspolitischen Auseinandersetzungen um die Kodifizierung einer umfassenden und einheitlichen gesetzlichen Regelung der Berufsbildung in Deutschland verdeutlichen.

- verfassungsrechtliche und ordnungsrechtliche Aspekte beruflicher Aus- und Weiterbildung

Grundgesetz und Berufsbildung
Verfassung: Grundrechte und Zuständigkeiten
Strukturmerkmale für die deutsche "Bildungsverfassung"
öffentliche Verantwortung für Institutionalisierung und Organisation
geteilte Gesetzgebungs- und Verwaltungszuständigkeit ist ein wesentliches Kennzeichen des dualen Systems der Berufsausbildung
"Kulturautonomie der Länder" ist Resultat der Schulrechtsgeschichte
Generalklausel Art. 70 GG:Die Länder haben das Recht der Gesetzgebung, soweit dieses Grundgesetz nicht dem Bund Gesetzgebungskompetenzen verleiht.
Art. 30 GG: Die Ausübung der staatlichen Befugnisse und Erfüllung staatlicher Aufgaben ist Sache der Länder soweit dieses Grundgesetz keine andere Regelung trifft oder zulässt.

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Grundgesetz und Berufsbildung II
Art. 74 GG: Der Bund kann nur gesetzliche Regelungen treffen, soweit ihm das GG Regelungsbereiche im Rahmen der ausschließlichen oder der konkurrierenden Gesetzgebungskompetenz zugewiesen hat.

nach herrschender Meinung steht dem Bund die konkurrierende Gesetzgebung im Bereich des 11) Wirtschaftsrechts und 12) Arbeitsrechts zu. - 13) zusätzlich Regelung der Ausbildungsbeihilfen und die Förderung der wissenschaftlichen Forschung

Konkurrierende Gesetzgebungskompetenz bedeutet, dass die Länder die Befugnis zur Gesetgebung haben, solange und soweit der Bund von seinem Gesetzgebungsrecht keinen Gebrauch macht: - erst mit Verabschiedung des BBiG durch den Bundestag.

Mit Verweis auf Art. 74, Abs. 1 Nr. 11 wird dem Bund das Recht zugesprochen, AO einschließlich der Ausbildungsinhalte für sämtliche Tätigkeiten zu regeln, die unter den Begriff "Wirtschaft" fallen.
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Grundgesetz und Zuständigkeiten
da die betriebliche Berufsbildung traditionell dem Arbeits- und Wirtschaftsrecht zugewiesen wird, liegt die Gesetzgebungs- und Verwaltungskompetenz also beim Bund.

Grundgesetzregelungen zur Berufsbildung
Art. 12 GG Abs. 1 = Grundrecht der Berufsfreiheit
- nach herrschender Interpretation auch Grundrecht der Arbeitgeber, auszubilden
Ausbildungsfreiheit der Jugendlichen (nach Art. 12)

2 Berufsbildungsgesetz
2.1 Entwicklung und Reform des BBiG
- Bemühungen um Berufsausbildungsregelung als öffentliche Aufgabe bis 1900 gescheitert
- Kontinuität nach 1949: Berufsausbildung nach Republikgründung weitgehend privatwirtschaftliche Angelegenheit
- 60er Jahre: Bemühungen der Gewerkschaften und der SPD, Berufsausbildung als öffentliche Aufgabe im gegliederten Gesamtbildungssystem zu begreifen, scheiterte zunächst.
- erst 1969, dreißig Jahre nach Verabschiedung des Berufsschulpflichtgesetzes von 1938 kommt es zur erhofften Verabschiedung des BBiG

Ausbildungsförderungsgesetz (APIFG 1976): Gegenstand Struktur und Aufgaben des Bundesinstituts für Berufsbildung, sowie Berufsbildungsabgabe durch Rechtsverordnung des Bundesministers
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Berufsbildungsrecht
1981 als Ersatz verabschiedetes Berufsbildungsförderungsgesetz (BerBiFG)
erneute Umstrukturierung durch Berufsbildungsreformgesetz von 2005 (Zusammenführung BBiG und BerBiFG) und Novellierung
das neue Berufsbildungsrecht trat am 1.04.2005 in Kraft.
Kontinuität des BBiG von 1969 - 2005: viele Vorschriften stimmen mit den entsprechenden Normen des alten BBiG überein.

2.2 Rechtsgrundlagen der Berufsbildung
Die Berufsbildung wird durch Gesetze, Rechtsverordnungen, Satzungen, aber auch durch Rechtsprechung und Verträge geregelt.  Zuständigkeiten sind im GG festgelegt
- das BBiG bildet den öffentlichrechtlichen und privatrechtlichen Ordnungsrahmen der betrieblichen Berufsausbildung
- das Arbeitsförderungsgesetz, dsa weite Teile der beruflichen Weiterbildung regelt, ist Gegenstand des Sozialgesetzbuches II und III
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Berufsausbildung
nach § 1 Abs. 3 BBiG hat Berufsausbildung die für die Ausbildung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt notwendigen fachlichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten in einem geordneten Ausbildungsgang zu vermitteln und darüber hinaus den Erwerb der erforderlichen Berufserfahrungen zu ermöglichen

- Mindestansprüche, die das Ziel, die Durchführung und die Inhalte betreffen

mit dem Erfordernis eines geordneten Ausbildungsganges verweist das Gesetz auf die der Ausbildung zugrunde liegende AO, die ihrerseits Vorgaben für die Vollständigkeit und Planmäßigkeit der Berufsausbildung und die Systematisierung des Ausbildungsganges definiert.
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Ausbildungsordnung
Ausbildungsverordnung als Rechtsverordnung nach § 4 BBiG; vom Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit oder Fachminister erlassen.

- Qualitätsnormen sind einklagbarer Rechtsanspruch für den Auszubildenden

- Ausbildung von Jugendlichen unter 18 Jahren nur in staatlich anerkannten Ausbildungsberufen

- Ausschließlichkeitsgrundsatz: (§ 4 Abs. 2) Sicherstellung, dass die Berufsausbildung den Erfordernissen beruflicher Anpassungsfähigkeit und Durchlässigkeit genügt.

´Mindestinhalte AO:
Bezeichnung des Ausbildungsberufs; Ausbildungsdauer; Ausbildungsberufsbild; Ausbildungsrahmenplan; Prüfungsanforderungen
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Stufenausbildung
das neue BBiG stärkt die Möglichkeit einer Stufenausbildung. Die AO kann vorsehen, dass die Berufsausbildung in sachlich und zeitlich besonders gegliederten, aufeinander aufbauenden Stufen erfolgt, nach denen ein Ausbildungsabschluss oder die Fortsetzung der Ausbildung möglich ist.

Unechte Stufenausbildung
Möglichkeit für Auszubildende, die Stufenausbildung nach einer Stufe durch Kündigung zu beenden (Ausstiegsmodell);

Anrechnungsmodell = Eine Berufsausbildung kann unter Berücksichtigung der erworbenen Kompetenzen angerechnet werden.

traditionelle Formen der AO:
Monoberuf: 1 Jahr Grundbildung und 2 Jahre Fachbildung
Monoberuf mit Spezialisierung: 3. Jahr Fachrichtung
Stufenausbildungsberuf: 2. und 3. Jahr Ausbildungsberuf

das inzwischen weitgehend etablierte Modell einer flexiblen Ausbildungsordnung sieht neben einem obligatorischen Block von Kernqualifikationen ein differenziertes Angebot an Fachqualifikationen vor. Bsp. IT-Berufe Kernqualifikation Fachinformatiker und daneben Spezialfelder
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Lernortkooperation
Berufsschulpflicht: Jugendliche, die nach dem Abschluss der Vollzeitschulpflicht nicht freiwillig auch weiterhin eine Vollzeitschule besuchen, unterliegen der Berufsschulpflicht.

nach Art. 7 GG unterliegt das gesamte Schulwesen, auch die Teilzeit-Berufsschule, der Staatsaufsicht. Diese Staatsaufsicht liegt bei den Bundesländern (Art. 30 GG) und umfasst die Gesamtheit der staatlichen Befugnisse zur Organisation, Planung, Leitung und Beaufsichtigung des Schulwesens.

- auf Grund der geteilten Gesetzgebungszuständigkeit enthält das BBiG keine Regelung, die sich unmittelbar auf den Berufsschulunterricht oder auf die Abstimmung beziehen.

- § 2 Abs. 2 BBiG enthält lediglich einen Appell zur Lernortkooperation

- für den Berufsschulunterricht gelten die Lehrpläne der Länder, die ihrerseits auf Rahmenlehrplänen der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder beruhen.
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Rechtsgrundlagen
Parlamente sind für Gesetzgebung zuständig
- Rechtsverordnungen sind allgmein verbindliche Anordnungen, die von Organen der Exekutive erlassen werden
- Satzungen sind Rechtsnormen, die von einer juristischen Person des öffentl. Rechts erlassen werden.
- das BBiG regelt die Berufsbildung zwar bundeseinheitlich, nicht aber umfassend. Teilbereiche sind aus verfassungsrechtlichen oder aus Praktikabilitätsgründen ausgenommen.
- um die Einheit der seit 1953 für die Berufsausbildung in Handwerksberufen geltende Handwerksordnung zu wahren, gelten für den Handwerkbereich einige Besonderheiten
- Verweis auf Pluralität der Lernorte

Berufsbildungsvorbereitung (BAV) wurde 2003 im Zusammenhang mit der Hartz 2- Gesetzgebung im BBiG verankert.
BAV auch im >Betrieb vor allem durch zertifizierbare Qualfizierungsbausteine
SGB III: Die BA hat Qualifizierungsbausteine nach dem BBiG zum zentralen Element der von ihr geförderten Angebote zur Berufsausbildungsvorbereitung gemacht.

Qualfizierungsbausteine
Binnendifferenzierung; übergreifende Grundqualifikationen, Teile der Berufsausbildung, arbeitsmarktrelevante Qualifikationen
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Rechtsgunrldagen II
Rahmenlehrpläne
die von der KMK entwickelten Rahmenlehrpläne für den berufsbezogenen Teil des Berufsschulunterrichts enthalten die Lerninhalte und - ziele
- Abstimmungsverfahren
das von Bund und Ländern vereinbarte Verfahren zur Abstimmung von AO und Rahmenlehrplänen bezieht in einem mehrstufigen Prozess die beteiligten Gruppen in die gemeinsame Entwicklung ein

Eignungsvorschriften
- die Erlaubnis zum Einstellen und Ausbilden von Auszubildenden bindet das BBiG an die Eignung des Auszubildenden und der Ausbildungsstätte

§ 28 - 30 BBiG a) Berechtigung zum Ausbilden, b) Berechtigung zum Einstellen

- die fachliche Eignung liegt vor, wenn die Ausbildenden oder Ausbilder die für die Vermittlung der Ausbildungsinhalte erforderlichen beruflchen sowie berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzen.

- Ausbildungseignungsverordnung (AEVO)

Ausbildender stellt Auszubildenden ein und beaufragt den Ausbilder mit der Ausbildung.

§ 27 BBiG Eignung der Ausbildungsstätte
Vorhandensein der AO, Ausbildungsplänen, Art und Umfang der Betriebstätigkei, Einrichtung und Ausstattung, Zahlenverhältnisse
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Regelung und Überwachung
BBiG: Regelung der zuständigen Stellen

Hauptaufgaben der zuständigen Stelle
Überwachung und Förderung der Berufsausbildungsvorbereitung, Berufsausbildung und beruflichen Weiterbildung
sowie Organisation und Durchführung von Prüfungen

- zuständige Stelle bestellt Berater
- durch die Eintragung des Berufsausbildungsverhältnisses in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse bei der zuständigen Stelle wird die Einhaltung der Rechtsnormen und der Rechte und Pflichten der öffentichen Überwachung und Kontrolle der Selbstverwaltungsorgane der Wirtschaft unterworfen.

3.5   Prüfungswesen
-inhaltliche Grundlage sind die AO
- Ablauf: BBiG Entwicklung von Empfehlungen - zuständige Stelle - Beschluss der Prüfungsordnung - Berufsbildungsausschuss
- BBiG 2005: Neu: gestreckte Abschlussprüfung. - zwei zeitlich auseinander fallende Teile - der erste Teil ersetzt die Zwischenprüfung
- Prüfungsausschüsse: aus mindestens drei Mitgliedern:
1) Beauftragte der Arbeitgeber, 2) mind. 1 Lehrer einer berufsbildenen Schule, 3) Beauftragte der Arbeitnehmer
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Prüfungsausschuss
Zulassungsvoraussetzungen zur Abschlussprüfungen
- Ausbildungszeit muss zurückgelegt sein oder nicht später als zwei Monate nach dem Prüfungstermin enden
- schriftliche Ausbildungsnachweise, Teilnahme an Zwischenprüfungen
- Eintrag in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse
- außerdem wird zur Abschlussprüfung zugelassen, wer in einer berufsbildenden Schule oder einer sonstigen Berufsbildungseinrichtung ausgebildet worden ist, wenn dieser Bildungsgang der Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf entspricht
- grundsätzlich wird die Zulassung von Absolventen vollzeitschulischer Bildungsgänge zur gleichberechtigten Zulassungsalternative neben der Regelzulassung.

Besondere Fälle
In besonderen Fällen besteht die Möglichkeit einer Zulassung, auch wenn die Regelvoraussetzungen nicht erfüllt sind.
- Externenzulassung: eineinhalbfache im Beruf
Als Zeiten der Berufstätigkeit gelten auch Ausbildungszeiten in einem anderen einschlägigen Ausbildungsberuf
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Fortbildungs- und Umschulungsordnungen
die berufliche Fortbildung als weiterer Teilbereich der Berufsbildung dient der Erhaltung, Anpassung und Erweiterung der beruflichen Handlungsfähigkeit und/oder dem beruflichen Aufstieg

- die berufliche Umschulung soll zu einer anderen, nicht erlernten Berufstätigkeit qualifizieren

Rechtliche Grundlagen
Fortbildungsregelungen können durch die zuständigen Stellen oder als bundeseinheitliche Regelung durch Rechtsverordnung erlassen werden.

Die Fortbildungregelung hat festzulegen:
1. Bezeichnung des Fortbildungsabschlusses
2. Ziel, Inhalt und Anforderungen
3. Zulassungsvoraussetzungen
4. Prüfungsverfahren
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Berufsbildungsplanung, - statistik und - forschung
mit dem Ausbildungsplatzförderungsgesetz bzw. dem Berufsbildungsförderungsgesetz wurde zum ersten Mal eine Grundlage für eine laufende bundeszentrale Erfassung der Berufsbildungssituation in Deutschland und für eine abgestimmte und den technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anforderungen entsprechende Zukunftsplanung im Bereich Bildungsplanung geschaffen.

- Rechtliche Grundlagen für Planung, Erhebung, Statistik und Berichterstattung wurden in das neue BBiG 2005 übernommen.

Die Berufsbildungsplanung soll insbesondere dazu beitragen, dass die Ausbildungsstätten nach Art, Zahl und Größe und Standort ein qualitativ und quantitativ ausreichendes Angebot an beruflichen Ausbildungsplätzen gewährleisten.

*Berufsbildungsbericht - seit 1977 dem BMBF jährlich vorzulegen- Instrument zur Verbesserung der Transparenz

Berufsbildungsstatistik
das Statistische Bundesamt führt als Grundlage der Planung und Ordnung der Berufsbildung eine Berufsbildungsstatistik auf Bundesebene durch.: Das Erhebungs- und Aufbereitungsprogramm wird im Benehmen mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung gestaltet.

Die gesetzliche Definition von
Berufsbildungsforschung umfasst Grundlagenforschung, Vorlaufforschung, angewandte Forschung sowie die Implementierung der Forschungsergebnisse in die Praxis.

Berufsbildungsforschung**
- Grundlagen klären
- Entwicklungen in der Berufsbildung beobachten
- Weiterentwicklungen vorbereiten
- Instrumente und Verfahren der Vermittlung sowie den Wissens-und Technologietransfer fördern
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Bundesinstitut für Berufsbildung und andere
Bundesinstitut für Berufsbildung
- Vorbereitung Aus- und Fortbildungsordnungen
- Förderung von Modellversuchen
- Internationale Zusammenarbeit
- Unterstützung überbetrieblicher Berufsbildungsstätten
- Berufsbildungsforschung
- Verzeichnis anerkannter Ausbildungsberufe
- berufsbildender Fernunterricht, Prüfung und Anerkennung

Institute und Ausschüsse
Bundesebene: Bundesinstitut für Berufsbildung - Hauptausschuss im BIBB - Spitzenverbände

Landesebene: Landesausschuss für Berufsbildung

Regionalebene: Prüfungsausschuss - Zuständige Stellen - Berufsbildungsausschuss der zuständigen Stelle
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Bundesinstitut für Berufsbildung II
1970 auf der Grundlage des BBiG von 1969 als "Bundesinstitut für Berufsbildungsforschung" gegründet
- bis 1976 Berufsbildungsforschung, danach Ausdehnung auf Förderung und Gestaltung der beruflichen Bildung vor dem Hintergrund der Krise auf dem Ausbildungsstellenmarkt - mehr Transparenz auf dem Ausbildungsstellenmarkt

- die Regelungen zum BIBB wurden aus dem Berufsbildungsgesetz ausgegliedert und in das 1976 neu verabschiedete Ausbildungsförderungsgesetz (APIFG) eingefügt

BIBB = bundesunmittelbare rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts im Geschäftsbereich des BMBF - d.h. es hat auch Übereinstimmung mit der Bildungspolitik der Bundesregierung zu achten

Aufgaben BIBB
Forschung und Entwicklung im Bereich der beruflichen Bildung; Dienstleistungs- und Beratungsfunktione für Politik, Wissenschaft und Praxis
Eigenforschung des Instituts auf Grundlage eines jährlichen Forschungsprogramms - im Hauptausschuss des BIBB beschlossen

nach Weisung des BMBF
an der Vorbereitung der AO und sonstigen Rechtsverordnungen nach dem BBiG mitzuwirken, an der Vorbereitung des Berufsbildungsberichts mitzuwirken, an der Durchführung der Berufsbildungsstatistik mitzuwirken, Modellversuche fördern

Aufgaben des Hauptausschusses
Beratung der Bundesregierung; Stellungnahme zum Berufsbildungsbericht; Forschungsprogramm des BIBB
Neu: Einrichtung des Wissenschaftlichen Beirates mit bis zu sieben Fachleuten
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Berufsausbildungsverhältnis
Berufsausbildungsvertrag
-Leistungsverpflichtungen auf beiden Seiten: Ausbilden und Mitarbeit durch Lernen
- wechselseitige Verpflichtungen ergeben sich aus: BBiG, AO, geltender Tarifvertrag
-Vertragsinhalte: Berufsbildungsgesetz, betrieblicher Ausbildungsplan, AO, Tarifverträge, Jugendarbeitsschutzgesetz
- Grundsätze des Arbeitsrechts

Pflichten des Auszubildenden
Ausbildungspflicht
- Hauptpflicht: Vermittlung der beruflichen Handlungsfähigkeit
- planmäßige zeitliche und sachliche Gliederung

Bestellung von Ausbildern und Bereitstellung der Ausbildungsmittel
Freistellung und Anhaltung zum Berufsschulbesuch
Ausbildungsnachweise
Charakterliche Förderung
Angemessene Aufgaben

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Berufsausbildungsverhältnis
Berufsausbildungsvertrag
-Leistungsverpflichtungen auf beiden Seiten: Ausbilden und Mitarbeit durch Lernen
- wechselseitige Verpflichtungen ergeben sich aus: BBiG, AO, geltender Tarifvertrag
-Vertragsinhalte: Berufsbildungsgesetz, betrieblicher Ausbildungsplan, AO, Tarifverträge, Jugendarbeitsschutzgesetz
- Grundsätze des Arbeitsrechts

Pflichten des Auszubildenden
Ausbildungspflicht
- Hauptpflicht: Vermittlung der beruflichen Handlungsfähigkeit
- planmäßige zeitliche und sachliche Gliederung

Bestellung von Ausbildern und Bereitstellung der Ausbildungsmittel
Freistellung und Anhaltung zum Berufsschulbesuch
Ausbildungsnachweise
Charakterliche Förderung
Angemessene Aufgaben

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Berufsausbildungsverhältnis
Berufsausbildungsvertrag
-Leistungsverpflichtungen auf beiden Seiten: Ausbilden und Mitarbeit durch Lernen
- wechselseitige Verpflichtungen ergeben sich aus: BBiG, AO, geltender Tarifvertrag
-Vertragsinhalte: Berufsbildungsgesetz, betrieblicher Ausbildungsplan, AO, Tarifverträge, Jugendarbeitsschutzgesetz
- Grundsätze des Arbeitsrechts

Pflichten des Auszubildenden
Ausbildungspflicht
- Hauptpflicht: Vermittlung der beruflichen Handlungsfähigkeit
- planmäßige zeitliche und sachliche Gliederung

Bestellung von Ausbildern und Bereitstellung der Ausbildungsmittel
Freistellung und Anhaltung zum Berufsschulbesuch
Ausbildungsnachweise
Charakterliche Förderung
Angemessene Aufgaben

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Berufsausbildungsverhältnis
Berufsausbildungsvertrag
-Leistungsverpflichtungen auf beiden Seiten: Ausbilden und Mitarbeit durch Lernen
- wechselseitige Verpflichtungen ergeben sich aus: BBiG, AO, geltender Tarifvertrag
-Vertragsinhalte: Berufsbildungsgesetz, betrieblicher Ausbildungsplan, AO, Tarifverträge, Jugendarbeitsschutzgesetz
- Grundsätze des Arbeitsrechts

Pflichten des Auszubildenden
Ausbildungspflicht
- Hauptpflicht: Vermittlung der beruflichen Handlungsfähigkeit
- planmäßige zeitliche und sachliche Gliederung

Bestellung von Ausbildern und Bereitstellung der Ausbildungsmittel
Freistellung und Anhaltung zum Berufsschulbesuch
Ausbildungsnachweise
Charakterliche Förderung
Angemessene Aufgaben

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Berufsausbildungsverhältnis
Berufsausbildungsvertrag
-Leistungsverpflichtungen auf beiden Seiten: Ausbilden und Mitarbeit durch Lernen
- wechselseitige Verpflichtungen ergeben sich aus: BBiG, AO, geltender Tarifvertrag
-Vertragsinhalte: Berufsbildungsgesetz, betrieblicher Ausbildungsplan, AO, Tarifverträge, Jugendarbeitsschutzgesetz
- Grundsätze des Arbeitsrechts

Pflichten des Auszubildenden
Ausbildungspflicht
- Hauptpflicht: Vermittlung der beruflichen Handlungsfähigkeit
- planmäßige zeitliche und sachliche Gliederung

Bestellung von Ausbildern und Bereitstellung der Ausbildungsmittel
Freistellung und Anhaltung zum Berufsschulbesuch
Ausbildungsnachweise
Charakterliche Förderung
Angemessene Aufgaben

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Berufsausbildungsverhältnis
Berufsausbildungsvertrag
-Leistungsverpflichtungen auf beiden Seiten: Ausbilden und Mitarbeit durch Lernen
- wechselseitige Verpflichtungen ergeben sich aus: BBiG, AO, geltender Tarifvertrag
-Vertragsinhalte: Berufsbildungsgesetz, betrieblicher Ausbildungsplan, AO, Tarifverträge, Jugendarbeitsschutzgesetz
- Grundsätze des Arbeitsrechts

Pflichten des Auszubildenden
Ausbildungspflicht
- Hauptpflicht: Vermittlung der beruflichen Handlungsfähigkeit
- planmäßige zeitliche und sachliche Gliederung

Bestellung von Ausbildern und Bereitstellung der Ausbildungsmittel
Freistellung und Anhaltung zum Berufsschulbesuch
Ausbildungsnachweise
Charakterliche Förderung
Angemessene Aufgaben

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Berufsausbildungsverhältnis
Berufsausbildungsvertrag
-Leistungsverpflichtungen auf beiden Seiten: Ausbilden und Mitarbeit durch Lernen
- wechselseitige Verpflichtungen ergeben sich aus: BBiG, AO, geltender Tarifvertrag
-Vertragsinhalte: Berufsbildungsgesetz, betrieblicher Ausbildungsplan, AO, Tarifverträge, Jugendarbeitsschutzgesetz
- Grundsätze des Arbeitsrechts

Pflichten des Auszubildenden
Ausbildungspflicht
- Hauptpflicht: Vermittlung der beruflichen Handlungsfähigkeit
- planmäßige zeitliche und sachliche Gliederung

Bestellung von Ausbildern und Bereitstellung der Ausbildungsmittel
Freistellung und Anhaltung zum Berufsschulbesuch
Ausbildungsnachweise
Charakterliche Förderung
Angemessene Aufgaben

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Berufsausbildungsverhältnis
Berufsausbildungsvertrag
-Leistungsverpflichtungen auf beiden Seiten: Ausbilden und Mitarbeit durch Lernen
- wechselseitige Verpflichtungen ergeben sich aus: BBiG, AO, geltender Tarifvertrag
-Vertragsinhalte: Berufsbildungsgesetz, betrieblicher Ausbildungsplan, AO, Tarifverträge, Jugendarbeitsschutzgesetz
- Grundsätze des Arbeitsrechts

Pflichten des Auszubildenden
Ausbildungspflicht
- Hauptpflicht: Vermittlung der beruflichen Handlungsfähigkeit
- planmäßige zeitliche und sachliche Gliederung

Bestellung von Ausbildern und Bereitstellung der Ausbildungsmittel
Freistellung und Anhaltung zum Berufsschulbesuch
Ausbildungsnachweise
Charakterliche Förderung
Angemessene Aufgaben

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Berufsausbildungsverhältnis
Berufsausbildungsvertrag
-Leistungsverpflichtungen auf beiden Seiten: Ausbilden und Mitarbeit durch Lernen
- wechselseitige Verpflichtungen ergeben sich aus: BBiG, AO, geltender Tarifvertrag
-Vertragsinhalte: Berufsbildungsgesetz, betrieblicher Ausbildungsplan, AO, Tarifverträge, Jugendarbeitsschutzgesetz
- Grundsätze des Arbeitsrechts

Pflichten des Auszubildenden
Ausbildungspflicht
- Hauptpflicht: Vermittlung der beruflichen Handlungsfähigkeit
- planmäßige zeitliche und sachliche Gliederung

Bestellung von Ausbildern und Bereitstellung der Ausbildungsmittel
Freistellung und Anhaltung zum Berufsschulbesuch
Ausbildungsnachweise
Charakterliche Förderung
Angemessene Aufgaben

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Berufsausbildungsverhältnis
Berufsausbildungsvertrag
-Leistungsverpflichtungen auf beiden Seiten: Ausbilden und Mitarbeit durch Lernen
- wechselseitige Verpflichtungen ergeben sich aus: BBiG, AO, geltender Tarifvertrag
-Vertragsinhalte: Berufsbildungsgesetz, betrieblicher Ausbildungsplan, AO, Tarifverträge, Jugendarbeitsschutzgesetz
- Grundsätze des Arbeitsrechts

Pflichten des Auszubildenden
Ausbildungspflicht
- Hauptpflicht: Vermittlung der beruflichen Handlungsfähigkeit
- planmäßige zeitliche und sachliche Gliederung

Bestellung von Ausbildern und Bereitstellung der Ausbildungsmittel
Freistellung und Anhaltung zum Berufsschulbesuch
Ausbildungsnachweise
Charakterliche Förderung
Angemessene Aufgaben

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Berufsausbildungsverhältnis
Berufsausbildungsvertrag
-Leistungsverpflichtungen auf beiden Seiten: Ausbilden und Mitarbeit durch Lernen
- wechselseitige Verpflichtungen ergeben sich aus: BBiG, AO, geltender Tarifvertrag
-Vertragsinhalte: Berufsbildungsgesetz, betrieblicher Ausbildungsplan, AO, Tarifverträge, Jugendarbeitsschutzgesetz
- Grundsätze des Arbeitsrechts

Pflichten des Auszubildenden
Ausbildungspflicht
- Hauptpflicht: Vermittlung der beruflichen Handlungsfähigkeit
- planmäßige zeitliche und sachliche Gliederung

Bestellung von Ausbildern und Bereitstellung der Ausbildungsmittel
Freistellung und Anhaltung zum Berufsschulbesuch
Ausbildungsnachweise
Charakterliche Förderung
Angemessene Aufgaben

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Pflichten des Auszubildenden
beziehen sich vor allem auf das Verhalten während der Ausbildung
- Lernpflicht
- Sorgfaltspflicht
- Teilnahmepflicht
- Weisungsgebundenheit
- Verschwiegenheitspflicht

Pflichtverletzungen
Wird durch schuldhafte Pflichtverletzung des Ausbildenden dem Auszubildenden ein Schaden zugefügt, so hat dieser nach dem BBiG Rechtsanspruch auf Schadensersatz. Schadensersatz kommt auch in Frage, wenn das Ausbildungsverhältnis "aus wichtigem Grund" gekündigt wird.

Ausbildungszeit
Jedes Asubildungsverhältnis beginnt mit einer Probezeit
Verkürzung durch Anrechnung möglich - Antrag über zuständige Stelle, wenn anzunehmen ist, dass der Auszubildenden das Ausbildungsziel in der gekürzten Zeit erreicht. Verlängerung nur in Ausnahmefällen

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Ausbildungsvertrag
Kündigung
jede Kündigung muss schriftlich und nach Ablauf der Probezeit unter Angabe der Gründe erfolgen.
- während der Probezeit mit sofortiger Wirkung und ohne Gründe
außerordentliche Kündigung: aus wichtigem Grund nach Ablauf der Probezeit

Kollektives Arbeitsrecht
der Betriebsrat ist das gesetzliche Organ zur Vertretung der Arbeitnehmerinteressen, insbesondere in sozialen, personellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten und zur Wahrung der betrieblichen Mitbestimmung gegenüber dem Arbeitgeber in privaten Betrieben.
Betriebsverfassunsgesetz: wesentliche Rechte des Betriebsrates
Informations- und Vorschlagsrecht bei der Personalplanung; Mitwirkungspflicht bei weiteren Personalfragen
In Angelegenheiten der Beschäftigungssicherung hat der Betriebsrat ein Initiativrecht
Arbeitgeber und Betriebsrat werden in der allg. Verpflichtung gemeinsam angehalten, zusammen mit den zuständigen Stellen die Berufsbildung zu fördern und den Arbeitnehmern die Teilnahme an Maßnahmen zu ermöglichen.
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Jugend- und Auszubildendenvertretung
in allen Betrieben, die mind. 5 Jugendliche und Auszubildende beschäftigen, kann eine Jugend- und Auszubildendenvertretung gewählt werden.
- für jugendlche Arbeitnehmer unter 18 Jahren und der zur Ausbildung Beschäftigten unter 25 Jahren
- Betriebsrat vergleichbar

Tarifrecht
Grundlage: Tarifvertragsgesetz von 1949
Tarifpartner Gewerkschaften und Verband
Vereinbarungen zur Lohnhöhe und Arbeitsbedingungen
Mit der Allgemeinverbindlichkeitserklärung erfassen die Rechtsnormen des Tarifvertrags in seinem Geltungsbereich auch die bisher nicht tarifgebundenen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
Vereinbarungen zur Arbeitsförderung haben deutlich zugenommen

Arbeitsförderung
Anfänge: Einführung einer staatlichen Arbeitslosenversicherung und Gründung der "Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung" auf der Grundlage des 1927 verabschiedeten Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung

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Arbeitsförderung
1969 Umbenennung in Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung
- Arbeitsförderungsgesetz von 1969
- Kernstück der aktiven Arbeitsmarktpolitik: individuelle und institutionelle Förderung der beruflichen Bildung
- Integration der Arbeitsförderung in das Sozialgesetzbuch 1998
- 2004 neu benannte Bundesagentur für Arbeit als Träger der Arbeitsförderung
- Wandel von aktiver zu aktivierender Arbeitsmarktpolitik
- Grundsatz: "Fordern und Fördern"

Veränderungen in der Arbeitsförderung
- Verbesserung der Qualität und Schnelligkeit des Vermittlungsprozesses
- Schaffung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten
- Weiterentwicklung des aktivierenden Ansatzes der Instrumente
- Vereinfachung des Leistungsrechts der Arbeitslosenversicherung
- Zusammenführung der Instrumente
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Instrumente und Leistungen der Arbeitsförderung
unterstützt Ausgleich am Arbeitsmarkt, durch Beratung und Verbesserung der Möglichkeiten von benachteiligten Ausbildungs- und Arbeitssuchenden

Mögliche Leistungen für Arbeitnehmer
- Berufsberatung und Vermittlung
- Trainingsmaßnahmen und Eignungsfeststellung
- Mobilitätshilfen und Arbeitnehmerhilfe
- Überbrückungsgeld und Existenzgründerzuschuss
- Förderung der Berufsausbildung und - vorbereitung
- der beruflichen Weiterbildung
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Berufsausbildungsverhältnis
Berufsausbildungsvertrag
-Leistungsverpflichtungen auf beiden Seiten: Ausbilden und Mitarbeit durch Lernen
- wechselseitige Verpflichtungen ergeben sich aus: BBiG, AO, geltender Tarifvertrag
-Vertragsinhalte: Berufsbildungsgesetz, betrieblicher Ausbildungsplan, AO, Tarifverträge, Jugendarbeitsschutzgesetz
- Grundsätze des Arbeitsrechts

Pflichten des Auszubildenden
Ausbildungspflicht
- Hauptpflicht: Vermittlung der beruflichen Handlungsfähigkeit
- planmäßige zeitliche und sachliche Gliederung

Bestellung von Ausbildern und Bereitstellung der Ausbildungsmittel
Freistellung und Anhaltung zum Berufsschulbesuch
Ausbildungsnachweise
Charakterliche Förderung
Angemessene Aufgaben

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Ausschüsse
Landesausschuss für Berufsbildung
Zusammensetzung aus einer gleich großen Zahl von Beauftragten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer und der obersten Landesbehörden
zur Beratung der Landesregierung in Fragen der Berufsbildung
Aufgabe: auf Zusammenarbeit zwischen schulischer und betrieblicher Berufsbildung hinwirken

Bund-Länder-Koordinierungsausschuss
Beratung und Abstimmung neuer AO mit den Kultusministern der Länder

Berufsbildungsausschuss der zuständigen Stelle
Mitwirkungs- und Mitbestimmungsorgan, dem je sechs Beauftragte der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie sechs Lehrer an berufsbildenden Schulen angehören.
Überwachungs- und Beschlussorgan der zuständigen Stelle für das von dieser zu erlassende Satzungsrecht im Bereich beruflicher Bildung
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Berufsbildungsplanung, - statistik und - forschung
mit dem Ausbildungsplatzförderungsgesetz bzw. dem Berufsbildungsförderungsgesetz wurde zum ersten Mal eine Grundlage für eine laufende bundeszentrale Erfassung der Berufsbildungssituation in Deutschland und für eine abgestimmte und den technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anforderungen entsprechende Zukunftsplanung im Bereich Bildungsplanung geschaffen.

- Rechtliche Grundlagen für Planung, Erhebung, Statistik und Berichterstattung wurden in das neue BBiG 2005 übernommen.

Die Berufsbildungsplanung soll insbesondere dazu beitragen, dass die Ausbildungsstätten nach Art, Zahl und Größe und Standort ein qualitativ und quantitativ ausreichendes Angebot an beruflichen Ausbildungsplätzen gewährleisten.

*Berufsbildungsbericht - seit 1977 dem BMBF jährlich vorzulegen- Instrument zur Verbesserung der Transparenz**









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Berufsbildungsplanung, -statistik und -forschung
Berufsbildungsstatistik
das Statistische Bundesamt führt als Grundlage der Planung und Ordnung der Berufsbildung eine Berufsbildungsstatistik auf Bundesebene durch.: Das Erhebungs- und Aufbereitungsprogramm wird im Benehmen mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung gestaltet.

Die gesetzliche Definition von Berufsbildungsforschung umfasst Grundlagenforschung, Vorlaufforschung, angewandte Forschung sowie die Implementierung der Forschungsergebnisse in die Praxis.

Berufsbildungsforschung
- Grundlagen klären
- Entwicklungen in der Berufsbildung beobachten
- Weiterentwicklungen vorbereiten
- Instrumente und Verfahren der Vermittlung sowie den Wissens-und Technologietransfer fördern
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Grenzen Sie die beiden Begriffe Mittelstandspolitik und Mittelstandsbewegung voneinander ab
Mittelstandspolitik
• Kaiserreich
• Novellen der Gewerbeordnungen von 1878, 1897(Handwerkerschutzgesetz)
und 1908 („kleiner“ Befähigungsnachweis)  im Kontext staatlicher Mittelstandspolitik

Mittelstandsbewegung
• Zünfte
• Handwerk
• Alte Zustände
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Kerschensteiners Berufsbildungstheorie
Berufsbildungstheorie Kerschensteiners:

„Der Weg zum idealen Menschen führt nur über den brauchbaren Menschen. Der brauchbare Mensch ist aber derjenige, der seine und seines Volkes Arbeit anerkennt und den Willen und die Kraft besitzt, sie zu tun. Nur in dem Maß, wie ihm dies gelingt, kann eine Nation ihn als Menschen bewerten [...]. Die Berufsbildung steht an der Pforte zur Menschenbildung.“

Kerschensteiner setzt Beruflichkeit und staatsbürgerliche Erziehung gleich. Berufsbildung gilt als Vorraussetzung für "allgemeine Menschenbildung".

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Kerschensteiners Berufsbildungstheorie (Legitimationsgrundlage)
Legitimationsgrundlage:

Indem Kerschensteiner die Fortbildungsschule beruflich ausrichtet, hat er einen legitimen Weg gefunden, politische Themen bzw, politische Erziehung in der beruflichen Fortbildungsschule durchzusetzen.
Mit der auf Integrationsansprüche abzielenden, beruflich ausgerichteten Bildungstheorie hat er die Legitimationsgrundlage geschaffen.
Eine reine berufliche Ausrichtung ohne die Theorie im Hintergrund hätte diese päd. Legitimation nicht geschaffen. Das ist eine kleine, aber sehr wichtige Präzisierung!
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Kritische Würdigung von Kerschensteiners Berufsbildungstheorie (Errungenschaften)
1. Errungenschaften:

- Grundstein für die Entwicklung der Berufsschule wurde gelegt

- Institutionalisierung der beruflichen Bildung wird durch Einführung des Berufsprinzips vorangetrieben

- schlüssige Legitimationsgrundlage für reformierte Fortbildungsschule wurde geliefert

- Tendenz zur Orientierung am Beruf war trotz aller Einschränkungen pädagogisch und nicht ökonomisch motiviert

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Kritische Würdigung von Kerschensteiners Berusbildungstheorie (Bedenkliches)
2. Bedenkliches:

- politische Vereinnahmung und damit Behinderung des Demokratisierungsprozesses

- Verknüpfung von Menschenwürde, gesellschaftlicher Brauchbarkeit und nationalstaatlicher Ambitionen

- harmonistisches Schulkonzept, Bildung auf politische und betriebliche Integrationsansprüche ausgerichtet

- keine Aufhebung der Bildungsbegrenzung für untere Schichten ( brauchbarer Bürger impliziert Gehorsam)

- Inhalte der Berufsbildungstheorie gehen an der sehr unerfreulichen, durch Ausbeutung gekennzeichneteten beruflichen Wirklichkeit der unteren Schichten, auf die sie ja bezogen ist, völlig vorbei.
440
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Was ist gemeint mit dem "kleinen" und dem "großen" Befähigungsnachweis?
Kleiner Befähigungsnachweis:
Ausbildung nur mit Meisterprüfung

Großer Befähigungsnachweis:
Gewerblicher Betrieb nur mit Meisterprüfung
441
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Welche Bedeutung und Rolle hatten die Zünfte?
- Vorherrschaft über das Handwerk und die Ausbildung
- Gewerbe durften nur mit Erlaubnis der Zunft betrieben werden
- Erhalt der Ständeordnung
- Reproduktion der Gesellschaft
- "Zunftszwang"
442
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Welche gesellschaftliche Funktion war mit der traditionellen zünftigen Ausbildung verbunden?
- Erziehung, Sozialisation, Einführung in die gesellschaftliche Rolle
- Lehrling lebt im Haushalt des Meisters
- Vermittlung des Handwerks "en passant"

• Einführung in die gesellschaftliche Rolle
• Sozialisationsaspekt vor Qualifikationsaspekt
• Tüchtigkeit und Ehrbarkeit wichtige Faktoren
443
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Wann wurde die Gewerbefreiheit eingeführt? Warum? Und welche Folgen hat dies?
- 1811
- wirtschaftliche Liberalisierung, Förderung des Marktes
- jeder durfte ein Gewerbe betreiben
-  jeder (ohne Befähigungsnachweis) durfte einen Lehrling halten,
-  keine staatliche Kontrolle mehr über die Ausbildung
- Auflösung  des Zunftzwangs
- Ausbildungsverträge gleich Privatverträge
- Abschaffung der Abschlussprüfungen
444
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Welche Entwicklung nahm die GO zwischen 1811 und 1870?
1845: Definition Lehrlingsstatus, Wieder-Einführung der Gesellenprüfung (freiwillig), kleiner Befähigungsnachweis, staatliche Genehmigung für die Ausübung bestimmter Berufe

1849: Erweiterung der Liste der Berufe deren Ausübung an die Meisterprüfung gekoppelt wird, obligatorische Gesellenprüfung
445
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Was wurde den Zünften vorgeworfen?
- Behinderung der ökonomischen und technischen Entwicklung durch Konkurrenzausschluss
- Missbrauch der Lehrlinge als häusliche Arbeitskraft
- unökonomische Dauer der Lehre, geringe theoretische Fundierung
- Lernen "en passant"
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Welche Argumente haben die Zünfte gegen die Gewerbefreiheit?
- Wirtschaftliche Schwächung der Handwerkerschaft
  > Konkurrenz, Massenproduktion
- sinkende Ausbildungsqualität (keine Kontrolle)
- häufige Ausbildungsabbrüche durch die Lehrlinge
- Verbreitung der Lehrlingszüchterei
- Bedrohung der ständischen Verfasstheit
447
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Was beinhaltet die neue Gewerbeordnung 1871?
- Keine Gesellenprüfung
- Innungen verlieren erneut ihre Macht
- 1878 Definition Lehrling gestrichen
448
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Welche Novellen gab es zur GO ab 1870?
1881: erster Schritt zur Durchsetzung des Selbstverwaltungsprinzips
           im Handwerk, Aufsichtspflicht der Lehrlingsausbildung wird
           von der Polizei an die Innungen übergeben
    
1897: Handwerkerschutzgesetz

1908: Einführung kleiner Befähigungsnachweis

1934: Einführung großer Befähigungsnachweis
449
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Was beinhaltet das Handwerkerschutzgesetz?
- Selbstverwaltung der Kammern gesetzlich geregelt
- Festlegung der Lehrzeit
- Vorschriften gegen Lehrlingszüchterei
450
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Warum wurden die Fortbildungsschulen gegründet? Woraus?
Gegründet aus den Sonntagsschulen, um  Erziehungslücke zwischen Volksschule und Militärdienst zu schließen.

Politik wollte verhindern, dass die Jugend sich mit sozialdemokratischem (oder kommunistischem) Gedankengut auseinandersetzt.

- Verminderung der Jugendkriminaität
451
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Welche Reformen gab es durch den "Verein für das Fortbildungsschulwesen"?
- Umwandlung der Fortbildungsschule in eine  berufliche orientierte Schule
- Selbstverwirklichung durch Identifizierung mit einem Beruf
452
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In welchem Zeitraum war die Gründungsphase? In welchem Zeitraum war die Konsolidierungsphase?
Gründungsphase:
1870-1920

Konsolidierungsphase:
1920-1970
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Was sind die wesentlichen Merkmale der Gründungsphase in der betrieblichen Ausbildung?
- 1870 Gewerbeordnung
- 1881 Aufsichtspflicht: Übertragung an Innungen
- 1897 Handwerkerschutzgesetz
- 1908 kleiner Befähigungsnachweis

Mittelstandsbewegung: wesentliche Forderungen an das liberale Gewerberecht
454
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Was sind die wesentlichen Merkmale der Gründungsphase der Berufsschule?
- schließen der Erziehungslücke (Schule-Militär)
-  Einführung der Fortbildungsschulen mit dem Ziel der Sozialisation
    bzw. gesellschaftlichen Integration
- ab 1900 beruflich orientierte Pflichtschulen zur Ergänzung der
   Handwerksausbildung nach Kerschensteiner
455
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Was sind die wesentlichen Merkmale der Gründungsphase in der industriellen Berufsausbildung?
- Bis 1909 kein Interesse, da die Rekrutierung aus dem Handwerk,
   bis dies nicht mehr möglich war

- 1909 Gründung des DATSCH
- 1926 Gründung AfB
456
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Was sind die wesentlichen Merkmale der betrieblichen Ausbildung in der Konsolidierungsphase?
- 1926 Gründung des AfB

- 1935 Gleichstellung der Facharbeiterprüfungen mit den
   Gesellenprüfungen

- 1934 Einführung großer Befähigungsnachweis, damit einheitliche
   Regelung der Berufsausbildung: Liste mit staatlich anerkannten
   Berufen im Handwerk, fachliche Vorschriften für Ausbildung,
   Meister und Gesellenprüfungen

- 1969 BBIG
457
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Was sind die wesentlichen Merkmale der Berufsschule in der Konsolidierungsphase?
- 1932 Anerkennung der Berufsschule durch die Industrie
- Ende der 1930er:  Pflichtberufsschule
- 1945-1970 Qualitätssteigerung
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Was ist der DATSCH?
- Gegründet 1909
-Deutscher Ausschuss für technisches Schulwesen
- Abgrenzung der Berufe: Einteilung der Facharbeiter in gelernte und angelernte
- inhaltliche Festlegung des Lehrberufs
- erstes Ordnungskonzept, wurde in den folgenden Jahren auf weitere Wirtschaftszweige ausgedient
- Basis für die Entwicklung neuer Berufsfelder
459
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Was ist der AFB?
- 1926 gegründet
- Arbeitsausschuss für Berufsbildung
- Systematisierung der Industrieberufe
-  Abgrenzung der Lehrlingsausbildung zum Handwerk
- Ausbildung zum Facharbeitern parallel zum Handwerksgesellen
460
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Wann wurde der Pflichtbesuch der Berufsschule reichseinheitlich juristisch fixiert?
Ende der 1930er Jahre
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Was geschah zwischen 1945 und 1970 im Bereich der Berufsschule?
1945-1970 Restauration
- materielle und technische Verbesserungen:
   Neue Organisationsstrukturen, neue Berufsschulbauten, spezielle
   Lehr- und Unterrichtsmittel, verbesserte Lehrerbesoldung
- Erhöhung der Qualität
- Festigung des Status Berufsschule als Institution
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Was bedeutet "Föderalismus" allgemein? Und was bedeutet es für die BRD?
Föderalismus bedeutet die Einteilung eines Zentralstaates Gliedstaaten, die teilweise oder vollständig über Gesetzgebungskompetenzen verfügen.

BRD: Bundesstaat/Bundesländer
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Die Kunstfigur des katholischen Arbeitermädchens vom Lande wurde in den 1960er Jahren geschaffen und soll 4 Benachteiligungsdimension aufzeigen, an denen sich die Selektivität des Bildungs- und Ausbildungssystems in Deutschland beschreiben lässt.
Kunstfigur des katholischen Arbeitermädchens:
konfessionelle,
schichtspezifische,
geschlechtsspezifische und
regionale Unterschiede bzw. Benachteiligungsdimensionen

Figur ist heute ungeeignet, die Benachteiligungsdemensionen aufzuzeigen. Sie müsste an die heutigen Situationen / an die heutige Gesellschaft angepasst werden.
464
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Welche Erträge kann Bildung haben?
>Verbindung zwischen Schulbildung und Abschlusschancen

2002 Arbeitslosenquote 10 %, davon
ohne formale Bildungsabschluss 23 %
Hochschulabsolventen 4 %

- Einkommen steigt beziehungsweise sinkt mit dem Bildungsabschluss
- Nicht nur ökonomischer Erträge sondern auch persönliche
- höhere Bildung ermöglicht den gesundereLebensführung
- höhere Bildung steigert das politische Interesse
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Junge Erwachsene ohne Berufsbildungsabschluss - Statistische Angaben
- 13 % aller 20-30 jährigen ohne Ausbildung
- 14 % Frauen und 12 % Männer ohne Ausbildung
- Ausländer mit 35 % häufiger als Deutsche (9 %)
- alte Länder: 15 % ohne Ausbildung Neue Länder 7 % ohne Ausbildung
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Steuerungselemente: Output, Outcome - Was bedeutet es?
Output:
nachweisbare Erfolge am Ende des Bildungsganges

Leistungen, Bildungsabschlüsse, Haltungen

Art wie Lernergebnis am Ende des Bildungsganges ermittelt und zertifiziert werden

Outcome:
langfristige Wirkung des Bildungserwerbs (berufliche Erfolg, soziale Teilhabe)
nicht steuerbar
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Steuerungselemente: Prozess - Bedeutung?
Schuleebene:
- Struktur des bildungsgangspezifischen Arbeitsabläufe (sozialpädagogische Betreuung, Nachmittagsangebote)
- Schulmanagement (Schulleiterausbildung)
- kollegiale Kooperation (Fachkonferenzen)
- Personalentwicklung (Weiterbildung)

Klassenebene:
- Unterrichtsqualität (Methoden)
- Leistungsbeurteilung (Bestimmungen und Versetzungen)
- Lernmaterialien (Auswahl und Finanzierung)
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Steuerungselemente: Kontext - Bedeutung?
Kontext indem das Schulsystem eingebettete ist.

- Sozioökonomischer Status
- soziales Ansehen der Lehrer
- Bedeutung von Bildungsthemen
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Steuerungselemente: Input - Bedeutung?
Schulstruktur -> dreigliedriges Schulsystem
Qualifikation der Lehrer -> Hochschulabschluss
Qualifikation der Schüler -> Vorqualifikation
finanzielle Ressourcen -> kleinere Klassen, größeres
                                          Unterrichtsvolumen

Bildungsziele: Vorgaben für Bildungsgänge und Jahrgangsstufen
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Welche Bedeutung hat die Weiterbildung? Für wen ist sie besonders wichtig?
- Weiterbildung wird zu einem wichtigen Bestandteil der Biografie (Globalisierung)
- unqualifizierte beziehungsweise unterqualifizierter werden zu Globalisierungsverlierer
- Untersuchungen zeigen, das am Ende der Pflichtschulzeit bis zu 25 % der Jugendlichen nicht die nötigen Kompetenzen hätte einen Beruf zu erlernen (Risikogruppe zu großen Teilen mit Migrationshintergrund, sozial schwache Familien; schwerer Zugang zur beruflichen Weiterbildung)
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Forum Bildung - Wann wurde es gegründet? Welche Funktion hatte es?
- 1999 gegründet
- Mitwirkung der Beteiligung im Bereich der Bildungsplanung
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Deutscher Bildungsrat - Wann war er tätig? Welche Funktion hatte er?
Berufung 1965-1975
- Nachfolger des Deutschen Bildungsausschusses
- Beratungsgremium, das auch tief greifende Vorschläge zur Veränderung des Schulwesen machen durfte
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Deutscher Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen - Wann gegründet? Aufgaben und Funktion?
- Gründung 1953
- Rat und Empfehlung
- 29 Gutachten und Empfehlungen

Beispiel: Aufbau der Hauptschule
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Art. 91 b
- 1969 im Grundgesetz ein gefügt
- und und Länder konnten aufgrund von Vereinbarungen bei der Bildungsplanung (...) Zusammenwirken
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Welche wichtigen Werke kamen 1964/1965 heraus und stellten das deutsche Bildungssystem in Frage?
Picht: Deutsche Bildungskatastrophe
Dahrendorf: Bildung ist Bürgerrecht

Kunstfigur: katholisches Arbeiter Mädchen vom Lande

Schaffung der Hauptschulen
476
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"Dreierlei Menschen braucht die Maschine. Den, der sie bedient und in Gang hält, den der sie repariert und verbessert und den, der sie erfindet und konstruiert..." - von?
Weinstock 1955
Begründung des dreigliedrigen Schulsystems
477
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Merkmale der BRD nach 1945
-Restauration des gegliederten Schulwesens
- herausragende Stellung des Gymnasiums
- Trennung höhere und niedere Bildung
- Begabung theoretisch und ökonomisch begründet
   (Leistungsprinzip)
478
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Merkmale DDR
- Polytechnische Oberschule
- Klasse 1-10 gemeinsam
- erweiterte Oberschule Klasse 11-12
- Vorbereitung auf Hochschulstudium
- Orientierung sozialistische Ideologie
479
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Merkmale im Nationalsozialismus
- Ausleseprinzip  mit rassistischen Dimension
- Bildungsbegrenzung gegen Mädchen und Frauen
480
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Merkmale der Weimarer Republik
- Ständische Struktur der allgemein bildenden Schulen
   (dreigliedriges Schulsystem)
- Übergang vom Ständeprinzip zum Leistungs Prinzip
- Einführung Grundschulen
- Weimarer Schul Kompromiss
481
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Das dreigliedrige Schulsystem in Preußen
Volksschule: niedere Bildung

Mittelschule: bürgerliche, nicht akademische Berufe

Gymnasium: akademische Beamtenkarriere
482
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Was war der inhaltliche Unterschiede zwischen "Mittelschule" und Gymnasium?
Bildung für das Bürgertum ohne Ziel zu studieren

Mathematik, Mechanik, Ökonomie, moderne Fremdsprachen (Mittelschule)
483
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Schulmilieu
Das Schulmilieu beeinflusst die Aspirationen der Schüler und die kognitiven Leistungen. Schüler mit gleichen kognitiven Fähigkeiten entwickeln sich auf der Hauptschule anders als auf dem Gymnasium
484
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Allokation
(Zu-)Teilung zu einem bestimmten Beruf beziehungsweise Verteilung auf dem Ausbildung- oder Arbeitsmarkt.
485
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Abschlüsse - Statistische Verteilung auf die Schulformen
2003

9 % ohne Schulabschluss (davon die Hälfte Sonderschüler)
40 % mittlerer Bildungsabschluss
1 % Fachhochschulreife
23 % allgemeine Hochschulreife
486
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Was kann man zur dualen Berufsausbildung sagen? Wieviel Prozent eines Jahrgangs absolvieren eine Ausbildung im DS? Wieviele anerkannte Ausbildungsberufe gibt es? Wieviele Absolventen des allg. BS besuchen eine berufliche VZ-Schule?
50 Prozent Ausbildung im dualen System
350 anerkannter Ausbildungsberufe
20 % berufliche Vollzeitschulen
487
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Berufsausbildung an Hochschulen
Ein Drittel Beginn Hochschulstudium
Unterteilung Fachhochschule und Hochschule gleich Fortsetzung Gliederung (höheres und niederes Bildungswesen)
Kritik: hoher Abbruchquoten 30 %, Studienzeiten zu lang
nur 20 % erreichen Hochschulabschluss
488
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Reformtendenzen
- Schulautonomie
- Flexibilisierung Einschulungsalter
- Verzicht auf Zurückstellung
- Klasse eins und zwei pädagogische Einheit
- stärkere Gewichtung der Schullaufbahnempfehlung
- G 8 (Verkürzung der Gymnasialzeit)
- Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe
- Ausweitung Ganztagsschulen
489
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Warum werden in Deutschland die tradierten Steuerungselemente infrage gestellt?
Schwerpunkt: INPUT und PROZESS
- fehlende Outputsteuerung
- mittelmäßiges Abschneiden in internationalen Leistungsvergleichsstudien
-Auseinanderentwicklung der Bundesländer
- zunehmende Schulautonomie
- innerdeutsche Leistungsspreizung
490
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Wie soll die Output-Steuerung in Zukunft verstärkt beachtet werden?
- Beispiel Niederlande (Qualitätsagenturen)
- Methoden der Evaluation (Selbstevaluation, Fremd- und Metaevaluation)
- Qualitätsagenturen
491
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Selbstevaluation
- Selbstreflexion
- kontinuierlicher Lern- und Arbeitsprozess
- Schulentwicklung, Selbstkontrolle
- eigene Erhebungen
492
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Metaevaluation
Vorurteil Selbstevaluation:
keine Objektivität der Lehrer
Wahrnehmung zu selektiv ohne Blick von außen

Metaevaluation:
methodenkritische Überprüfung durch Externe
Sicherstellung der Bestandsaufnahme
Analyse und Bewertung der fachlichen Standards
493
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Fremdevaluation
Ersetzt oder ergänzt SE / ME
- Externe (Schulaufsicht, Wissenschaftler) beurteilen Arbeit und Arbeitsergebnisse einer Schule
Bestandsaufnahme, Analyse - geben (Entwicklungs-) empfehlungen
494
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Fremdevaluation - METHODEN
- Schulaufsicht
- externe Prüfer und Gutachter
- landesweite Leistungstests
- Zentralprüfungen
495
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Welche Möglichkeiten zur Kompensation bietet das deutsche Bildungssystem?
- Einschulung (Flexibilität)
- Förder- / Sonderschulen
- Verteilung am Ende der Grundschule
- Durchlässigkeit
- Entkopplung
- Klassenwiederholungen
496
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Durchlässigkeit
Wechsel innerhalb der Schulformen
4/5 Abstiege
1/5 Aufstiege
497
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Entkopplung
- Berechtigungen der Schulformen entmonopolisiert
- Allgemeinbildende Abschlüsse können auch an berufsbildenden Schulen erworben werden
- Hierarchie verhindert bzw. behindert Chancengleichheit
498
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Klassenwiederholungen
Längere Lernzeit, Förderung
Herstellung leistungshomogener Gruppen
>Wirkung sehr umstritten
499
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Chancenungleichheiten: Kinder der Arbeitsmigranten
- 10 % aller Schüler in Deutschland
- sind überproportional in sonder- und Hauptschulen
42 % Hauptschulabschluss 18 % ohne Schulabschluss
- unterproportional in Realschule und Gymnasium
32 % mittlerer Abschluss 13 % allgemeiner Hochschulreife oder Fachhochschulreife

Betrifft hauptsächlich die Kinder, deren Eltern beide im Ausland geboren sind
500
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Chancenungleichheiten: Schicht
- Beteiligung Kindergarten und Hort keine schichtspezifischen Unterschiede
- 1989 noch stark ausgeprägt: Anteil Arbeiterkinder auf dem Gymnasium 11 %, 58 % aus beamten Familien
Hauptschule 58 % Arbeiterkinder
1989 stammten 38 % aller Dreizehn des vierzehnjährigen aus Arbeiterfamilien

Pisa: in keinem anderen Land ist der Zusammenhang zwischen Schicht und Bildung so eng wie in Deutschland
1998:64 % Beamtenkinder Hochschulreife / Fachhochschulreife als Ziel des Bildungsganges
2000:54 % Beamtenkinder an Unis und 19 % an Fachhochschulen, aber nur 6 % der Arbeiterkinder (!)

Weiterbildung: 31 % Arbeiter, 68 % beamten
Karriereaussichten: der Arbeiterkinder schlechter
501
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Chancenungleichheiten: Region
- Gemindert durch flächendeckenden Ausbau des Schulnetzes
- regionale Disparitäten zwischen den Bundesländern aber auch innerhalb der Bundesländer

Größte Unterschied: Bayern - Bremen
502
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Chancenungleichheiten: Geschlecht
Heute Mädchen Mehrheit bei dem mittleren Bildungsabschlüssen: 51 % mittlerer Bildungsabschluss
und allgemeiner Hochschulreife 55 %
Fachhochschulreife 44 %
mit Hauptschulabschluss 41 %, leicht hinter den Männern
ohne Abschluss 37 %

>Gleichziehen in allen sozialen Schichten

- Mädchen im Pisa Test leistungsstärker
- Fortschritt in der beruflichen Bildung nur zum Teil: 52 % Mädchen an der Uni und 38 % an den Fachhochschulen
- im dualen System heute noch geschlechtsspezifische Unterschiede: häufiger ohne Berufsausbildung, Ausbildungsberufe decken schmales Berufsspektrum ab
>bewirkt durch familiäre und schulische Sozialisation
503
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Wie wirken sich die Strukturmerkmale des allgemeinen Bildungssystems auf die Chancengleichheit aus?
- Verteilung nach der Grundschule in die verschiedenen Schulformen der SEK I offiziell nach dem Leistungsprinzip, häufig
   spielt aber auch Schichtzugehörigkeit eine Rolle
- "Einstufung" bei der Einschulung, Evtl. Zuweisung zur
    Förderschule-> prägend für die gesamte Schullaufbahn
- Übergang in die Sekundarstufe 2: Das Schulmilieu beeinflusst ggf. die Aspirationen der Schüler
>ohne Abschluss (fast) keine Chance auf dem
  Ausbildungsstellenmarkt
504
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Kurzer historischer Abriss
1880er Schulpflicht für alle Kinder durchgesetzt
1778 1. Abiturreglement (noch nicht bindend)
1812 2. Abiturreglement (Abitur Voraussetzung für Staatsexamen)
1834 3. Abiturreglement (Wort Voraussetzung für Studium und die) Bildungskonzept: Allgemeinbildung, alte Sprachen Schwerpunkt

Niederes Schulwesen: Bildungsprozesse Begrenzung, Glaubenserziehung, Stände Erziehung
1854 Stiehlschen Regulative
>Gegenentwurf Bildung Gymnasien

Mittelschule: Entstehung im 19. Jahrhundert, moderne Sprachen, mehr Naturwissenschaften, kein Recht das Abitur zu vergeben, nach langen kontroversen Entstehung des Realgymnasiums

Gymnasien reine Jungenschulen, Lyzeen Mädchenschulen
(erst 1908 Recht zur Vergabe des Abiturs)

1873 "Allgemeinebestimmungen" lockern Bildungsbegrenzung im niederen Schulwesen
505
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Förderschulen / Sonderschulen
- Klasse 1 bis 10
- unterschiedliche Förderschwerpunkte
- Abschlüsse sind weniger wert und stigmatisieren
- sind in der Kritik / keine Integration
506
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Föderalismusreform
- 2006
- Änderung des Artikels 91 B
- die Gemeinschaftsaufgabe Bildungsplanung ist entfallen
507
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Die BRD ist ein....Staat - welche Merkmale kennzeichnen die BRD?
- ein demokratischer Staat
- ein Sozialstaat
- ein Rechtsstaat
- ein föderalistischer Staat
508
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Was bedeutet der Begriff "Kulturautonomie"?
Die Bundesländer der BRD verfüge über die Kulturautonomie, da sie in allen Bereichen der Kultur (auch der Bildung) alleinige Gesetzgebungsbefugnisse haben.
509
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Welche Gesetze belegen die Gesetzgebungskompetenzen der Länder?
Art. 7 (1): die Schulaufsicht ist Angelegenheit des Staates.

Art. 30: Ausübung der staatlichen Befugnisse der Länder, sofern das Grundgesetz keine andere Regelung trifft oder zulässt.

Dieses Gesetz gibt es in Bildungsbereich nicht
510
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Wie zeigt sich die föderale Grundstruktur der BRD im Bildungswesen?
Jedes Bundesland hat seine eigenen Regelungen im Bildungswesen.
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Welche Bedeutung hat die KMK im allgemeinen Bildungssystem?
- Kultusministerkonferenz
- 1949 gegründet
- kein Verfassungsorgan, nur Empfehlungen
- freiwillige Arbeitsgemeinschaft (zur Koordination)

Beispiel: Empfehlung 1972 Umgestaltung der gymnasialen Oberstufe
512
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Wie wurde die gegliederte Schulstruktur begründet?
Deutsches Kaiserreich:
Ständeprinzip

Wechsel in der Weimarer Republik bis heute zum Leistungsprinzip.
513
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Wie sind die Merkmale des allgemeinen Bildungssystems?
- Horizontale (Gliederung)
-  vertikale (Gliederung)
- Föderalismus
514
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Was bedeutet die "horizontale" Gliederung im Bildungssystem?
Tertiärer Bildungsbereich

Sekundarstufe 2

Sekundarstufe 1

Grundschule

Krippe, Kindergarten
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Was bedeutet die "vertikale" Gliederung im Schulsystem?
Aufgliederung der Sekundarstufe 1 in

Hauptschule
Realschule
Gymnasium
Gesamtschule
Förderschule, Sonderschule
516
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Welche Möglichkeiten wir am Ende der Sekundarstufe 1 ?
- Gymnasiale Oberstufe (allgemein bildendes Schulsystem)
- Berufsbildungssystem
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Wie lange ist die Schulpflicht im deutschen Bildungssystem?
- Vom vollendeten 6. bis zum 18. Lebensjahr
- Schulpflicht: Klasse 1-9 (teilweise 10), also 15. bis 16. Lebensjahr
- Teilzeitschulpflicht bis zum 18. Lebensjahr im Berufsbildungssystem
518
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Pierre Bourdieu(1930-2002): Sozialisation und Habitus

französischer Ethnologe, Soziologe und Philosoph

sein Fokus: Analyse der sozialen Welt mit Blick auf symbolische Formen der Macht
(Klassenunterschiede,
Hierarchien,
Standeszugehörigkeiten)

Verringerung der Macht dieser Verhältnisse durch Aufdeckungsarbeit
519
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Dieses Gesellschaftssystem der funktionellen Machtstrukturen ist schwer zu ändern, da ...
Dieses Gesellschaftssystem der funktionellen Machtstrukturen ist schwer zu ändern, da ...


..vieles unbewusst abläuft und
ohne Gegenwehr übernommen und
weitergegeben wird.
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Bedeutung der Felder im sozialen Raum
die Macht- und Kräfteverhältnisse im sozialen Raum =  Machtpositionen und Hierarchien in den relevanten gesellschaftlichen Handlungsfeldern

Macht der herrschenden Klasse z.B. durch:

in den Feldern der Ökonomie und der Politik durch ihre Kapitalien wesentliche Machtpositionen innehat =>

erheblichen Einfluss auf das Geschehen in diesen Feldern

und zugleich die Sicherung ihres Kapitals als Machtmittel.

Machtpositionen im Feld der Kultur und Mode => symbolische Macht im sozialen Raum; weil der legitime Geschmack oder der Wert von unterschiedlichen kulturellen Gütern definiert werden kann.

=> sozialen Klassen sind keine homogene Gruppen 

herrschende Klasse kann durch Machtpositionen in verschiedenen sozialen Feldern und damit durch eine unterschiedliche Zusammensetzung ihrer Kapitalien charakterisiert werden (verscheiden Fraktionen)

=> Konkurrenz innerhalb der herrschenden Klasse um die Positionierung im sozialen Raum. So lassen sich Machtkämpfe innerhalb der herrschenden Klasse und sich daraus ergebende Hierarchieverschiebungen im sozialen Raum beobachten.
521
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sozialer Raum, Feld und Kapital
Jeder Mensch besitzt Kapital;

er besitzt von allen Kapitalformen, die Bourdieu nennt, etwas.

Die Zusammensetzung (Kapitalstruktur) ist bei allen Menschen individuell und sorgt durch ihre Mischung für eine Positionierung im sozialen Raum.

Der soziale Raum besteht aus Feldern (wirtschaftliche, künstlerische, intellektuelle und weitere), in denen wir miteinander interagieren.

Je nach vorhandenem Kapital agieren wir in den Feldern mit mehr oder weniger (symbolischer) Macht. Wenn wir in einem bestimmten Feld mehr Macht wollen, müssen wir dafür Kapital investieren, z. B. ökonomisches Kapital für Kurse (mehr kulturelles Kapital), mehr Zeit für Beziehungsarbeit (soziales Kapital).

Einsatz von Kapital kann zu einer Erweiterung der Macht führen, auch in anderen Feldern, was Einfluss auf die soziale Position haben kann, da die Kapitalstruktur verändert wird.

Je nachdem wie viel Kapital eingesetzt und wie stark die Kapitalstruktur verändert wird, besteht auch die Möglichkeit, von einer sozialen Klasse (Gruppe von Personen mit ähnlichen Merkmalen in der Kapitalstruktur) in die höhere aufzusteigen, wenn das auch eher die Ausnahme als die Regel ist (Beispiel: Angela Merkel).
522
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Sozialisation als Habituisierung?
Sozialisation ist der Einfluss des Umfeldes auf den Einzelnen.

Sie beginnt von Geburt an bzw. bereits vorher.

Bereits in der Schwangerschaft hat die Umgebung und das Verhalten der Mutter Einfluss auf den Fötus – durch Nahrung, Geräusche, Musik, Wärme, Fürsorge und Zuwendung.

Nach der Geburt ist die soziale Position der Eltern verantwortlich für die Verinnerlichung von Werten, von Geschmack, von Bildung – die vermittelten Werte werden so verinnerlicht (habitualisiert), dass sie für das Individuum natürlich und selbstverständlich sind.

Sie sind damit vorreflexiv – der Mensch denkt nicht mehr nach, er handelt nicht, er verhält sich.

Diese Werte und Grenzen sind dieselben, die in dem Feld, in dem er sich bewegt, herrschen. Deswegen ist Sozialisation Habituisierung
523
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Bedeutung Habitus und freiheitliches Handeln
in Ihren Beiträgen kommen Sie zu sehr unterschiedlichen Einschätzungen hinsichtlich der Möglichkeit freiheitlichen Handelns im Habituskonzept Bourdieus.

Dies liegt im gewissen Sinne in der Habitustheorie Bourdieus begründet.

Diese unterscheidet sich sowohl von deterministischen Theorien, die das menschliche Handeln mechanistisch aus gesellschaftlichen Strukturen herleiten, wie auch von voluntaristischen Handlungstheorien, die das Handeln der gesellschaftichen Akteure als Folge "freier" Entscheidungen erklären.

Nach Bourdieu ist das Handeln der sozialen Akteure durch den Habitus, als Erzeugungsprinzip von Handlungen, Wahrnehmungen und Denkweisen prädeterminiert. Das bedeutet, dass die Handlungen der Akteure nicht festgelegt sind, sondern dass diese innerhalb des durch den jeweils erworbenen Habitus gesetzten Rahmens handeln.
Obwohl nach Bourdieu die gesellschaftliche Praxis wesentlich vom Habitus, als unbewusst wirkendes Prinzip, bestimmt wird, sieht er ihn nur als ein, "Produktionsprinzip von Praktiken unter anderen". Hier kommt dann, wie von Frau Schmid erwähnt, die Soziologie und die Möglichkeit der Selbstreflexion ins Spiel, durch die der Mensch die sozialen Bedingungen und seine Rolle darin verstehen kann.
524
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9.Habitus

= allgemeine Grundhaltung und Disposition gegenüber der Welt

-wird durch Sozialisation verinnerlicht
( Sozialisation= Habitualisierung)

-der Habitus ist durch die sozialen Räume strukturiert und zugleich strukturierend
( er bestimmt unsere Wahrnehmung, Denken, Geschmack)
vorreflexive Prägung

-ist aber keine vollständige Determination des Menschen
525
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Klassenhabitus
Angehörige der sozialen Klassen teilen bestimmte Vorlieben, Lebensstile und Geschmäcker, auch die Anpassung an das Notwendige

dadurch entsteht auch eine Abgrenzung zu anderen Gruppen
526
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3 Formen des „sozialen Geschmacks“:

1) legitimer Geschmack der herrschenden Oberklasse
-limitierte, elitäre Güter; Luxusartikel
-Ausdruck von Macht und Überlegenheit

2) prätentiöser Geschmack der Mittelklasse
-„mittlerer“ Geschmack;
Versuch, die Oberklasse nachzuahmen und
sich Bedeutung und Wichtigkeit zu erkaufen

3) Notwendigkeitsgeschmack der Unterklasse
-pragmatisch, praktisch orientiert
-Erhalt der Existenzbedingungen
527
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8.Geschmack und Lebensstil

-die soziale Positionierung bestimmt die Wahrnehmung von Welt,
die Form des Geschmacks und des Lebensstils

-die herrschende legitime Kultur bestimmt,
was „distinguiert“ und
was „vulgär“ ist

-Homologie der Räume:
evolutionär bedingte Übereinstimmung und
Reproduktion
528
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  3) soziales Kapital

-soziale Netzwerke,
„Vitamin B“,
Beziehungen zu „wichtigen“ Leuten

-„Symbolisches Kapital“:
Wertschätzung,
Ehre,
Anerkennung,
Status

-Bezug zur symbolischen Gewalt >
Machtmechanismen
529
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c) institutionalisiertes Kulturkapital


-z.B. akademische Titel, Zertifikate, Abschlüsse

-Zugangsberechtigung für bestimmte berufliche Laufbahnen
530
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0
b) objektiviertes Kulturkapital

-z.B. Gemälde, Bücher, Instrumente
531
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0
a) inkorporiertes Kulturkapital (Bildungs- und Humankapital)
a) inkorporiertes Kulturkapital (Bildungs- und Humankapital)

-das selbst angeeignete Wissen;
Bildungsstand

-entscheidender Faktor:
Zeit (wie viel Zeit kann jemand investieren in Lernen, Bildung und Ausbildung- wie viel Zeit wird jemandem gewidmet zur Unterstützung)

-Wechselbeziehung zum ökonomischen Kapital
532
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0
2) kulturelles Kapital

führt zu Prestige und
Ansehen
im sozialen Raum
533
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1) Ökonomisches Kapital

Einkommen,
materieller Besitz,
Eigentum
534
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0
Kapitalformen

1) Ökonomisches Kapital
Einkommen, materieller Besitz, Eigentum

2) kulturelles Kapital
führt zu Prestige und Ansehen im sozialen Raum

Es gibt 3 Formen:
a) inkorporiertes Kulturkapital (Bildungs- und Humankapital)
-das selbst angeeignete Wissen; Bildungsstand
-entscheidender Faktor: Zeit (wie viel Zeit kann jemand investieren in Lernen, Bildung und Ausbildung- wie viel Zeit wird jemandem gewidmet zur Unterstützung)
-Wechselbeziehung zum ökonomischen Kapital
b) objektiviertes Kulturkapital
-z.B. Gemälde, Bücher, Instrumente
c) institutionalisiertes Kulturkapital
-z.B. akademische Titel, Zertifikate, Abschlüsse
-Zugangsberechtigung für bestimmte berufliche Laufbahnen

    3) soziales Kapital

-soziale Netzwerke, „Vitamin B“, Beziehungen zu „wichtigen“ Leuten

-„Symbolisches Kapital“: Wertschätzung, Ehre, Anerkennung, Status
-Bezug zur symbolischen Gewalt > Machtmechanismen
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7.Kapital
-die Positionen im sozialen Raum werden bestimmt
durch Umfang und Struktur des vorhandenen Kapitals

-das Kapital als individuelle Kraft und
sozial strukturierende Gesetzmäßigkeit

-ist akkumulierte Arbeit in Form von Material oder inkorporiert

BOURDIEU unterscheidet 3 Formen Ökonomisch, kulturelles (noch unterteilt) und soziales

und ergänzt mit Schröder dann noch sprachliches und symbolisches (Prestige,Ehre)

und Schröder erweitert um physisches (Hautfarbe, Geschlecht...), juridisches ( Rechtsstatus, Staatsangeh.)und ökologisches (Umweltbelastungen, Bauliche Gestaltung Wohnung, Arbeit)

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Benachteiligungen durch unterschiedliche Ausstattung oder Nutzung von Kapital
a. früher hatten Männer anderen Rechststatus als Frauen, die z.B. nicht voll geschäftstüchtig waren. Diese hatten dadurch weniger Möglichkeiten zur Schaffung von ökonomischem Kapital

b. Diskrimierungen wegen z.B. Hautfarbe Behinderung, Abstammung verhindern die gleiche Nutzung von Kapital

c. Fremde Sprache, Fremdes Rechtssystem, wie Ausländer dies in Deutschland für sich erleben, verhindern ebenfalls eine gleichwertigen Kapitaleinsatz.
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Habitus hat einen determinierten Charakter, weil...
Strukturen von den Mitgliedern einer Gesellschaft oft nicht hinterfragt werden.
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Lebenslagen werden bestimmt durch
Art der Ausstattung mit Kapitalien, durch die Möglichkeiten und  Grenzen in der Lebensgestaltung gesetzt werden und die Position im sozialen Raum bestimmt wird.

Kapitalien werden auch schichtspezifisch weitergegeben und so frühzeitig der entsprechende Stil übernommen.
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Gibt es einen individuellen Hbaitus?
Bordieu zweifelt daran, geht er davon aus, dass theoretisch frei gewählte Lebensstile in der Praxis auf den sozialen Raum/die soziale Klasse zurückzuführen ist.
540
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Wie stehen Kapital und Habitus in Beziehung zueinander?
Kapital konstituiert den Habitus
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5.symbolische Gewalt
-subtile und indirekte Form der Machtausübung

-ausgehend von sozialen Strukturen und Positionierungen

-unbewusstes Hinnehmen/Einverständnis der Beherrschten mit der Herrschaftssituation

.Reproduktion der sozialen Ordnung

-die symbolische Gewalt verhindert Wandel und
sorgt für das Bestehen und
die Reproduktion der bestehenden Verhältnisse
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3.physischer Raum > Ort

-räumliche Platzierung, Lokalisation

-Lebensraum (wo man sich aufhält, wohnt, arbeitet)

-ist abhängig von der Positionierung im sozialen Raum
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4.Felder im sozialen Raum
-verschiedene Bereiche innerhalb des sozialen Raums,
z.B. das
wirtschaftliche,
intellektuelle,
künstlerische,
universitäre Feld

-geprägt durch vorgegebene maßgebliche Handlungs- und Praxisformen

-abhängig vom Kapital;
Machtkämpfe um Stellungen;
Kampf-und Kraftfelder-verschiedene Bereiche innerhalb des sozialen Raums,

z.B. das wirtschaftliche, intellektuelle, künstlerische, universitäre Feld

Zum Verständnis des Begriffs des Feldes bei Bourdieu lässt sich ergänzen:
Die Felder beschreibt Bourdieu als autonome Felder konkreter sozialer Praxis. Sie sind aus der gesellschaftlichen Ausdifferenzierung hervorgegangen und werden jeweils durch ein spezifisches gemeinsames Interesse der im Feld handelnden Akteure sowie durch spezifische Regeln und eine spezifische Machtstruktur bestimmt. So gelten im Feld der Kultur beispielsweise andere Regeln als als im Feld der Ökonomie. Das gilt auch für den Wert der unterschiedlichen Kapitalien in den verschiedenen Feldern. Eine bestimmte Positionierung in einem bestimmten Feld erfordert jeweils den Einsatz einer spezifischen Zusammensetzung des Kapitals.
Auf diese Weise charakterisiert, wie Frau Groth schreibt, jede Kombination das Feld und die Positionierung in diesem Feld.


544
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Zentrale Begriffe Bordieu
1. Sozialer Raum

Bourdieu sieht die Gesellschaft als einen sozialen Raum, der aus mehreren Dimensionen besteht. Er konzeptioniert sie als drei übereinandergelegte, transparente Schemata, nämlich

- Kapitalvolumen

- Kapitalart

- Beziehung zwischen sozialer Position und Lebensstilen

Die Menschen werden durch den sozialen Raum in dem sie leben geprägt und charakterisiert. Er ist ein abstraktes "Denkschema", in dem sich gesellschaftliche Strukturen und Herrschaftsverhältnisse abbilden.

2. Akteur

Menschen sind Akteure im sozialen Raum, deren Handeln nicht losgelöst werden kann von der räumlichen Platzierung. Das Sein ist folglich Ausdruck der Sozialisation, die von der Lokalisierung im Raum bestimmt wird. Somit steht nicht der individuelle freiheitliche Akt im Vordergrund.

3. Position

Das Handeln der Menschen, Geschmack, Vorlieben, das Verhältnis zum Körper, der gesamte Lebensstil sind bedingt von der jeweiligen Position im sozialen Raum. Der Raum ist unterteilt in differierende Felder, in denen bestimmte Handlungs- und Praxisformen maßgeblich sind (z.B. wirtschaftliche, intellektuelle, künstlerische und universitäre Felder)

4. Macht

Soziale Strukturen und Positionierungen sind dabei Ausdruck von Macht in Form einer symbolischen Gewalt. Diese stellt dabei eine indirekte Form der Machtausübung dar und verweist auf Herrschaftsbeziehungen, in denen unbewusstes Einverständnis der Beherrschten mit der Herrschaftssituation vorliegt. Die gegebene Ordnung und Strukturierung des sozialen Raumes wird dadurch legitimiert und als gegeben hingenommen.

5. Kapital

Die Position im sozialen Raum ist vom Umfang und Struktur des Kapitals abhängig. Kapital ist akkumulierte Arbeit in Form vom Materie oder in inkorporierter Form. Bourdieu unterscheidet ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital. Diese Unterscheidung ist von Bedeutung wenn verständlich werden soll, wie sich der Mensch im sozialen Gefüge positioniert. Die Verteilungsstruktur entspricht der immanenten Struktur der gesellschaftlichen Welt. Kapital wird als eine individuelle Kraft und zugleich als eine sozial strukturierende Gesetzmäßigkeit auf der Ebene der Gesellschaft begriffen.

6. Geschmack und Lebensstil

Die Verbindung von sozialem Raum und Lebensstil führt die unterschiedlichen Klassen der Gesellschaft mit spezifischen Formen des Geschmacks zusammen. Lebensstile stellen Signale für die Klassenzugehörigkeit dar und sind Ausdruck der sozialen Positionierung.

7. Habitus

Im Habitus des Menschen kommt zum Vorschein, was ihn zum gesellschaftlichen Wesen macht ( z.B. Klassenzugehörigkeit). Der Habitus ist die Seinsweise des Menschen und zeigt sich als allgemeine Grundhaltung gegenüber der Welt. Er ist das Ergebnis der Verinnerlichung klassenspezifischer Existenzbedingungen und wird nicht angeboren. Er wird erworben und umfasst des gesamten Lebensstil.
545
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sozialer Raum/physischer Raum
Jedoch besteht dieser Raum aus Orten, die eine soziale Bedeutung haben, die von anderen Akteuren angeeignet werden und zu denen jeder von uns, abhängig von der jeweiligen Position im sozialen Raum, in einer bestimmten sozialen Beziehung steht. Es ist daher, wie Bourdieu feststellt, also durchaus Abstraktion erforderlich, um beispielsweise ein Behördengebäude, die Arbeitsstätte, die Wohnung des Nachbarn oder eine vollbesetzte Straßenbahn nur als einen durch seine Koordinaten und Ausdehnung gekennzeichneten physischen Raum zu denken. Jeder Ort im physischen Raum wird vielmehr auch durch soziale Konstruktion bestimmt und ist somit Ausdruck der sozialen Struktur und der sozialen Verhältnisse. An machen Orten, wie beispielsweise in einem Opernhaus oder an sogenannten "sozialen Brennpunkten" ist diese Durchdringung von sozialem Raum und physischem Raum lediglich offensichtlicher als an anderen.

Ihr Einwand ist völlig berechtigt. Zu einem bestimmten Zeitpunkt nimmt ein Akteur eine eindeutige Position im sozialen Raum ein. Diese ist definiert durch das Kapitalvolumen sowie die Zusammensetzung dieses Kapitals. Bourdieu hat dies in "Die feinen Unterschiede" in Form eines Koordinatenkreuzes dargestellt. Dabei bezeichnet die Y-Achse das Kapitalvolumen und die X-Achse das Verhältnis von ökonomischen Kapital zu Kulturkapital. Diese eindeutige Positionierung im Raum der sozialen Positionen korrespondiert mit einer Positionierung im Raum der Lebensstile. Die "Homologie" dieser beiden Räume beruht auf den vom Habitus erzeugten Klassifikations-, Bewertungs- und Handlungsschemata.
Im Zeitverlauf können sich durch individuellen sozialen Auf- und Abstieg sowie Veränderungen der Klassenstrukturen die Positionen im sozialen Raum verändern.
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3.physischer Raum > Ort

-räumliche Platzierung, Lokalisation

-Lebensraum (wo man sich aufhält, wohnt, arbeitet)

-ist abhängig von der Positionierung im sozialen Raum
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2.sozialer Raum (als abstraktes Denkschema)

-soziale Positionalität des Menschen (nicht frei gewählt)

-gesellschaftliche Strukturen, Herrschaftsverhältnisse

-Menschen sind „Handelnde, die im sozialen Raum positioniert

und durch diesen Ort charakterisiert sind“
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1. Akteure im sozialen Raum


-alle Menschen, die miteinander agieren,
die eine Position im sozialen Raum innehaben
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Bordieu Schlagworte:

Zentrale Themen/ Vokabular:

1. Akteure im sozialen Raum
-alle Menschen, die miteinander agieren, die eine Position im sozialen Raum innehaben

2.sozialer Raum (als abstraktes Denkschema) > Position
-soziale Positionalität des Menschen (nicht frei gewählt)
-gesellschaftliche Strukturen, Herrschaftsverhältnisse
-Menschen sind „Handelnde, die im sozialen Raum positioniert und durch diesen Ort charakterisiert sind“

3.physischer Raum > Ort
-räumliche Platzierung, Lokalisation
-Lebensraum (wo man sich aufhält, wohnt, arbeitet)
-ist abhängig von der Positionierung im sozialen Raum

4.Felder
-verschiedene Bereiche innerhalb des sozialen Raums, z.B. das wirtschaftliche, intellektuelle, künstlerische, universitäre Feld
-geprägt durch vorgegebene maßgebliche Handlungs- und Praxisformen
-abhängig vom Kapital; Machtkämpfe um Stellungen; Kampf-und Kraftfelder

5.symbolische Gewalt
-subtile und indirekte Form der Machtausübung
-ausgehend von sozialen Strukturen und Positionierungen
-unbewusstes Hinnehmen/Einverständnis der Beherrschten mit der Herrschaftssituation

6.Reproduktion der sozialen Ordnung
-die symbolische Gewalt verhindert Wandel und sorgt für das Bestehen und die Reproduktion der bestehenden Verhältnisse

7.Kapital
-die Positionen im sozialen Raum werden bestimmt durch Umfang und Struktur des vorhandenen Kapitals
-das Kapital als individuelle Kraft und sozial strukturierende Gesetzmäßigkeit
-ist akkumulierte Arbeit in Form von Material oder inkorporiert

BOURDIEU unterscheidet 3 Formen:


1) Ökonomisches Kapital

Einkommen, materieller Besitz, Eigentum

2) kulturelles Kapital

führt zu Prestige und Ansehen im sozialen Raum

Es gibt 3 Formen:
a) inkorporiertes Kulturkapital (Bildungs- und Humankapital)
-das selbst angeeignete Wissen; Bildungsstand
-entscheidender Faktor: Zeit (wie viel Zeit kann jemand investieren in Lernen, Bildung und Ausbildung- wie viel Zeit wird jemandem gewidmet zur Unterstützung)
-Wechselbeziehung zum ökonomischen Kapital
b) objektiviertes Kulturkapital
-z.B. Gemälde, Bücher, Instrumente
c) institutionalisiertes Kulturkapital
-z.B. akademische Titel, Zertifikate, Abschlüsse
-Zugangsberechtigung für bestimmte berufliche Laufbahnen

    3) soziales Kapital

-soziale Netzwerke, „Vitamin B“, Beziehungen zu „wichtigen“ Leuten
-„Symbolisches Kapital“: Wertschätzung, Ehre, Anerkennung, Status
-Bezug zur symbolischen Gewalt > Machtmechanismen

8.Geschmack und Lebensstil
-die soziale Positionierung bestimmt die Wahrnehmung von Welt, die Form des Geschmacks und des Lebensstils
-die herrschende legitime Kultur bestimmt, was „distinguiert“ und was „vulgär“ ist
-Homologie der Räume: evolutionär bedingte Übereinstimmung und Reproduktion

3 Formen des „sozialen Geschmacks“:

1) legitimer Geschmack der herrschenden Oberklasse
-limitierte, elitäre Güter; Luxusartikel
-Ausdruck von Macht und Überlegenheit

2) prätentiöser Geschmack der Mittelklasse
-„mittlerer“ Geschmack; Versuch, die Oberklasse nachzuahmen und sich Bedeutung und Wichtigkeit zu erkaufen

3) Notwendigkeitsgeschmack der Unterklasse
-pragmatisch, praktisch orientiert
-Erhalt der Existenzbedingungen


9.Habitus

= allgemeine Grundhaltung und Disposition gegenüber der Welt
-wird durch Sozialisation verinnerlicht ( Sozialisation= Habitualisierung)
-der Habitus ist durch die sozialen Räume strukturiert und zugleich strukturierend
( er bestimmt unsere Wahrnehmung, Denken, Geschmack)
vorreflexive Prägung
-ist aber keine vollständige Determination des Menschen

Dieses Gesellschaftssystem der funktionellen Machtstrukturen ist schwer zu ändern, da vieles unbewusst abläuft und ohne Gegenwehr übernommen und weitergegeben wird.
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Sozialisation als Prozess der Habitualisierung (Bourdieu)

Bourdieu führt mit "Habitus"einen sozialisationstheoretisch relevanten Begriff ein.

- Definiton Habitus: "erworbene Haltung (Habe, Gehabe) des Individuums in der sozialen Welt, seine Dispositionen, seine Gewohnheiten, seine Lebensweise, seine Einstellungen und Wertvorstellungen.

- beobachtbar im Raum des Lebensstils - Verbindungsglied zwischen objektiven gesellschaftlichen Verhältnissen und subjektivem Handeln

- = Erzeugungsprinzip bestimmter praktischer Lebensführung sowie Bewertungsprinzip

- Habitus erzeugt Distinktionen im Sinne von sozialer Abgrenzung und Herstellung von Unterschieden

Klassenhabitus: Jedes Individuum hat seinen individuellen Habitus. Die Unterschiede sind jedoch nicht so individuell, dass man nicht von einer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klasse sprechen könnte. Soziale Klassen teilen bestimmte Lebensstile.

Klassenhabitus mit seinen jeweiligen Ausdrucksformen führt zum Ausschluss von Angehörigen "fremder" Klassen.
551
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Person Durkheim

Émile Durkheim(1858- 1917):
Sozialisation als Vergesellschaftung und soziale Bindung


DURKHEIM gilt als der Begründer der Soziologie.

Er war einer der ersten Wissenschaftler,
der menschliches Verhalten unter den Gesichtspunkten der Sozialisation untersucht hat.
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Frage
Kann ein Individuum zugleich autonom und in Abhängigkeit der Gesellschaft leben?
553
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Wie kann unter sich ändernden Bedingungen (Übergang von der segmentären zur arbeitsteilig organisierten Gesellschaft) soziale Integration immer wieder hergestellt werden?

1.Durch die Verinnerlichung gesellschaftlicher Normen
2.Durch beabsichtigte Erziehung als methodische Sozialisation und wichtigstes Instrument der Normenverinnerlichung
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Menschenbild
Durkheims Vorstellung verbindet sich mit einem Menschenbild, das durch institutionelle Maßnahmen derart geprägt werden soll, dass die Gesellschaft in ihrer Struktur und Organisation reproduziert werden kann. Damit gehen psychologische Konzepte  einher, in denen der Mensch als (beliebig) formbar betrachtet wird.
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Durkheims Verständnis von Soizialisation
für Durkheim steht die Frage einer sozialen Ordnung im Vordergrund, die durch die sozialen Bindungen der Menschen ins Leben gerufen werden. Er kritisiert die auf das Individuum ausgerichtete Erziehungstheorie seiner Zeit und sieht das Individuum vielmehr als Teil einer arbeitsteiligen Gesellschaft und damit in die vorherrschende soziale Ordnung eingebunden. Soziologie umgreift für Durkheim sämtliche soziale Faktoren, äußere Einflussnahmen und Phänomene, d.h. soziale Tatbestände (z.B. Gesetz, Sprache etc.).

Nach Durkheim wird der Mensch erst über Sozialisation zum Menschen. Sie erzeugt als Wirkung des gesellschaftlichen Systems das soziale Wesen Mensch. Sozialisation zeigt die Einsicht in die Notwendigkeit der gesellschaftlichen Reproduktion auf und erscheint als die Quelle der Autonomie. Der Sozialisationsprozess schafft erzieherische Praktiken, die die Funktion haben, die Arbeitsteilung und damit das Zusammenleben in einer funktional-differenzierten Gesellschaft zu sichern.
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Erläutern Sie, inwiefern Erziehung als methodische Sozialisation der Reproduktion der Gesellschaft dient!
Erläutern Sie, inwiefern Erziehung als methodische Sozialisation der Reproduktion der Gesellschaft dient!

Erziehung als methodische Sozialisation gewinnt in der arbeitsteiligen (funktional ausdifferenzierte) Gesellschaft einen essenziellen Stellenwert. Diese Gesellschaft ist geprägt durch ein schwaches Kollektivbewusstsein, einer ausgeprägten Individualisierung und einer stark ausgeprägten Arbeitsteilung. Nicht mehr die Vergleichbarkeit der Lebenskontexte ist das verbindende Element die das Individuum durch Schaffung eines Kollektivbewusstseins in die soziale Ordnung einbindet und integriert.

Sondern beruht im Gegenteil auf einer universell geteilten Ungleichheit: es sind gerade die unverrechenbaren Differenzen zwischen den Mitgliedern eines sozialen Verbandes, die seine Synthesis herstellen.

In dieser Gesellschaft liegt aber die Gefahr einer Anomie, d.h. einer sozialen Bindungslosigkeit ihrer Mitglieder. Droht die Moral der modernen Gesellschaft zu verkümmern, zeigt sich also der Effekt der Anomie, ein Zustand, in dem sich das Individuum nicht mehr als Teil der Gesellschaft begreift, so dass das soziale Band zerreißt und die gesellschaftliche Ordnung zerbricht (siehe Auschwitz).

Um diesem Zustand entgegen zu wirken wird Erziehung Mittel zum Zweck, Erziehung als methodische Sozialisation nach Durkheim. Die Erziehung so Durkheim fixiert in der Seele des Kindes die wesentlichen Ähnlichkeiten, die das gesellschaftliche Leben voraussetzt - dem der Geist der Gesetze handlungsleitend eingepflanzt ist.

Die Individualität des Menschen in der vermeintlichen Autonomie, in der der Mensch einen eigenen Stellenwert erhält – die Würde des Menschen als leitende Norm – unterliegt der Manipulation. Die Erziehung hat nicht das Ziel das Individuum und seine Interessen als individuelles Wesen zu internalisieren (weiß nicht, ob dieses Wort in diesem Zusammenhang passt besser vielleicht zu entfalten?).

Erziehung hat als einziges Ziel das Kind als soziales Wesen zu formen, auf die jeweilige Funktion hin die ihm gebührt (im Gefüge seiner Gesellschaft), um sich seiner zu bedienen als Mittel zum Zweck für den Selbsterhalt der Gesellschaft.
557
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Moral bei Durkheim als soziologische Angelegenheit
Moral ist bei Durkheim das Regelwerk der funktional-ausdifferenzierten Gesellschaft, das ein Kollektivbewusstsein schafft und einer Anomie und dem mit einem fehlenden Zusammenhalt einhergehenden Zusammenbruch der Gesellschaft vorbeugt. Sie ersetzt die bei den segmentierten Gesellschaftstypen ursprüngliche, selbstverständliche Solidarität durch die neuen wechselseitigen Abhängigkeiten der Arbeitsteilung. Einer dabei über das Individuum hinausgehenden positiven Wirkung auf die Gesamtgesellschaft, so hofft Durkheim, unterwerfen sich die Mitglieder freiwillig, weil sie die Notwendigkeit eines gesamtgesellschaftlichen Regelwerks einsehen, das ihnen durch Sozialisationsprozesse vermittelt wurde.
558
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organische Solidarität
Die moderne Gesellschaft ruht auf organischer Solidarität = strebt funktional auseinander
Gekennzeichnet durch hohe Bevölkerungsdichte
und differenzierte, arbeitsteilige Individualisierung
schwaches Kollektivbewusstsein
stark ausgeprägte Arbeitsteilung
restitutives (ausgleichendes)Recht
ausgerichtet auf Schadenswiedergutmachung im Falle einer Vertragsverletzung
ausgeprägte Individualisierung (Würde des Menschen wird zur leitenden Norm, Individuum erhält eigenen Stellenwert)
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pädagigische Relevanz des Ansatzes von Durkheim kritisch...
Durkheims Ansatz ist der Pädagogik im klassischen Sinne zunächst fremd.

Methoden und Inhalte von Erziehung werden den Anforderungen und Bedürfnissen der Gesellschaft angepasst. In der arbeitsteiligen Gesellschaft geht es um die zweckgebundene Ausbildung jener Anlagen, die für die Gesellschaft brauchbar und wichtig sind.
Dies widerspricht der Ursprungsidee der Pädagogik, welche den Anspruch hat, die individuellen Anlagen des Einzelnen zu entfalten.

Durkheims Ansatz stellt die bisherige Vorstellung von Pädagogik in Frage, indem er ihr die Realität der Gesellschaft entgegenhält und somit die Institutionalisierung und Funktionalisierung von Bildung rechtfertigt.
Wir können uns der Gesellschaft nicht entziehen und müssen dafür sorgen, dass sie weiterhin funktioniert.
Die Gesellschaft ist jedoch aus Individuen gemacht. Insofern muss auch der individuellen Entfaltung Raum geboten werden, damit sich die Gesellschaft weiterentwickeln kann und es nicht zur Unterdrückung ihrer Mitglieder kommt.
Jeder Ansatz für sich wäre eine einseitige, abstrakte Vorstellung, die sich nicht realistisch zum Wohle Aller umsetzen ließe und für das Fortbestehen der Menschheit nicht erstrebenswert wäre. Es muss eine ausgewogene Berücksichtigung beider Aspekte – sowohl Pädagogik im klassischen Sinne als auch Sozialisation – Anwendung finden.
560
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Gesellschaft ist laut durkheim immer schon im Individuum präsent
Allerdings ist für ihn Gesellschaft eine apriorische Kategorie der Erziehung. Das heißt, der Mensch wird immer in eine Gesellschaft hineingeboren. Schon in seinen ersten Interaktionen mit der Umwelt ist er also mit Lebensgewohnheiten etc. der Gruppe konfrontiert in der er aufwächst. Der Mensch lebt also von Beginn seines Lebens an nicht nur ein persönliches Leben, sondern auch ein gesellschaftliches Leben.
In diesem Sinne kann man also durchaus davon sprechen, dass die Gesellschaft immer schon im Individuum präsent ist. Oder...?
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eine gute Frage: Wer teilt denn eigentlich die Funktionen ein?

Durkheim sagt dazu etwas auf S. 137. Er unterscheidet das individuelle und das soziale Wesen.
Das soziale Wesen ist der Anteil des Menschen, der in die soziale Ordnung und das gesellschaftliche Moralsystem integriert werden soll. Und dies geschieht über Gruppenzugehörigkeit, Traditionen, Überzeugungen, Ansichten, Meinungen, die dem Menschen angetragen und vermittelt werden.
Demnach sozialisiert die Gesellschaft ihre Mitglieder aus sich selbst heraus und reproduziert sich dadurch. Es gibt also keine reale Person, die diese Einteilung vornehmen muss.
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Aktualität Durkheim
hier mein Beitrag dazu. Kürzer ging es irgendwie nicht :-o:

Durkheims Konzept der arbeitsteiligen Gesellschaft und organischen Solidarität sind auch heute noch aktuell. Die Gesellschaft orientiert sich weiterhin an einem Moral-/Regelsystem, welches sich mit ihr evolutionär entwickelt. Es versucht sowohl der beruflichen Spezialisierung und Ausdifferenzieung gerecht zu werden, als auch der damit einhergehenden Individualisierung auf persönlicher Ebene. Es soll für möglichst alle Mitglieder der Gesellschaft eine angemessene Grundlage für das Zusammenleben darstellen.
Da es jedoch schwierig bis unmöglich ist, allen Mitgliedern der Gesellschaft in ihrer individuellen Verfasstheit gerecht zu werden, zeigt sich eine Steigerung von Anomie, also soziale Bindungslosigkeit des Individuums, welche sich in Phänomenen wie Selbstmord und höchst aktuell auch Amoklauf zeigt.

Durkheim macht ferner klar, dass die Reproduktion der Gesellschaft in Schichten und Klassen als Teil der sozialen Ordnung für ihr Funktionieren notwendig ist. Ungerechtigkeit wird heutzutage zumindest durch unsere Verfassung und das wirtschaftliche Sozialsystem entgegengewirkt (Gleichheit vor dem Gesetz, Schulpflicht für alle, Kranken- und Arbeitslosenversicherung). Prinzipiell besteht die Aufteilung in Klassen jedoch weiterhin.

Gegen die Aktualität des Ansatzes von Durkheim spricht seine einseitige Sichtweise in Bezug auf Erziehung. Erziehung ist heute nicht hauptsächlich methodische Sozialisation sondern bietet weiterhin Raum für die Entfaltung individueller Anlagen. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass auch im Rahmen dessen Sozialisationsprozesse stattfinden – je nach Erziehungskontext mehr oder weniger planvoll. Zudem ist fraglich, inwieweit die Entfaltung individueller Anlagen auf der freiheitlichen Entscheidung des Einzelnen beruht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Durkheims Ansatz – mit einigen Ausnahmen – auch heute noch die Realität abbildet.

Zum Abschluss möchte ich noch eine Frage in die Runde werfen:
Fortschreitende Individualisierung birgt schon innerhalb bestehender Gesellschaften wie z.B. Deutschland das Risiko der Anomie. Wie glaubt Ihr verhält sich dieses Phänomen im Zuge der Europäisierung und weiter betrachtet auch der Globalisierung?
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3.Autonomie des Willens- die aufgeklärte Zustimmung

-1) hier stellt sich die Frage,
wie Disziplinierung und Unterordnung mit der  Autonomie des Willens zu vereinen ist

-2)die Verbindung dazu ist die „aufgeklärte“ Zustimmung

-3)das ist die Einsicht des Menschen in die Notwendigkeit der Regeleinhaltung, eine Einsicht,
dass Moral wichtig und richtig ist

-4)diese Einsicht ist nach DURKHEIM frei gewollt und angenommen

-5)durch die Einsicht, Begrenzungen freiwillig als notwendig anzuerkennen, empfindet der Mensch die aufgeklärte Zustimmung nicht als Erniedrigung oder Zwang

-6)so erscheint die Entscheidung als individuell,
als freiwillige Selbstbeherrschung und – regulierung
564
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Die aufgeklärte Zustimmung

-das soziale Wesen entsteht, indem das Individuum die moralischen Regeln der Gesellschaft internalisiert

-dafür sind 3 Faktoren als Voraussetzung notwendig:

1.Geist der Disziplin
-die unbedingte Unterordnung unter das Gesollte
-Vermeidung rein egoistischer Handlungsformen
-kategorische Anerkennung normativer Regeln

2.Anschluss an die soziale Gruppe
-über das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gruppe werden deren moralische Werte und Normen vermittelt

3.Autonomie des Willens- die aufgeklärte Zustimmung
-hier stellt sich die Frage, wie Disziplinierung und Unterordnung mit der Autonomie der Autonomie des Willens zu vereinen ist
-die Verbindung dazu ist die „aufgeklärte“ Zustimmung
-das ist die Einsicht des Menschen in die Notwendigkeit der Regeleinhaltung, eine Einsicht, dass Moral wichtig und richtig ist
-diese Einsicht ist nach DURKHEIM frei gewollt und angenommen
-durch die Einsicht, Begrenzungen freiwillig als notwendig anzuerkennen, empfindet der Mensch die aufgeklärte Zustimmung nicht als Erniedrigung oder Zwang
-so erscheint die Entscheidung als individuell, als freiwillige Selbstbeherrschung und – regulierung

Es wird immer noch die selbe Suppe gelöffelt, aber nun hat der Mensch entschieden, dass sie ihm schmeckt
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Moral für Durkheim
Sehr stabiles System von regeln, die mit der Gesellschaft gegeben und der verhaltensregulierung dienen.
566
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Aufgaben der Erziehung nach Durkheim:

1. Stärkung der Bindung des Menschen an die Gesellschaft und die öffentlichen Pflichten

2. Vermittlung sozialer Strukturen und Zusammengehörigkeitsgefühl statt primärer Förderung der Individualität

3. Integration in die soziale Ordnung

4. Vermittlung des Moralsystems

5. Reproduktion der arbeitsteiligen Gesellschaft

6. aber auch Gewährleistung der Vielfalt und Individualisierung

Der Mensch besteht aus dem individuellen und dem sozialen Wesen.
Aufgabe von Erziehung ist,

1. das soziale Wesen zu bilden
2. den Einzelnen auf seine jeweilige Funktion hin zu erziehen
(Beruf als sozialer Tatbestand),
das heißt: frühzeitige Spezialisierung
567
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Anomie
Anomie und innere Ökonomie

2 wichtige Faktoren einer gesunden funktionierenden Gesellschaft:

1.Vermeidung von Anomien (Ordnungslosigkeit, soziale Bindungslosigkeit)

Anomien als Merkmal des moralischen Zerfalls in der modernen Gesellschaft (droht die Moral zu verkümmern...)
Zur Vermeidung ist wichtig:
a) Etablierung vernünftiger moralischer Maßstäbe (gleichzeitige Wahrnehmung des Fehlenden)
b) Zusammenhalt der Gesellschaft fördern
c) Gerechte Organisation und Verminderung äußerer Ungleichheiten
harmonisches Zusammenspiel der Teilbereiche
Erziehung als methodische Sozialisation

568
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Logik einer inneren Ökonomie
Logik einer inneren Ökonomie

die innere Ökonomie der Gesellschaft bestimmt das notwendige soziale Verhalten des Menschen, bezugnehmend auf das moralische Regelwerk

die Moral ist nicht vom Menschen gemacht, sondern eine Ausarbeitung der Gesellschaft(sie „zwingt“ sich dem Einzelnen auf““)

(„Wir werden viel mehr gehandelt als dass wir selber handeln“)
-„der Mensch, den die Erziehung in uns verwirklichen muss, ist nicht der Mensch, den die Natur gemacht hat, sondern der Mensch, wie ihn die Gesellschaft haben will; und sie will ihn so haben, wie ihn ihre innere Ökonomie braucht“

-dieses geschieht zum Erhalt des sozialen Systems

hat das Ziel, den normalen Zustand herzustellen

ist Ausdruck einer Effektivität und Verbesserung des Bestehenden auf der Grundlage der Erkenntnis der Funktionszusammenhänge
569
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Erzieherische Praktiken
Sollen die gesellschaftliche Funktion haben, die Arbeitsteilung und damit das Zusammenleben in einer funktional differenzierten Gesellschaft zu sichern
570
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Arbeitsteilung und Moral
Arbeitsteilung als das moralische Grundprinzip der solidarischen Gesellschaftsform, erzeugt also Solidarität und damit  Moral.
Auf dieser Grundlage sollen neue moralische Maßstäbe zur Erreichung organischer Solidarität gefunden werden.

Moral ( herrschendes Regelsystem der Gesellschaft) = Grundlage der Herstellung gesellschaftlicher Integration

Soziale Realitäten und soziales Regelwerk verändern sich ohne Intention des Menschen: das Soziale erklärt sich aus dem Sozialen heraus.

Moral ist das, was der inneren Ökonomie der Gesellschaft nutzt

Arbeitsteilung > stiftet moralischen Zusammenhalt >
Autonomie und Bindung an soziale Gruppe

571
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Funktional differenzierte (arbeitsteilige) Gesellschaft
hohe Bevölkerungsdichte

Schwaches Kollektivbewusstsein (Arbeitsteilung ersetzt Kollektivbew.)

wechselseitiges Netz von Abhängigkeiten: "man ist aufeinander angewiesen in komplementärer Funktionserfüllung"

Ausgeprägte differenzierte Individualisierung

Stark ausgeprägte Arbeitsteilung- strebt funktional auseinander
gehalten durch: Organische Solidarität

Restitutives(ausgleichendes)Recht - Gewährleistung verlässlicher Rechtsbeziehungen

Würde des Menschen als leitende Norm

Arbeitsteilung hält die Ordnung stabil.
572
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universell geteilte Ungleichheit ( Lilienthal)
meint die in der funktional differenzierten Gesellschaft stark differierenden Mitglieder der Gesellschaft
573
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0
Durkheims gesellschaftstheorie geht aus von
der Frage nach sozialen Bindungen
574
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Segmentär differenzierte Gesellschaft

nicht durch ein vertragliches Regelwerk aufrechtgehalten
meist geringe Bevölkerung
meist untergliederd in Gruppierungen / Teritorien
entwickelt starkes Kollektivbewusstsein => gemeinsame Normen, Werte etc. bewirken Integration des Individuums

Maximum: Kollektivbewusstsein deckt sich mit Indviduumsbewusstsein=> Individualität aufgelöst

Geringe Individualisierung
Wenig ausgeprägte Arbeitsteilung
zusammengehalten durch: Mechanische Solidarität
Repressives Recht als Beispiel: Strafe nur als Sühne, um Ordnung wieder herzustellen
575
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mechanische Solidarität
1.mechanische Solidarität

Kennzeichen der segmentierten Gesellschaft
Regeln und Normen werden als Kollektivbewusstsein mechanisch übernommen
Solidarität ist ursprünglich und eine Selbstverständlichkeit


576
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2.organische Solidarität
2.organische Solidarität

Kennzeichen der modernen, arbeitsteiligen Gesellschaft

Ist funktional ausdifferenziert
(jeder Einzelne erfüllt eine bestimmte Funktion im Dienste der Gesellschaft)

Wechselseitige Abhängigkeiten:
man ist aufeinander angewiesen
Steigerung des Zusammenhalts (soziale Solidarität)
577
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zwei Geselschaftsformen nach Durkheim
Segmentierte und Arbeitsteilige Gesellschaft
578
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Durkheim : 2 Arten sozialer Bindungen
mechanische und organische Solidarität (meint hier die soziale Bindung der Mitglieder der Gesellschaft)
579
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Soziologie bei Durkheim
umgreift sämtliche sozialen Faktoren, äußere Einflussnahme und Phänomene (soziale Tatbestände). Diese sollen wie Dinge betrachtet werden...

durch deren Analyse erhält Soziologie Erkenntnisfunktion

es geht um diemethodisch kontrollierte wissenschaftliche Erforschung der notwendigen Gesetze der Gesellschaft
580
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0
Gesellschaftlicher Wandel bei Durkheim
ist kein freier Gestaltungsprozess von Individuen, sondern ein biologischer Reflex auf das Bevölkerungswachstum und ein Effekt technologischer Erneuerungen, neuer Medien.
581
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Erziehung und Bildung bei Durkheim
lediglich funktional auf die Reproduktion und den Erhalt der Gesellschaft bezogen.
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Arbeitsteilung
Der Blick auf diese , ist der Weg zum Verständnis moderner Gesellschaften.

soziale Orientierungs- und Bindungslosigkeit kann nur aufgefangen werden, wenn arbeitsteilige Gesellschaften eine organische Solidarität entwickeln, also eine Moralität die den veränderten Strukturen entspricht.

583
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Moderne Gesellschaft zu Zeiten Durkheims und aktuell?!
ein verbindliches Normen- und Moralsystem wird nicht mehr durch ein übergeordnetes kollektives Bewusstsein von gemeinsamen Gefühlen, religiösen oder anderen normativ orientierenden Vorstellungen begründet.

Alte Strukturen und Ordnungszusammenhänge werden aufgelöst -

Soziologie als Unifach soll Aussagen über Moral und den Fortbestand der Gesellschaft möglich machen...
584
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Durkheim:
Zentrale Fragen:


wie ist eine Ordnung der Gesellschaft möglich?

Welche Gesetze liegen dieser Ordnung zugrunde?

Wie erhält sich eine Ordnung in der Gesellschaft?

Wie entstehen soziale Bindungen?
585
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Durkheim

Grundmerkmale:

1. nomologische Aussagen und Gesetzmäßigkeiten über die Gesellschaft
(nach naturwissenschaftlichem Vorbild)

2. methodische Erforschung der sozialen Tatbestände
(wichtige beeinflussende Faktoren)

3. die Frage nach der sozialen Ordnung und der Verbindung von Individuum und Gesellschaft

4. Betrachten des gesellschaftlichen Wandels
(nicht als freiheitlicher Gestaltungsprozess, sondern als evolutions- biologischen Reflex auf äußere Veränderungen,
wie z.B. Bevölkerungswachstum, technologische Erneuerungen)

5. Anpassungsphänomene
(jede Veränderung in der Organisation einer Gesellschaft hat eine Veränderung auf menschlicher Ebene als Konsequenz)

6. das Moralsystem als Orientierung am Regelwerk der Gesellschaft

7. Rolle der Erziehung:
„Mittel zum Zweck“, als funktionale Methode zur Sozialisation zur Stabilisierung und Erhaltung der Gesellschaft
586
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Durkheim:

Ziel:


Soziologie als eigenständiges Fach an den Universitäten zu etablieren

und damit die Forschung und Reflexion
über das soziale Zusammenleben von Menschen zu sichern und

Aussagen über die Situation und den Fortbestand der Gesellschaft möglich zu machen.
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++Erziehung, Bildung, Sozialisation
als Grundbegriffe der Bildungswissenschaft
Was meint Pädagogik ?
-Pädagogik, Erziehungswissenschaft und Bildungswissenschaft beschäftigen sich
mit der gesamten Lebenszeit des Menschen

-ist ein komplexes, vielschichtiges und
in sich ausdifferenziertes Feld

-ist unterteilt in mehrere Teildisziplinen,
die sich jeweils mit spezifischen Fragen beschäftigen, z.B.:

1.allgemeinePädagogik/Erziehungswissenschaften,
2.empirischeBildungsforschung,
3.Sozialpädagogik,
4.Sonderpädagogik,
5.Freizeitpädagogik,
6.Medienpädagogik,
7.Erwachsenenbildung/ Weiterbildung,
8.Schulpädagogik usw.

588
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Was versteht man unter Erziehung (kurze Sachaufgabe)
- das interpersonale Verhältnis Erzieher und Zögling und
die gemeinschaftliche bzw. gesellschaftliche Institutionalisierung

- Erziehung ist Teil der Sozialisation

- Erziehung ist in seinem jeweiligen Verhältnis i. d. R. zeitlich begrenzt (Familie, Kindergarten, Schule, Hochschule, Ausbildung, Weiterbildung)

- Erziehung ist absichtsvolles zwischenmenschliches Handeln, bei dem bewusst bestimmte positive Ziele verfolgt werden (intentional)
589
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intentionale Erziehung
absichtsvolles Tun

=> versuch planmäßiger absichtsvoller Einwirkung

hier geht es um den Zweck und die gewählten Mittel -
die tatsächliche Wirkung ist untergeordnet
590
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funktionale Erziehung
nicht intendierte Einflüsse (Gesellschaft, Medien Freunde...)

hier geht es um die Ursache-Wirkungs- Relation

Was ist mit Folgen die durch Planung abwendbar wären?

aber auch beim Beispiel von KAFKA

erzieherische machtvolle Einwirkungen treffen und prägen den heranwachsenden, ABER das Lebendige im zu Erziehenden verhindert die Planbarkeit:

der vom Erzieher gemachte Plan muss nicht aufgehen

(EMPATHIE : verhindert starre Haltung, fördert flexible Aktion und Reaktion)
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Erziehung für
Integration in die Gesellschaft

als Ausgleich von Defiziten

Stabilität von Welt, Kultur, Gesellschaft (vgl. Arendt: durch Erziehung, als permanente Erneuerung der Welt, kann diese Fortbestehen....

Reproduktion von Gesellschaft und Machtstrukturen: Erziehung zur Akzeptanz der bestehenden Verhältnisse....

Selbständigkeit (wie kultiviert man Freiheit bei dem Zwang?)

Grenzen und Regeln: Grenzen zeigen, regeln lernen, Unterordnung lehren, Agent bestehender STrukturen sein (Kant...)

Förderung der kritischen Selbstreflexion und Autonomie

Vernunft und Mündigkeit: Ausschwitz darf sich nicht wiederholen (Adorno)...
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Geschichte der Pädagogik
9 pkt
-reicht zurück bis in die Antike;
war Gegenstand theoretisch-philosophischer Reflexionen

-1779 ,Zeitalter der Aufklärung:
Gründung der Disziplin Pädagogik als Universitätsfach in Halle

-Bedeutungssteigerung der Pädagogik
durch Entwicklung und Ausbau des Schulwesens


-Versuch, Pädagogik als eigenständige Wissenschaft zu begründen,
Erscheinen zentraler pädagogischer Werke,
z.B.   
1806: HERBART "allgemeine Pädagogik"
-erste Systematisierung des Erziehungsgedankens;
1813/14 SCHLEIERMACHER "pädagogische Vorlesungen";
1888 DILTHEY "Möglichkeiten einer allgemeingültigen pädagogischen Wissenschaft"

-bis 1933 Lehrerbildung an Universitäten

-Machtergreifung Nationalsozialisten.
79 Professuren.
26 Professoren (jüdischen Hintergrunde) entlassen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg :38 Professoren im Amt.

-seit 1960er Jahren Etablierung von Pädagogik als Einzeldisziplin mit gleichrangigem Hauptfach an deutschen Universitäten

-1984:
1000 Professorinnen und Professoren.
im Fach Pädagogik/ Erziehungswissenschaft. 

-heute sechststärkstes Fach an deutschen Universitäten

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2 wissenschaftstheoretische methodische Richtungen
(1. Pädagogik/2. Erziehungswissenschaft)
1. theoretisch- philosophische Grundlagenforschung

= kritisch- analytische,
hermeneutische Reflexionen
pädagogischer Gegenstandsbereiche;

phänomenologisch (geistig-intuitiv)


2. empirisch- erziehungswissenschaftlich

= Beobachtung pädagogischer Prozesse
mit empirischen Methoden,

kausal- analytische Erklärungen
pädagogischer Zusammenhänge

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zentrale Merkmale einer Wissenschaft
7 pkt

1. Suche nach der Wahrheit;
Deutungsweise von Mensch und Welt
durch allgemeingültige Aussagen und Theorien Phänomene für den Menschen verstehbar machen

2. Verwendung eigener, spezifischer Sprachformen

3. Sinn- und Ordnungsstiftung
durch Verstehen und Erklären
von Phänomenen und Zusammenhängen

4. Entwicklung von Paradigmen
(maßstabsetzende Muster),
die intersubjektiv begründet sein müssen

5. Prozesscharakter:
ist nicht endgültig,
sondern offen für neue Erkenntnisse oder Paradigmenwechsel;
US-amerikanischen Wissenschaftstheoretikers
Thomas S. Kuhn (1922 – 1996):
Erklärung für das Verständnis von Wissenschaften, Legitimation wissenschaftlichen Wissens
„The strukture of Scientific Revolutions (1962):
wissenschaftliche Fortschrittserzählungen im Sinne einer fortschreitenden Ergänzung von Wissen werden  fragwürdig

6. Abhängigkeit von soziokulturellen Faktoren
(Geltungskriterien, Machtpraktiken)

7. methodische Arbeitsweise
( z. B. hermeneutisch- kritisch oder empirisch)

595
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Merkmale von Theorien
4 pkt
1. sind schöpferische Leistungen/konstruktiv

2. sind der Kern der Wissenschaft begründen wissenschaftliches Wissen

3. stiften Sinn, deuten und erkennen Zusammenhänge

4. erlauben eine kritische, distanzierte und reflektierte Sicht

memo:
1: Schöpfkelle
2: Kern
3: Stifte
4: Fernrohr
596
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0
Wissen
3 pkt
- unterscheidet sich von "meinen" und "glauben"

- muss intersubjektiv begründet sein

- belegbare, begründete Sätze und Urteile;
objektive Gewissheit

wir stellen den Anspruch, dass Jedermann es so sieht....
597
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0
bildungswissenschaftliche Wissensformen
3 pkt
1. Alltagswissen

2. Professionswissen

3. wissenschaftliches Wissen

598
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0
Meinen
unsicher, wir erwarten nicht, dass andere Zustimmen
599
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0
Glauben
ich bin subjektiv überzeugt, aber kann nicht den Anspruch stellen, dass jedermann diesen Anspruch teilt. Ich kann es nicht belegen.
600
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0
1. Alltagswissen
3 pkt

- das, was jeder in irgendeiner Weise
über Erziehung und Bildung weiß

- ist nicht reflektiert,
sondern durch eigene Sozialisation (Familie, Freunde, Medien) begründet

-tradierte Erziehungspraktiken,
Lösungen in Alltagssituationen


- soll lediglich Probleme im Alltag lösen

- kann in sich widersprüchlich sein
601
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2. Professionswissen
2 pkt

- wird über professionelle Ausbildung
im pädagogischen Bereich
erworben

-wird im Berufsalltag
durch Erfahrung und Reflexionsgespräche ausgebaut


- die Probleme, die im Berufsalltag entstehen, werden mit dem angeeigneten wissenschaftlichen Wissen gelöst.
602
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3. wissenschaftliches Wissen
3 pkt
- ist die Voraussetzung von Professionswissen

- wird durch die Beschäftigung mit der
Wissenschaft von Bildung erworben

- bietet durch kritisch- analytische Theorien
die Möglichkeit einer distanzierten und reflektierten Sicht auf die Praxis


ermöglicht eine Weiterentwicklung
603
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Merkmale „Begriffe“
2 pkt

- binden unterschiedliche Phänomene
durch Abstraktion möglichst präzise zusammen

- sind deutlich unterscheidbar von anderen Begriffen


- Teil einer Ordnung, die seine Bestimmung und Abgrenzung erst erlaubt
604
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Merkmale „Grundbegriffe“
4 pkt

- sind zentrale ordnungs- und sinnstiftende Kategorien
der Theoriebildung

- bilden den Grund,
von dem ausgegangen wird

- schaffen durch ihre Unabschließbarkeit
offene Frage- und Problemstellungen

- bieten eine wissenschaftliche Verständigungsbasis,
die wissenschaftliche Reflexionen ermöglicht

605
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Definition „Erziehung“ aus wikipedia:

Die von Erziehungsnormen geleitete Einübung

von Kindern und Jugendlichen

in diejenigen körperlichen, emotionalen, charakterlichen, sozialen, intelektuellen und lebenspraktischen Kompetenzen,

die in einer gegebenen Kultur bei allen Menschen vorausgesetzt werden.

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Erziehung:
5 pkt
1. findet vor allem in der Familie und durch Institutionen statt

2. ist eine gesellschaftliche Selbstverständlichkeit
und gilt als unverzichtbar

3. hat seit jeher
eine große Bedeutung für den Menschen,
seine Kultur und die Gesellschaft


4. Maßstab: gelungene Integration in Gesellschaft und Kultur

5. enthält ein Paradoxon:
Grenzen aufzeigen,
Regeln einüben,
Unterordnung lehren und
disziplinieren bei
gleichzeitiger Förderung
der Autonomie, Mündigkeit und Individualität
(nach KANT: „Wie ist es möglich, die Freiheit bei dem Zwange zu kultivieren?“)
607
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Entstehung des Begriffs Erziehung
>6<

1. ist aus der jüdisch- christlichen Tradition abgeleitet,
aus dem hebräischen „musar“
(Zucht, Disziplin,
uneingeschränkter Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes)

2. bei der Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische tritt an die Stelle des Wortes „musar“ das griechische „paideia“(freie Selbstentfaltung, Vervollkommnung)

3. beide Begriffe sind eigentlich unvereinbar,
dennoch sind beide im Erziehungsbegriff enthalten

4. „Erziehung als Vervollkommnung durch Zucht“

5. der Begriff ist metaphorisch:
führt die Semantik der Zucht von Beginn an mit sich

6. es gilt, den Anspruch eines reflektierten Umgangs mit dem Paradoxon zu wahren und
die Machtstrukturen der Erziehung offenzulegen

608
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Anthropologische und metaphorische Entwürfe>7<
1. jeder Mensch hat eigene Vorstellungen/ Bilder von Erziehung

2. diese sind aufgrund soziokultureller Erfahrungen unreflektiert geprägt und sehr vielfältig

3. diese „impliziten Anthropologeme (zumeist unreflektierte – herrschende Vorstellungen vom
Menschen)“
bestimmen das erzieherische Denken und Handeln

4. sie entstehen
im Kontext von anthropologischen Fiktionen
vom Menschen, von Gesellschaft, Welt und Kultur

5. sie sind an historische Vorstellungen und
alltägliche Erfahrungswelt gebunden

6. historisch gesehen bietet sich ein breites Spektrum mit teils entgegengesetzten Bildern
Beispiele:
ROUSSEAU ( Mensch – Natur = gut / Zivilisation = Verderben)
PESTALOZZI (Mensch – Natur = schlecht / Disziplin = gut)
HERDER (Mensch – Vernunft – Humanität = gut)

7. je nach herrschendem Menschenbild und „Zeitgeist“ ist mal mehr, mal weniger Erziehung bzw. Zucht gefordert

609
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Erziehungsmetaphoriken, allg.
2 pkt

-Metaphern und Bilder von Erziehung beschreiben
Praktiken und Ansprüche der Erziehenden
in anschaulicher Weise

-es sind normative Erziehungsvorstellungen,
die Erziehungsstile und Erziehungsmethoden legitimieren sollen


610
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Erziehungsmetaphoriken,
Bsp:
7 pkt
Beispiele:
1.“Gärtner“(Wachsenlassen)
>Kultivierung der menschl.Natur
>Erz. sorgt für „gesundes"Wachstum

2.“Hirte“ (Führen)
>Erz.führt in die „richtige“ Richtung

3.“Belehrender“ (Prägen und Füllen)
>der Zögling als leeres Gefäß,das gefüllt werden muss

4.“Schöpfer“
(Schöpfung und Zeugung)      
>Erz.“erschafft“einen neuen, besseren Menschen
>Herausziehen der Wahrheit (Mäeutik)

5.“Aufklärer“ (Licht und Erweckung)
>Erz.“erleuchtet“ den Zögling>Hinwendung zum Wahren, Reinen, Erkenntnis

6.“Disziplinierender“ (Zähmen und Disziplinieren)>Kultivierung der menschl.Natur

7.“Schiedsrichter“
(Spiel und Regeln)
>Vermittlung gesellschaftlicher Regeln
>Spiel-und Freiräume zur Entfaltung
611
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1.“Gärtner“(Wachsenlassen)
2 pkt und 7 pkt
>Kultivierung der menschl. Natur

>Erz. sorgt für „gesundes"Wachstum

-suggeriert: freies Entfalten, nicht möglich:
effektive erzieherische Machtpraktik:
die Suggestion freier Entscheidung und ungestörter
Entwicklung als Form pädagogischer Führung.

-aus dem Bildfeld der Kultivierung der Natur.

-Seele des Menschen wird bearbeitet (cultura animi),
um die an sich „gute Natur“ des Menschen ihrer Vervollkommnung
zuführen zu können.

-Erzieher: Gärtners sorgt für:
Pflanze / „Zögling“  mit Blick auch auf
die zu erwartenden Früchte

-in jedem Menschen ein guter Kern
Schädlinge fernzuhalten

-um die Natur zunehmend zu „verbessern“,
so der implizite Zuchtgedanke,

-evtl. Strafen zum Wohle der Kultivierung

-Neurobiologie und Genforschung:
Eingriffs in die menschliche Natur und
den Organismus als „Verbesserung“ des Menschen
612
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2.“Hirte“(Führen)
1 pkt
>Erz.führt in die „richtige“ Richtung


Theodor Litt (1880 – 1962): „Führen oder Wachsenlassen“:

Hinweis auf Relevanz, Komplementarität und Spannung dieser Metaphern .



613
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3.“Belehrender“ (Prägen und Füllen)
1 pkt
>der Zögling als leeres Gefäß,
das gefüllt werden muss

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4.“Schöpfer“
(Schöpfung und Zeugung)      
2 pkt
>Erz.“erschafft“einen neuen, besseren Menschen

>Herausziehen der Wahrheit (Mäeutik)

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5.“Aufklärer“ (Licht und Erweckung)
2 pkt
>Erz.“erleuchtet“ den Zögling

>Hinwendung zum Wahren, Reinen, Erkenntnis

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6.“Disziplinierender“ (Zähmen und Disziplinieren)
1 pkt
>Kultivierung der menschl.Natur
617
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7.“Schiedsrichter“
(Spiel und Regeln)
2 pkt
>Vermittlung gesellschaftlicher Regeln

>Spiel-und Freiräume zur Entfaltung

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Bestimmungen des Erziehungsbegriffs
>7<

1. der Erziehungsbegriff ist vielfältig, komplex und auch gegensätzlich

2. Erziehung kann aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und definiert werden

3. steht immer im Spannungsfeld
von Freiheit und Zwang,
von Selbst- und Fremdbestimmung

4. beinhaltet Differenzierungen
( wer erzieht wo wen womit(wie) wozu?)
durch verschiedene Erziehungstheorien, z.B.

a) intentionale (absichtsvolles Tun) Erziehung und
funktionale (nicht intendierte Einflüsse durch Gesellschaft, Freunde, Medien) Erziehung
oder

b) Absicht (Zweck- Mittel- Relation) und
Wirkung ( Ursache- Wirkungs- Relation), also:
ist Erziehung das, was der Erziehende beabsichtigt
oder das, was er bewirkt ?

5. es gibt nicht die eine perfekte und
allgemeingültige Erziehung als „Rezept“

6. Erziehung ist immer ein Zusammenspiel von Erzieher und Zögling- beider Persönlichkeiten und deren Verhältnis zueinander beeinflussen den Erziehungsprozess (Interdependenz)

7. Erziehung muss kontinuierlich reflektiert werden
> kritische erziehungstheoretische Reflexion auf Ziele, Praktiken und Machtstrukturen
619
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Welche beiden Dimensionen bezeichnet der Begriff Erziehung und wie lässt er sich definieren?

Dimensionen:
- interpersonales Verhältnis
- gemeinschaftliche bzw. gesellschaftliche Institutionalisierung

Definition Erziehung .
..
+ ist absichtvolles, zwischenmenschliches Handeln
+ bei dem bewusst bestimmte Ziele verfolgt werden
+ ist Teil der Sozialisation
+ zeitlich begrenzt
+ ist eine historische Erscheinung (von Aushandlungsergebnissen der beteiligten Partner abhängig)
620
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Der Grundbegriff Sozialisation


-hat keine begriffsgeschichtlichen Wurzeln
oder metaphorische Struktur

-wird erst seit 1896 im wissenschaftlichen Kontext erwähnt

nimmt keine Erfahrungen in den Blick, sondern rekonstruiert eher Erfahrungen am äußerlichen Verhalten der Menschen
621
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3.Kritische Rollentheorie (HABERMAS)

Schwerpunkt:
Entwicklung von Rollenkompetenzen und
einer starken Ich- Identität (Individuum ist aktiver)

Ich- Identität als Balance
zwischen der sozialen und der persönlichen Identität und
als kommunikative Kompetenz (sich selbst treu bleiben? Trotz Sozialisierung?)

Aktive und kritische Gestaltung des Umgangs mit Rollenerwartungen (Möglichkeiten und Freiheiten des Individuums)

Kritik an der klassischen Rollentheorie;

Thematisierung von Nonkonformität,
Veränderung etablierter Rollenerwartungen

Balance von Rollenambiguitäten (ambiguität- doppelbedeutung???) („kontrollierte Selbstdarstellung“)

und eingeschränkter Bedürfnisbefriedigung („Frustrationstoleranz“)

FÜR DEN BILDUNGSBEGRIFF :

Bedingungen von Zeit und Ort, sowie Zustände der sozialen Umwelt werden bildungswissenschaftlich relevant.

KRITISCH: Sozialisationsprozesse sollen auf Dauer in eigener gedanklicher Anstrengung durchschaut werden, um Ihnen nicht widerstandslos ausgesetzt zu sein
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Sind die Erzählungen Sozialisierungsprozesse?
Bei Sozialisation handelt es sich um Einflüsse, die Kultur, Sprache und Umwelt auf die Persönlichkeit des Einzelnen haben, ihn in seiner Eigenheit und seinem sozialen Wesen prägen. Die drei „Erzählungen“ visualisieren mögliche Einflüsse, die das Umfeld auf den Menschen haben kann. Bernhard hat den Einfluss der ihn umgebenden Stadt als zermürbend oder sogar zerstörend beschrieben – möglicherweise wäre seiner Persönlichkeit eine andere Stadt oder sogar das Landleben besser bekommen (und möglicherweise hat er deswegen auch das Stück "Die Ursache" - für einen schlechten Start? - genannt). In „Kaspar“ macht Handke den großen Einfluss von Sprache auf den Sozialisationsprozess deutlich – erst durch Sprache bekommt das Individuum Kontakt zu seinem Umfeld und wird dadurch zur Schnittstelle zur Gesellschaft. Das Stück ist auch aktuell – sichtbar in der Diskussion um Migranten, von denen als erster Schritt zur Integration in die hiesige Gesellschaftsstruktur gefordert wird, dass sie die deutsche Sprache beherrschen. Die letzte „Erzählung“ – das Interview – zeigt auf, welchen Einfluss die Lebensläufe des Umfelds auf die Entwicklung und den Sozialisationsprozess haben. Der Jugendliche scheint aus einem „Arbeitermilieu“ zu stammen, ihm ist wichtig, den Hauptschulabschluss zu schaffen und einen der darauf basierenden Berufe zu ergreifen. Eine weitergehende schulische Bildung bis hin zum Studium wird überhaupt nicht thematisiert. Auch hier lässt lediglich das äußerliche Verhalten auf einen gewissen Umfeldstatus schließen.
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Spezifika des Sozialisationsbegriffes
    Beobachtung der Phänomene aus der Sicht der Gesellschaft und des Spannungsfeld zwischen Mensch und Umwelt.
  
Beobachtung des sichtbaren Handelns des Menschen innerhalb einer Gesellschaft ohne auf die Absicht zu schauen. Dieses

Verhalten kann empirisch untersucht werden.
    lebenslanger Prozess
   
Zivilisierung des Einzelnen durch die Gesellschaft und in Wechselwirkung mit der  Umwelt


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Sozialisation in der Spannung zwischen aktiv und passiv
der Sozialisationsbegriff befasst sich - im Gegensatz zum Erziehungsbegriff - nicht mit der Frage, ob das Verhalten des Menschen von Freiheit und Mündigkeit bestimmt ist, sondern lenkt die Aufmerksamkeit auf den Einfluss von gesellschaftlichen Faktoren. Dabei kann der Eindruck entstehen, dass der Mensch gänzlich fremdbestimmt ist und sich ausschließlich passiv verhält. Dies ist aber nicht der Fall, denn auch unter sozialisationstheoretischen Aspekten wird deutlich, dass der Mensch aktiv ist; Sozialisation ist nur durch das Mitwirken des Individuums möglich.
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Unterschied "Verhalten" und "Handeln"
Die Differenz zwischen Verhalten und Handeln ist für die Bildungswissenschaft insofern relevant, da sie für unterschiedliche methodische Ansätze steht.

Mit dem Begriff des Verhaltens wird die Position eines außenstehenden Beobachters eingenommen. Diese ermöglicht es beispielsweise Ursache-Wirkungszusammenhänge zwischen der Ebene der gesellschaftlichen Strukturen und dem Verhalten der individuellen Akteurs zu klären, also im Sinne Durkheims soziale Tatsachen zu beschreiben. Dies ist der Ansatz der an den Naturwissenschaften orientierten empirischen Sozial- und Erziehungswissenschaft.

Wie im Rollenkonzept des symbolischen Interaktionismus kann das soziale Verhalten des Menschen auch als ein Handeln beschrieben werden, das in einem sozialen Sinnzusammenhang stattfindet. Das heißt, auch als gesellschaftlicher Akteur verbindet der Mensch sein Tun mit einem subjektiven Sinn. Er 'handelt' also, wie Weber sagen würde.
Die Rekonstruktion dieses subjektiven Sinns, das dem Handeln des Menschen zugrunde liegt, steht im Zentrum der verstehenden Sozialwissenschaft oder des hermeneutischen Ansatzes der Erziehungswissenschaft.
Die Verwendung eines der beiden Begriffe impliziert also die Einnahme einer bestimmten Perspektive auf einen sozialwissenschaftichen oder bildungswissenschaftlichen Gegenstand.
Dabei kann, je nach Fragestellung die Wahl des einen oder anderen Begriffs sinnvoller sein.
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Sozialisation stabilisiert und reproduziert Gesellschaft
wie Sie in Ihren Beiträgen richtig hervorheben, kommt den Sozialisationsinstanzen eine wichtige Rolle beim Erwerb sozialer Rollen zu, die entscheidend zur Reproduktion des gesellschaftlichen System beitragen. Dieser Prozess vollzieht sich, wie Frau Müller beschreibt, als Interaktion zwischen Individuum und sozialer Umwelt.

Stellt man sich die Gesellschaft als Haus vor, das auf einem Fundament steht, so besteht dieses Fundament aus verschiedenen Materialien, die jede für sich eine eigene Aufgabe und Zusammensetzung haben, aber nur im Zusammenspiel für einen festen Stand sorgen. Im Verlauf der Historie hat sich die Zusammensetzung des Materials verändert und wurde an die aktuellen Gegebenheiten angepasst, neue Erkenntnisse sorgen für eine stete Verbesserung. Sind Menschen das Material, aus dem das Fundament besteht, so haben sie jeder für sich eine gesellschaftliche Rolle, die im Zusammenspiel mit seiner Umwelt erst das feste Fundament für die Gesellschaft bildet. Die Eigenarten jedes Individuums und die Erkenntnisse sorgen immer wieder dafür, dass die Gesellschaft stabil bleibt und sich selbst bei aller Veränderung und Adaption immer wieder reproduziert. Der Prozess der Sozialisation macht die Notwendigkeit von Rollen deutlich und sorgt für ihre Besetzungen.

Hier ordne ich die Kritik an Parsons ein, der in einer sich verändernden Umwelt und einem sich verändernden Bewusstsein die Rollen immer gleich besetzen will, also hier: Material und Verarbeitung nicht anpasst. Das wird über kurz oder lang zum Einsturz des Hauses führen – Revolution oder Aufstand, wie wir es derzeit in einigen Ländern erleben.
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Sozialisation zu Bildung und Erziehung

    Erziehungsbegriff: wird als zeitlich abgeschlossen betrachtet
    Sozialisationsbegriff: wird als lebenslanger Prozess, über die Lebensphasen gedacht

    Erziehungsbegriff: sieht im Rahmen der Zivilisierung das „sozial machen“ als erzieherisch steuerbar, also intentional (dahinter stehen eine bestimmte Absicht und Wirkung)- Kant
    Sozialisationsbegriff: geschieht überwiegend ungeplant und unbeabsichtigt, geht es um „ individuelle sozial werden“, als funktionaler Akt, unterstellt Eigenleistung
 
  Erziehungsprozess: Verhältnis zwischen Erzieher und Zögling
    Sozialisationsprozess: Verhältnis Individuum und Gesellschaft,kann nur durch Interaktion von Individuum mit der Gesellschaft, niemals gesellschaftsfrei gedacht werden

    Erziehungsbegriff: verweist auf das Problemvon Freiheitund Zwangim Hinblick auf eine anzubahnende Mündigkeit
    Sozialisationsbegriff: stellt die Frage nach Freiheit und Mündigkeit gar nicht, sondern fokussiert das menschliche Verhalten und die Frage der gesellschaftlichen Determination des Individuums und der gesellschaftlichen Reproduktion
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Ansatz und Bedeutung der Rollentheorie
Rollen kennzeichnen gesellschaftliche Erwartungshaltungen, in der Differenz zwischen Muss-, Soll- und Kann-Erwartungen. Der Einzelne wird in der Gesellschaft mit diesen verschiedenen Erwartungen konfrontiert und muss sich damit auseinandersetzen.

Es wird unterschieden zwischen der strukturell-funktionalen Theorie und dem Rollenkonzept des Symbolischen Interaktionismus.

Das Konzept der strukturell-funktionalen Theorie kennzeichnet die Erlernung von Rollen des Einzelnen gemäß der Erwartungen des gesellschaftlichen Umfeldes an ihn. Somit wird dieser Teil des gesamtgesellschaftlichen Systems.

Das Rollenkonzept des Symbolischen Interaktionismus sieht den Gestaltungsspielraum des Einzelnen innerhalb der Wechselwirkung mit dem gesellschaftlichen Umfeld. Die Rolle ist also nicht festgelegt sondern flexibel gestaltbar, dies geschieht im Gestaltungsraum der Sprache. Normen und Regeln werden unter Einbeziehung eigener Bedürfnisse und Erwartungen im wechselseitigen Kontakt zwischen dem Individuum und der Gesellschaft entwickelt.

Die Kritische Rollentheorie beschäftigt sich mit der nach Ansicht Habermas´ nicht ausreichenden Berücksichtigung der individuellen Sozialisationsprozesse und Veränderungsmöglichkeiten. Er betont die Wichtigkeit von einer Balance der sozialen Identität und der persönlichen Identität.
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gesellschaftlicher Einfluß bei der Identitätsentwicklung
Dadurch, dass der Mensch von Anfang an in Wechselwirkung mit seiner Umwelt, also auch mit der Gesellschaft ist, wird die Persönlichkeitsentwicklung automatisch vom gesellschaftlichen Einfluss geprägt. Ohne andere Menschen könnte sich der Mensch nicht komplett in seiner Persönlichkeit entwickeln, da er erst durch Kontakt mit anderen Menschen sozialisiert wird. Mit dem Kontakt zu anderen Menschen entsteht automatisch ein Rollenverhältnis und somit ein Soziales System, d.h. eine eigene Gesellschaftsgruppe.

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Symbolischer Interaktionismus nach Mead und Goffman
Schwerpunkt: Individualität und soziale Interaktion


Wechselseitiges interpretatives Antizipieren der Sichtweise des Anderen (Perspektivübernahme/role-taking)

Rollen werden gestaltet ( role-making“)

Grundlage:
gemeinsame Lebensform,
gemeinsame signifikante Symbole und Sprache

Wechselwirkung von „I“ und „me“
(I = individuelle psychische Komponente, persönliche Identität;
me = Konglomerat der sozialen
Erwartungen der Anderen, die individuell antizipiert wurden)

Bildung des „self“
(als soziale Identität, die beide Komponenten vereint)
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1.Rollenkonzept der strukturell- funktionalen Theorie (PARSONS)
Jedem sozialen Status, jeder Position wird ein spezifisches Rollenverhalten zugedacht

Rollen sind funktionale Elemente im sozialen System

jede Rolle beinhaltet spezifische Werte und Normen

diese werden über Sozialisationsprozesse internalisiert (Verinnerlichung gesellschaftlicher Werte) und reproduziert

dient zur Stabilisierung und Reproduktion bestehender sozialer Verhältnisse

Es geht um den Erhalt des sozialen Systems, aber auch um den Eingliederungsprozess des Einzelnen.
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Rollentheoretische Ansätze für Sozialisation
Rollentheoretische Ansätze


Rollen sind gesellschaftliche Erwartungshaltungen,
die an das Verhalten der Träger von Positionen gestellt werden

Diese sind unterteilt in Muss-, Soll- und Kann- Erwartungen
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Instanzen von Sozialisation nach Hurrelmann

Primäre Soz.instanzen=
Familie,
Verwandtschaft,
Freunde

Sekundäre  Soz.instanzen=
Kindergärten,
Schulen,
Ausbildungseinrichtungen, 
Peergroups,
Medien

Tertiäre Soz.instanzen=
kulturelle Institutionen,
Behörden,
Betriebe,
Polizei,
Vereine,
Gleichaltrige,
Kirchen,
Medien

Die Sozialisationsinstanzen
vermitteln Normen,
Regeln und rollenkonformes Verhalten und
entwickeln Mechanismen ihrer Einhaltung.
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3 Phasen der Sozialisation

HURRELMANN

Es gibt primäre, sekundäre und tertiäre Sozialisationsphasen und –instanzen.

Primäre Soz.phase=
zentrale Grundlegung von Mustern soz. Verhaltens
in der           frühen Kindheit

Primäre Soz.Instanz = Familie, Verwandtschaft, Freunde

Sekundäre Soz.phase=
Kindheit und Jugend;
Vermittlung von Verhaltenserwartungen,
Einüben von Rollen und Interaktionen;
Sprache als Symbolsystem

Sekündäre Soz.instanz= Schule,Peergroup, medien, VHS; KITAS, Uni

Tertiäre Soz.phase=
Erwachsenenalter;
Berufsleben, Ausbildung, Studium usw.

Tertiäre Sozi.instanz=
Theater, Kino, Behörden Polizei,Vereine, Kirchen, Wohnumgebung...
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Soziale Rollen
sind Bündel von Erwartungshaltungen, die sich in einer Gegebenen gesellschaft an das Verhalten der träger von Positionen knüpfen...

(Muß, Soll und Kann-Erwartungen)
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Soziale Positionen
ist der Ort (vgl. Dahrendorf) im Feld sozialer Beziehungen
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Gesellschaftsfreier Standort - fiktiv
Als soziales Wesen können wir diesen nicht einnehmen => auch die Gesamtgesellschaft, die untersucht wird, ist bereits eine aus der Sicht dessen, der sie untersucht...
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Phasen der Sozialisation nach Tillmann
4 analytische Ebenen des Sozialisationsprozesses nach TILLMANN, die in Wechselwirkung zueinander stehen:


(4) Gesamtgesellschaft (was Gesellschaft ist, ist jeweils ein erfahrungsgesättigter Entwurf des Einzelnen)
Ökonomische, soziale, politische, kulturelle Struktur

(3) Institutionen
Betriebe, Massenmedien, Schulen, Universitäten, Militär, Kirchen

(2) Interaktionen und            
     Tätigkeiten
Eltern- Kind- Beziehungen, schulischer Unterricht, Kommunikation zwischen Gleichaltrigen, Freunden, Verwandten

(1) Subjekt                           
Erfahrungsmuster, Einstellungen, Wissen, emotionale Strukturen, kognitive Fähigkeiten
639
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Bestimmungen von Sozialisation

1. eine Persönlichkeit kann nicht pädagogisch hergestellt werden

2. die Entwicklung wird sowohl
von sozialen als auch
von biologischen Faktoren beeinflusst
(keine Übermacht einer Seite)

3. entscheidend sind konkrete Lebensbedingungen

4. Sozialisation hat sowohl passive als auch interaktive Strukturen

nach Geulen: ist Sozialisation die Entstehung und Bildung der Persönlichkeit aufgrund ihrer Interaktion mit einer spezifischen materiellen, kulturellen und sozialen Umwelt.

Die Bildung erfolgt im sozialen Raum und kann nicht gesellschaftsfrei gedacht werden.
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Sozialisation im "Milieu" meint
eine soziale symbolische Struktur in der Menschen aufwachsen, in die sie hineinwachsen und mit der bestimmte Lebensstile verbunden sind.

Regel- und Normensysteme sind enthalten...
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Fragen der Sozialisation
a. Legitimation der sozialen Reproduktion und deren Kritik
=> harmoischen Verhältnis von Individuum und Gesellschaft oder ein konfligierendes....

b. Determination des Menschen oder die Betonung seiner vernünftigen Beteiligung an den Sozialisationsprozessen
=>Persönlichkeitsentwicklung und Sozialisationsbedingungen rücken gleichermaßen in den Blickwinkel.

c. nach dem Einfluß von Anlage und Umwelt
=> vgl. Hurrelmann: die genetische Ausstattung des Menschen stellt einen Möglichkeitsraum dar, aus dem einzelne Elemente aktiviert werden können.
642
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Max Weber: Soziales handeln
Soziales Handeln meint, dieses handeln wird auf das Verhalten anderer bezogen und es orientiert sich daran in seinem Ablauf.

Handeln meint ein menschliches Verhalten, wenn der Handelnde damit einen subjektiven Sinn verbindet.
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3.lebenslanger Prozess

Sozialisation ist ein lebenslanger Prozess,

der in einer historisch- kulturell vermittelten Lebenswelt stattfindet

Biografie und Lebensverläufe versuchen Kontinuitäten und Diskontinuitäten zu erfassen (dabei geht es um LebensPHASEN)
644
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2.sichtbares Verhalten
Betrachtung sichtbaren menschlichen Verhaltens
(keine intendierten Handlungen!) und

kann empirisch untersucht werden, da sichtbar

gesellschaftlicher Reproduktionsmechanismen dieses Verhaltens

Aufstellen objektivierbarer Gesetze über soziale Beziehungen

Klärung von Ursache- Wirkungszusammenhängen
645
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0
1. Sicht der Gesellschaft

Untersuchung der Phänomene unter der Perspektive und
aus der Sicht der Gesellschaft

Thematisierung der Entwicklung des Einzelnen
im Spannungsfeld von Mensch und Umwelt
646
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0
Merkmale des Sozialisationsbegriffs

1. Sicht der Gesellschaft

Untersuchung der Phänomene unter der Perspektive und aus der Sicht der Gesellschaft
Thematisierung der Entwicklung des Einzelnen im Spannungsfeld von Mensch und Umwelt

2.sichtbares Verhalten

Betrachtung sichtbaren menschlichen Verhaltens (keine intendierten Handlungen!) und gesellschaftlicher Reproduktionsmechanismen dieses Verhaltens
Aufstellen objektivierbarer Gesetze über soziale Beziehungen
Klärung von Ursache- Wirkungszusammenhängen

3.lebenslanger Prozess

Sozialisation ist ein lebenslanger Prozess, der in einer historisch- kulturell vermittelten Lebenswelt stattfindet
647
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Der Begriff Sozialisation


das Phänomen „Sozialisation“ als Bestandteil pädagogischer Reflexion

z.B Kants frage wie der Mensch in die Gesellschaft passe (ABER: Zivilisierung bei Kant meint eine erzieherisch steuerbare, intentionale Zivilisierung)

Schon in der Antike: Einführung der Menschen in den „sensus communis“ als soziale Lebensform mit gemeinsam geteilten
Normen, Werte, Einstellungen, Geschmäcker, Haltungen, die erzieherisch übermittelt wurden.
648
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Sozialisationsbeispiele
Thomas Bernhard - die Stadt Salzburg sozialisiert

Peter Handke mit "Kaspar Hauser" - die Sprache sozialisiert (erdrückendes Herrschaftssystem der Sprache)

Interview Jugendlicher - Lebensverläufe als strukturierende Kräfte in der Sozialisation
649
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Unterschied zu Bildung

Bildung legt den Fokus auf den Menschen-

der Mensch
(nicht die Gesellschaft) als entscheidender Faktor für die Entwicklung seiner Persönlichkeit mit der Möglichkeit,
eigenständige Entscheidungen zu treffen
(also nicht absolut von der Gesellschaft determiniert zu sein),
650
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Unterschiede von Sozialisation zu Erziehung

1. Erziehung = abgeschlossener Prozess
Sozialisation = lebenslanger Prozess

2. Erziehung = intentionale Akte („Sozialmachung“)
Sozialisation = funktionale Akte („Sozialwerdung“)

3. Erziehung = Verhältnis Erzieher – Zögling
Sozialisation = Verhältnis Gesellschaft – Individuum
651
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Schwerpunkte der Sozialisation

die gesellschaftlichen Wirkungen auf das Individuum,

soziale Einflussfaktoren

soziales Verhalten des Einzelnen,
Anpassungsphänomene,
gesellschaftliche Strukturen

das Ausmaß gesellschaftlicher Determination und Reproduktion

Manko: der freiheitliche Anteil menschlichen Verhaltens wird unzureichend erfasst oder definiert
652
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Definition Sozialisation
ist die Entstehung und Bildung der Persönlichkeit - die Gesamtheit aller Lernprozesse

aufgrund ihrer Interaktion
mit einer spezifischen

materiellen,
kulturellen und
sozialen Umwelt.

Der Sozialisationsprozess läuft über verschiedene soziale Einbindungen ( Freunde, Familie ....)

markiert eine spezifische Perspektive auf das Leben und das menschliche Verhalten
653
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Wilhelm von Humboldt(1767-1833): Bildung als wahrer Zweck
Von HUMBOLDTs Denken ist geprägt
durch den Neuhumanismus
(Diskussionen um die Bestimmung des Menschen;
das Individuum und Bildung als Selbstzweck)

Bildung ist Arbeit des Menschen an seiner individuellen Bestimmung (Totalität)
muss unabhängig sein von staatlichen Nutzenkalkülen oder gesellschaftlicher Brauchbarkeit

Freiheit und Gleichheit:
jeder Mensch soll sich individuell und autonom entfalten können,
unabhängig von seinem
sozialen Stand oder
politischen Strukturen


Allgemeine Menschenbildung :
der Mensch muss sich in erster Linie zum Menschen bilden,
mit allgemeinen Kenntnissen und Fähigkeiten,
die es ihm ermöglichen,
seine inneren Kräfte und Potentiale zu entfalten und
ein eigenes, vollendetes Leben zu führen
der Mensch muss sein eigenes Verhältnis zur Welt finden
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Kreisgang bei Humboldt
die Welt sich zu Eigen machen und andersrum

Wobei ersteres der interaktive Teil bei Humboldt ist
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zentrale Bedingungen von Bildung
Selbstbestimmung und Freiheit

Bildung als Selbstzweck und nicht von außen erzwungen (nicht Mittel zum Zweck)

Lernen lernen

individuell

Bildung ist jedem zugänglich

Kräfte zu einem Ganzen bilden

Wechselwirkung (fremd -eigen)

Sprache als Grundlage und Beförderung der Wechselwirkung

Mitwirkung der Welt

Sozialität als Bedingung

Abgrenzung der allgemeinen von einer beruflichen Bildung
 
berufliche Bildung, wenn sie auf allgemeiner Bildung gründet

Staat und Politik müssen äußere Rahmenbedingungen für die Bildung des Menschen gewährleisten

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Trennung berufliche und allgemeine Bildung
Humboldt will : allgemeine Menschenbildung ab.

Alle Menschen, egal welchen Standes und welcher Herkunft soll diese Bildung möglich sein.

Eine berufliche Bildung steht dieser allg. Bildung seiner Meinung nach entgegen, da sie eine gleichmäßige Ausbildung aller Kräfte verhindert und den Menschen somit einschränkt.

Trotzdem ist diese Trennung eine nicht vollkommene und man solle diese beiden Ausrichtungen nicht gegen einander ausspielen: v. Humboldt hält eine berufliche Bildung, welche auf die allgemeine Bildung aufbaut, durchaus für sinnvoll.

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aktuell diskutiert Humboldt
Wilhelm von Humboldts Bedeutung von Bildung besitzt heute noch Aktualität. Noch heute sind Förderung der Selbstständigkeit, Verbindungen zu anderen Menschen, der Grundbildung wichtig für den Begriff Bildung.

Die drei Schulstufen: Elementarschule, Schulunterricht und Universitätsunterricht sind heute immer noch vorhanden.


Er sieht die Gleichheit aller Menschen und will jeden zur bestmöglichen Bildung führen. Dabei ist ihm bewusst, dass Einige bereits früh ins Berufsleben eintreten müssen. Für diese Menschen soll bereits der Elementarunterricht eine gute Basis bieten, um dennoch am gesellschaftlichen und politischen Leben teilzuhaben.

Durch die Unterrichtsinhalte in Elementar- und Schulunterricht soll die Gesamtheit der bildungsrelevanten Bereiche abgedeckt werden. Das Studium an den Universitäten soll in Freiheit und ohne Beschränkungen vonstatten gehen.

Dieses ist heutzutage aber nicht mehr ohne Weiteres möglich. Die Studieninhalte sind größtenteils streng vorgegeben und die Freiheit der Forschung zum Teil eingeschränkt. Es werden aktuell Zulassungsbeschränkungen ausgeweitet, um dem Ansturm der Studenten des Doppeljahrgangs auszuweichen.

Die Schüler, die die Schulen verlassen, haben oftmals nicht "das Lernen" gelernt und sind nicht auf das Leben vorbereitet.
Sowohl an den Schulen als auch an den Universitäten stehen heute oftmals Evaluierungen (PISA) und eine betriebswirtschaftliche Ausrichtung dem Bildungsgedanken von Humboldts entgegen.
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Gestuftes Bildungswesen bei Humboldt
a) Elementarunterricht (Grundbildung)-

vergleichbar mit der heutigen Grundschule

Übung elementarer Kenntnisse, aber (der damaligen Zeit entsprechend) auch für diejenigen, die nach kurzer Zeit "ins Leben übergehen"

b) Schulunterricht (weiterführende Schule)

-5 Lernbereiche
(linguistisch,
historisch,
mathematisch,
ästhetisch- künstlerisch,
gymnastisch)

-Hinführen zum selbstständigen Lernen;
das Lernen lernen, der Lehrer hat sich in seinem Unterricht überflüssig zum machen

-auf dem Gymnasium Vorbereitung auf die Universität

c) Universitätsunterricht (Studium)

-gemeinsames Forschen

-wissenschaftliches Denken und Methoden

-zu Einsichten und Erkenntnissen gelangen

Bildung durch und zur Wissenschaft
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Bedeutung des Individuums für das Bildungsdenken bei Humboldt
Der Mensch als Individuum soll gebildet werden und nicht Zweck fremder gesellschaftlicher Organisation werden.

Dabei steht der Mensch immer in Wechselwirkung mit der Welt.

Wilhelm von Humboldt wollte, dass der Mensch seine Möglichkeiten in je individueller Weise vervollkommnen kann, der Mensch soll sich individuell entwickeln.

Dabei sollen die Stärken, aber genauso auch die Schwächen des Menschen durch Bildung gestärkt werden. Der Mensch kann nicht zur Bildung gezwungen werden. Er muss die Bildung selbst wollen. Der Mensch soll sich jederzeit bilden können, frei von gesellschaftlichen Strukturen und dem finanziellen Standes.

Der Mensch soll dabei seine Freiheit haben sich individuell entfalten zu können.

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Wechselwirkung Mensch/Welt erläutern
In Bildungprozessen findet eine Wechselwirkung zwischen Mensch und Welt statt.
Diese Wechselwirkung ermöglicht erst die Bildung des Menschen.

Die Wechselwirkung hat keinen Anfang und auch kein Ende

Die Welt und der Mensch sind am Fortgang des Bildungsprozesses beteiligt.
Jede Bewegung des einen, hat die Bewegung des anderen zur Folge. Z
ugleich ist die Wechselwirkung zwischen dem Mensch und der Welt die Wechselwirkung zwischen dem Eigenem und dem Fremden.
Nur in der Ausrichtung auf Welt und dem Sichfremdwerdens sind Bildungsprozesse möglich.
Sie ist aber auch die Wechselwirkung zwischen Empfänglichkeit und Selbsttätigkeit,
zwischen Rezeptivität (Wirkungen empfangen)und Spontanität.

Es geht als um die Mitwirkung der Welt an der Erkenntnis und der Ausprägung von Individualität.
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Bildung und Sprache: erkläre das Verhältnis
In der Wechselwirkung von Mensch und Welt hat die Sprache eine notwendige Bedeutung. Die Sprache hat bestimmte Aufgaben und Funktionen.

Die Sprache ist Grundlage und Beförderung der Wechselwirkung, denn nur so ist der Mensch in der Lage, über die Welt nachzudenken diese so zu erfassen und aufzunehmen. Über die Sprache sind Mensch und Welt miteinander verwoben. „Hier vereinigt sich einmal die Welt, die sie darstellt und der Mensch der sie schafft (Humboldt). Diese Verwobenheit wird durch die Sprache artikuliert und zum Ausdruck gebracht. Die Sprache ist Tätigkeit (Energeia), sie ist in Veränderung und Bewegung. Die Sprache ist die Vermittlung zwischen Mensch und Welt, den Menschen untereinander und um uns selbst zu reflektieren.

Dem Menschen ist die Sprach gegeben und prägt ihn je nach kulturell- gesellschaftlicher Situation. Mit jeder Sprache wird jede Sache quasi neu oder anders gedacht bzw. interpretiert. Humboldt spricht von einer „Wechselrede“, d.h. die Verbindung zu anderen Menschen. Hier geht es um die Sozialität als Bedingung menschlicher Bildungsprozesse. Bildung geschieht durch Geselligkeit, Streitigkeiten und Unterhaltungen, in solchen Situationen geschehen sog. Wechselgespräche. Durch solche werden Perspektiven gewechselt oder gar erweiter. Es geht nicht darum zu einer Übereinstimmung zu kommen. Durch die Sprache bildet sich der Mensch. Durch die Wechselwirkung von Mensch und Welt ist und bleibt die Bildung ein fortlaufender Prozess, denn der Mensch kann die Sprache niemals erfassen und darüber verfügen. Ein Verstehen ist eben auch ein nicht verstehen.

Als kleiner Nebensatz: Es gibt nicht nur verbale sondern auch nonverbale Sprache. Ich arbeite mit behinderten Menschen und merke immer wieder an mir selbst das man auch durch nonverbale Sprache bzw. Kommunikation vieles zum Ausdruck bringen kann und auch so, ohne viele Worte einiges erreichen kann.
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Diskutiere Notwendigkeit von Freiheit und Selbstbestimmung
jeder Mensch sollte die Möglichkeit einer elementaren Bildung und des Schulunterrichts gehabt haben.
Laut der Vorstellung von Humboldt wird in dieser Grundbildung mit der Lehre des Lesens, Schreibens und Rechnens die Teilnahme am öffentlichen Leben geebnet.Im Schulunterricht lernt der Mensch moralische und ethische Grundsätze kennen, sowie die der selbstständigen Arbeitsweise. Die Mündigkeit wird von Stufe zu Stufe gestärkt und die Individualität mehr und mehr gebildet. Dieser gebildete, mündige Mensch verfügt über die Fähigkeit , seine eigenen Ansichten zu vertreten und abzuwägen, was recht und was unrecht ist.
Dieser Aspekt lässt ihn über sich selbst bestimmen und frei von gesellschaftlichen Zwängen sein.
Die Individualität lässt den freien Menschen unbeeinflussbar von jener, machtergreifender Gesellschaft.


Sie haben in Ihren Antworten gut herausgearbeitet, dass vollkommene Selbstbestimmung in einer Gesellschaft kaum möglich ist. Der Schlüssel ist die Fähigkeit zur Reflexion, zum Hinterfragen der gesellschaftlichen Zwänge.
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Humboldts Organisation zeigt sein Bildungsverständnis
Wilhelm von Humboldts Bildungskonzeption zielt auf eine allgemeine Menschenbildung, eine allseitige Kräftebildung des Menschen und ist daher eher als „Lebenslehre“ aufzufassen. Das dreistufige (Elementarunterricht, Schulunterricht, Universitätsunterricht), aufeinander aufbauende Bildungswesen ist auf eine allgemeine, nicht fach- oder standesspezifische Bildung ausgerichtet. Die einzelnen Stufen werden von ihm zwar getrennt betrachtet, sind aber im Gedanken einer allgemeinen Bildung geeint.
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